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Elon Musk: Zwischen White Power und linker „kritischer Theorie“

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Kommentar

Elon Musk stimmte einem Social-Media-Beitrag zu, in dem „jüdische Gemeinschaften“ beschuldigt werden, „genau die Art von dialektischem Hass gegen Weiße“ zu propagiereren, von der sie angeblich wollen, dass die Menschen aufhören, sie gegen sie einzusetzen.“

Musk antwortete auf X und schrieb, dass dieser Beitrag „die tatsächliche Wahrheit sagte“. Musk kritisierte im selben X-Thread die Anti-Defamation League, eine jüdische gemeinnützige Interessenvertretung, und andere, die seiner Meinung nach „de facto anti-weißen Rassismus oder anti-asiatischen Rassismus oder Rassismus jeglicher Art“ vorantreiben. In einem anderen Beitrag behauptete er, dass die ADL „die Mehrheit des Westens zu Unrecht angreift“, weil sie „Minderheitsgruppen, die ihre größte Bedrohung darstellen“, nicht kritisieren könne.

Egal wie hoch Musks IQ sein mag, oder wie finanziell erfolgreich er ist, er kennt sich viel zu wenig aus, um zu navigieren in dem Minenfeld der politischen Ideologien. Ist ihm bekannt, dass der britische Geheimdienst vor rund 200 Jahren die moderne Verschwörungsliteratur schuf, um Frankreich zu destabilisieren und zu verschleiern, dass der „bayerische Illuminatenorden“ eine britische Tarnorganisation war? Dass als nächstes in Frankreich die Idee einer jüdischen Weltverschwörung popularisiert wurde, um die wirtschaftliche Entwicklung zu bremsen? Dass dann die identischen Ideen in der völkischen Bewegung Deutschlands und Österreichs verbreitet wurden? Dass Britannien damit das eigene neue fraktionale Bankensystem samt Bond-Handel schlechtredete, damit es niemand sofort kopiert? Und dass im 20. Jahrhundert unter Winston Churchill ein breites Täuschungsmanöver gegen die Nazis lief, das sich leider dem Märchen der jüdischen Weltverschwörung bediente? Nein, das weiß Musk sicherlich nicht.

Juden sind weder „die Illuminati“, erfanden weder Gier, noch Mysterienkulte, nicht das moderne Bankensystem und übernahmen auch nicht die Macht über Britannien durch ein simples Kuriersystem und gewöhnliche Kredite. Und Juden erfanden auch nicht den Sozialismus und sind nicht die treibende Kraft dahinter. Der Adel infiltrierte linke Bewegungen, um sich die Option offenzuhalten, eine verhüllte „Leibeigenschaft 2.0“ zu schaffen.

„Kritische Theorie“

Woher stammt der Vorwurf, die ADL und irgendwelche „jüdischen Gemeinschaften“ propagieren Hass gegen „Weiße“? Es geht zurück auf die sogenannte „kritische Theorie“, eine linke Strategie, bei der mit diskriminierenden Statements gearbeitet wird gegen alles, was Mehrheit und etabliert ist, ohne es als Diskriminierung zu bezeichnen. Es sei nur dann Diskriminierung, wenn es sich gegen Minderheiten bzw. schwächere Gruppen richtet. Kurz gesagt, es sind billige und polemische Attacken, mit denen der gewünschte gesellschaftliche Wandel erreicht werden soll.

Im Kalten Krieg war klar, dass diese Vorgehensweise für die UdSSR und ihre Geheimdienste nur Mittel zum Zweck war, um den Westen zu destabilisieren. Umgekehrt verboten die Kommunisten bei sich jedwede kritische Äußerung, egal ob es sich um milde konstruktive Kritik handelte. Man fürchtete einen Flächenbrand.

Jeder westliche Geheimdienstler versteht die Methodik der Subversion: Durch Hetzerei soll ein Land immer weiter destabilisiert werden, bis alle möglichen Gruppen darin miteinander verfeindet sind und es auf einen Bürgerkrieg hinausläuft.

