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So hatten die USA vor Jahren versucht, Erdogan in einem Putsch zu beseitigen

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Kommentar

Am 15. Juli 2016 versuchte eine Fraktion innerhalb der türkischen Streitkräfte einen Staatsstreich gegen die Regierung und Präsident Recep Tayyip Erdoğan. Sie versuchten, die Kontrolle über mehrere Orte in Ankara, Istanbul, Marmaris und anderswo zu übernehmen.

Es folgten Massenverhaftungen, bei denen mindestens 40.000 Personen festgenommen wurden, darunter mindestens 10.000 Soldaten und 2.745 Richter, weil sie am Putschversuch beteiligt waren. Außerdem wurden Lehrkräfte suspendiert, die an privaten Einrichtungen arbeiteten im Zusammenhang mit der Gülen-Bewegung.

Unsere westliche Politik und die Medien gaben sich sehr enttäuscht und betonten, der Putschversuch sei klein und zögerlich gewesen, und darüber hinaus womöglich fake. Erdogan habe die Sache inszeniert, um das Militär zu säubern und die Gülen-Bewegung loszuwerden.

Fethullah Gülen, der mit seinem Multimilliarden-Dollar-Netzwerk an Bildungseinrichtungen die Gesellschaft infiltrieren wollte, um sie letztendlich mit einem Sufi-Islam zu kontrollieren, gab sich völlig unschuldig an dem Putschversuch in der Türkei. Zu Gülens Befürwortern zählte u.a. der ehemalige CIA-Spionagechef Graham Fuller. Clare Lopez und Christopher Holton veröffentlichten in ihrem Buch „The Gulen Movement: Turkey’s Islamic Supremacist Cult“ haufenweise Fakten und informierte Spekulation:

  • USA Today berichtete 2015, dass die Gülen-Organisationen hunderte Reisen von US-Kongressabgeordneten und deren Assistenten bezahlt hätten. Die Quellen der Finanzierung seien fragwürdig und undurchsichtig
  • In dem Gülen-Buch von 1998 mit dem Titel „Prophet Mohammed as Commander“ wird der Zivilisations-Dschhad geschildert. Man infiltriert die türkische Gesellschaft, insbesondere Justiz und Polizei
  • Warum lässt die USA Gülen gewähren?
  • Hillary Clinton spach 2007 bei einer Gülen-Veranstaltung. Auch Graham Fuller (CIA) und die ehemalige Außenministerin Madeleine Albright besuchten solche Veranstaltungen
  • Die Bewegung hat keine formelle Registrierung und keine Adresse

In dem Buch „Recep Erdogan: The End Game versus Fethullah Gulen“ von by Brad Power gibt es weitere interessante Hintergründe:

  • Gülen wurde 2008 in einer Umfrage von Prospect Magazine und Foreign Policy Magazine zum führenden Intellektuellen der Welt erkoren mit hunderttausenden Stimmen
  • Das FBI befürchtet, dass Gülen finanziert wird durch die CIA und die Saudis
  • Bei einem Gerichtsfall über die Einwanderung von Gülen enthüllte die Staatsanwaltschaft eine illegale CIA-Operation für die Islamisierung von Zentral-Asien für die Kontrolle über Usbekistan, Aserbaidschan, Kasachstan und Turkmenistan
  • Die Russen sind äußerst misstrauisch, fürchten neues pan-türkisches Großreich und schlossen Gülen-Schulen in Russland. Der FSB hält Gülen für Frontorganisationen der CIA

Der türkische Geheimdienst MIT informierte laut einer Meldung der Hürriyet Daily News ranghohe Generäle Stunden vor Beginn des Putsch-Versuchs über die drohende Situation. Der Generalstabschef General Hulusi Akar leitete sofortige Schritte ein. Die westlichen Medien erwähnten ungern die sehr wahrscheinliche Möglichkeit, dass der Plan ganz einfach vorher durchgesickert war. Sobald das Überraschungsmoment verloren war, die Ergreifung Erdogans scheiterte und Erdogan-treue Militärs Maßnahmen ergriffen, erlahmte der Putschversuch ziemlich bald.

Dank einer Vorwarnung aus dem Geheimdienst konnte er laut Berichten in einem Privatflugzeug türmen, bevor Putschisten sein Hotel angriffen. In diesem Flugzeug sei er dann nach Istanbul geflogen. Angeblich wären F16-Kampfflugzeuge der Rebellen in der Lage gewesen, es abzuschießen.

Möglicherweise beherbergte das Privatflugzeug Erdogan aber gar nicht, sondern diente nur als Ablenkung. Vielleicht reiste er in einem anderen Fluggerät, wie einem Sikorsky S-92. Die türkischen Behörden hielten sich mit Details sehr zurück, was wenig überrascht, da die Sicherheitsprotokolle für den Präsidenten nun einmal geheim sind.

