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War der Hamburger Amok-Killer psychisch krank?

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Kommentar

Die Schlagzeilen zum Hamburger Amok-Killer verlagern sich auf das Thema Waffenrecht: Er sei Sportschütze gewesen und habe seine Pistole legal besessen.

Es gibt angeblich ein anonymes Schreiben, das anlässlich der Waffentauglichkeitsprüfung von Philipp S. bei der Polizei eingegangen war. Er sei psychisch krank, wolle sich aber nicht in Behandlung begeben. Er habe einen Hass auf religiöse Gruppen.

Das müsste vor wenigen Monaten erst passiert sein. Vielleicht tauchen nun weitere solche Hinweise auf; entweder durch Personen, die mit ihm Umgang hatten, oder durch die Inhalte auf seinem Computer/Handy.

Erst seit Dezember 2022 habe Philipp F. über eine Waffenbesitzkarte verfügt und sei im Besitz einer halbautomatischen Pistole gewesen als Sportschütze. Ob er bei einer psychologischen Vorabprüfung durchgefallen wäre, ist unklar. Dass er so kurz vor der Tat die Erlaubnis bekam, wirft die Frage auf, ob er wegen einer geplanten Tat überhaupt erst Sportschütze wurde.

Er hätte mehrfach Anzeige erstattet gegen Personen wegen des Vorwurfs des Betrugs. Vielleicht hatte er sich aber nur mit seinen Unternehmungen verzettelt. Er bot seine wirtschaftlichen Beraterdienste an für mindestens „250.000 Euro plus 19 Prozent Mehrwehrsteuer“ pro Tag. Ziemlich viel für einen unauffälligen Mann mit BWL-Studium.

Ein schwurbeliges Buch von ihm dreht sich um Religion, Himmel und Hölle. Psychische Störungen können in Kombination miteinander auftreten, also beispielsweise Erkrankungen aus dem Schizo-Spektrum, Narzissmus, Psychopathie, emotionale Instabilität usw.

Die Tat zeigte eine erhebliche Brutalität und er hatte keine berufliche Vergangenheit, die etwas mit Kampfsituationen zu tun hat und ihm womöglich eine posttraumatische Belastungsstörung verpasste. aus nächster Nähe bereitwillig auf Menschen zu feuern, ist sehr ungewöhnlich.

Bei vielen solchen Tätern findet man im Nachhinein eine ausführliche Geschichte psychischer Störungen und schwerer Medikamente. Bei dem Todespiloten des Germanwings-Unglücks fand man heraus, dass er von einem Arzt zum anderen gesprungen war und seine psychiatrische Behandlung viele Medikamente einschloss. Bei dem Aurora-Massaker fand die behandelnde Ärztin kurz nach der Tat ein verstörendes Notizbuch von James Holmes. 20 Ärzte erklärten, dass er schizophren war. Der „Virgin Killer“ Elliot Rodger nahm lange Videos auf vor seiner Tat und erklärte, die Frauenwelt dafür bestrafen zu wollen, dass sie ihn bisher ignoriert hätte. Seit seiner frühen Kindheit wurde er von einem Psychotherapeuten zum anderen geschoben. Antipsychose-Medikamente lehnte er ab und den Psychoterror seiner Mitschüler ertrug er nicht. Der norwegische Terrotist Anders Breivik wurde von Fachärzten diagnostiziert mit einer schweren narzisstischen Persönlichkeitsstörung.

Rund 1% der Bevölkerung hat eine ausgewachsene antisoziale Störung und praktisch keinen Sinn für Gewissen und Empathie. Weitere Teile der Bevölkerung haben stark eingeschränkte Empathie und würden bei Tests auf der Psychopathen-Skala des Forschers Robert Hare irgendwo zwischen 15 und 40 Punkten liegen. Die Verbreitung von Narzissmus ist dermaßen groß, dass es vielen Menschen, die Narzissmus nicht verstehen, gar nicht groß auffällt.

Narzissmus und die antisoziale Störung können zusammen auftreten mit weiteren Erkrankungen wie etwa Depression oder emotionaler Instabilität. Bei Omar Mateen finden wir Beschreibungen über einen wirren, größenwahnsinnigen Vater und eine gewalttätige Mutter. Schon als Kind demonstrierte Omar mangelnde Empathie und machte im Schulbus Witze über die Opfer der Anschläge von 9/11. Ein gewisser islamisch gefärbter Gruppennarzissmus war leicht erkennbar.

Die Ex-Freundin von Germanwings-Pilot Andreas Lubitz erhärtete in einem BILD Plus-Interview den Verdacht auf eine schwere narzisstische Persönlichkeitsstörung. Die 26-jährige Stewardess, die mit ihm fünf Monate lang eine Beziehung gehabt haben soll, schilderte ihre Angst vor einem Mann, der regelmäßig ausrastete, nach außen jedoch einen makellosen Eindruck erweckte. Seine Probleme wurden immer deutlicher und waren schließlich der Grund für eine Trennung. Er kündigte ominös an:

„Eines Tages werde ich etwas tun, was das ganze System verändern wird, und alle werden dann meinen Namen kennen und in Erinnerung behalten.“

Sein Hauptproblem waren wahrscheinlich nicht Phasen von Depressionen, sondern eine narzisstische Persönlichkeitsstörung. Die FAZ zitierte einen Experten mit exakt dieser vorläufigen Einschätzung:

„Ein solcher erweiterter Suizid auf solch gewalttätige Art und Weise ist nicht typisch für das Krankheitsbild einer Depression.“

Für ihn ähnelt das Vorgehen des Kopiloten eher dem von Amokläufern, einer Personengruppe, die häufig unter einer Persönlichkeitsstörung mit einem hohen Kränkungserleben leidet. Zu einer solchen Persönlichkeitsstörung könne eine Depression hinzukommen.

Für normale Menschen sind beruflicher Stress und scheiternde Liebesbeziehungen kein Grund für mehrfachen Mord. Ein Narzisst jedoch nimmt den herausfordernden Alltag ganz anders war: Als eine Serie von tief schneidenden Kränkungen, die nur schwer aufzuwiegen sind durch “narzisstische Nahrung” in Form von Bewunderung, Aufmerksamkeit, Bekanntheit, Bedeutsamkeit. Sie fühlen sich ständig bedroht, von einem tiefen Loch verschluckt zu werden, eine Leere die in der Regel durch frühen Liebesmangel ausgelöst wurde und durch nichts wirklich jemals wieder aufgefüllt werden kann. Sie stehen manchmal sogar Todesängste aus, Furcht vor einer Auflösung ihrer Persönlichkeit, vor einem Dammbruch der sie überfluten kann mit Schmerz und Gefühlen der Wertlosigkeit.

AlexBenesch
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