Im Westen wurde die „kritische Theorie“ allerdings auf kontrollierte Weise ebenfalls eingesetzt auf Befehl von oben, um die Gesellschaft zu verändern. Forscher wie Horkheimer, Adorno und Marcuse wurden bezahlt, um das Konzept weiterzuentwickeln und anzupassen an die Lebensrealitäten des Westens im 20. Jahrhundert.

Einige dieser Wissenschaftler begannen ihr Werk in Deutschland in den 1920er und frühen 1930er Jahren, als die Welt noch nicht so genau Bescheid wusste über die Gulags und das Elend in der Sowjetunion. Dann flüchteten die Herren in die USA an die Elite-Unis und manche kehrten später nach Deutschland zurück, starteten das Institut für Sozialforschung neu und begründeten die „Frankfurter Schule“. Manche prominente Figuren und deren Geldgeber waren jüdisch und man hatte jenen erzählt, es ginge schlicht um Antifaschismus und Maßnahmen gegen Antisemitismus.

Dem rechten Publikum währenddessen wurde von oben eingeredet, da sei die jüdische Weltverschwörung am Werk. Das Frankfurter Institut für Sozialforschung wurde finanziert von Felix Weil, ein Mann mit deutsch-jüdisch-argentinischem Hintergrund. 1935 überschrieb Weil der Stiftung des Institutes für Sozialforschung „sein“ Vermögen. Dadurch sicherte er dessen Fortbestand als Institute for Social Research (ISR) nach der Verlegung nach New York. Ob es wirklich sein Geld war, ist fraglich. Spät in seinem Leben war er gezwungen, einer bezahlten Beschäftigung nachzugehen. Aber nicht irgendeiner: Er unterrichtete von 1969 bis 1973 auf der Ramstein Air Base im Range eines Majors Soldaten der United States Air Force über das Steuerwesen und kommunale Haushaltsfragen, um sie auf das Zivilleben vorzubereiten. Nach seiner Rückkehr in die USA lehrte er, abermals in Uniform, Geschichte der Luftfahrt auf der Dover Air Force Base an seinem Wohnort. 1930 übernahm Max Horkheimer das Institut. Er verfasste eine fundamentale Kritik der bürgerlichen Gesellschaft, die er als eine von politischen und ökonomischen Gegensätzen, ideologischen Widersprüchen und sozialen Ungerechtigkeiten zerrissene Gesellschaftsformation betrachtete. Was jetzt keine akademische Meisterleistung war. Deutschland war viel zu lange mittelalterlich und zerfleddert gewesen, dann kamen plötzlich die moderne Wissenschaft und der Industriekapitalismus, neue Kriege und der Erste Weltkrieg. Freilich war das Chaos und hinterließ überall Spuren in der Gesellschaft. Aber welche Lösungsansätze hatte bitte Horkheimer außer sozialistische Luftschlösser? Horkheimer und Adorno veröffentlichten die „Dialektik der Aufklärung“.

