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Briten halten Marsalek von Wirecard für russischen Spion. Was wusste Olaf Scholz?

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Der frühere Wirecard-Manager und Justizflüchtige Jan Marsalek wird von britischen Ermittlern verdächtigt, Teil eines Spionagenetzwerks für Russland gewesen zu ein. Wirecard lockte Aktionäre mit der Verheißung, das nächste Facebook oder PayPal zu sein; ein deutscher Tech-Konzern der es mit den größten Playern der Welt aufnehmen kann.

Reporter wie Dan McCrum konnten jedoch mit geringen Kosten frühzeitig feststellen, dass es sich um eine gigantische Luftnummer handelte: Mit einem Flugticket und etwas Geld für Auslagen besuchten Spürnasen die „Geschäftsräume“ in Asien, wo angeblich die meisten Profite gemacht wurden, und fanden leere Lagerhallen und Briefkasten-Firmen. Man muss davon ausgehen, dass gleichzeitig der britische Geheimdienst diesen Sachverhalt registrierte.

Im Netz verbreiteten sich Gerüchte, die den Aktienkurs senkten, woraufhin dann jedes Mal die Ausrede präsentiert wurde, die Unterstellungen seien Teil einer Kursmanipulation, bei der auf einen Kursverfall gewettet wurde.

Wirecard bot den Russen an, das Zahlungs- und Werbungs-System der großen U-Bahn-Linien zu revolutionieren. Das Handy würde den Leuten anzeigen, wo und wann die nächste Bahn fährt, und wo man sich in der Zwischenzeit Dinge kaufen kann, die einen interessieren. Für Russland war es nicht ungewöhnlich, westliche Technik zu benutzen wie Microsoft Windows, westliche Smartphones oder Hard- und Software fürs Stromnetz. Aber jedes Mal ergeben sich Sicherheits- und Kostenbedenken. Wirecard könnte ja theoretisch die Nutzer ausspionieren, oder die kosten laufen aus dem Ruder. Es sind keine Details bekannt über eine Hintergrundprüfung der Russen, aber eine solche hätte schnell ergeben, dass die asiatischen Locations fake waren und kaum irgendwelche nennenswerten Programmierer für Wirecard arbeiteten. Schamlose Übertreibungen wären noch durchgegangen, aber ein kompletter Scam eben nicht. Wir wissen nicht, welche Schritte die Russen unternahmen, um die Situation auszunutzen. Die SPD, auch Olaf Scholz, gab sich sympathisch gegenüber Wirecard.

Es gibt Anekdoten in Dan McCrums Buch. laut denen Marsalek russische Kontakte hatte, um sich wichtig zu führen und mehr Einblick zu erhalten. Es wäre wohl legal für die deutschen Behörden gewesen, Wirecard gründlich zu überprüfen. Zusätzlich hätte es nur eine (indirekte) Bitte bei den Amerikanern gebraucht, um tiefer nachzusehen.

Die Briten haben mehrere Personen verhaftet, die russische Spione sein sollen. Deren „Führungsoffizier“ oder Mittelsmann soll Marsalek gewesen sein. Die zwei Frauen und drei Männer, die im Februar festgenommen worden waren, streiten die Vorwürfe allesamt ab.

Es ging angeblich um die Beschaffung von militärischer Ausrüstung für Russland, die Ausstattung mit Spionagewerkzeugen und das Abhören von Moskau-feindlichen Personen.

So soll Marsalek auch den Auftrag erteilt haben, für Russland relevante Orte wie einen NATO-Stützpunkt in Deutschland auszukundschaften. Bei Durchsuchungen wurden unter anderem eine große Zahl von gefälschten Reisepässen sichergestellt. Warum würde Russland einen Betrüger einsetzen für Operationen, wenn stattdessen viele klassisch ausgebildete Geheimdienstler zur Verfügung stehen? Was sind die Vorteile, die Marsalek zu bieten hat?

Olaf Scholz (SPD) gilt bei der CDU als der politisch Verantwortliche für die Milliarden € an Schaden. Jahrelang hatte sich Scholz‘ Finanzministerium für den Konzern Wirecard eingesetzt. Das Bundesfinanzministerium verweigerte die Auflistung von Kontakten des Ex-Finanzministers mit Lobbyisten der Finanzwirtschaft.

Wirecard stellte sich als Bude von Blendern heraus, die sich von Steve Jobs abguckten, wie man einen Turtleneck-Pullover trägt und auf der Bühne vor Investoren hochtrabende Pläne darlegt. Facebook winkte ab, als Kooperationsangebote kamen. Die Russen winkten ab. Im mittleren Osten winkte man ebenfalls ab.

Jan Marsalek war rechtzeitig verschwunden. Die BILD behauptete, er sei in Moskau geparkt vom russischen Geheimdienst.

Die deutsche Justiz habe laut „Bild“ ein Rechtshilfeersuchen an die russische Regierung gestellt. Der FSB möge ihn doch bitte verhaften und ihn an Deutschland ausliefern. Der Bundesnachrichtendienst (BND) und das Bundeskanzleramt sollen bereits letztes Jahr von seinem Aufenthaltsort gewusst haben.

