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Anarchokapitalisten – die zahnlosen Taliban unter den Liberalen

PolitikAnarchokapitalisten - die zahnlosen Taliban unter den Liberalen

KOMMENTAR

Wie jede übersimplifizierte Kultideologie wirkt auch der Anarchokapitalismus für den Gläubigen „perfekt“. Ein geschlossenes Gedankensystem, das auf alles eine Antwort hat. Jede Kritik wird vehement abgeblockt mit einem Schwall aus einstudierten Standard-Antworten. Denn jede Kritik kann nur vom Feind kommen, von unerleuchteten Bösewichtern, die einfach die heiligen Grund-Dogmen nicht akzeptieren wollen und den Satan namens Staat verteidigen. Auf die schmutzigen Ungläubigen blicken sie mit Verachtung herab.

Der Gott der Anarchisten sind freie Märkte und das „Nichtaggressionsprinzip“. Die Waffen der Anarchisten sind das Teilen von Memes auf Facebook, dem Zuhause-Bleiben bei Wahlen, etwas schummeln bei der Steuer, eine passiv-aggressive Verweigerungshaltung gegenüber Nichtgläubigen, und das Rekrutieren neuer Opfer für den Kult.

99,9999% der Menschheit interessieren sich nicht für diese Sekte und daran wird sich auch nie etwas ändern. Weil den Anarchisten die eigenen „perfekten“, absoluten Dogmen im Weg stehen. Alleine mit Facebook-Memes und Youtube-Videos wird das nämlich nichts mit dem Umkrempeln der Welt. Einzelne versprenkelte Anarchisten oder winzige Grüppchen ohne populäres Mandat haben null Chance, das „Gewaltmonopol“ des Staates einzudämmen. Sie haben keinen machbaren Weg, um ihr Ziel zu erreichen. Ein Stefan Molyneux mag sich totlachen über den Versuch, den Staat (unter anderem) mit politischen Methoden zu verkleinern, aber er und seine Kultmitglieder haben wirklich NULL Aussichten, ihre Ziele zu erreichen.

„Jeder Mensch gehört sich selbst“ lautet das zentrale Mantra und es klingt tatsächlich toll. Genauso toll klingen die Mantras anderer (Polit-) Sekten. Über eine Milliarde Menschen glauben: „Der Mensch gehört Allah.“ Und beten fünfmal am Tag gen Mekka, während die Handvoll Anarchisten fünfmal am Tag Podcasts von Stefan Molyneux hört.

Im Prinzip handelt es sich bei den Slogans über Self-Ownership nur um einen billigen ideologischen Taschenspielertrick. Ein perfektes moralisches Ideal, schöne hohle Worte. Anarchokapitalisten haben sich viel von Kommunisten abgeschaut, unter anderem den Utopismus und die billigen Argumentations-Tricks. Konkrete Kritik wird einfach abgeschmettert mit moralischer Empörung: „Du kannst doch nicht gegen perfekte Freiheit und Gerechtigkeit sein!“

0% Staat und Polit-Boykott auf Facebook und Youtube predigen ist einfach und billig. Tatsächlich Frieden und Sicherheit etablieren, ist dagegen extrem schwierig. Aber die Anarchos bieten einfache Antworten. Die Menschen würden sich prinzipiell „für Freiheit entscheiden“. Das tun sie aber seltenst. Kunden statt Staatsbürger würden „vernünftigere Entscheidungen treffen“. Seit wann aber entscheiden Menschen vernünftig? Private Sicherheitsfirmen mit Armeen und Atombomben sollen notfalls „Recht durchsetzen“. Aha. Staatenlose Manager sollen also ihre tariflich beschäftigten Angestellten in die Schützengräben und Kampfbomber schicken. Daran soll die Welt genesen. Ohne Staatsgrenzen würde alles „stabiler und friedlicher“ werden. Sobald aber irgendeine Region sich wirklich zum anarchokapitalistischen Territorium wandeln würde, wäre sie wie die Antilope, die von mehreren Rudeln Löwen umkreist wird. Andere Staaten kämen sofort und würden sich dort breit machen. Denn es gibt alles zu kaufen. Da Anarchisten ihre Ideologie für perfekt halten, müssen sie peinliche Verbiegungen bewerkstelligen, um Argumente abzuschmettern.

