„Slow Horses“: Eine Spionage-Show über eine rechte False Flag

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Bild: Cnbrb/CC BY-SA 3.0

Man kann getrost die Eigenproduktionen von Netflix und amazon vergessen. Der Streaming-King ist überraschenderweise Apple TV. Aus unerfindlichen Gründen gelang es dem Mega-Konzern, woran die anderen brutal gescheitert sind: Unterhaltung zu produzieren die einem nicht das Fernsehen abgewöhnt.

Es gibt aktuell gleich drei qualitative Shows, die sich um ernste Themen drehen: Tehran über Mossad-Spionage gegen das iranische Regime, Echo 3 über Special-Forces-Soldaten die jemanden aus ihrer Familie aus Kolumbien retten müssen, und Slow Horses über britische MI5-Agenten.

Gary Oldman spielt den ausgebrannten Chef von Slough House, eine Art Nebenstelle des Geheimdienstes MI5, wo die vermeintlich schlechtesten Agenten geparkt werden. Diana, eine hohe Figur im Dienst, hat eine heikle Operation am Laufen, bei der ein Agent eine rechtsterroristische Gruppe anführt, mit der Absicht, maximale Publicity zu generieren und erfolgreiche Verhaftungen durchführen zu können. Die Op läuft aus dem Ruder und die Frage ist, wie weit Diana gehen wird, um ihre Misere zu vertuschen, und inwiefern die vermeintlich schlechtesten Agenten ihr dabei die Tour vermasseln können.

Die Serie verwendet eine gehörige Portion schwarzen Humor, der nicht allzu unrealistisch wirkt. Der eigentliche Plot ist todernst und die Behörden kommen dabei nicht gut weg. Ähnlich wie bei Netflix‘ Stranger Things führte der Erfolg beim Publikum wohl dazu, dass in der zweiten Staffel von slow Horses die Regierung plötzlich deutlich besser aussieht. In Staffel zwei geht es um russische Agenten, aber im Kern ist der Plot nur ein Standard-Krimi um einen Killer, der gejagt wird und der mit den Ermittlern ein Katz- und Maus-Spiel betreibt.

Schauspieler und Charaktere

Gary Oldman ist der Star der Show. Die anderen Schauspieler sind mir völlig unbekannt, machen aber einen guten Job. Oldmans Charakter Jackson Lamb erinnert zwar an die unzähligen ausgebrannten Ermittler aus tausenden Krimis, aber seine Backstory ist wesentlich interessanter und seine Sprüche eines der Highlights. Der junge Agent River wirkt etwas zu nett. Andere Kollegen im Slough House wirken überzeichnet und nicht unbedingt realistisch. Diana erfindet das Rad nicht neu aber man kann es kaum besser machen. Am Rande der Genialität ist ein blonder Gehilfe von Diana beim MI6 mit schleimiger Frisur und schamlos narzisstischer Ader. Eine Art Draco Malfoy.

Drehbuch

Der Plot von Staffel 1 ist ein richtiger Gehemdienst-Thriller. Staffel zwei ist eigentlich nur ein Standard-Krimi-Plot um einen Serienkiller, der die Ermittler zum Narren hält. Die meiste Zeit geht es halbwegs realistisch zu. Manchmal erfordert das Drehbuch jedoch, dass Charaktere unübliche, unrealistische Fehler machen. Man fand das Gleichgewicht zwischen Realismus (der besonders bei vielen LeCarré-Verfilmungen in Langeweile ausartet) und der übertriebenen Action von Serien wie 24.

Es geht flott voran und es fühlt sich nicht alles nur an wie eine Steilvorlage für den großen Payoff im Finale.

Regie

Da es keine großen (und teuren) Actionszenen gibt, brauchte es fähige Regisseure, die aus den vielen Dialogszenen das meiste herausholen können. Man betrachtet fast ausschließlich Personen, die miteinander reden. Manchmal fahren sie im Auto. Selten werden Waffen gezückt und gefeuert. Trotzdem ist die Spannung da.

Look

Der Look ist sehr kompetent, auch wenn man sich gewünscht hätte, dass digitale Filter zur Simulation von klassischem 35mm-Film zum Einsatz gekommen wären. Es sieht zumindest nicht so künstlich-digital aus wie viele Shows auf Netflix oder amazon. Es steckt viel Arbeit dahinter, wie Slow Horses aussieht. Die Locations, die Beleuchtung und die Kamera-Angles drängen sich nicht in den Vordergrund, aber man fragt sich, ob es nicht besser gewesen wäre, mutiger zu sein mit der Cinematografie.

Sound

Der Titelsong ist ein Original von/mit Mick Jagger von den Rolling Stones, der anscheinend ein Fan der Buchvorlage ist. Ansonsten bemerkt man nicht viel von der Musik und dem Ton, was schade ist. Man hätte elektronische „taktische“ Musik-Elemente im größeren Stil kombinieren können mit Musikstilen, die ein Rückgriff sind auf den Flair klassischer Spionage, ohne in totalen Kitsch zu verfallen.

Magic-Faktor

Ich weiß nicht, wie lange es her ist, dass ich tatsächlich bereit war, eine Serie zu „binge-watchen“. Keines der einzelnen Elemente von Slow Horses ist irgendwie neu, aber im Zusammenspiel entsteht tatsächlich ein Magic-Faktor. Spionage in der Realität ist zwar oft langwierig und langweilig, aber letztendlich gibt es kaum etwas Spannenderes. In der zweiten Staffel geht etwas vom Magic-Faktor verloren, weil der Plot eher ein Standard-Krimi um einen Killer ist. Man wünscht sich, dass es den Slow Horses gelingt, einen hochrangigen Russen anzuwerben oder etwas in einer noch höheren Größenordnung.

Ikonografie

Man hatte es darauf angelegt, möglichst viel Ikonografisches in die Serie zu packen. Irgendwas bleibt dann immer hängen. Lambs Gesaufe, Gequalme, sein Gefurze. Sprüche über „London Rules“ im Vergleich zu „Moscow Rules“. Die klemmende Tür vom Slough House. Die ständigen Beleidigungen die sich Agent River ständig anhören muss. Die Ikonografie wird in der Zweiten Staffel schwächer.

AlexBenesch
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