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1 Million Russen flüchteten in die EU seit Beginn des Ukraine-Kriegs

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Da können Russlands Regierung und die Medien noch so sehr darauf beharren, wie einverstanden die Bürger seien mit der sogenannten „speziellen Militäroperation“ in der Ukraine, die Zahlen sprechen für sich: Fast eine Million russische Bürger sind in den sechs Monaten seit dem Einmarsch ihres Landes in die Ukraine in die Europäische Union geflohen, teilte die EU-Grenzschutzagentur Frontex am Donnerstag mit. Einige davon, berichtete die Financial Times, sind hochqualifiziert und arbeiteten im Technologiesektor.

Die Dimensionen erinnern an die Flüchtlingskrise von 2015/2016. Rein zahlenmäßig betrachtet landete Russland im Plus. In der jüngsten Volkszählung hat Moskau die 2,4 Millionen Einwohner des Donbass aufgenommen, von dem Teile vor der aktuellen Invasion von pro-russischen Separatisten verwaltet wurden. Der Bevölkerungsüberschuss kann aber die demografischen Probleme nur abmildern und nicht lösen. Das höher gesteckte Ziel, die Ukrainer aus der rüstungsrelevanten Industrie zu bekommen, wurde bisher nur in Teilen erreicht.

Insgesamt 998.085 russische Passinhaber sind vom Tag der Invasion am 24. Februar bis zum 22. August in die EU eingereist, sagte ein Frontex-Sprecher der deutschen Nachrichtenagentur DPA. So waren auch etwa 7,7 Millionen ukrainische Bürger in die EU geflohen und 4,7 Millionen sind seit der russischen Invasion in ihre Heimat zurückgekehrt, teilte Frontex am 12. August mit.

Die 27 Mitglieder des EU-Blocks debattieren über ein vorgeschlagenes Visumverbot für russische „Touristen“ bzw. Flüchtlinge. Auf dem Papier hätten Russen ein Aufenthaltsrecht in Deutschland, wenn ihnen in ihrer Heimat politische Verfolgung und Folter droht. Finnland, Tschechien und Estland forderten vergangene Woche ein EU-weites Visumverbot für russische Touristen. Lettland, Litauen und Polen stellen seit der Invasion der Ukraine am 24. Februar keine neuen Touristenvisa mehr an Russen aus.

Einige Russen, die in die EU gingen, hatten bis zuletzt gehofft, dass ihre Heimat sich in eine halbwegs normale Richtung bewegt. Wer bisher nicht die Gelegenheit nutzte, zu gehen, läuft Gefahr, nie wieder die Möglichkeit zu haben. Der Lebensstandard sinkt für viele, auch wenn die Regierung mit Zahlenspielereien Stärke und Souveränität vortäuscht.

„Diskreditierung“

Mehr als sechs Monate seit Beginn der russischen Invasion im Februar wurden Tausende von Menschen aufgrund von Gesetzen angeklagt, die Kritik am Krieg bestrafen. Aber die Strafverfolgung scheint wenig logisch zu sein, und es sind nicht nur Oppositionelle und Politiker als Betroffene, sondern Journalisten, Künstler, Musiker, Schullehrer, Archäologen, DJs, Ärzte und alleinerziehende Mütter wurden ebenfalls ins Visier genommen.

Das russische Justizministerium hat offenbar einen speziellen Leitfaden zusammengestellt, in dem es heißt, dass „eine negative Meinung“ als „diskreditierend“ angesehen wird, während „eine Tatsachenbehauptung“ als „Verbreitung falscher Informationen“ angesehen wird, berichtete die Zeitung „Kommersant“ Anfang dieses Monats.

In jedem Fall scheinen die Gesetze so vage formuliert worden zu sein, dass fast jeder ins Visier genommen werden kann.

Demografie-Desaster

Während die Bevölkerung Russlands schrumpft, wächst die Bevölkerung Zentralasiens. In einem Telefongespräch mit Präsident Bush, das am Vorabend des ukrainischen Unabhängigkeitsreferendums 1991 stattfand, machte Boris Jelzin deutlich, dass eine neue Union ohne die Ukraine „das Gleichgewicht in der Union zwischen slawischen und islamischen Nationen dramatisch verändern würde.“

Die Volkszählung von 1970 zeigte bereits, dass der russische Anteil an der sowjetischen Bevölkerung (damals 53 %) zu sinken begann. Russland beherbergt derzeit 15 bis 20 Millionen Muslime, was 10 bis 15 % der Bevölkerung ausmacht.

In den letzten zwei Jahren hat Covid-19 einen erheblichen demografischen Tribut gefordert: Es gab eine hohe Übersterblichkeit, die Geburtenrate war die niedrigste seit zwei Jahrzehnten, und die Zuwanderung konnte die Abwanderung nicht kompensieren. Das Verhältnis von Geburten und Todesfällen war ein beispielloser Verlust von einer Million Menschen im Jahr 2021. Russlands natürliche Bevölkerung ist zwischen 1992 und 2010 um mehr als 12 Millionen zurückgegangen.

Eine typische Gegenmaßnahme ist die „Passifizierung“, also die Verteilung russischer Pässe in besetzten oder umstrittenen Gebieten – Abchasien, Südossetien, Transnistrien, Krim, Donbass, Berg-Karabach. Bereits vor dem Krieg 2008 hatten 90 % der Abchasen und Südosseten russische Pässe. Und in den vergangenen drei Jahren erhielten mindestens 650.000 Donbass-Bürger russische Pässe. Durch die Annexion der Krim konnten an einem einzigen Tag weitere 2,5 Millionen Menschen russische Staatsbürger werden.

Alexey Raksha, ein in Moskau lebender russischer Demograph, prognostiziert als Reaktion auf den Krieg in der Ukraine, vor allem aber auf die mit den Sanktionen verbundene Wirtschaftskrise, bereits einen starken Rückgang der Geburtenzahlen in den kommenden Monaten. „Während Wirtschaftskrisen neigen die Menschen weniger dazu, Kinder zu bekommen, was logisch ist“, erklärt er. „Das Vertrauen in die Zukunft spielt eine Schlüsselrolle für die Geburtenrate eines Landes.

Kampfbereite Ukrainer

Der russische Geheimdienst schätzte vor dem Krieg dass rund 40% der Ukrainer nicht bereit seien zu kämpfen. Es ist mögluch, dass einfach Zahlen hergenommen wurden aus den öffentlich verfügbaren World Values Surveys/European Values Surveys von 1996 bis 2020, die nach Kampfbereitschaft gefragt haben. Im Jahr 2020 gaben 40% der Ukrainer in dieser Umfrage an, dass sie nicht für ihr Land kämpfen würden, identisch mit der russischen Geheimdienst-Einschätzung.

Aber es stellte sich heraus, dass diese 40% hauptsächlich ältere Menschen und Frauen waren.

AlexBenesch
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