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Russland will mit Atomwaffen reagieren auf gewöhnliche Kampfjets der Ukraine

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Bild: Kremlin.ru/CC BY 4.0

Kommentar

Als Russland die Invasion der Ukraine begann, fiel sofort die geringe Anzahl an Truppen auf. 200.000 Mann für ein Land in der Größe Frankreichs waren ziemlich absurd. Statt zwei Hauptkampflinien wählte man fünf und die Luftwaffe ließ sich kaum blicken obwohl die Erlangung der Lufthoheit eine Grundtaktik ist.

Die Ukraine erhält nun neben neuen ATACMS-Raketen auch F-16-Kampfflugzeuge aus Belgien. Damit ließen sich gezielt russische Stellungen beschießen, auch auf der Krim, die für Russland erhebliche strategische Bedeutung hat wegen den Schiffswerften.

Moskau werde die Lieferung der Flugzeuge als „Signalaktion“ der NATO „im nuklearen Bereich“ wahrnehmen, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview.

„Dennoch hoffen wir, dass die derzeit laufenden russisch-belarussischen Übungen zum Einsatz nicht-strategischer Atomwaffen unseren Gegnern etwas Vernunft einbläuen, indem sie sie an die katastrophalen Folgen einer weiteren nuklearen Eskalation erinnern.“

Selbstverständlich wird nicht exakt preisgegeben, welche Ziele Russland beschießen würde, in welcher Zahl und mit welcher Sprengkraft. Kleine mobile Ziele sind ungünstig und wären kaum mehr als ein nuklearer Warnschuss. Die Konsequenzen wären erheblich.

„Diese Flugzeuge werden zerstört, wie andere Waffentypen, die von NATO-Ländern an die Ukraine geliefert werden.“

Wenn ein atomarer Angriff verpufft, verliert Russland sein Gesicht.

Das russische Außenministerium bekräftigte, dass Moskau berechtigt sei, Atomwaffen als Reaktion auf „eine Aggression mit dem Einsatz konventioneller Waffen einzusetzen, wenn die Existenz des Staates in Gefahr ist“.

Es ist erwähnenswert, dass Russland über eine Nukleardoktrin verfügt, die eine Eskalation hin zum Einsatz von Atomwaffen als Mittel zur Deeskalation eines Konflikts fordert, den die konventionellen russischen Streitkräfte verlieren. Diese „Eskalation zur Deeskalation“-Strategie wird von einigen amerikanischen Analysten in Frage gestellt, weil sie eine solche Doktrin für irrational und übertrieben halten. Aufgrund der im Vergleich zu den Vereinigten Staaten und der NATO schwachen konventionellen militärischen Fähigkeiten Russlands ist der Einsatz von Atomwaffen mit geringer Sprengkraft jedoch eine potenzielle Möglichkeit für Russland.

Bei einer „kleinen“ 1-Kilotonnen-Detonation erstreckt sich der bei einem Erdstoß erzeugte Überdruck – der ausreicht, um Betonkonstruktionen zum Einsturz zu bringen – 285 Meter über dem Erdnullpunkt. Bei einem Luftstoß beträgt die Entfernung 362 Meter. Es ist erwähnenswert, dass eine 1-Kilotonnen-Atomwaffe mit geringer Sprengkraft etwa 100-mal stärker ist als eine GBU-43 MOAB (11 Tonnen TNT), was sie für Putin zu einer attraktiven Waffe macht, insbesondere als Luftstoßwaffe gegen Truppen im Freien.

2009 trainierten insgesamt 33.000 russischen Soldaten bei den Manövern „Ladoga 2009“ und „Zapad 2009“, allerdings geriet die Sache zu einem völligen Fiasko: Nichts funktionierte wie erhofft und man war nur zu verhältnismäßig kleinen Scharmützeln fähig ohne den Einsatz kleinerer, sogenannter „taktischer“ Atomwaffen.

Wikileaks veröffentlichte die geheime Einschätzung der NATO:

„Die Übung demonstrierte, dass Russland nur begrenzte Fähigkeiten zu gemeinsamen Operationen mit der Luftwaffe hat und weiterhin abhängig von alter und mangelhafter Ausrüstung ist.“

Exakt diese Schwachpunkte zeigten sich nun auch im Jahr 2022 in der Ukraine, wo gemäß dem standardmäßigen Vorgehen bei einer Invasion eine ausgedehnte Luftwaffen-Kampagne im Zusammenspiel mit den Bodenstreitkräften erwartet wurde. Sobald die „Lufthoheit“ erreicht ist, ließe sich fast jedes Ziel des Gegners beschießen. Stattdessen gab es aber nur wenig zu sehen von den russischen Flugzeugen und schon gar keine große Koordination, wie sie beispielsweise von den USA ständig geübt wird.

