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Inwiefern eine Abwehr von Atomraketen wirklich möglich ist

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Viel wird aktuell geredet über einen möglichen Einsatz von Atomwaffen im Ukrainekrieg und bald auch in einem Konflikt in Asien mit Nordkorea im Mittelpunkt. Meistens basiert jedermanns Meinung auf alten, ungenügenden Einschätzungen von Organisationen wie RAND. Und was ist mit dem Thema Raketenabwehr? Inwiefern könnte die NATO russische Atomraketen abfangen? Wie viel von Russlands Raketen würden ihr Ziel gar nicht erreichen?

Die Antworten auf diese Fragen sind selbstverständlich (wie alles Wesentliche) streng geheim. Würde man annähernd ehrlich die eigenen Kapazitäten benennen, würde dies sofort die Strategien potenzieller Gegner verändern oder ein Gegner könnte sich dermaßen unter Druck fühlen, dass er wilde Aktionen startet.

Wir, die Steuerzahler, dürfen nicht erfahren, inwiefern die Regierung uns konkret mit unseren Steuergeldern beschützt. Das amerikanische Verteidigungsministerium prahlt zumindest:

Die Raketenabwehrtechnologie, die von den Vereinigten Staaten entwickelt, getestet und eingesetzt wird, ist darauf ausgelegt, ballistische Raketen aller Reichweiten – kurz, mittel, mittel und lang – abzuwehren. Da ballistische Raketen unterschiedliche Reichweiten, Geschwindigkeiten, Größen und Leistungsmerkmale haben, ist das Ballistic Missile Defense System eine integrierte, „geschichtete“ Architektur, die mehrere Möglichkeiten bietet, Raketen und ihre Gefechtsköpfe zu zerstören, bevor sie ihre Ziele erreichen können.

Hinter diesen Statements kann sich alles mögliche verbergen, von der Wahrheit bis hin zu einem ausgewachsenen Bluff.

https://dod.defense.gov/News/Special-Reports/21st-Century-Nuclear-Deterrence-and-Missile-Defense/

In der Öffentlichkeit hingegen stapelt man möglichst tief und gibt sich schwach. Eine neue Studie der American Physical Society (APS) über die US-Raketenabwehr hat ergeben, dass sich nach 70 Jahren und Investitionen von rund 350 Milliarden US-Dollar kein „bisher entwickeltes System als wirksam gegen realistische Interkontinentalraketen-Bedrohungen“ für das Heimatland erwiesen hat.

https://breakingdefense.com/2022/02/no-us-missile-defense-system-proven-capable-against-realistic-icbm-threats-study/

Directed Energy Systeme seien noch 15 Jahre davon entfernt, einsatzbereit zu sein, heißt es. Von Weltall-Abfang-Systeme müssten hunderte im Einsatz sein, um nur eine einzelne feindliche Rakete abfangen zu können.

Beamte der Missile Defense Agency (MDA) stellten die Schlussfolgerungen der Studie jedoch in Frage und verwiesen Breaking Defense auf den jüngsten Bericht des obersten Testbeamten des Pentagon, des Director of Operational Test and Evaluation (DOT&E). In diesem Bericht wurde festgestellt, dass die verschiedenen Raketenabwehrprogramme zusammengenommen in der Lage sind, das zu tun, wofür sie entwickelt wurden.

https://www.dote.osd.mil/Portals/97/pub/reports/FY2021/other/2021_DOTEAnnualReport.pdf?ver=YVOVPcF7Z5drzl8IGPSqJw%3D%3D

Das Government Accountability Office wiederum stapelt wieder ganz tief und attestiert bei einer jährliche Prüfung aller Elemente der Raketenabwehr durchweg einen Mangel an ausreichenden Tests. Gewöhnliche Regierungsbürokraten und Wissenschaftler haben aber keine Zugangsberechtigung für die geheimsten Programme.

