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Gezielte Fakes behinderten Verschwörungsforschung

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Wissenschaftliche und zugleich kritische Literatur über Mysterienkulte im Judentum ist extrem selten. Im deutschen Raum veröffentlichte der Historiker Wolfgang Eggert seine Trilogie über „Israels Geheimvatikan“, die hauptsächlich in der Verschwörungsszene Anklang fand. Im englischsprachigen Raum gibt es heute zumeist in radikal-christlichen Zirkeln und im Rechtsextremismus ein starkes Interesse an chassidischen Gruppierungen wie Chabad Lubawitsch als vermeintliches Zentrum der Weltverschwörung und als Herbeiführer der großen Apokalypse.

Es ist theoretisch möglich, dass die Supermächte künftige militärische Konflikte in einen (pseudo-)religiösen Kontext rücken und dass Israel teilweise zerstört werden wird und man den dritten Tempel an dem Tempelberg errichtet. Aber selbst in diesem Fall wäre das nur die künstliche Bestätigung einer Prophezeiung und Israel zieht nicht die Fäden. Man sieht auch immer wieder die Einflüsse der klassischen Verschwörungsliteratur; so schreibt zum Beispiel Eggert in Band I von „Israels Geheimvatikan:

„Allerdings tauchte ein freimaurerisches Dokument aus derselben Zeit auf, das […] viel, wenn nicht alles erklären könnte. Es handelt sich um den erst spät bekannt gewordenen Briefwechsel zwischen den Führern der italienischen und der amerikanischen Hochgradfreimaurerei: Giuseppe Mazzini und Albert Pike.“

Gemeint ist der Briefwechsel von 1871, der drei kommenden Weltkriege vorhersagen soll, der aber nie im Original auftauchte und nur als Mythos durch die Verschwörungsliteratur geisterte. Eggerts Quellenangabe ist das Buch „Die Absteiger“ von Des Griffin, der das Original selbst zu Gesicht bekommen haben will, was aber nicht den Tatsachen entspricht. Auch der Verschwörungs-Bestsellersautor William Guy Carr (der für das britische Imperium gearbeitet hatte) sprach in „Pawns in the Game“ über den Briefwechsel und nannte als Quelle ein noch älteres Verschwörungsbuch von Kardinal José Rodríguez aus Chile. Der Kardinal behauptete, dass diese Briefe im Jahr 1925 in der Bücherei des Britischen Museums einsehbar waren, während das Museum erklärte, diese Briefe nie besessen zu haben. Der Ursprung der ganzen Angelegenheit war eine Erfindung des bekannten Schwindlers Léo Taxil in seinem (unter Pseudonym veröffentlichtem) Buch „Le diable au XIXe siècle“ von 1894. Der Kardinal José Rodríguez, auf den sich Carr bezog, hatte sich einfach bei diversen Texten von Taxil bedient. Carrs zweite Quelle war Edith Starr Miller mit ihrem Buch “Occult Theocrasy” von 1933, die ebenfalls nur den Schwindler Taxil zitiert hatte.

Von Taxil stammt auch der Schwindel über einen „palladischen“ Freimaurer-Ritus, den Eggert erwähnt als mögliche Kreation von Albert Pike, um eine zentrale, versteckte Koordinierungsstelle für das gesamte Freimaurertum zu schaffen. Eggert zitiert noch Domenico Margiotta, der in vielen verschiedenen Logen war, zum Katholizismus zurückkehrte und fortan als Freimaurer-Kritiker agierte. Laut Margiotta habe diese Führung des Freimaurertums vier Standorte. Leider bezog sich Margiotta ebenfalls mehrfach in seinen Büchern auf den Schwindler Taxil. Ein weiteres Taxil-Fake landete gleich als nächstes in aller Ausführlichkeit in Eggerts Buch, nämlich das „Konkordat“ zwischen der jüdischen B’nai B’rith und dem schottischen Ritus des Freimaurertums. Als Fußnote gibt Eggert mehrere Verschwörungsbücher an, die dieses Konkordat behandeln, und die alle letztendlich die Fälschung von Taxil als Quelle benutzen, entweder direkt oder indirekt. Was steht in dem unechten Konkordat? Eine Art Bündnis und gegenseitige Anerkennung unter Oberaufsicht des ultrageheimen Palladiums:

„Das Oberste Dogmatische Direktorat der Universellen Freimaurerei anerkennt die Jüdischen Logen, so wie sie derzeit in den wichtigsten Ländern bestehen.“

