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Wieviel Einfluss haben Gloria von Thurn und Taxis und andere Adelige auf die konservative Sphäre?

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Kommentar

Die Linken beschweren sich aktuell über die Regensburger Gräfin Gloria von Thurn und Taxis und diverse erzkatholische, konservative Seilschaften, mit denen auch Beatrix von Storch (Herzogin von Oldenburg bei der AfD) zu tun haben soll. Aus der begrenzten linken Perspektive ist die Angelegenheit sehr einfach: Der entmachtete Adel wäre wieder gerne mit vollen Privilegien ausgestattet und möchte Deutschland umkrempeln. Die AfD hole sich natürlich Hilfe, wo sie könne.

Aus der begrenzten Sicht konservativer Kommentatoren scheint auch alles sehr simpel. Es handle sich um den Backlash gegen eine linke Weltverschwörung. Hauptsache rechts. Hauptsache Opposition.

In Wirklichkeit ist die Situation aber alles andere als simpel. Zwar hatten Hohenzollern, Habsburger und Bourbonen ihre Macht weitestgehend eingebüßt, aber die Welfen, Wettiner und Reginare hingegen blieben bestehen und erfolgreich; wenngleich das nicht sichtbar sein soll. Sobald die Welfen den britischen Thron ab 1714 kontrollierten, implementierte man eine gesteuerte Aufklärungsbewegung und nutzte die entsprechende Propaganda über Freiheit und Gleichheit, um Frankreich zu destabilisieren, Österreich und Teile Deutschlands.

Britannien baute ein erhebliches sozialdemokratisches Standbein auf mit der Fabian Society und der London School of Economics. Das Ziel war, das gesamte politische Spektrum zu kontrollieren.

Der österreichische Forscher Claus Oberhauser veröffentlichte im vergangenen Jahr eine Studie über den britischen Agenten Alexander Horn, der während und nach der Französischen Revolution diverse Missionen erfüllte und dabei Hilfe erhielt von der Adelsfamilie von Thurn und Taxis. Es ging auch darum, erzkonservative Verschwörungspropaganda zu verbreiten, um in Frankreich möglichst viel Bürgerkrieg auszulösen. Nach verdeckter Hilfe durch britische Geheimdienste für die französischen Revolutionäre verbreitete man nach der Revolution Bestseller-Verschwörungsbücher von Autoren wie Robison, Barruel und Starck, um die Revolution als satanisches Werk von Anarchisten zu brandmarken und eine Rückkehr zur Monarchie zu fordern.

Adelsfamilien aus den Kreisen und dem Umfeld der Welfen, Wettiner und Reginare infiltrierten auch in den 1800er Jahren die völkische Szene in Deutschland und Österreich. Man verbreitete erzkonservative Verschwörungspropaganda und bewarb den Adel als Führungselite. Insbesondere der Adel in Britannien sei der bestmögliche Verbündete für Konservative. Diese Vorarbeit war das Fundament für das spätere britische Täuschungsmanöver gegen die Nazis, das u.a. von Lou Kilzer und Carroll Quigley erforscht wurde. Wie stark adelige Geheimdienstnetzwerke die Geheimnisse Nazideutschlands nach Britannien übermittelten, wurde bislang als Thema weitestgehend vermieden von Historikern.

Als Gerüchte aufkamen, der Baron von Finck hätte sein Geld benutzt, um die AfD zu fördern, fokussierten die Medien auf den Vater des Barons, der ein Nazi gewesen war. Niemand betrachtete den Großvater, der von einschlägigen Adelsnetzwerken seine Karriere und seinen Titel bekommen hatte.

Der Gründer der NPD, Adolf von Thadden, war als britischer Agent enttarnt worden. Vieles an gängigen Verschwörungsnarrativen geht im Wesentlichen auf den britischen Geheimdienst zurück.

Gloria von Thurn und Taxis erzählte Julian Reichelt (ex-BILD) im Interview diverse Meinungen, die das Publikum hören wollte.

Im Schloss St. Emmeram zu Regensburg hatte sie konservative Führungsfiguren eingeladen. Sie wolle einfach „die wichtigen Männer zusammenbringen“. Gast war Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der durch die Verbreitung von Verschwörungsmythen in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie aufgefallen war.

