Politik

Simon Bolivar: Freimaurer, Freibeuter und Legende Südamerikas

Alex Benesch

Simón Bolívar ist einer der bekanntesten südamerikanischen historischen Figuren und Nationalheld vieler südamerikanischer Länder, insbesondere Venezuela. Er führte die Unabhängigkeitsbewegung gegen die spanischen Kolonialherren in den heutigen lateinamerikanischen Staaten Venezuela, Kolumbien, Panamá, Ecuador, Peru und Bolivien an.

Privilegierter

Das Leben des gefeierten Befreiers beginnt nicht wie bei vielen historischen Revoluzzern in Armut und dem Schmutz der Straßen, sondern ausgerechnet im bequemen und privilegierten Umfeld, auf dem Rücken mittelloser Landsmänner.
Der Urpatriarch des Bolivar-Clans bekam mehrere Ländereien, sog. Encomienda-Sklavenplantagen und Positionen in der Caracas-Cabildo überschrieben. Als in Caracas eine Kathedrale im Jahr 1594 gebaut wurde, widmete man den Bolivars eine Seitenkapelle. Die Familie bezog ihren Reichtum aus Edelmetallminen in Venezuela und den Plantagen, wo zuerst einheimische Semi-Sklaven ackerten die später durch völlige Sklaven aus dem Umland und Afrika ersetzt wurden. Von Seiten seiner Mutter erbte er die Kupferminen bei Cocorote.

Freimaurer und Revoluzzer

1803 wurde er in die Freimaurerloge Lautaro im spanischen Cadiz aufgenommen. Dort traf er seine späteren revolutionären Mitstreiter wie José de San Martín. Drei Jahre später erhielt er den 3. Grad (Meister) in der “Scottish Mother of St. Alexander of Scotland” in Paris. In London besuchte er regelmäßig die Loge “The Great American Reunion”, die von Francisco de Miranda gegründet worden war. Im April 1824 brachte Bolivar es zum 33. Grad, Inspector General Honorary.

Seinerzeit existierte eine vehemente Konkurrenz zwischen dem Britischen Imperium und dem spanischen Königshaus um die Kolonien und die Dominanz auf den Weltmeeren. Das von den Briten geführte Freimaurertum war der geeignetste Tarnschirm für verdeckte Kriegsführung gegen die Spanier, wo auch ein Netz aus Logen das Land überzog und alle wichtigen Institutionen abdeckte.

Wie auch bei der französischen Revolution würden freiheitliche Slogans und wohlmeinende Frontmänner verwendet werden, die man sich warmhielt bis die Zeit reif war. Die Bolivar-Zelle “Caballeros Racionales” wählte London für ihren Sitz, Francisco de Miranda bekam von der Royal Treasury ein jährliches Gehalt das es ihm zumindest ermöglichte, sein Netz zu spinnen. Zuvor studierte er in Madrid  und trat dort in den Militärdienst ein.

Anfang 1782 bekam er Post aus seiner Heimat Venezuela. Mit 32 Jahren stand er in Venezuela insbesondere wegen seines militärischen Geschicks bei der Eroberung der von den Briten gehaltenen Festung Pensácola in einem guten Ruf.
Deswegen unterzeichneten am 24. Februar 1782 drei venezolanische Eliten einen Appell an Miranda, in dem sie ihm die Führungsrolle einer von der kreolischen Schicht getragenen Aufstandsbewegung antrugen. Teile der Oberschicht waren nicht mehr bereit, sich von Repräsentanten der Krone in ihrer Handlungsfreiheit beschneiden zu lassen.

Miranda muss dieses Anliegen jedoch bestenfalls mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis genommen haben, da er wegen einer Familienfehde von zwei Unterzeichnern keine gute Meinung hatte. Einer davon war Simón Bolívars Vater. So hielt er vorerst weiter der spanischen Krone die Treue, wiewohl er die Krone durch dunkle Handelsunternehmungen als auch durch zwielichtige Abmachungen mit den Engländern hinterging. Ende 1783 beendete er seine Dienstzeit beim Militär und begann eine Reise durch die USA. Dort traf er unter anderem mit George Washington, Thomas Paine und Alexander Hamilton zusammen.

Das Königreich Großbritannien förderte seinerzeit südamerikanische Unabhängigkeitsbestrebungen, weil es sich dadurch ein Erstarken des britischen Handels in diesem Teil der Welt erhoffte. Deswegen fanden „revolutionäre Bittsteller” aus der neuen Welt immer ein offenes Ohr, jedoch lange Zeit keine handfeste Unterstützung. Dies lag möglicherweise auch daran, dass britische Truppen und Ressourcen in Irland gebunden waren. Die britische Regierung setzte die Revolutionäre, die ihr tauglich erschienen, in England fest, um sich ihrer im geeigneten Moment bedienen zu können. Dies war auch das Schicksal Mirandas.

Er unterhielt enge Kontakte zum britischen Premierminister Pitt, bekam eine Rente von 1000 Pfund pro Jahr und konnte über den britischen Gouverneur Picton in Trinidad etwas Einfluss auf die Geschehnisse in seiner Heimat Venezuela nehmen. Die Ausreise oder gar logistische oder militärische Unterstützung wurde ihm jedoch lange Zeit nicht gewährt.

Simón Bolívar hatte von jeher unbeirrt radikale Pläne verfolgt, sein Name sollte sich unauslöschlich in das Gedächtnis des Kontinents einprägen und als Symbol für dessen Unabhängigkeit und Identität werden. Bolívar war der zukünftige “Befreier” Südamerikas. Das Leben der beiden Offiziere war seither eng miteinander verbunden. Neben den militärischen und politischen Ambitionen verband Miranda und Bolívar von da an eine tiefe Freundschaft. Da Bolívar jedoch zum damaligen Zeitpunkt keinerlei militärische Fähigkeiten besaß, beschloss er, den Experten Miranda nach Venezuela zu holen, und reiste dafür als offizieller Repräsentant der neuen Regierung nach London.