Die Türkei verfügt über eigens produzierte Systeme zur elektronischen Kriegsführung wie zum Beispiel KORAL, mit denen Kampfflugzeuge und deren Waffensysteme gestört werden können.

Der Blog The Aviationist ging davon aus, dass Erdogans Maschine sich später, in der Warteschleife über Istanbul, getarnt hätte mit einem falschen Transpondersignal. Dieses Detail wurde in der internationalen Presse weitläufig zitiert. Die Putschisten seien demnach unsicher gewesen, in der Dunkelheit eventuell eine Passagiermaschine zu treffen.

Der Putsch war anscheinend zu früh durchgesickert und schnell im Sande verlaufen. Die Piloten der Putschisten haben eventuell einen Rückzieher gemacht, weil sie nicht selbst abgeschossen werden wollten und die Aussichtslosigkeit ihres Unterfangens begriffen.

Die iranische Nachrichtenagentur Fars, sowie arabische und russische Medien berichteten unter Verweis auf türkische Diplomaten, dass die russischen Streitkräfte türkische Kommunikationen abgefangen und so frühzeitig von den Putsch-Plänen erfahren hätten. Dieses Wissen sei dann mit dem türkischen Geheimdienst MIT geteilt worden. Der neue versöhnliche Kurs zwischen Erdogan und Putin kurz vor dem Putsch hätte „ausländische Staaten“ dazu bewogen, den Staatsstreich in Gang zu setzen. Gemeint sind natürlich die NATO-Länder als Drahtzieher.

Russische Abhöranlagen befinden sich in der Region, wo die Luftschläge gegen Syrien stattfinden. Nicht erwähnt wird, inwiefern die russische Spionage den türkischen Staat infiltriert hat und auf diesen Weg von dem Putsch erfuhr. Ein versönlicher Erdogan scheint den Russen weitaus lieber zu sein, als eine neue türkische Regierung, die mit Hilfe der CIA und der Gülen-Bewegung an die Macht gelangt.

Die türkischen Medien bestätigten zumindest, dass der Geheimdienst fünf Stunden vor dem öffentlichen Bekanntwerden des Putschversuchs bereits im Bilde war und die höchsten Militärs dementsprechend informieren konnte. Erdogan wurde anscheinend erst später kontaktiert, durch seinen Schwager Ziya Ilgen. Laut dem Fernsehsender CNN Türk traf sich der Chef des Geheimdienstes MIT, Hakan Fidan, mit hohen Generälen fünf Stunden vor den ersten öffentlichen Erwähnungen eines Putschversuchs. Angeblich seien die Putschisten so unter Druck geraten, ihre Aktion vorzuziehen und statt Samstag morgens bereits am Freitag Abend loszuschlagen. Wegen dem Verlust des Überraschungsmoments und dem über den Haufen geworfenen Zeitplan verlief der Putschversuch schnell im Sande.

Sogar der ehemalige NATO-General Domröse musste zugeben: Der Putschversuch in der Türkei war sicherlich echt.

In dem Standardwerk „CIA: Die ganze Geschichte“ erläutert der Autor Tim Weiner anhand von zehntausenden ausgewerteten Akten, wie der amerikanische Geheimdienst in vielen Fällen Putschversuche auf der Welt angeleitet hatte und dabei oft scheiterte. Den Massenmedien sind diese Zusammenhänge durchaus bewusst. Immer wieder nutzte die CIA Bestechung oder Erpressung, um Militäroffiziere für einen Staatsstreich anzuwerben, aber auch geheime Waffendepots wurden angelegt.

Die USA hatten lange an Erdogans Ast gesägt, mit wirtschaftlichen Methoden die türkische Wirtschaft geschwächt und mit seinen Rivalen angebandelt wie Mustafa Koc und Fethullah Gülen. Koc ist überraschend Anfang 2016 gestorben. Er wurde zur Zielscheibe, nachdem er den Demonstranten der Gezi Park-Proteste geholfen hatte. Seiner Firmen wurden von den Steuerbehörden ins Visier genommen und große Staatsaufträge wurden abgesagt. Studiert hatte er an der George Washington University in Washington D.C. und nahm an Bilderberg-Konferenzen teil. Seine Unternehmensgruppe kooperierte mit westlichen Unternehmen wie Ford. In der deutschen Presse waren schwärmerische Artikel über ihn erschienen.

Gülen lebt immer noch im amerikanischen Exil und beteuert seine Unschuld am Putschversuch. Sogar das FBI und die russischen Geheimdienste vermuten, dass Gülen Geld von der CIA und den Saudis erhält.

AlexBenesch
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