Katastrophales Interview von Kanye West bei Alex Jones

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Kommentar

Wäre Kanye West ein gewöhnlicher Unterstützer der Democratic Party, würde er von dem selbsternannten Verschwörungs-Experten Alex Jones verflucht werden als Zuträger des „linken Deep State“, als mental instabiler Künstler und Feind Amerikas. Stattdessen dient sich Kanye den Republicans und pro-republikanischen Medien an, weshalb er den roten Teppich ausgerollt bekommt.

West dröhnte sich anscheinend zuhause voll mit gewöhnlichem Verschwörungscontent aus dem Internet und glaubte daraufhin zu verstehen, wie die Welt funktioniert. In dem Interview bemühte er sich besonders, Adolf Hitler in ein positives Licht zu rücken. Man solle endlich aufhören, „die Nazis die ganze Zeit über zu dissen“, denn die „jüdischen Medien“ hätten die positiven Dinge unterschlagen, die die Nazis der Welt gegeben hätten. Er „möge Hitler“ und der „Holocaust sei nicht passiert“:

Während der Bill-Clinton-Präsidentschaft und der Bush-Ära stand Jones noch konsequent gegen die Republican Party und warnte vor einem Zwei-Parteien-Kartell. Ab Obama rückte er jedoch immer näher an den konservativen Mainstream bis er fast nur noch eine parteipolitische Dauerwerbesendung machte; wie so viele andere Influencer auch. Moderatoren von FOX News lobten Jones und er lobte sie zurück. Selbst die Animositäten mit Figuren wie Steve Bannon waren vergessen; denn alles was zählte, war die Absicht, der Republican Party noch etwas mehr Wähler zu verschaffen.

Anscheinend will man nicht verzichten auf Millionen Wähler, die fest an die Existenz der Windmühlen von Zion glauben, ohne sich auszukennen mit den letzten paar hundert Jahren an Geschichte. Aber die aktuellen Entgleisungen polarisieren viel zu stark. Die Democrats hätten Schwierigkeiten, gegen Politiker wie Jim Webb zu konkurrieren, aber wenn man hingegen der Wählerschaft vermitteln kann, die Republicans seien durch und durch faschistisch, hat das ein erhebliches Mobilisierungspotenzial.

Zu West und Jones gesellte sich der weiße Rassist Nick Fuentes, der für seine Leugnung des Holocaust bekannt ist. Donald Trump löste Anfang dieser Woche viele Kontroversen aus, als er West und Fuentes zum Abendessen auf seinem Anwesen in Mar-a-Lago empfing.

Später in der Show zog West ein Netz an einem Stock und eine Flasche Yoohoo heraus und sagte, dass dies den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu repräsentiere. West machte eine hohe Stimme und ließ den Stock antisemitische Stereotypen sagen.

„Ich bin der Chef des Mossad.“ „Ich werde dich töten und dir deine Kinder wegnehmen. Wir kontrollieren die Geschichtsbücher und wir kontrollieren die Banken, und wir töten immerzu Menschen.“

Als Afroamerikaner ist er eigentlich das Feindbild für seine rassistische neue Fanbase. In den 1990er und 2000er Jahren erwähnten viele berühmte Rapper das Verschwörungsbuch „Behold a Pale Horse“ von Bill Cooper, dass fast nur aus Fakes bestand, die von woanders abkopiert wurden. Eines der Kapitel war die vollständige Fassung der „Protokolle von Zion.“

Die Musikindustrie ist raubtierkapitalistisch und wenn ein Künstler wie Kanye sich um Geld streitet mit jüdisch-stämmigen Plattenfirmen-Managern oder Banken oder mit dem Finanzamt, dann bieten antisemitische Märchen eine scheinbare Erklärung, und gleichzeitig die Verheißung, dass man dieses Übel bekämpfen könne mit Hilfe der konservativen Sphäre. Die „rechte“ Verschwörungsmythologie hatte alle wesentlichen Ideen übernommen von der älteren linken, bzw. frühsozialistischen Verschwörungsmythologie. In Frankreich wurde Stimmung gemacht nach der Revolution gegen die neue Ordnung. Der britische Geheimdienst hatte eine orchestrierte Kampagne betrieben mit Verschwörungsbestsellerbüchern von Robisn, Barruel und Starck, um möglichst viel Bürgerkrieg in Frankreich anzuheizen.