Jörn Leogrande war der PR-Blender bei dem Laden Wirecard und schrieb das Buch „Bad Company“ (Penguin Verlag) über die Geschichte, wie eine belanglose „Bumsbude“ aus München, die mit Fake-Online-Blumenshops Zahlungen versteckte für Pornos und Online-Glücksspiel, zum DAX-Konzern aufstieg, ohne auch nur irgendein nennenswertes Produkt zu haben oder irgendein Alleinstellungsmerkmal. Man hatte nichts außer Powerpoint-Folien, PR-Satzbausteine und Presseerklärungen, laut denen man ein Transaktionsvolumen von 800 Milliarden Euro erreichen und klassische Banken aussterben lassen wird wie die Dinosaurier.

Das große Märchen, das an Aktionäre vermarktet wurde, besagte dass Jan Marsalek der nächste Jeff Bezos oder Mark Zuckerberg sei und dass endlich einmal ein deutscher Konzern im Tech-Bereich auf globaler Ebene im Club der Großen (Google, Facebook usw.) mitspielen kann. Nun ist es aber so, dass gigantische US-Konzerne sich häufig aus einer engen familiär vernetzten Oberschicht heraus entwickeln, und sogar einen heimlichen militärischen oder geheimdienstlichen Hintergrund aufweisen. Deshalb sind solche US-Konzerne trotz mancher Verrücktheiten einfach gut organisiert, liefern Produkte die sie versprechen und haben einen konkreten Nutzen für das angloamerikanische Empire.

Wirecard hingegen war auch dann noch eine Bumsbude, als die Firma schon am DAX gelistet war und den Aktionären suggerierte, sie sollen schon mal einen Lamborghini ordern und sich nach einem Ferienwohnsitz auf den Kanaren umsehen.

Richtige Tech-Konzerne hatten Führungsfiguren mit Top-Abschlüsse von Harvard oder dem MIT. Die konnten überblicken, was ihre Belegschaft denn eigentlich entwickeln sollte. Marsalek von Wirecard hatte nicht mal Abitur, keine relevante Bildung im Programmieren und bekam seine Anstellung in der Frühzeit der Firma nur, weil er vorgab, sich mit dem Wireless Application Protocol (WAP) auszukennen und verbrannte dann schlappe 2 Millionen Euro, was Wirecard fast gekillt hätte.

Das einzige, was bei Wirecard über längere Zeit reibungslos lief, waren Zahlunsgabwicklungen für Pornoseiten, Online-Glücksspiel das in den USA weitgehend verboten war, und der „Subprime“-Markt, also Zahlungsdienstleistungen im Internet für zahlungsschwache Kunden, die unbedingt 29,95$ zahlen wollten für eine Pornoseite, aber von keiner Bank eine VISA oder Mastercard bekommen hätten. Das waren noch die Zeiten, als Leute für Pornos bezahlten. Dieser ganze Geschäftsbereich wäre also für Wirecard ohnehin kollabiert. Und dann kamen noch die amerikanischen Staatsanwaltschaften und das FBI, um Online-Casinos dicht zu machen.

2008 postete ein Blogger, der so ziemlich die einzige Person war, der die öffentlichen Bilanzberichte von Wirecard wirklich mal komplett durchgelesen hatte, unter Pseudonym eine Reihe an Vorwürfen, über eine mutmaßlich grotesk frisierte Buchhaltung. Schlimmer noch: Auf der Hauptversammlung der Wirecard AG im selben Jahr spricht jemand von dem Verein „Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger“ (SDK) am Podium und spricht dabei Punkte an, die schon der anonyme Blogger zuvor ins Netz gestellt hatte. Die SDK-Manager Markus Straub und Tobias Bosler brachten diese Kritik auch in ihren Börsen-Infobriefen. Die Wirecard-Aktie bricht um über 20% ein, etwas später nochmal um 40%. Wirecard verklagte die SDK und die Finanzaufsicht Bafin sollte prüfen, ob es sich bei den Vorwürfen um eine orchestrierte Kampagne handelte, bei der jemand sich bereichern wollte, indem derjenige auf den Fall der Aktie gewettet hatte (sogenanntes Shortselling). Jan Marsalek himself will in Erfahrung gebracht haben, dass Bosler und Straub von der SDK in London mit einem risikoreichen Hebel von 20 auf den Fall der Wirecard-Aktie gesetzt hätten. Angeblich sollen die SDK-Vorstände einen Millionengewinn eingestrichen haben. Die negative Presse über das Shortselling bot dann für Wirecard die perfekte Gelegenheit, um von der eigenen funky Buchhaltung abzulenken.