Nichts als amateurhaftes Gejammer, dass die „Aufklärung“ nicht zu den gewünschten Ergebnissen geführt habe. Sei beklagten eine Kult-Mentalität und eine Mythologisierung der Aufklärung, ohne dass sich wirklich etwas fundamental an den Ausbeutungsverhältnissen verändert hätte. Dass alle berühmten Dichter, Denker und Musikanten der Aufklärung vom Hochadel bezahlt worden waren, hatten die Sozialisten wohl ebenso wenig in der vollen Bedeutung verstanden, wie den Umstand, dass der Adel auch den Sozialismus infiltriert und kontrolliert hatte. Und letztendlich bauten Horkheimer und Adorno den Sozialisten-Kult voller Mythologisierung mit auf. Man kann nicht Kult-Mentalität mit Kult-Mentalität austreiben. Die beiden trauten dem Menschen an sich nicht, es sei denn jener ist sozialistisch eingebunden und indoktriniert. Diesen „spezifisch abendländischen, auf Selbsterhaltung und Herrschaft abzielenden Rationalitätstypus“ verfolgen die Autoren bis an den Beginn der Menschheitsgeschichte zurück. Viel später wurde daraus linker, antiweißer Rassismus. Einen ähnlichen Stuss hatten die Rechtsextremen entworfen; nur galt bei ihnen das Abendland in Kombination mit Kollektivismus als das Maß der Dinge, während die Orientalen und der Individualismus den Verfall und Zerstörungswerk repräsentierten. Die Imperien begannen übrigens in Mesopotamien. Also nichts mit Abendland. Auch die früheste jüdische Geschichte kam nicht aus ohne „Selbsterhaltungstrieb“, „Rationalität“ und „Herrschaft“. Den Kommunisten fehlte es gewaltig an Wissen über Imperien, Geheimdienste, Adel und das Böse. Natürlich konnten sie dann auch keine Lösungen anbieten und ihr Gejammer bringt uns heute nichts. Der klassische Marxismus preist das Proletariat als auserwählte Klasse, um alle Klassen zu beenden, aber der Neonmarxismus hatte begriffen, dass die Proletarier nicht die benötigten Führungsqualitäten besaßen. Also setzte man auf linke, progressive Wissenschaftler und andere elitäre Gestalten. Horkheimer und Adorno verstanden noch nicht einmal, wie fake die Russenrevolution an der Spitze war. Mit der stufenweisen Vervollkommnung der Naturbeherrschung schlage Aufklärung als „Herrschaft über eine objektivierte äußere und die reprimierte innere Natur“ selbst in Mythologie zurück, meinten sie.

„Wie die Mythen schon Aufklärung vollziehen, so verstrickt Aufklärung mit jedem ihrer Schritte tiefer sich in Mythologie“