Später wurde (wohl auch von britischen Netzwerken) die Strategie verfolgt, den Kapitalismus und Banking per se als niederträchtige fremdartige, durch und durch jüdische Angelegenheit zu verdammen. Dies war für Aufrührer in Frankreich auch ein Weg an der Zensur vorbei: Gegen ausländische Banker und Eisenbahn-Unternehmer zu agitieren, war sicherer, als direkt gegen die Französische Regierung und den Code Civil zu hetzen.

Der berüchtigte Karl Marx übernahm die frühsozialistische Verschwörungsmythologie. Er lieferte zwei Haupt-Argumentationsstränge: Einerseits sei Industrie-Kapitalismus und Banking quasi mathematisch zum Scheitern verurteilt, andererseits handle es sich dabei um speziell jüdische Blutsaugerei. Ein nicht-jüdischer Kapitalist handle demnach im jüdischen Geiste.

Die Sozialisten verringerten in den späteren 1800er Jahren die antisemitische Komponente ihrer Verschwörungsmythologie, wodurch als Feindbild dann das „Kapitalistenschwein“ und der privilegierte Bürgerliche übrig blieb, der sich der Obrigkeit andient. Die Völkische Bewegung in Deutschland und Österreich (mit verdeckter Anfeuerung des britischen Geheimdienstes) überbetonte hingegen den Antisemitismus.

AlexBenesch
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3 Kommentare

  1. Man darf Kanye nicht (nur) wörtlich nehmen.

    Eine Gesellschaft, die auf dem Kopf steht, bringt groteske Menschen, Geschehnisse, Hierarchien zum Vorschein.

    Vor einem Jahrhundert war die Welt nicht besser als heute, aber es gab geordnetere Verhältnisse. Es gab einen König. Es gab eine vorherrschende Kultur: christliche Religion. Dann kam das chaotische 20. Jahrhundert, viele neue Ideologien, neue Medien, kulturfremde Einwanderung, Desinformationskampagnen, subtilere Beeinflussung und ein grundsätzlicher Trend des Individualismus.

    Viele Menschen spüren, etwas läuft falsch, aber können das große Ganze nicht sehen, weil sie ungebildet oder ideologisch verblendet sind. Sie leiden unter der Fragmentierung der Gesellschaft und sehnen sich nach Einheit (die ihnen von der Machtelite oder falschen Führern clever präsentiert wird). Sie sind christlich geprägt, selbst wenn sie nicht an Gott glauben, und können nicht anders als in den erlernten Muster verfahren.
    Kanye Wests Verhalten hat mehrere Gründe.

    Geld: Erstens hat in einer politisierten Welt jeder Unternehmer den finanziellen Anreiz, politisch zu sein. Deswegen labert jede Supermarktkette über soziale Gerechtigkeit und jede Ölfirma von Klimawandel. Kanye West bedient eine Nische und macht Werbung. Wer den Regenwald retten will, der kauft einen Kasten Krombacher. Und wer das Klima retten will, der fährt mit der Bahn, einer der größten Feinstaubschleudern Deutschlands.

    Politik: Zweitens wurde Kanye politisch enttäuscht. Nach Hurrican Katrina gab es einen Skandal im Fernsehen, als er sagte, „George Bush kümmert sich nicht um Schwarze“. Was stimmt. Zudem gab es die Kriege in Afghanistan und Irak, was viele Afroamerikaner nach wie vor als weißen Imperialismus sehen. Was größtenteils stimmt. Ich hörte Kanye im Podcast von Lex Fridman sagen: „wir sollen den Geschichtsforschern glauben, aber ich sehe, wie die Nachrichten in Echtzeit Dinge behaupten, die nicht wahr sind“. Was stimmt. Kein Wunder, dass Kanye der Politik nichts mehr glaubt. Den Holocaust in Frage zu stellen und Hitler toll zu finden, ist faktisch absurd, aber wenn die Medien bei jedem Furz lügen, dann ist es nicht irrational.
    Religion: Drittens ist Kanye christlich. Erstens sieht er den Einfluss des Christentums schwinden und möchte dagegen handeln. Zweitens lehrt das Christentum, Jesus nachzuahmen, die Sünden der Welt auf sich zu nehmen und individuelle Verantwortung zu übernehmen. Kanye weiß vielleicht nicht, WAS falsch läuft. Aber er sieht, DASS etwas falsch läuft und nimmt selbstlos das Medienfeuer auf sich, dass sich etwas ändert und andere den Mund aufzumachen trauen. Ein größeres Opfer kann man nicht bringen.