Hochrangige US-Militärführer haben in den letzten Jahren das derzeitige Homeland-Raketenabwehrsystem als vollständig bereit und fähig gegen einen nordkoreanischen Angriff erklärt – darunter der Leiter des Strategischen Kommandos, Adm. Chas Richard, der Leiter des Nordkommandos, General Glen VanHerck, und der ehemalige stellvertretende Vorsitzende der Joint Chiefs des Stabes General John Hyten.

Man spricht aber nur öffentlich von „Rogue States“ wie Nordkorea und und kleineren Anzahlen an Raketen die abgefangen werden können. Was ist mit MIRVs? Hochgeschwindigkeits-Vehikeln? Was ist mit hunderten Raketen die von den Russen abgefeuert werden könnten? Warum entwickeln die Russen Hyperschallraketen wenn sie nicht damit rechnen, dass konventionelle Raketen abgefangen werden?

Nike

Die „Wasserfall Ferngelenkte FlaRakete“ war ein deutsches geführtes Überschall-Boden-Luft-Raketenprojekt des Zweiten Weltkriegs, das selbstverständlich in den Kinderschuhen steckte. Man hatte noch nicht einmal eine gewöhnliche V2 exakt in ein Ziel lenken, geschweige denn ein bewegliches Ziel in der Luft treffen. Die Entwicklung wurde nicht vor Kriegsende abgeschlossen und es wurde nicht operativ eingesetzt. Das System basierte auf vielen Technologien, die für das V-2-Raketenprogramm entwickelt wurden, einschließlich der Rakete selbst, die im Wesentlichen eine stark verkleinerte Version der V-2 war.

Die Amerikaner holten sich deutsche Forscher und werkelten an Raketen für das Nuklearprogramm und zur Abwehr gegen feindliche Raketen. In den 1950er Jahren wurde im Rahmen des Projekts Nike zunächst eine Reihe von Flugabwehrraketen entwickelt weil man damit rechnete, dass die Sowjets eine Bomberflotte aussenden würden, um Atomwaffen zu den anvisierten Zielen zu bringen.

Nike-Zeus bot ein extrem weitreichendes Potenzial zum Abfangen und eine sehr hohe Leistung. In den späten 1950er Jahren untersuchte das Programm den Einsatz von Nike-Zeus-Raketen als Abfang-Option gegen sowjetische Interkontinentalraketen. Ein Nike-Sprengkopf würde in großen Höhen (über 100 km oder 60 Meilen) über den Polarregionen in unmittelbarer Nähe einer anfliegenden sowjetischen Rakete zur Detonation gebracht. Es ist ein interessantes Grundkonzept, das im Laufe der Zeit wohl noch an Relevanz gewann. Denn was wäre erstrebenswerter, als mit einem Sprengkopf 10, oder 50 oder 100 feindliche Raketen aufhalten zu können? Seitdem es möglich ist, im Detail Atomtests an Hochleistungscomputern zu simulieren, kann man theoretisch auch Raketenabwehr simulieren.

Eine große Anzahl der Technologien und Raketensysteme, die für die Entwicklung von Nike Ajax verwendet wurden, wurden für eine Reihe von weiteren Programmen wiederverwendet, von denen viele den Namen „Nike“ erhielten. Noch während Nike Ajax getestet wurde, begann die Arbeit an Nike-B, das später in Nike Hercules (MIM-14) umbenannt wurde. Es verbesserte Geschwindigkeit, Reichweite und Genauigkeit und konnte ballistische Raketen abfangen. Die Rakete hatte auch einen optionalen Atomsprengkopf, um die Wahrscheinlichkeit eines Abschusses zu erhöhen. Die Leistung der NIKE-Crews verbesserte sich mit „Live-Target“-Training bemerkenswert.

