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Das gemeinsame Fundament des Links- und Rechtsextremismus

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Es ist heute von enorm hoher Bedeutung, die Kern-Mythen des Links- und Rechtsextremisten zu zerstören. Es mag überraschend klingen, aber beide politischen Lager haben dasselbe Fundament.

Für die Rechten ist das zentrale Feindbild die jüdisch-kommunistische Weltverschwörung, der es gelungen sei, mehrere Imperien römischer Tradition zu zerstören: Die französische Monarchie durch die Französische Revolution, das russische Kaiserreich durch die Kommunistische Revolution, das Deutsche Reich und das österreichische Habsburger-Reich durch den Ersten Weltkrieg, sowie das britische Reich und die USA durch Unterwanderung der Wirtschaft und Politik.

Für die Linken ist das zentrale Feindbild das „Kapitalistenschwein“, der „Imperialist“ und jedes klassische Imperium nach römischem Vorbild. Es wird selbstverständlich geleugnet und unterschlagen, dass sämtliche real existierenden sozialistischen Regime durch und durch römisch waren. Die Aufklärung beseitigte nach linker Sichtweise die alten römisch-aristokratischen Strukturen im Westen (was nicht der Wahrheit entspricht), aber es hätten sozialistische Revolutionen geschehen müssen, mitsamt Enteignungen und Umverteilungen sowie dem Verbot von Privatbesitz, um zu verhindern, dass das römische Gift der Gier und des Imperialismus sich erneut ausbreitet. Linke in den USA und anderswo akzeptieren zähneknirschend römische Verhältnisse, wenn ein Linker Staatschef ist. Man klammert sich an alles, was irgendwie zu helfen scheint gegen das rechte Gift.   

Ich konnte in meiner Studie „Der geheimdienstliche Einfluss auf Verschwörungsmedien“ bereits die vielfältigen Verbindungen aufzeigen zwischen hochadeligen Netzwerken mit Bezug zu Britannien und der modernen Verschwörungsliteratur. Einzig in der Phase des französischen Frühsozialismus, in der die Vorstellung einer jüdischen Weltverschwörung so richtig Fahrt aufnahm, war es deutlich schwieriger, die Verbindungen aufzuzeigen, obwohl es natürlich im Kontext klar war, dass Britannien ein großes Interesse hatte, solche Propaganda zu verbreiten, um Frankreich zu destabilisieren in einer Zeit, in der die französische Führung sich um Kredite, Industrialisierung und einen Übergang zum Kapitalismus bemühte.

Inzwischen habe ich eindeutige Verbindungen gefunden.

Duncombe

Der britische Politiker Thomas Duncombe beschwerte sich 1828 bereits lauthals über Mayer Amschel Rothschilds Sohn Nathan. Jener verfüge über „unbegrenzten Reichtum“, bestimme über „Krieg und Frieden“, seine Kuriere transportierten Informationen angeblich schneller als diejenigen von Prinzen, er bezahle Staatsminister, habe seine Finger auch in anderen europäischen Regierungen und strebe an, Britannien zu dominieren.       

In dieser Polemik waren bereist alle wesentlichen Punkte enthalten, die die Grundlage formen für die großen Rothschild-Märchen und den übergreifenden Mythos einer jüdischen Weltverschwörung. Duncomb galt als talentierter Populist, der mit flammenden Reden gegen die Regierung seinen Parlamentssitz gewonnen hatte. Es wurde aber der Verdacht geäußert, dass diese Reden für ihn geschrieben worden waren von Baron Henry FitzGerald-de Ros, dessen Vater Mitglied des Kronrats von Irland war. Der Großvater des Barons mütterlicherseits war Mitglied der Wissenschaftsvereinigung Royal Society gewesen, fast in demselben Zeitraum, in dem der Anführer der Royal Society of Edinburgh, John Robison, das manipulative Bestseller-Verschwörungsbuch „Proofs of a Conspiracy“ geschrieben hatte.     

Thomas Duncombe, der britische Parlamentarier, hatte wahrscheinlich auch die Sichtweisen über die Rothschilds einfach von anderen Personen übernommen. Duncombes enger Freund war der adelige Franzose Alfred d’Orsay, dessen Mutter ein uneheliches Kind war vom Herzog von Württemberg, dessen Mutter wiederum aus der Linie Thurn und Taxis stammte. Welcher Clan war über den Agenten Alexander Horn verwickelt gewesen in das erste moderne Bestseller-Verschwörungsbuch von John Robison? Thurn und Taxis.

