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Deutscher Star-Journalist Seipel soll mindestens 600.000 Euro aus Russland erhalten haben

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Bild: kremlin.ru

Kommentar

Hubert Seipel spielte jahrelang den großen Enthüllungs-Journalisten auf der Jagd nach Korruption. Westlicher Korruption wohlgemerkt. Als er sich dem Thema Russland widmete, hätte er eigentlich auch dahingehend bergeweise Korruption aufdecken können, sowohl innerhalb des Putin-Regimes, als auch Geldflüsse von Ost nach West. Stattdessen wurde er zur zahmen Katze, bekam exklusiven Zugang zu Putin und sogar das erste Interview mit Edward Snowden.

Russlandkritische Autoren wie Jürgen Roth verdienten Kleingeld und mussten sich herumplagen mit Gerichtsprozessen gegen deutsche Politiker, die sich verunglimpft fühlten. Vor Catherine Beltons Buch über Putin und dessen Umfeld waren Investigativautoren reihenweise gescheitert vor britischen Gerichten, weil reiche Ost-Oligarchen ihre Anwälte eingeschaltet hatten.

Hubert Seipel ging es prima. Er bekam die höchsten deutschen Preise für seine Bücher und TV-Beiträge. Anscheinend ging es ihm noch viel besser als prima.

Deutsche und internationale Medien bekamen Datensätze in die Hand aus Zypern, wo viele russische Geschäfte abgewickelt werden. Darin fand sich ein „Sponsorenvertrag“ über 600.000 € zwischen Seipel und dem russischen Oligarchen Alexei Mordaschow über die Briefkastenfirma De Vere Worldwide Corporation. Eine handschriftliche Notiz auf Seipels Vertrag mit der De Vere Worldwide Corporation deutet auf einen ähnlichen Vertrag von 2013 für seine Putin-Biografie hin.

Seipel hatte in der Vergangenheit empört reagiert auf die Frage, ob er Geld aus Russland bekommt:

Es war eine völlig legitime Frage, die Seipel interpretierte als fiese Attacke.

Seipel gibt aktuell nur zu, was nicht mehr abzustreiten ist: Er bekam „Unterstützung“ von Mordaschow, aber diese hätte keinen Einfluss gehabt auf den Inhalt seiner Arbeit. In dem Sponsorenvertrag steht erwartungsgemäß auch nichts drin, welche Linie er zu vertreten hätte. Aber mit seinen Russlandkontakten hätte er problemlos vertrauliche persönliche Meetings abhalten können. Warum gab es überhaupt einen schriftlichen Vertrag? Wäre Seipel letztendlich nicht oder zuwenig bezahlt worden, hätte er kaum vor irgendwelchen Gerichten auf die Zahlung klagen können. Er hat nichts von dem schriftlichen Vertrag. Aber die Russen hatten damit etwas gegen ihn in der Hand. Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass man ihn notfalls ausgerechnet mit dieser Sache vernichtet. Denn man sieht ja aktuell, dass der Fall Seipel das schlechtestmögliche Licht wirft auf alle Personen im Westen, die seit Jahren Russland verteidigen.

Seipel war eine große Nummer und man fragt sich, was er vielleicht außer den 600.000 Euro sonst noch alles bekommen hatte. Andere bliesen in das gleiche Horn und benutzten typische Ausreden und vorgestanzte Talking Points zugunsten des Putin-Regimes.

Ein bekannter deutscher Politiker wäre den Russen Millionen wert. Online-Influencer ließen sich billiger bekommen. Da die russischen Gasgeschäfte über Zwischenfirmen abgewickelt werden, bleibt bei jeder Zwischenstation ein Teil des Geldes hängen und kann für subversive Operationen verwendet werden.

Wenn schon Sender wie RT mit hunderten Millionen finanziert wurden, wie groß war dann das verdeckte Extra-Budget russischer Staatsfunktionäre für Medienoperationen? Für überschaubare Beträge kann in Deutschland die Meinung beeinflusst werden, um den Druck rauszunehmen gegen Russland; vor allem im Ukraine-Krieg.