Eggert sieht England als „traditionell am stärksten dem Einfluß von Judentum und Loge ergeben“, was logischerweise darauf hindeutet, dass Eggert wahrscheinlich die klassischen Verschwörungs-Mythen für real hielt, laut denen die Rothschilds ein Vermögen nach Waterloo machten, die City of London übernahmen sowie die Zentralbank und generell die Kontrolle erlangten über das britische Imperium, ohne von irgendwem aufgehalten zu werden. So schreibt Eggert auch, die jüdische Sassoon-Familie habe die Macht besessen, die englische Regierung zum Opiumkrieg gegen China zu veranlassen und es wird H.W. Armstrong zitiert mit der Ansicht, bei den englisch-sprechenden Eliten des britischen Imperiums und Commonwealth handle es sich um die „elf verlorenen Stämme Israels“. Herbert W. Armstrong war ein fanatischer Christ und Freikirchenführer, der viel an Prophetie glaubte und an der Theorie des Anglo-Israelismus weiterstrickte, laut der die Briten und andere nordeuropäische Völker von den zehn verlorenen Stämmen Israels abstammen sollen. Diese verlorenen Stämme seien mit den Skythen identisch und gelangten bis nach Nordwesteuropa und von ihnen würden die Briten bzw. Angelsachsen abstammen. Nach Armstrongs Tod verwarf die von ihm geschaffene Kirche seine Britisch-Israel-Theorie. Es gab auch Versuche, die Theorie des Anglo-Israelismus in einer antijüdischen Weise umzudeuten. Der Rechtsanwalt Howard Rand und der Journalist William J. Cameron vom Dearborn Independent, einer antisemitischen Zeitung, die von 1919 bis 1927 von dem Industriellen Henry Ford herausgegeben wurde und die auch die Protokolle der Weisen von Zion abdruckte, machten die antijüdische Variante der Lehre in den 1920er und 1930er Jahren populär in den USA. Die rechtsradikale „Christian Identity“-Bewegung führte das Ganze auf die Spitze und dichtete noch hinzu, dass Juden entstanden wären, als Eva im Paradiesgarten Sex hatte mit dem Teufel. Alle möglichen Versatzstücke aus der klassischen Verschwörungsliteratur wurden dazu gemischt.

Eggert sieht „den Zionismus“ als treibende Kraft hinter den Kriegsvorbereitungen und Propagandakampagnen Großbritanniens, die gegen das Deutsche Reich gerichtet waren und zu dem Ersten Weltkrieg eskalierten. Die zentrale Rolle des weitverzweigten Welfen-Adels und seiner Geheimdienste bei der Koordination mit dem zaristischen Russland und den USA kommt praktisch überhaupt nicht zur Sprache.

Es ist das klassische Dilemma der Verschwörungsliteratur: Sie ist die einzige, die über den Tellerrand blickt, aber durch die weitverbreitete Desinformation bleibt die Rolle des Adels und seines über Jahrhunderte gewachsenen Netzwerks im Nebel, während Juden absolut in den Vordergrund gestellt werden.

Der britische König Edward VII. wird von Eggert erwähnt, wobei seine Mitgliedschaften in zahleichen Freimaurer-Logen und Riten wieder in den irreführenden Kontext gesetzt werden, das Freimaurertum sei jüdisch. Edward war aus dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha und der älteste Sohn von Königin Victoria aus dem Haus Hannover. Unter dem Hannoveraner König George I. wurde das moderne Freimaurertum 1717 überhaupt erst geschaffen. Diese beiden Linien der Welfen sind eng verwandt mit der Landgrafschaft Hessen-Kassel, die den Rothschild-Clan gezielt aufbaute und dabei alle Möglichkeiten der Kontrolle besaß. König Edward, so Eggert, sei chronisch verschuldet gewesen bei „Kapitalisten hebräischer Herkunft“. Wieder einmal wird der Adel völlig unterschätzt und als Randerscheinung abgetan, was nicht überrascht, denn es gibt praktisch keine Fachliteratur, in der man die Geheimdienst-Netzwerke der Welfen bequem nachschlagen kann, während man stattdessen überall Bücher findet zu der vermeintlichen jüdischen Weltverschwörung.

In der heutigen Zeit sorgt das Thema Zionismus für einige Verwirrung in der rechten (Verschwörungs-) Szene, denn es werden große Hoffnungen auf US-Präsident Donald Trump gesetzt, den Islam und Linksliberalismus zurückzudrängen, aber Trump ist wie sein Vater bereits zuvor ein glühender Zionist und es wurden diverse Kontakte ersichtlich zwischen ihm, der Chabad-Gruppe und Russland. Das Mainstream-Magazin Politico veröffentlichte dazu im April 2017 den ausführlichen Bericht „The Happy-Go-Lucky Jewish Group That Connects Trump and Putin“. Trumps Schwiegersohn Kushner ist Mitglied von Chabad und auch seine Tochter wurde nach ihrer Konversion zum Judentum Teil von Chabad.

AlexBenesch
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