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Gauland (AfD) zeigt Verständnis für Stalin und dessen „realpolitische Entscheidung“

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Kommentar

Der AfD-Ehrenvorsitzende Alexander Gauland übernimmt das Narrativ des russischen Staates zum Hitler-Stalin-Pakt: Die Sowjetführung hätte keine andere realistische Wahl besessen, als den „Teufelspakt“ mit den Nazis einzugehen. Es sei eine „realpolitische Entscheidung“ gewesen, um das „eigene Überleben“ zu sichern.

Nach militärischer Logik hätten die deutschen Generäle zuerst Großbritannien mit einer Invasion erobern und sich die britische Marine einverleiben müssen. Damit hätte man den Atlantik dicht machen können, damit keine amerikanischen Hilfslieferungen mehr nach Russland durchdringen. Es gab viele militärische Optionen, sich gegen Russland zu verteidigen, es gab sogar viele Pläne für gezielte Angriffe auf Moskau und St. Petersburg mit der Option schneller taktischer Rückzüge. Stattdessen blies Hitler die Invasion Großbritanniens ab, verhunzte die eigene Marine und Luftwaffe, und befahl den Ostfeldzug mit einem eigenen, extrem schlechten Plan und zudem völlig blind für die tatsächlichen militärischen Kapazitäten der Sowjets. Die Britische Expeditionary Force durfte dank Hitler in Dünkirchen entkommen, Britannien verlegte seine Luftwaffe weiter nördlich und bastelte fleißig an biologischen Waffen. Nazideutschland war durchsetzt mit ausländischen Agenten, bis hoch zu Martin Bormann, der fleißig alle militärischen Geheimnisse zeitnah an die Russen verriet. Umgekehrt war die deutsche Spionage gegen das Ausland ein schlechter Witz. Hitler beorderte nachrichtendienstlich blind das deutsche Militär nach Osten.

Kremlchef Putin meckerte über eine Resolution des Europaparlaments, die der Sowjetunion eine Teilschuld am Zweiten Weltkrieg gibt und damit den russischen Staatsmythos samt Opferrolle untergräbt:

„Es entsteht der Eindruck, dass diese Menschen entweder nicht lesen können oder nicht schreiben können – oder keine Augen haben.“

Russland will nun Archivdokumente zum Zweiten Weltkrieg einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen um „Geschichtsfälschung“ zu unterbinden.

„Wir werden jenen das Maul stopfen, die versuchen, die Geschichte umzuschreiben … und die Rolle unserer Väter und Großväter zu schmälern, unserer Helden, die starben, um ihre Heimat und praktisch die ganze Welt vor der braunen Pest zu schützen.“

Später als Staatschef war es nötig, sich selbst ein Image zu verpassen, mit dem man das rechte Spektrum in Westeuropa umschmeicheln kann. Aus dem erklärten Deutschenhasser wurde der scheinbare Deutschenfreund und das Zielpublikum fiel sofort auf den Schwindel herein. Zum 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs und zusätzlich der 75. Jahrestag der brutalen Vertreibung von Millionen Deutschen durch die Rote Armee wie in Ostpreußen kollidieren verschiedene Teile der Kremlpropaganda miteinander und darüberhinaus kollidieren sie mit den Ansichten des rechten Spektrums in Deutschland.

Die Kremlpropagandisten versuchten es damit, gegen Polen zu stänkern und die gegensätzlichen Propagandafronten irgendwie zu glätten. Den Rechten in Deutschland gefällt die Geschichtsinterpretation, laut der die Sowjets ohnehin irgendwann Westeuropa angegriffen hätten und Hitlers Ostfeldzug dementsprechend alternativlos gewesen sei. In Russland will das Putin-Regime davon natürlich nichts hören. Stalin wird in der Russenpropaganda zunehmend rehabilitiert, die Gulags geraten in Vergessenheit und der Sieg über die Nazis soll das schlagende Argument sein für Russlands Führungsanspruch über die Welt.

In Russland gibt es ein „Gesetz gegen die Rehabilitierung des Nazismus“ von 2014. Dieses verbietet die „Leugnung von Fakten“ der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse, die „bewusste Verbreitung von Unwahrheiten“ zu Russlands Rolle beim 2. Weltkrieg sowie Respektlosigkeiten gegen Russlands Gloria.

Der Historiker Nikolay Koposov schrieb, dass das Hauptziel des Gesetzes darin besteht, „den russischen Staatskult zu fördern, dessen primäre Inkarnation in der Feier der heroischen Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg liegt“.

Kurz nach seiner Verabschiedung wurde das Gesetz dazu benutzt, den russischen Blogger Wladimir Luzgin zu verurteilen, der den deutschen Einmarsch in Polen im September 1939 mit dem sowjetischen Einmarsch in Polen verglich und sich auf den Molotow-Ribbentrop-Pakt bezog, indem er auf der russischen Social-Media-Plattform VKontakte schrieb, dass „Kommunismus und Nazismus eng zusammenarbeiteten“. Die Staatsanwaltschaft beschuldigte ihn, wissentlich Material zu veröffentlichen, das die Sicht der Menschen auf die Sowjetunion verschlechtern könnte, und das Gericht stimmte dem zu und erklärte, dass er die Geschichte verfälscht habe, indem er erklärte, „dass die Kommunisten und Deutschland Polen gemeinsam angegriffen und den Zweiten Weltkrieg entfesselt haben, oder mit anderen Worten, dass Kommunismus und Nazismus ehrlich zusammengearbeitet haben“. Luzgin wurde mit einer Geldstrafe von 200 Tausend Rubel (ungefähr das Äquivalent von 5.000 US-Dollar im Jahr 2019) wegen „Verbreitung falscher Informationen über die Aktivitäten der UdSSR während der Jahre des Zweiten Weltkriegs“ belegt, obwohl diese Behauptung, wie der Menschenrechtsexperte Jacob Mchangama feststellte, „im Wesentlichen, sachlich richtig“ war. Im Jahr 2016 legte Lugzin gegen seinen Fall beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Berufung ein.

AlexBenesch
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