Jemand, der heimlich Geld nimmt von den Russen, mag sich allen möglichen Ausreden bedienen, aber jeder einzelne erhöht damit die Gefahr für Deutschland. In der Masse wird Deutschland damit massiv geschwächt und wir selbst sind im Fadenkreuz des Kremls.

Wie viele „patriotische“ Politiker in Deutschland füllen ihre Kassen durch den Kreml und sind somit Landesverräter? Wieviel ist den Russen jemand in den USA wert wie Alex Jones, der bereits offen um russisches Asyl gebettelt hat? Wie viele verdeckte Zahlungen sind getarnt als Sponsorenverträge und Beraterverträge?

Die ganze Karriere von Seipel muss jetzt auf den Prüfstand, genau wie bei dem ehemaligen Spiegel-Star-Journalisten Relotius.

Seipel studierte an der Marburg-Universität und dann an der London School of Economics. Beide gehen auf denselben Hochadel zurück, wobei die LSE vom britischen Kolonialreich gedacht war als Werkzeug, um dem Imperialismus ein moderneres linkes Image zu verpassen. Britannien ist auch sehr stark infiltriert von russischer Spionage. Der KGB brachte nach 1991 enorm viel Geld an die City of London.

Seipel ging dann zum staatlichen deutschen Rundfunk in der Adelshochburg Hessen und war auch tätig für den Stern, den Spiegel, NDR und WDR. Er vermarktete sich als den großen Enthüller mit Beiträgen zur Flick-Affäre, Korruption bei VW und Hypo Real Estate. Für die Russen ist es natürlich immer lohnenswert, wenn über solche Skandale im Westen berichtet wird, weil die Russenpropaganda dann die Stimmungen auffangen und suggerieren kann, dass der Westen verkommen und im Verfall wäre. Russland sei die Lösung auf alle Probleme.

Seipel bekam exklusiv das weltweit erste TV-Interview mit Edward Snowden und durfte persönlich ganz nahe an Putin heran. Warum machte er keine Enthüllungen über Russland wie Catherine Belton oder Jürgen Roth?

Manche deutschen Medien waren entsetzt über Seipels Putin-Interview zur Krim, wie etwa die WELT:

Wie viel Unterwürfigkeit muss man für das Recht eines exklusiven Interviews anbieten, wäre eine Frage, die dringend zu diskutieren wäre.

In der Vergangenheit war es meistens so, dass der russische Geheimdienst vorab die geplanten Interview-Fragen westlicher Journalisten beschaffen konnte. Dementsprechend ließen sich die Antworten besser planen. In den deutschen Medien, auch den staatlichen, waren Spione die sich bezahlen ließen. Politiker, die einen Kuschelkurs gegenüber Russland betrieben, können sich herausreden mit dem größeren politischen Kontext. Sogar die US-Administration von George W. Bush wollte Appeasement, damit Russland nicht zu nahe an China heranrückt. Den Russen wurde alles Mögliche verziehen, auch der Smolensk-Flugzeugabsturz bei dem wichtige Funktionäre des polnischen Staates ums Leben kamen.

Jeder hauptberufliche oder zumindest deutliche „Russland-Versteher“ ist nicht nur unter Generalverdacht, ein Agent der Russen zu sein, sondern auch unter Generalverdacht, ein Doppelagent zu sein. Jemand kann spielend leicht den Russland-Versteher spielen, insbesondere wenn es sich um jemanden handelt, der ständig über westliche Korruption berichtet. Solche Figuren bekommen russische Kontakte und dafür interessieren sich westliche Geheimdienste.

Der Focus maulte über Seipel:

Direkter Zugang zum Präsidenten ist Hofberichterstattern vorbehalten, oder eingeflogenen Star-Journalisten, die vom Thema Russland so viel Ahnung haben wie Wladimir Putin vom Schuhplatteln und deshalb auf jede gefährliche Bewegung oder Frage verzichten müssen.