Alfred d’Orsay diente dem französischen König und war bei der Krönung des britischen Königs George IV. anwesend. In London formte er eine Bindung zu dem Grafen und der Gräfin von Blessington. Er war auch gut befreundet mit dem britischen Premierminister Benjamin Disraeli und Baron Edward Bulwer-Lytton aus dem Kronrat, der das seltsame Buch „Vril: The Power oft he Coming Race“ schrieb, das später insbesondere von deutschen Rechtsextremisten begeistert aufgenommen wurde.  

Duncombe ist verantwortlich für das Buch „Jews of England – Their History and Wrongs“ von 1866. Er erhebt den Anspruch, wissenschaftlich und fair zu sein, und benutzt ausführliche Fußnoten. Allerdings beinhaltet das Werk sowohl das Fundament für die spätere rechtsextreme Verschwörungsideologie, als auch für die sozialistische Verschwörungsideologie.

Die Juden seien die wesentlichen „Kapitalisten der damaligen Zeit“ gewesen, insbesondere wegen der Bankgeschäfte, wenngleich im Kern eine identische Gier und Ruchlosigkeit auch beim König, dem Adel und der damaligen Kirche zu finden gewesen wäre.

Die „besondere Hingabe zu Geldangelegenheiten“ bei den Juden machte sie zur „dominierenden gesellschaftlichen Klasse, was Geld anbetraf“, ähnlich wie die „Lombarden des 12. Und 13. Jahrhunderts“. Der Geldmarkt war aber zu der damaligen Zeit ein Experimentierfeld, das von dem herrschenden Adel genau überwacht wurde.

König Wilhelm II. benutzte laut Duncombe „seine Vasallen von der Rasse Abrahams“, um seinen Reichtum zu vergrößern.

Duncombe modernisierte den Antisemitismus; er verwandelte ihn von mittelalterlich-schwurbeligen Märchen in eine Pseudowissenschaft. Er spricht immer wieder von den jüdischen „Kapitalisten“ der damaligen Zeit, die das Elend der Menschen ausgenutzt hätten. Der damalige Adel hätte sich stark bei jüdischen Geldverleihern verschuldet, und bei Problemen mit der Rückzahlung der Kredite laut und öffentlich gehetzt gegen die Juden als Feinde des Christentums. Juden, so hält Duncombe fest, seien nicht nur Täter, sondern auch Opfer gewesen, aber letztendlich selbst Schuld an der Misere durch ihre Geldgeschäfte.

Es klingt alles sehr ähnlich wie bei Karl Marx. Der hatte zwar selbst einen jüdischen Familienhintergrund, beschrieb aber Kapital, Kredite und Bankwesen als jüdisch-parasitär, als fremdartig für jeden anständigen Menschen. Die heutigen Marxisten kennen seine ideologischen Tiraden gegen Juden entweder gar nicht, oder schweigen darüber. Als im sozialistischen Feindbild der jüdische Aspekt reduziert oder sogar getilgt wurde, blieb das schwammige, allgemeine Feindbild des Kapitalistenschweins und Imperialisten übrig. Wenn ein heutiger Linker gegen einen anderen Ideologen hetzt, dann ist dabei zwar meistens kein Antisemitismus mehr darin enthalten, aber die Verachtung und die grundlegenden Unterstellungen sind völlig intakt. Alles was nicht links ist, trage das Gift in sich, das schrittweise eskaliert, von Geschäften und Krediten des Bürgertums, über das stetig wachsende Großkapital, welches immer mehr Spannungen auslöst und schließlich im brutalen, römischen Imperialismus ausartet, um neue Sklaven und Provinzen zu erobern. Die Nationalsozialisten hatten immer eine tiefsitzende Verachtung für die bürgerlichen Schichten, weile jene korrumpiert seien von dem jüdisch-kapitalistischen Gift und nicht von Anfang an hellauf begeistert waren von der Idee eines revolutionären nationalsozialistischen Umsturzes.