Zeus war auf Interkontinentalraketen (ICBMs) ausgerichtet, kostete schätzungsweise 15 Milliarden US-Dollar und litt angeblich unter mehreren technischen Mängeln, die als unwirtschaftlich galten.Dennoch entwickelte die Armee weiterhin ein als „Nike-X“ bezeichnetes Anti-ICBM-Waffensystem, das weitgehend auf den technologischen Fortschritten des Zeus-Systems basierte.

Der technologische Wettlauf ging hin und her. Ein Angreifer könnte schließlich Radarreflektoren oder nukleare Explosionen in großer Höhe verwenden, um die Sprengköpfe zu tarnen. Nike-X verwendete auch ein neues Radarsystem, das Hunderte von Objekten gleichzeitig verfolgen konnte und Salven von vielen Sprints ermöglichte.

In den 1960er Jahren ersetzten Project Defender und das Konzept Ballistic Missile Boost Intercept (BAMBI) landgestützte Nike-Raketen durch Raketen, die von Satellitenplattformen gestartet werden, die direkt über der UdSSR kreisten. Anstelle von Atomsprengköpfen sollten die BAMBI-Raketen riesige Drahtgeflechte einsetzen, die entworfen wurden, um sowjetische Interkontinentalraketen in ihrer frühen Startphase (der „Boost-Phase“) zu deaktivieren. Es wurde jedoch keine Lösung für das Problem gefunden, wie die vorgeschlagenen Satellitenplattformen vor Angriffen geschützt werden können, und das Programm wurde 1968 eingestellt.

Von Zeus ging es weiter mit dem Sentinel-Programm und Safeguard. Die Vereinigten Staaten und die UdSSR vereinbarten den Anti-Ballistic Missile Treaty von 1972, der die Bemühungen begrenzte, aber viele Möglichkeiten ließ, den Vertrag zu unterlaufen.

Am 23. März 1983 kündigte Präsident Ronald Reagan ein neues nationales Raketenabwehrprogramm an, das offiziell als Strategic Defense Initiative bezeichnet wurde, aber bald von Kritikern den Spitznamen „Star Wars“ erhielt. Am 14. Juni 2002 sind die Vereinigten Staaten aus dem ABM-Vertrag ausgetreten. Am folgenden Tag reagierte Russland mit dem Rückzug aus dem START-II-Vertrag.

Hypervelocity Railgun (CHECMATE)

Es wurden Untersuchungen zur Hypervelocity-Railgun-Technologie durchgeführt, damit SDI-Planer neue Optionen erhielten für ihr Verteidigungssystem. Eine Hypervelocity-Railgun funktioniert insofern sehr ähnlich wie ein Teilchenbeschleuniger, als sie elektrische potentielle Energie in kinetische Energie umwandelt, die dem Projektil verliehen wird. Railguns konnten bald Mündungsgeschwindigkeiten von über 2,4 Kilometern pro Sekunde erzeugen. Ein Sieben-Gramm-Lexan-Projektil wurde aus einer Leichtgaskanone mit einer Geschwindigkeit von 23.000 Fuß pro Sekunde (7.000 m / s; 16.000 mph) auf einen Aluminiumgussblock abgefeuert. Interkontinentale ballistische Raketen erreichen Geschwindigkeiten in der Nähe von 15.000 Meilen pro Stunde. Das macht die Railgun- oder Gaskanonen-Abwehrprojektile schneller als die Raketen.

Die physische Beschädigung einer Atomrakete bedeutet meistens, dass sie nicht mehr detonieren kann. Um eine Atombombe zu zünden, muss man die unterkritischen Massen zusammenbringen. Der einfachste (und älteste) Weg, dies zu tun, besteht darin, eine Kanone innerhalb einer Rakete zu konstruieren, die eine Masse in die andere abfeuert. So erfordert die Detonation einer Atombombe eine präzise Orchestrierung von Ereignissen, ohne die die Kettenreaktion nicht beginnt und die Bombe nicht detoniert

https://www.scienceabc.com/eyeopeners/would-a-nuclear-missile-cause-a-nuclear-explosion-if-its-shot-in-mid-air.html