Viele Medien, die mit Seipel kooperierten und auch sein Verlag sind nun unter Druck, die Sache aufzuarbeiten. Auch stellt sich die Frage, wohin exakt das russische Geld geflossen ist und wie Seipel diese Einnahmen verbucht hat. Der Verlag Hoffmann und Campe prüft rechtliche Schritte. Das kann bedeuten, dass man Honorare zurückfordert und Schadensersatz. Der NDR will die Sache ebenfalls prüfen wegen dem „Verdacht, dass wir und damit auch unser Publikum vorsätzlich getäuscht worden sind“. Der NDR betont, dass Produktionsverträge und Compliance-Regeln des Senders verlangen würden, dass mögliche Interessenskonflikte offengelegt werden und die journalistische Arbeit frei vom Einfluss Dritter durchgeführt werde.

Kurz vor dem Ukraine-Krieg erschien Seipels „Putins Macht: Warum Europa Russland braucht“ bei Hoffmann & Campe. Alleine der Titel ist bereits deutlich. Es werden klischeehafte Talking Points abgespult:

„Ein gemeinsames Europa wird nicht ohne Russland gehen – Nicht nur weil das Land die größte Atommacht der Welt ist, sondern auch weil Moskau Teil der europäischen Gesichte ist (…)“

West-Europa kam auch in der Sowjet-Ära zurecht, als die Russen zehntausende Atomsprengköpfe hatten und keiner weinte alten Kapiteln der Geschichte hinterher. Das Zarenreich war aggressiv-expansionistisch und gleichzeitig völlig rückständig.

Mordaschow

Der Oligarch Alexei Mordaschow, der die Zahlungen an Seipel angeleiert haben soll, studierte zunächst in Leningrad und dann an der britischen Northumbria University die auf den britischen König George V. zurückgeht. Es ist eine Parallele zu den beiden Universitäten, die Seipel besucht hatte, die leicht zu übersehen ist. Der König herrschte während Russlands Übergang von den verwandten Zaren aus den Adels-Häusern Hessen und Dänemark zum Sowjetkommunismus. Lord Louis Mountbatten stand unter Verdacht, den Sowjets nahe zu sein.

Der Cousin von George war der russische Zar Nikolaus II. Im Ersten Weltkrieg waren Britannien und Russland Verbündete. Zusammen mit Frankreich hatte man eine Offensivallianz geschmiedet und Russland skalierte seine Truppenstärke hoch auf 1,5 Millionen Mann. Jeder wusste, dass dies Krieg bedeuten würde. Neuere Forschungen, wie von dem Cambridge-Historiker Christopher Clark, beschreiben Russland als treibende Kraft hinter dem Weltkrieg. Deutschland wusste, dass es sich mit Österreich in einer schwachen Allianz befand. Das britische Königshaus und der russische Zarenthron hatten viele hochadelige Verwandte auf deutschem Boden aus Häusern wie Hessen und Schleswig-Holstein und Mecklenburg. Die wahrscheinliche Spionage wurde nie richtig aufgearbeitet.

Kind George bot dem russischen Zaren Asyl an. Die Geheimabteilung MI1, also British Military Intelligence Section 1, erhielt den Auftrag, die Zarenfamilie aus Russland herauszuholen. Angeblich wurde der Plan aber nicht umgesetzt. Jahrzehnte nach dem Verschwinden der Zarenfamilie präsentierten die Sowjets Knochen und machten einen DNA-Abgleich, der von renommierten internationalen Experten angezweifelt wurde. Die allermeisten Romanow-Großfürsten samt Familie verließen Russland unbeschadet. Vier Großfürsten wurden angeblich ermordet, aber es gab keine wirklich identifizierbaren Leichen.

Der Oligarch Mordaschow machte eine Blitz-Karriere. In den USA investierte er in Stahlunternehmen und erhielt sogar einen Kredit des US Department of Energy. Bis zu 3 Milliarden $ flossen in Stahl-Anlagen in Dearborn und Columbus.

AlexBenesch
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