Der unabhängigen venezolanischen Konföderation waren nie alle Provinzen beigetreten. Seit Beginn der Unabhängigkeit hatte sich die wirtschaftliche Lage ähnlich wie während der Französischen Revolution dramatisch verschlechtert. Mord und Willkür gegenüber scheinbaren Feinden hatten Einzug erhalten. Dem neuen Staat fehlten die Mittel, um Truppen zu unterhalten, und niemand wollte mehr für ihn kämpfen.

Bereits vor Mirandas Aufstieg zum Diktator hatte der spanientreue General Monteverde einen Rückeroberungsfeldzug gestartet. Infolge taktischer Fehler befand er sich in einer militärisch ungünstigen Lage. Loyalisten kamen ihm jedoch zur Hilfe, indem sie den für die Föderation wichtigsten Hafen und Munitionsdepot Puerto Cabello Simon Bolivars Hand entwanden. Miranda sah keinen Sinn in der Fortsetzung der Kämpfe; auch hoffte er auf einen milden Frieden, da sich Spanien zu dieser Zeit die liberalste Verfassung gegeben hatte, die Europa bis dato je gesehen hatte. Sein Pech war, dass er sich nicht der spanischen Cortes ergab, sondern Monteverde. Dieser dachte auch nicht daran, Venezuela an Spanien zurückzugeben, sondern machte sich, nach napoleonischen Vorbild, selbst zum Herrscher.

Miranda blieb wie vielen Radikalen im Juli 1812 nur noch die Flucht. Sein und Bolívars Gepäck waren bereits auf Schiffen verstaut, als Miranda von seinem Freund Bolívar und zwei weiteren verhaftet und an die Behörden übergeben wurde.
Miranda war den spanischen Behörden von Casas, Peña und Bolívar ausgeliefert worden, und zwar unter Begleitumständen, die Monteverde zu der Ansicht führten, dass die drei Männer eine Belohnung verdienten. Casas und Peña durften in Venezuela bleiben, Bolívar erhielt einen Pass zur Ausreise. Bis zu seinem Tode am 14. Juli 1816 war Miranda in Cádiz interniert.

Diktator

Im September 1821 schuf man den neuen Superstaat Gran Colombia (entspricht in etwa den heutigen Staaten Kolumbien, Panama, Venezuela, Ecuador, dem nördlichen Peru und dem Nordwesten Brasiliens) mit Bolívar als Präsident und Francisco de Paula Santander als Vize.

Die Kontrolle über Gran Colombia gestaltete sich äußerst schwierig, worauf er eine neue Verfassung entwarf mit einem Präsidenten auf Lebenszeit und der Möglichkeit, den eigenen Nachfolger zu bestimmen. Am 27. August 1828 ernannte er sich selbst zum Diktator.

Glücklicherweise überlebten persönliche Aufzeichnungen den Befehl zur Vernichtung, die die Konfrontation seiner liberalen Ansprüche mit der Realität dokumentieren. Das Vorbild USA sei ein fruchtbarerer Boden gewesen für Demokratie, im Gegensatz zu Südamerika wo man extreme Kompromisse eingehen müsste. Für den Fall der ersten Republik machte er seine Untergeordneten verantwortlich, die zu naiv gewesen seien um die harsche Realität in Südamerika zu begreifen.

Legende

Der Sozialist Hugo Chavez war einer der größten Verehrer Bolivars, nach ihm benannte er die neue Republik Venezuela, er gilt als Säulenheiliger. Die Schriften des großen Vorbilds wurden natürlich großzügist uminterpretiert, um zu Chavez’ Sozialismus des 21. Jahrhunderts zu passen. Der Militär und spätere Politiker machte sich selbst ebenfalls mit der Begründung von absoluten Notwendigkeiten zum Diktator.

wikipedia-Zitate unter der  Creative Commons Attribution-ShareAlike License;

Liked it? Take a second to support AlexBenesch on Patreon!

Related posts

Politik will globale Umverteilung wegen drohenden zusätzlichen Millionen an Flüchtlingen

AlexBenesch

Kablitz (PDV) rezensiert das kostenlose ebook von Baaders “Kreide für den Wolf”

AlexBenesch

Blockupy vs. EZB: Kommunisten gegen Kommunisten

AlexBenesch

2 comments

Avatar
Migu 8. März 2013 at 16:59

Dem diktatorischen Merkel-Regime muss man diese sozialistischen Tendenzen gar nicht erst noch andichten – deren Herkunft ist da das Erkennungsmerkmal.

Reply
Avatar
Jefferson 8. März 2013 at 11:48

Genauso hat es auch Fidel Castro mit José Martí, dem Nationalhelden von Cuba gemacht, dem
er einfach sozialistische Tendenzen andichtete.

Diktatorische Regime legen sich die Vergangenheit immer so zurecht, wie es am besten passt. Eines der Merkmale, an denen man sie erkennt.

Reply

Schreibe einen Kommentar zu Migu Cancel Reply

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie einverstanden sind, benutzen Sie die Seite weiter und klicken auf „OK“. Erfahren Sie mehr in unserer Datenschutzerklärung. OK Datenschutz

Recentr Shop10% Rabatt auf Vorräte bis 25. Oktober 2020

Der Rabatt wird im Warenkorb automatisch abgezogen.