Immerhin gibt Duncombe zu, dass der Geldverleiher ein großes Risiko eingeht und unter Umständen hohe Zinsen das Risiko aufwiegen müssen. Er zitiert seitenweise aus alten Akten, welche Adeligen Schulden hatten bei Juden. Die Implikation ist klar: Juden subventionierten den Adel und bekamen dafür immer mehr Status und dadurch Möglichkeiten, ihre Macht zu vergrößern. Letztendlich hätten alle gewöhnliche Menschen darunter gelitten. Zu keinem Zeitpunkt wird der Gedanke geäußert, dass der Adel die Möglichkeiten hatte, um jüdische Banker vollständig als Strohmänner zu führen. Was sollte einen Adeligen davon abhalten, selbst das Kreditwesen zu steuern mit Hilfe von Juden, die man mit gewöhnlichen geheimdienstlichen Methoden steuert? Die Vorstellung ist absurd, dass Adelige und selbst Könige lieber völlig überhöhte Zinsen zahlten, anstatt Strohmänner zu rekrutieren, um Geschäfte durchführen zu können zu wesentlich besseren Konditionen. Bei den vielen kleineren Kreditgeschäften, bei denen sich Normalbürger bei jüdischen Geldverleihern verschuldeten, richtete sich der Ärger der Kreditnehmer gegen die direkt sichtbaren Kreditgeber.

Es war nicht notwendig für den Adel, mit geheimdienstlichen Methoden jeden einzelnen Geldwechsler bis ins Detail zu steuern. Es reichte, einen gewissen Rahmen vorzugeben und über ein Spitzelnetz auf Abweichler zu achten. Ansonsten konnte der Adel sich auf die größeren jüdischen Geldverleiher konzentrieren.

Duncombe wirft Juden und nicht-jüdische Adelige, die ja auch unter Duncombes Definition von „Kapitalisten“ fallen, gewissermaßen in einen Topf. Sein Buch enthält bereits das gesamte Fundament des Links- und Rechtsextremismus. Die französischen Frühsozialisten übernahmen im Prinzip seine Argumentationslinie und betonten einfach den jüdischen Aspekt einfach stärker, weil man so besser an der damaligen staatlichen Zensur vorbeikam. In den späteren sozialistischen Schriften, auch außerhalb Frankreichs, wurde der Juden-Aspekt hingegen verringert und somit das generelle Feindbild des Kapitalistenschweins in den Vordergrund gestellt, das im Wesentlichen dem entspricht, was Duncombe bereits ausführlich geschildert hatte. Kapitalismus sei durch und durch sadistisch, zerstörerisch und parasitär.  

Die völkischen Bewegungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland und Österreich, die gründlich unterwandert waren vom britischen Geheimdienst, betonten wieder sehr stark den jüdischen Aspekt, wie die französischen Frühsozialisten und wie Duncombe zuvor.

Duncombe schildert Pogrome gegen Juden, um den Eindruck zu erwecken, er sei fair und wissenschaftlich, aber im Kontext ist für ihn der Kapitalismus die Ursache und die Juden somit selbst schuld:

Das Land schien verflucht zu sein von einer Grippe der Kriminalität.

Duncombe umschreibt die allgegenwärtige Ausbeutung, die zwangsläufig in Gewalt umschlagen müsse.

Außerhalb des Parlaments setzte sich Duncombe für die Unterstützung der Arbeiterklasse ein. Er leitete 1845 die nationale Handelskonferenz und half bei der Organisation der National Association of United Trades for the Protection of Labor (NAUT), deren Präsident er sieben Jahre lang war. Duncombe war ein häufiger Redner bei Gewerkschaftsveranstaltungen und sprach sich öffentlich für eine Reihe von Streiks aus.

Selbst war er natürlich privilegiert, pflegte eine enge Beziehung zum Adel und versuchte, die Vorzüge des Kapitalismus zu genießen. Durch Glücksspiel häufte er Schulden in der Höhe von 120.000 bis 140.000 Pfund an. Seine Gläubiger ließen ihn 1847 verhaften und er wurde heftig dafür kritisiert, dass er das parlamentarische Privileg nutzte, um der Strafe zu entgehen. Tatsächlich warfen seine Kritiker Duncombe vor, eine frühere Reise nach Kanada zur Unterstützung seines Freundes und politischen Gönners Lord Durham als Trick genutzt zu haben, um seinen Schulden zu entkommen. Der Earl of Durham war Mitglied des Kronrats.