Die Russen konnten laut NATO-Bericht auch „nicht bei jedem Wetter operieren, es mangelt an strategischen Transportkapazitäten“. Die Logistik war auch in der Ukraine 2022 noch eine Katastrophe. Russland sei „nicht in der Lage, auf zwei kleinere Konflikte in verschiedenen Orten gleichzeitig zu reagieren“ und sei zu „großen konventionellen Operationen nicht fähig“.

2014 fiel dann auch noch die Rüstungsproduktion ukrainischer Betriebe weg wegen einem Exportembargo. Zwar gelang Russland damals die Einnahme der Krim und Teilen der Ostukraine, aber dennoch konnte man 2022 sehen, dass nur 200.000 Mann aufgeboten wurden, um ein Land einzunehmen, das so groß wie Frankreich ist. Die Munitionsdepots sind ziemlich leergeschossen und die Nachproduktion ist langsam.

Die NATO-Beobachter stellten fest, dass „Russland weiter vom Einsatz taktischer Nuklearwaffen abhängig bleibt, selbst in lokalen und regionalen Konflikten“. Die russische Übung in der Umgebung von Leningrad hatte zum Ziel, einen simulierten Angriff aus Polen und Litauen zurückzuschlagen, auch mit Hilfe von taktischen Atomwaffen. Die Vorstellung, dass Polen und Litauen Russland angreifen, ist natürlich absolut lächerlich.

Estland war ziemlich besorgt und bezog sich auf das streng geheime Nato-Dokument MC-161, laut dem „Russland weiter die Glaubwürdigkeit und den Zusammenhalt der Allianz testen wird.“

Schräge Depeschen

2010 veröffentlichte Wikileaks einen Berg an geheimen Botschafts-Depeschen, aus denen man herauslesen kann, dass die Amerikaner unbedingt einen „Neustart“ in den Beziehungen zu Russland suchten. Der Protest aus Staaten wie Polen wurden abgeblockt.

„Russische Medien und Beamte sind besorgt über die Kommentare des polnischen [Außenministers] Radoslaw Sikorski vom 4. November vor dem Zentrum für strategische und internationale Studien in Washington“,

heißt es in der Depesche.

„Insbesondere nahmen sie an Sikorskis Bitte Anstoß, dass US-Streitkräfte in Polen vor Ort sein sollten, um ‚vor russischer Aggression zu schützen‘.“

Inzwischen gilt es als Selbstverständlichkeit, dass die USA ihre militärische Präsenz in Polen aufstocken. Die neostalinistische Ideologie und Russlands Militäroffensive in Georgien seien große Fragezeichen, meinte Sikorski. Es sei fraglich, wie die USA ihrer Verpflichtung nachkommen würden, die NATO-Mitglieder gemäß Artikel 5 des Washingtoner Vertrags zu verteidigen.

„Da ist die jüngste Übung mit dem subtilen Namen Zapad-2009 an der polnischen Grenze, die größte russische Militärübung an der NATO-Grenze seit dem Fall des Kommunismus, mit 900 Panzern und dem Abschuss von drei nuklearfähigen taktischen Mittelstreckenraketen“,

sagte Sikorsky. Für konventionelle Kriegsführung im größeren Stil war Russlands Militär zu schwach, wie die NATO konstatierte, aber es blieb immer noch die nukleare Option. Dass die USA Polen atomar verteidigen ist jedoch unwahrscheinlich, denn im Verteidigungsbündnis gibt es eben Kernmitglieder und Mitglieder zweiter Klasse. Sikorski sah demnach die Gefahr, dass Polen zum Bauernopfer wird, indem die Amerikaner das Land im Ernstfall als Verlust abschreiben.

„NATO-Planer sagten immer, Gott habe Polen für den Panzerkrieg geschaffen“, sagte er. „Diese Panzer, die trainierten, waren 250 Kilometer flaches Gelände von unserer Hauptstadt entfernt. …

„Wie Zbig Brzezinski sagte (und er war nicht der einzige): Was Deutschland zum Beispiel während des Kalten Krieges wirklich beruhigte, war nicht Artikel 5, der bekanntlich ziemlich vage ist, sondern die Präsenz von 300.000 amerikanischen Soldaten in Deutschland, “ sagte Herr Sikorski.

AlexBenesch
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