Wie hätte es auch anders sein sollen, wenn britische Freimaurer die Linie für die Aufklärung vorgaben und die Royal Society immer mitmischte? Der Kommunismus wurde natürlich zur mythischen Ober-Sekte. Alles wurde mystifiziert: Personen, Ereignisse, Prinzipien.Es war die elitäre Columbia University, wo das bedeutende Institut für Sozialforschung in den USA geführt wurde. Theodor Adorno durfte an das Merton College in Oxford. Herbert Marcuse diente im amerikanischen Geheimdienst OSS in dessen Forschungs- und Analyseabteilung (Research and Analysis Branch). Danach arbeitete er für die 1946 gegründete Nachfolgeinstitution, das Office of Intelligence Research, die dem US-Außenministerium unterstellt war. Für eine weitere OSS-Nachfolgeorganisation, das Committee on World Communism (CWC), arbeitete er bis 1951, zeitweise auch als Europasektions-Leiter. Unter seiner Leitung erarbeitete das CWC wissenschaftliche Ergebnisse im Dienste der psychologischen Kriegsführung. Nach dem Ausscheiden aus dem Geheimdienst betrieb er weiterhin Studien über den Sowjet-Marxismus 1952/53 an dem Russian Institute der New Yorker Columbia University, einem Prestigeprojekt der Rockefeller-Stiftung, und an dem Russian Research Center der Harvard University (1954/55). Herbert Marcuse sprach auch von einer „linguistischen Therapie“ mit der man die Menschen konditionieren sollte. Daher rührt auch heute Gender-Sprech oder „politische Korrektheit“, bei der bestimmte Worte tabu gemacht werden sollen. Was den Linken in die Hände spielte, waren die traditionellen unterdrückerischen Mechanismen, die ins Mittelalter zurückreichen, wie etwa die Entrechtung von Frauen, Verbote von Spaß, Zensur, überchristliches Hineinregieren in die Privatsphäre usw. Der Pöbel sollte etwas Befreiung erhalten, aber insgesamt einfach erneut in eine Gefängnis gesperrt werden. Solche Kommunistenforscher waren auch beteiligt an der Umerziehung der BRD-Bürger nach dem Krieg. Man hat es mit schlauen, bemühten Leuten zu tun. Rechter Aktivismus ist häufig sehr primitiv gestaltet. Wobei die sogenannte „neue Rechte“ sich viele Techniken der Linken abgeschaut hat. Genauer gesagt hat die neue Rechte sich selber eine abgewandelte Form der kritischen Theorie gebastelt. Die Frankfurter Schule befeuerte den Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS). Bundeskanzler Helmut Schmidt war mal Vorsitzender des SDS. In der britischen Besatzungszone wohlgemerkt. Schmidt hatte das Eiserne Kreuz zweiter Klasse im Krieg bekommen und war schwerpunktmäßig bei den Flak-Einheiten zur Luftraumverteidigung. In solchen Kreisen hatten angloamerikanische Geheimdienste Personen als Informanten rekrutiert, um bessere Bombardierungen machen zu können. Franz-Josef-Strauß steht Akten zufolge besonders unter Verdacht. Er bekam möglicherweise als Gegenleistung für den Verrat eine Politkarriere vermittelt. Helmut Schmidt äußerte sich Anfang 1945 während einer Übung auf dem Flak-Schießplatz Rerik an der Ostsee kritisch über Reichsmarschall Hermann Göring und das NS-Regime. Sein Großvater väterlicherseits war Ludwig Gumpel, ein jüdischer Banker, wie sich später herausstellte. Er starb mit 75 Jahren in Karlsbad eines natürlichen Todes. Sein Grab liegt auf dem Jüdischen Friedhof am Rößeberg in Bernburg. Seine Witwe hielt sich zunächst versteckt. In der Nacht vom 25. zum 26. November 1942 nahm sie sich auf dem Grabmal ihres Ehemannes mit Gift das Leben. Sein Sohn Max Gumpel emigrierte im Februar 1937 nach England. 1946 kam er als Offizier der britischen Armee nach Bernburg zurück, um die Bestattung seiner Mutter zu veranlassen. Es kann sein, dass Helmut Schmidt rekrutiert wurde im Krieg vom britischen Geheimdienst. Man hatte ihn in der Hand wegen des jüdischen Vorfahren, und man konnte ihn auch belabern, warum er aus moralischen Gründen Nazideutschland verraten solle. Es wäre zu einfach, ihn nur als Linken zu sehen.

Musk

Elon Musk hat die Gelegenheit, um diese Themenkomplexe so zu kommunizieren, dass verschiedene Leute sich aus den starren Rahmen ihrer Ideologie lösen. Bislang lässt er sich eher in die gesteuerten Konflikte verwickeln. Weder radikaler „White Power“-Nonsens noch „kritische Theorie“ helfen uns weiter. Schlimmstenfalls hat er sich leimen lassen von der klassischen Verschwörungsliteratur.

Musk hat zuvor damit gedroht, die ADL wegen Verleumdung zu verklagen, und behauptet, die Gruppe habe „versucht, diese Plattform zu zerstören, indem sie ihr und mir fälschlicherweise vorgeworfen hat, antisemitisch zu sein.“ In einem Tweet aus dem Jahr 2018 schrieb er:

„Wem gehört Ihrer Meinung nach die Presse?“ Hallo.“

Als er Twitter erwarb, ließ er zuvor gesperrte Nutzer wieder auf die Plattform, darunter den Neonazi-Website-Herausgeber Andrew Anglin. Da Musks jüngste Kontroverse über Antisemitismus immer noch in vollem Gange ist, distanzieren sich einige Unternehmen von ihm und seiner Plattform. IBM gab diese Woche bekannt, dass es die Werbung auf X eingestellt hat, nachdem in einem Bericht festgestellt wurde, dass seine Anzeigen neben antisemitischen Inhalten platziert wurden. Apple, einer der größten Werbetreibenden auf X, sagte, dass es eine Pause bei der Schaltung von Anzeigen auf der Website einlegt.

AlexBenesch
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