Propaganda-Pipeline

Duncombe war also ein einflussreicher sozialistischer Propagandist im Dienste des Hochadels, der einen modernen, pseudo-wissenschaftlichen Antisemitismus kultivierte, bereits 1928 lauthals über Nathan Rothschilds vermeintliche Ambitionen sprach, die Macht über Britannien und den Rest Europas zu ergreifen, der in linken Gewerkschaften aktiv war und einen einflusseichen französischen Freund hatte.

Es wäre spielend leicht gewesen für den britischen Geheimdienst, eine Propaganda-Pipeline zu basteln in Richtung Frankreich, um dort die Bürger aufzuhetzen.

Der sozialistische französische Journalist Alphonse Toussenel veröffentlichte das Buch „Die Juden, Könige der Epoche: Eine Geschichte des Finanzfeudalismus“ im Jahr 1846. Als großer Aufhänger wird James de Rothschild benutzt, der die Bahnlinie von Paris nach Belgien erwerben konnte. Toussenel warnte eindringlich davor, dass Juden die Weltherrschaft anstreben würden.

Pierre-Joseph Proudhon (1809 bis 1865) hielt Juden für eine minderwertige Menschenrasse. Juden seien immer Parasiten, ein „Feind der menschlichen Art“. Daher blieben nur zwei Möglichkeiten:

„Man muß diese Rasse nach Asien verweisen oder vernichten. Durch das Eisen oder durch das Feuer oder durch die Ausweisung ist es notwendig, dass der Jude verschwindet.“

Edouard Drumont, ein französischer Journalist, veröffentlichte 1886 das Werk „La France Juive“, von dem hunderttausende Exemplare verkauft wurden. Es gab auch eine deutsche Ausgabe unter dem Titel „Das verjudete Frankreich“. 1869 veröffentlichte Gougenot des Mousseaux das Werk, für das er noch heute bekannt ist: Die Kampfschrift „Le Juif, le judaïsme et la judaïsation des peuples chrétiens.“ 1921 übersetzte der prominente Nationalsozialist Alfred Rosenberg die Schrift von Gougenot des Mousseaux unter dem Titel „Der Jude, das Judentum und die Verjudung der christlichen Völker“ ins Deutsche.

Das Experimentierfeld des Bankwesens

Der Historiker Niall Ferguson, ein Mitglied der Royal Society of Edinburgh und Forscher an Oxford, ist bekannt für seine konsequente Haltung zu der britischen Version von „Pax Romana“. 2003 erschien sein Buch “Empire: How Britain Made the Modern World”; eine ausführliche Rechtfertigung des Kolonialreichs. In folgenden Werken setzte er sich ein für einen stärkeren römischen Kurs der USA. Seine zweibändige Reihe „The House of Rothschild“ und „The Ascent of Money“ liefern geschönte Darstellungen, aber man kommt nicht an den zugrundeliegenden Daten vorbei.

Das Strickmuster der Medici-Bank wurde die Vorlage für die nächsten großen Finanzinstitute in Amsterdam, London und Stockholm. Die Stockholms Banco, Wisselbank und die britische Zentralbank „Bank of England“ entwickelten das moderne Konzept des fraktionalen Bankwesens; also dass eine Bank deutlich mehr Geld verleiht, als sie an Reserven tatsächlich hält.

Einfach stur auf Edelmetall zu setzen, führte bei dem Spanischen Reich zu 14 Insolvenzen der Krone zwischen 1557 und 1696. In London gediehen die scheinbar privaten, transatlantischen Handelsbanken wie Barings; alles im Rahmen des hochadeligen Sonderbezirks „City of London“. Es gab zur Sicherheit immer noch eine gewisse Bindung an Edelmetall. 1858 gab es eine Lockerung der Regulierungen, woraufhin der Aufstieg begann der Banken wie „London & Westminster“, National Provincial, Birmingham & Midland, Lloyds und Barclays.

Die Franzosen hatten 1800 mit dem Versuch begonnen, das britische System zu kopieren, die Deutschen 1875, die Schweizer 1907 und in den USA kam es 1913 zu der Zentralbank Federal Reserve.