    Philosophie: Viertens spielt sich Ähnliches schon länger ab – und zwar bei Comedians; YouTube hat diesen Trend verstärkt. West spielt die Rolle (egal ob bewusst oder unbewusst) des Narren, der zu Hofe als einziger den König öffentlich kritisieren durfte. Unsere Philosophen sind zu staatsabhängigen, korrupten Fachidioten geworden. Entweder sie fungieren als PR-Agenten für Staat und Konzerne. Oder sie nehmen den feigen Ausweg und führen unverständliche, weltfremde Fachgespräche mit anderen Feiglingen. Schon seit den Achtzigern sind Richard Pryor, George Carlin, Bill Hicks (der seine Auftritte selbst als „Chomsky with dick jokes bezeichnete) oder heutzutage Chris Rock, Bill Burr Mark Normand einflussreicher als jeder Philosoph. In Deutschland sind es Mario Barth oder Serdar Somuncu. Kürzlich gab Dave Chapelle (der wichtigste Comedian unserer Zeit) einen denkwürdigen Auftritt bei Saturday Night Life zur Prime Time am Freitag Abend. Er hatte mehr investigativen Tiefgang als jede Maischberger Sendung. Und der Auftritt war lustig, im Gegensatz zu unserer Milliarden Filmförderung. It’s funny because it’s true.

    Man muss bei Kanye größer denken als nur seine Person. Ich bin nicht sicher, dass er weiß, was er tut. Vielleicht gibt es bei ihm (auch noch oder einfach nur) eine Perspektive von Geisteskrankheit, die nur ein Psychater erklären kann. Aber ich glaube das tatsächlich nicht. Was Kanye liefert, ist ganz großes Kino. Er stellt alles in Frage. Und warum nicht – wenn es sonst keiner tut?! Es ist allein schon bezeichnend, dass niemand in den Medien versteht, was Kanye tut, obwohl es so schwer nicht zu verstehen ist.

    Kanye sorgte für einen Skandal mit einem T-Shirt „White Lives Matter“ Shirt. Wenn man diese einfache, offensichtliche Wahrheit nicht aussprechen darf, dann ist unsere Gesellschaft kaputt. Vielleicht muss, wer eine kaputte Gesellschaft heilen will, selbst kaputt sein. Vielleicht muss sich kaputt machen, wer es versucht. Vielleicht macht Kanye noch mehr kaputt, aber viel schlimmer kann es nicht werden. Man kann Kanye dankbar sein. Jetzt bräuchten wir einen Philosophen, der erklären kann, was Kanye tut. Ich kenne keinen einzigen.

    • Wie der kritischen Literatur zu entnehmen ist konnte man die Sichtweise der meisten Psychiatrie-Insassen derart relativieren bevor nur noch wegen Selbst- und Fremdgefährdung eingewiesen wurde.

    • Jeder Islamist oder Linksterrorist hat auch mal bei irgendwelchen Sachen Recht, während er woanders total oder weitgehend falsch liegt. Es sind ja überall in den gängigen Standard-Ideologie-Kategorien Dinge mit Substanz eingebaut. Sonst hätte das keine Anziehungskraft. Kanye schafft es nicht hinaus über die Standardkategorien „Konservativ“ und „gängige Verschwörungsideologie“. Genauso verteidigen gemäßigtere Muslime die islamischen Terroristen oder normalere Linke verteidigen Mao, Lenin oder gar Stalin. Da ist nie irgendein Fortschritt. Kanye erzählt den gleichen Stuss wie die Verschwörungsmedien vor 50 Jahren, vor 100 Jahren und vor 200 Jahren. Und inzwischen ist auch ein Claus Oberhauser auf das gestoßen, was ich sieben Jahre zuvor schon im größeren Stil behandelte: Die wichtigsten Verschwörungsnarrative wurden zirkuliert vom britischen Geheimdienst. Kanye macht exakt das, was das Establishment will: Polarisieren mit altem Stuss. Frustrierte Afroamerikaner und andere Leute, die nicht empfänglich sind für die kontrollierte sozialistische Schiene, sollen jetzt verstärk auf die kontrollierte Verschwörungsideologen-Schiene kommen und Republican wählen. Da liegt der Hase begraben. Das künstliche Gleichgewicht im Zwei-Parteienkartell muss aufrecht erhalten werden. Die Republicans hatten black people total hängen lassen, aber nun heißt es, man bekämpfe gemeinsam die Windmühlen von Zion.

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