Tricks

Ein Angreifer könnte Decoys verwenden, also Fake-Atomraketen. Es gibt auch speziell außengekühlte Raketen. Bei dieser Methode wird die gesamte Rakete in einem Stahlbehälter eingeschlossen, der mit flüssigem Sauerstoff, Stickstoff oder anderen Kühlmitteln unter Null gefüllt ist, die verhindern, dass die Rakete leicht entdeckt wird. Da viele Raketenabwehrsysteme Infrarotsensoren verwenden, um die Wärmespuren ankommender Raketen zu erkennen, macht diese Kapsel aus extrem kalter Flüssigkeit die ankommende Rakete entweder vollständig unsichtbar für die Erkennung oder verringert die Fähigkeit des Systems, die ankommende Rakete schnell genug zu erkennen.

Länder wie der Iran und Nordkorea haben möglicherweise nach Raketen gesucht, die ihre Flugbahnen manövrieren und variieren können, um Raketenabwehrsystemen auszuweichen. Als Russland im März 2022 eine Hyperschallrakete gegen die Ukraine einsetzte, bezeichnete Joe Biden die Waffe als „fast unmöglich zu stoppen“.

Störsender verwenden Radarrauschen, um die eingehenden Signale bis zu dem Punkt zu sättigen, an dem das Radar keine aussagekräftigen Daten über den Standort eines Ziels mit bedeutungslosem Rauschen erkennen kann.

Ein Verteidiger könnte sogenanntes Spoofing einsetzen, also manipulative Signale. Wichtige Komponenten der russischen Atomraketen, Sicherheits- und Leitsysteme wurden in der Ukraine hergestellt und der Ukraine-Konflikt ab 2014 war dementsprechend ein existenzbedrohendes Fiasko für den russischen Staat. Es ging nicht nur um einen Mangel an Ersatzteilen, Wartungen und Upgrades für das alternde Nuklearwaffenarsenal, sondern auch um die technischen Geheimnisse, wie mit speziellen Codes und Frequenzen die Waffen scharf gestellt oder deaktiviert werden können.

Berichten zufolge drohte ein ukrainischer Industriekomplex 2014 den Russen, relevante Codes, Frequenzen und andere technische Geheimnisse der Atomwaffen an die NATO zu übermitteln. Bis zu 85% des russischen Atomarsenals seien dadurch potenziell kompromittiert.

Interessanterweise schweigen westliche und russische Politiker zu dieser zentralen Angelegenheit und verlagern die öffentliche Debatte lieber auf die umstrittenen Details der NATO-Osterweiterung.

Zugriff zur Aktivierung

US-Präsident Joe Biden hat Zugriff auf den sogenannte „Keks“, ein Plastikkärtchen auf dem die Autorisierungscodes stehen, sowie auf einen speziellen Koffer mit „Go-Codes“, womit er sich quasi ausweisen kann als Befugter, um dem Militär einen Atomwaffenangriff zu befehlen. Die Generäle müssten dann umgehend den Start von Atomraketen befehlen. Damit die einzelnen Generäle nicht zu viel Kontrolle haben, wurden in den 1960er Jahren bereits sogenannte „Permissive Action Links“ benutzt. Der berüchtigte Film „Dr. Strangelove“ zeigte, was passieren könnte, wenn ein paranoider General auf eigene Faust einen Atomkrieg herbeiführt.

Außerdem könnten Atomwaffen gestohlen werden und in diesem Fall soll ebenfalls vehindert werden, dass die Diebe die Waffe ohne Weiteres einsetzen können. Es hielt sich das Gerücht, dass bei einigen Waffen als Zugangscode jahrelang einfach 00000000 benutzt wurde. Das neuere Code Management System (CMS) besteht aus neun Software- und fünf Hardware-Produkten, darunter ein spezieller kryptographischer Prozessor.