Nach der erfolgreichen Etablierung der schein-privaten Großbanken kam das neue Instrument der Bonds, die von Regierungen und Großkonzernen verkauft werden konnten. Investoren tauschen ihr Geld gegen ein Stück Papier, auf dem die Verpflichtung steht, dass das Geld plus wenige Prozent Zinsen zurückbezahlt werden. Der Bond-Markt beläuft sich heute auf rund 18 Billionen $ weltweit. Die Investoren verlassen sich dabei auf die Macht einer Regierung, auch künftig Steuern einziehen und sich militärisch verteidigen zu können.

Lange Zeit war der beliebteste Bond der britische Consol. Das System geriet in Schwierigkeiten durch die militärischen Erfolge von Napoleon, der aber letztendlich eine Niederlage einstecken musste. Mayer Amschel Rothschild, der nach einer 20-jährigen Bewährungsprobe das Vertrauen des Landgrafen von Hessen-Kassel erlangt hatte, versteckte Teile des gräflichen Vermögens vor Napoleons Truppen und konnte mehrere beschlagnahmte Kisten von den Franzosen zurückholen. Als Belohnung für diese Dienste bekamen die Rothschilds mehr Aufgaben zugeteilt vom britischen Empire, unter strenger Überwachung.

Strohmann

Im 19. Jahrhundert galt der britische Zweig der Rothschilds als die größte Bank der Welt, vor allem durch den Handel mit britischen Regierungsbonds. Hätte es eine jüdische Weltverschwörung gegeben, wäre es auf jeden Fall vermieden worden, in dem Umfang sichtbar aufzutreten als Baker und sich große Paläste zu bauen.

Die britische Oberschicht hätte selbstverständlich selbst Privatbanken schaffen können, um am Handel mit Bonds zu verdienen. Der einzige Grund, dieses Feld zu einem erheblichen Teil an die Rothschilds auszulagern, war, um zu verschleiern, dass im britischen Kolonialreich immer noch der Hochadel die Fäden zog.

Nach Napoleons Niederlage bei Waterloo soll Nathan Rothschild den gängigen Märchen zufolge schneller vom Ausgang der Schlacht erfahren haben als andere. Eiligst erweckte er an der britischen Börse den Eindruck, Napoleon hätte gewonnen, und kaufte dann die rapide im Preis sinkenden Aktien auf. Danach wäre sein Clan bald zu den Herrschern über den Bankenbezirk City of London geworden. In Wirklichkeit hatte 1814 der Chancellor oft the Exchequer dem Funktionär John Charles Herries angewiesen, Nathan Rothschild zu benutzen, um unter höchster Geheimhaltung Gold aus Deutschland, Frankreich und Holland abzuziehen, um es dann weiterzuleiten zu General Wellingtons Truppen.   

Premierminister Lord Liverpool merkte an, dass „Mr. Rothschild“ ein „sehr nützlicher Freund“ geworden sei. Damit kann nur gemeint gewesen sein, dass Nathan Rothschild als Geheimagent Britanniens fungierte und das Empire die volle Kontrolle über ihn hatte. Es ist unvorstellbar, dass es anders gewesen war. Der Kampf gegen Napoleon und die Finanzierung der Truppen war überlebenswichtig für Britannien.

Nach Napoleons Niederlage saßen die Rothschilds auf einem Haufen Gold, der nicht mehr gebraucht wurde und der rapide im Wert fallen würde. Nathan kaufte Regierungs-Bonds, hielt diese für ein Jahr und verkaufte mit Gewinn. Bei seinem Tod belief sich Nathans vermeintlicher Wohlstand auf 0,62% des britischen Nationaleinkommens. Es ist offensichtlich, dass Britannien den Anreiz hatte, die Rothschilds als Strohmänner zu benutzen, um weniger Verdacht zu erregen bei internationalen Geschäften.