Was wäre wenn 10 Millionen Chinesen oder Moslems sich „privatwirtschaftlich“ in Schleswig-Holstein breitmachen und Kasernen bauen würden? Papperlapapp sagen die Kult-Mitglieder, man dürfe doch keine „künstlichen Ängste vor Fremden schüren“. Außerdem gäbe es doch die riesigen Sicherheitskonzerne mit Atombomben und Panzern! Keiner außer Hoppe-Jünger nimmt sowas ernst. Anarchisten können nur anhand eines fix und fertigen Luftschlosses argumentieren, in dem bereits alles etabliert und alles am rechten Platz ist. So ähnlich argumentieren Kommunisten: Der Staat würde ja schließlich bei Erreichen des Kommunismus „verwittern“ und „verschwinden“. Der neue perfekte sozialistische Mensch wäre geschaffen und alle Elemente der Gesellschaft würden perfekt funktionieren, um Wohlstand, Sicherheit und Frieden zu sichern.

Menschen entscheiden sich aber fast nie für Freiheit, sondern fast immer für Sekten. So sieht die Welt nun einmal aus. Und die anderen Sekten machen viel attraktivere Versprechungen als die Anarchisten. Wie groß ist noch mal die Anarchistenquote auf der Welt? Ach ja, ein Haar über Null. Egal um welchen Konflikt es in der Welt geht, nirgendwo kämpfen Anarchisten. Auch wenn der ein oder andere vom Schießen träumt, er weiß dass der nächste Anarchist zu weit weg wohnt um dabei behilflich zu sein. Es gibt keine einzige schlagkräftige anarchokapitalistische Gesellschaft auf der Welt.

Was würden die Anarchisten denn machen, wenn eine gute Fee beispielsweise die US-Regierung stürzen und auflösen würde? Die Grenzen aufmachen für 800 Millionen Flüchtlinge? Alle Polizisten mit sofortiger Wirkung entlassen? Sich freuen über 100.000 neue verrückte unfreie Kleinststaaten? Kämpfen gegen 30 Millionen Mexikaner unter Waffen, die die Südstaaten zurückhaben oder vielleicht die ganzen USA haben möchten? Wem gehören die Atomwaffen? Dem anarchokapitalistischen Revolutionskomitee? Sind die dann die neue Regierung? Gründen die Anarchoführer dann Privatunternehmen und kaufen die Atomwaffen? Von wem? Zu welchem Preis?

Ich habe selbst liberale Ansichten, aber ich halte den Liberalismus nicht für die Fix-und Fertig-Ideologie für alles. Und ich bin schon gar kein Anhänger der Karikatur namens Anarchismus. Der Anarchokapitalismus scheint wie eine sinnlose Feierabendbeschäftigung zum Dampfablassen mit Facebook-Memes, während die ganz großen Sekten auf der Welt zunehmend an Macht gewinnen.

Der “Libertarismus” spricht sehr wohl die Masse an. Der Anarchokapitalismus hingegen ist eine ewige Nischen-Sekte von elitären Kultisten, die immer nur ihre einprogrammierten simplen Antworten auf alles geben und mit Heils-Utopien werben. Um eine anarchokapitalistische Gesellschaft irgendwo zu haben, bräuchte es die Anerkennung dieses Systems durch die Masse. Ansonsten hat man nur wieder versprenkelte einzelne Anarchos, die grimmig irgendwo herumsitzen oder mit schwachen Mini-Communities herumexperimentieren und mit sich selber streiten.

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