Atomwaffen reagieren nur auf ein bestimmtes Scharfschaltsignal. Diese wird von einem einzigartigen Signalgenerator, der sich außerhalb der Waffe befindet, an die Waffe weitergegeben. Diese Ausgabe ist spezifisch und genau definiert und verhindert, dass Emulation, Rauschen oder Interferenz als falsch-positives Signal akzeptiert werden. Die Umgebungserfassungsvorrichtung (ESD) bestimmt durch Umgebungssensoren, ob die Waffe tatsächlich in ihrer Kampfumgebung arbeitet. Zum Beispiel würde ein Atomsprengkopf auf einer Interkontinentalrakete zuerst einer starken Beschleunigung, dann einer Periode des freien Falls und dann einer weiteren Beschleunigung ausgesetzt, wenn der Sprengkopf in die Atmosphäre eindringt. Das ESD ermittelt die äußeren Parameter wie Beschleunigungskurve, Temperatur und Druck und macht die Waffe nur scharf, wenn diese Umgebungen in der richtigen Reihenfolge erfasst werden.

Man kann sich vorstellen, dass ein Gegner unbedingt die technischen Details dieser Sicherheitsmechanismen herausfinden will, um Strategien zu entwickeln, relevante Signale zu fälschen (Spoofing) und Sensoren zu täuschen. Schlimmstenfalls wäre ein erheblicher Teil des Nuklearwaffenarsenals im Ernstfall nicht einsatzbereit. In den frühen 1990er Jahren forderte die Volksrepublik China von den Amerikanern Informationen zur Entwicklung eigener Sicherheitssysteme an. Die Clinton-Administration war der Ansicht, dass dies den Chinesen zu viele Informationen über das amerikanische Waffendesign geben würde, und lehnte daher die Anfrage ab. Detaillierte Informationen über das Design von Sicherheitssystemen und ihre Verwendung sind geheim, obwohl diese Mechanismen Pakistan zum Schutz ihrer Atomwaffen angeboten wurden. Am Ende entschieden die USA, dass dies aus rechtlichen Gründen nicht möglich sei. Die Pakistaner waren auch besorgt, dass diese Technologie durch einen „Kill-Switch“, den die USA bedienen könnten, sabotiert würde.

Man kann sich vorstellen, was für ein Sicherheits-Fiasko es für Russland gewesen war, als 2014 die Ukraine-Krise begann und einige der wichtigsten Geheimnisse aus der ukrainischen Produktion von Atomwaffen-Lenksystemen und anderen Bauteilen möglicherweise an die Amerikaner übermittelt wurden.

Bunkerfunker, CC BY-SA 3.0

Flugbahn

In Atomraketen sind bestimmte Flugbahnen bzw. bestimmte Ziele einprogrammiert, also beispielsweise Moskau oder Washington D.C. In einer Vereinbarung, die Anfang 1994 von Boris Jelzin und Bill Clinton unterzeichnet wurde, steht, dass neutrale Ziele oder keine Ziele eingespeichert werden sollen. Demzufolge würden die Supermächte nicht länger mit den Raketen „aufeinander zielen“. Experten war jedoch klar, dass es sich um eine symbolische Geste handelte.

Genauer gesagt, der russische Generalstab kann von seinen Kriegskommandoposten in Moskau, Tschechow, Pensa und anderswo aus ein Computernetzwerk namens Signal-A verwenden, um die Vereinbarung zwischen Clinton und Jelzin zu negieren und innerhalb von 10 Sekunden alle seine Silos neu auszurichten auf die Vereinigten Staaten.

Eine versehentlich abgefeuerte US-Rakete fliegt nicht zu ihrem einprogrammierten Ziel in Russland, sondern landet im Ozean. Wenn der US-Präsident eine bestimmte Angriffsoption auswählt, wird der zugehörige Freischaltcode an die Startmannschaften gesendet. Viele Atomraketen sind auf U-Booten stationiert. Wie gute sind amerikanische und russische Atomraketen und Startbasen geschützt vor Stör-Signalen bzw. Verwirr-Signalen, die ggf. den Sicherheits-Sensoren der Raketen vortäuschen, es handle sich um einen unautorisierten oder irrtümlichen Abschuss?