Bosler und Straub hätten sich angeblich bereichert und auch noch ihren Ruf als Beschützer von Aktionären gefestigt. Einige Anleger, deren Wirecard-Aktien im Kurs gefallen sind, hassen die SDK. Straub tritt 2008 noch von seinem Posten bei der SDK zurück. Eigentlich wollte der das „Schwarzbuch Börse“ schreiben. 2012 landen Straub und sein Kollege Bosler dann in Haft. Nicht einfach nur wegen der Wirecard-Sache, sondern weil diese beiden „Beschützer von Kapitalanlegern“ eine ganze Reihe an Kapitalanlegern betrogen hatten. Bosler gönnte sich eine 20-Meter-Yacht, hieß es bei der Süddeutschen Zeitung. Der Trick funktionierte so: Man deckte sich mit billigen Aktien von jungen Schrott-Unternehmen ein, und dann jubelte man diese Firmen in der Presse hoch, damit möglichst viele Anleger die Aktie kaufen und damit den Kurs hochtreiben. Die Schlaumeier verkauften dann ihre Aktien mit Gewinn und dann krachte der Kurs in sich zusammen, weil die Firmen hinter den Aktien nicht viel taugten. Dieser Scam lief in Dauerschleife und irgendwann begannen die Behörden zu ermitteln, denn die Sache hatte sich hochgeschaukelt. Diese Schrott-Aktien wurden u.a. beworben in einem der größten deutschen Finanz-Magazine von einem freien Mitarbeiter, der nach dem Skandal umsattelte auf das Geschäft eines Online-Verschwörungs-Influencers. Er lebt nun im Ausland und zwar in einem Land, das kein Auslieferungsabkommen mit Deutschland hat. Er kannte Bosler und Straub seit geraumer Weile.

Wirecard erholt sich dank Bosler und Straub von den eigenen Skandalen. Die bösen Shortseller hätten Wirecard einfach unfair attackiert. Wirecard floppt bei großen neuen Projekt-Ideen in Russland mit dem anvisierten Partner Megafon. Vier Jahre lang ackerte man an einer geplanten Tech-Demonstration im irischen Dublin nahe der Facebook-Zentrale, weil man unbedingt Mark Zuckerberg beeindrucken und von einer Kooperation überzeugen wollte. Im letzten Moment fragte die Wirecard-Führung, ob man das, was für Android programmiert wurde, nicht einfach auch auf Apples iPhones laufen lassen könnte, weil das cooler ist. Sicher. Man müsste dazu einfach noch mal alles von vorne anfangen. Zu der Demonstration in Dublin kam es dann nie.

Und so ging das in Serie. Entweder es hagelte Absagen, oder man stümperte herum, ohne nennenswert Geld zu verdienen, aber die verkündeten Bilanzwunder erweckten den Eindruck, man sei das neue Microsoft. Womit verdienen wir eigentlich unser Geld? Naja, mit irgendwas in Asien.

Dummerweise kommen immer mehr Enthüllungs-Storys in der Presse, die sich nicht dauerhaft mehr wegdrücken lassen mit Presseerklärungen über fiese Shortseller. Inzwischen gibt es Whistleblower und Dokumente, die bei großen Zeitungen landen. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG legt einen Bericht vor, in dem es heißt, dass die wichtigsten Treiber für Umsatz bei Wirecard nicht nachweisbar vorhanden seien. Auch EY meint, man könne Konten mit angeblich 1,9 Milliarden Euro drauf in den Philippinen nicht verifizieren. Marsalek flüchtet, die Wirecard-Titanic sinkt endgültig.

Das Buch „Bad Company“ von Jörn Leogrande ist feinste corporate comedy und sehr lehrreich obendrauf. In jeder Branche gibt es solche Scam Artists und es ist eine der wichtigsten Fähigkeiten, so etwas möglichst schnell zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren.

Der deutsche Generalbundesanwalt (GBA) untersucht nach Angaben des deutschen Bundesjustizministeriums Anhaltspunkte dafür, „dass der österreichische Staatsangehörige Jan Marsalek von einem Mitarbeiter des österreichischen Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) als Vertrauensperson geführt wurde.“ Im Januar 2021 wurden in diesem Zusammenhang zwei BVT-Mitarbeiter und der ehemalige FPÖ-Nationalratsabgeordnete Thomas Schellenbacher verhaftet. Im 3. Untersuchungsausschuss der 19. Wahlperiode des Deutschen Bundestages soll es auch um die Frage gehen, ob Marsalek Kontakte zum früheren Geheimdienstkoordinator Klaus-Dieter Fritsche hatte.

https://de.wikipedia.org/wiki/Jan_Marsalek

Zuletzt gesehen wurde er in Wien, wo er sich kurz vor dem Abflug von einem Privatflugplatz in einem italienischen Speiselokal mit einem früheren Mitarbeiter des österreichischen Verfassungsschutzes traf. Das Handelsblatt berichtete unter Berufung auf Unternehmer-, Justiz- und Diplomatenkreise, dass Marsalek auf einem Anwesen westlich von Moskau unter Aufsicht des russischen Militärgeheimdienstes untergebracht sei.

AlexBenesch
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