Das TFP-Netzwerk, die „Vereinigungen zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum“, ist international aktiv. Paul Herzog von Oldenburg, der Cousin von Beatrix von Storch (AfD) polterte in dem Zusammenhang:

Die Wiederherstellung einer Gesellschaft, die Gott wieder in den Mittelpunkt setzt, Ihn als den alleinigen Maßstab aller Dinge und Handlungen anerkennt, verehrt und preist. Das ist das Ziel.

Der Adel solle selbstverständlich die Führungsrolle übernehmen.

Die Bauernbefreiung hat also weder mehr Gleichheit noch Freiheit geschaffen, was doch die angebliche Intention war, sondern vor allem die Auflösung des herrschenden sozialen Gefüges und den Beginn der Atomisierung der Gesellschaft.

Es gibt eine Reihe von Organisationen und auch die alte Familienbande der Oldenburger und der russischen Zarenfamilie wird immer wieder betont. Es waren aber adelige Netzwerke, die die Aufklärung leiteten, um vor allem das britische und das US-amerikanische Empire in die Zukunft zu bringen, mit Wissenschaft und Industrieproduktion und einer breiten (aber kontrollierten) politischen Landschaft.

Diverse erzkonservative Netzwerke erinnern an katholische Ritterorden im Zusammenhang mit der CDU. Diese Spurenführen geradewegs hin zu Eliten aus Belgien/Brüssel bzw. der EU.

Diese Seilschaften bewarben lange Zeit ein Näherrücken der EU an Russland.

Geht es wirklich, wie die Linken befürchten, darum dass die Adeligen eine offen adelige Herrschaft etablieren wollen? Oder geht es eher darum, dass der Adel das ganze politische Spektrum im Wesentlichen bestimmen möchte? Die AfD diente bislang nur als Sammelbecken, um dort die unzufriedenen, christlich-konservativen Bürger zu parken. Das Getöse von Gloria von Thurn und Taxis stößt beim begrenzten Zielpublikum auf Wohlwollen, aber dies ändert nichts an den politischen Realitäten und vergrault viel zu viele Personen.

Kaum etwas zeigt so deutlich die Doppelrolle des Adels bei fortschrittlich-aufklärerischen Bewegungen wie der bayerische Illuminatenorden. Die mächtigsten Mitglieder waren verwandt mit dem britischen Thron. Man predigte Gleichmacherei und neue Machtverhältnisse. Aber Welfen, Wettiner und Reginare sollten dabei natürlich nicht wirklich Macht verlieren.

Karl Alexander von Thurn und Taxis (1770-1827) heiratete die Tochter von Erbprinz Herzog Karls zu Mecklenburg und Friederike von Hessen-Darmstadt. Der Erbprinz hatte niemand anderen als den englische König George III. (Haus von Hannover) zum Schwager und diente in der hannoverschen Armee. 1776 wurde er sogar Gouverneur von Hannover. Friederike war eine Tochter des Prinzen Georg Wilhelm von Hessen-Darmstadt, dessen Fürstentum mit Hessen-Kassel in adeliger Verbindung stand. Hessen-Kassel wiederum war eng verbunden mit dem Haus von Hannover vom britischen Königshaus und darüber hinaus förderte Hessen-Kassel die Karriere von Baron Knigge aus dem Illuminatenorden. 1771 machte Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel den jungen Knigge zum Hofjunker und Assessor der Kriegs- und Domänenkammer zu Kassel. Die zweite Ehefrau des Landgrafen soll Knigge sogar eine Ehefrau vermittelt haben. Auch nach seiner Illuminatenzeit wurden ihm Jobs zugeschanzt, wie etwa der Posten eines Oberhauptmanns der großbritannisch-hannoverschen Regierung.

Es war für mächtige, angloamerikanische Kreise leicht, bereits den Frühsozialismus zu infiltrieren und die Bewegung zu übernehmen. In der Folgezeit ließen sich mit dem entsprechenden Geld unzählige linke Organisationen starten. Ob Gloria das alles so versteht, wissen wir nicht. Vielleicht macht sie stur ihre Lobbyarbeit und hofft auf ein adelig-kirchlich beherrschtes Europa und Russland.

AlexBenesch
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