Wie stark ist das russische Arsenal kompromittiert durch ukrainische Produktions- und Wartungsanlagen? Die russische Interkontinentalrakete R-36M beispielsweise, hergestellt vom Industriekomplex Juschmasch in Dnipropetrowsk, war Zeitweise das Rückgrat der sowjetischen bzw. russischen Nuklearstreitkräfte.

Drohung

Nach Angaben des grünen Politikers Hans-Josef Fell befand sich Juschmasch im Besitz von Zugriffscodes zu 85% der russischen Atomwaffenabwehr. Am 29. August 2014 stellte das Unternehmen angeblich der russischen Regierung ein auf fünf Tage befristetes Ultimatum, ihre anlässlich des Konfliktes in der Ostukraine ins Land gebrachten Waffen und Soldaten wieder abzuziehen. Werde dies nicht befolgt, wolle man die Informationen an die NATO und die USA übergeben.

„Wenn Russland nicht innerhalb von 5 Tagen seine Truppen abzieht und alle Städte freigibt, wird Pivdenmasch [Juschmasch] alle Informationen in Bezug auf die sogenannte nukleare Abwehr Russlands an die NATO und die USA geben, gemeinsam mit allen Codes und Frequenzen zur Raketenabwehr und -zerstörung! Die Russen sind sich dessen vielleicht nicht bewusst, aber nur dank der Ukraine verfügt über Russland über diese Atomwaffenabwehr, wovon die Ukraine 85 % blockieren kann“

Die Leiterin der staatlichen ukrainischen Privatisierungsgesellschaft, die angeblich auch Juschmasch bearbeiten sollte, wurde tot aufgefunden. Auch Heise berichtete darüber.

Es ist die JSC Khartron, Kharkov, die das Leitsystem für alle R-36M-Interkontinentalraketen herstellt. Im Jahr 2008 beauftragte ein russisch-ukrainischer Vertrag ukrainische Firmen mit der Bereitstellung von Upgrades und Wartungsarbeiten zur Verlängerung der Lebensdauer, um die Lebensdauer der Rakete bis 2040 zu verlängern. Darüber hinaus produzieren ukrainische Unternehmen die Leitsysteme für die mobilen SS-25-Raketenwerfer und die silobasierten strategischen SS-19-Raketen, die in der Region Charkow in der Ukraine hergestellt werden.

In den späten 1980er Jahren wurden 75 Prozent der ukrainischen Industriekapazität zur Herstellung sowjetischer Waffen und Komponenten verwendet (Lugar, 2005), und die russische Marine wurde hauptsächlich in der Ukraine gebaut.

Immer dann wenn das Thema Atomkrieg in die öffentliche Diskussion rückt, wie momentan angesichts der russischen Annexionen in der Ukraine, militärischen Niederlagen und Drohungen, äußern sich Politiker, Journalisten, Think Tanks und diverse Akademiker auf der Basis des immergleichen Quellmaterials: Öffentlich zugängliche oder von der Geheimhaltung befreite Einschätzungen, die meistens mit der RAND Corporation zu tun haben, und keine der wesentlichen Fragen beantworten, wer wann wie warum einen atomaren Krieg führen würde. RAND hat einen dermaßen hohen Stellenwert, dass kürzlich sogar zu Propagandazwecken ein RAND-Bericht gefälscht wurde, laut dem die USA Deutschland schwächen möchten.

Der einzige Sinn der Atomwaffen für die drei Supermächte, ist ein heimliches Kartell untereinander damit abzusichern gegen aufsteigende Konkurrenten. Alles andere würde die Supermächte schwächen bis hin zu dem Verlust ihres Status.

AlexBenesch
AlexBenesch
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