Der Historiker Jules Michelet schrieb 1842: Rothschild kennt alle Prinzen Europas, kannte deren Investments und nahm Einfluss darauf, welche Minister ernannt wurden. Man kann sich vorstellen, dass ein rein britisches, nicht-jüdisches Bankhaus stattdessen viel zu viel Verdacht erregt hätte. Den damaligen Vorurteilen zufolge, die ja in ganz Europa durch schlechte Bücher und Pamphlete und Zeitungen gefördert wurden, hatten Juden keine Loyalität gegenüber irgendeinem Land, sondern kümmerten sich nur um Profite. Jeder, der sich auch nur oberflächlich auskennt mit modernen Geheimdiensten, muss die Rothschilds als britische Agenten verdächtigen, deren Zweige in Frankreich, Deutschland oder Österreich kräftig spionierten zugunsten von Britannien.

In den 1830er Jahren starteten die Rothschilds Geschäfte in den USA und der Gouverneur von Mississippi beispielsweise polterte, Baron Rothschild habe das Blut von Judas und Shylock in seinen Venen. Es ist eine völlig absurde Vorstellung, Britannien hätte es den Rothschilds gestattet, über Krieg und Frieden zu entscheiden.    

Im Ersten Weltkrieg versuchten die verschiedenen beteiligten Länder, Bonds zu verkaufen, allerdings hatte Deutschland keinen Zugang zum internationalen Bond-Markt. Die Entente-Mächte hingegen konnten schier endlos Bonds verkaufen in den USA oder in dem gesamten britischen Kolonialreich.

Wenn es eine jüdische Weltverschwörung gegeben hätte, hätte praktischer keiner davon etwas mitbekommen. Es hätte nicht demonstrativ riesige Privatbanken gegeben, die auf dem Papier Juden gehörten. Die Rothschilds hätten keine riesigen Paläste wie Waddesdon Manor bauen lassen. Es hätte keine jüdischen Direktoren der US-Zentralbank gegeben. Es wären keine bedeutenden kommunistischen Revoluzzer in Russland eingesetzt worden mit jüdischem Background. Es wären erst recht keine paar jüdischen Banker beteiligt gewesen an der Finanzierung von Bolschewisten.

An jedem einzelnen Punkt wäre es absolut notwendig gewesen und auch sehr leicht und billig, nicht-jüdische Strohmänner, Tarnfirmen und andere Tarnorganisationen zu verwenden. Wer das nicht versteht, der versteht Geheimdienste nicht. Keine Erklärung funktioniert, warum die angeblichen Weltmeisterverschwörer auf diese absolut notwendige Grundlage verzichtet hätten. Es bringt nichts zu argumentieren, dass diese „Weisen von Zion“ einfach zu arrogant gewesen seien und sich nicht um Tradecraft scherten. Das hätte nie funktioniert. Die ganze Welt war seit tausenden Jahren voll von ausgebufften nicht-jüdischen Profis, die alle Geheimdienst-Tricks kannten und mit allen Mitteln und aller Brutalität ihren Willen durchsetzten. Wenn ein paar jüdische Kleinstfamilien im Weg gestanden wären, wären sie beseitigt worden, ohne mit der Wimper zu zucken. Es bringt auch nichts, zu argumentieren dass alle anderen außer Juden unglaublich dumm, fast schon geistig behindert gewesen seien. Sogar das britische Kolonialreich auf dem Höhepunkt seiner Machtausdehnung hätte sich angeblich ausmanövrieren lassen von jüdischen Kleinstfamilien mit nichts außer gewöhnlichen Krediten und einem Nachrichten-Kuriersystem.

Wer auf den typischen Müll der Verschwörungsmedien stößt, hält sich flugs für einen „Wissenden“, einen „Aufgewachten“. Schlafwandeln wäre der geeignete Begriff. Es handelt sich um eine x-beliebige Ideologie und einen x-beliebigen Fanatismus. Jeder andere Fanatiker als die Verschwörungsaktivisten hält sich genauso für genial und duldet genauso wenig Widerspruch.

Wirklich auskennen mit der hyper-komplexen Geschichte der letzten 300 Jahre tut sich der gewöhnliche Verschwörungsaktivist überhaupt nicht. Er konsumiert immer das gleiche Material, hält es alleine schon wegen der Masse für völlig überzeugend und sieht überall nur Bestätigung für die eigene Sichtweise. Ablehnung und Widerspruch ist für ihn Dummheit, Feigheit oder verschlagene Bösartigkeit. Genauso fanatisiert ist natürlich jede Sekte und jede andere fundamentalistische Ideologie. Die sehen auch überall nur Bestätigung.

AlexBenesch
AlexBenesch
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