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Warum der Fall der Boston Bomber größer ist als selbst die alternativen Medien berichteten

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Von Alexander Benesch

Eine Schnellkochtopf-Bombe geht hoch bei dem Boston Marathon im April 2013, die Brüder Tamerlan und Dschochar Tsarnaev werden gejagt. Einer der beiden wird von den Polizisten hingerichtet, der andere soll nun zum Tode verurteilt und per Giftspritze hingerichtet werden.

Wie üblich gab es zwei ungenügende Leitmeinungen: Der Mainstream berichtete einfach das, was die Behörden verlautbarten, während die alternativen Medien reflexartig einseitige Tatsachenbehauptungen aufstellten.
Die alternativen Medien machen sich nach wie vor nicht mehr Mühe, als der russischen Propaganda zu folgen: Saudische und amerikanische Geheimdienstler würden dahinter stecken, um den Krieg gegen den Terror weiter anzufachen. Angeblich würden die Saudis die wichtigen Terroristen im Nordkaukasus kontrollieren. Dass Russland eigentlich viel einfacher die tschetschenischen Extremisten steuern kann, darüber wird geschwiegen.

Die beiden Brüder wurden aller Wahrscheinlichkeit nach für CIA-Frontorganisationen rekrutiert und in den Nordkaukasus geschickt. Die CIA-Aktivitäten in der Region gelten bereits für viele bereits als „Beweis“, dass die CIA die wichtigen islamischen Gruppen dort auch kontrolliere. Diese Art von „Beweisführung“ ist jedoch für die Mülltonne, weil sie die Grundanforderungen der Logik und der Schlussfolgerung nicht erfüllt. Außerdem: Die CIA blamierte sich den gesamten kalten Krieg über in Staaten des Ostblocks, pumpte Geld und Waffen in nicht existente Widerstandsgruppen und es gelang nie, Spionagenetze aufzubauen.

Selbst wenn Gruppen die CIA-Hilfe annehmen, können sie in Wirklichkeit auch für jemand ganz anderes arbeiten. Es liegt an dem künstlichen Mythos der CIA, dass viele glauben, die Agency könnte alles, wisse alles. Es gibt eine rege Exil-Community von Tschetschenen in den USA, die von der CIA umworben wird. Das Ziel ist, Agenten zu finden und in die Heimat zu schicken in der Erwartung, dass sie möglichst hoch aufsteigen. Dieses Unterfangen gestaltet sich jedoch höchst schwierig. Warum sollten die radikalen Moslems im Nordkaukasus jemandem vertrauen, der in den USA aufgewachsen ist? Wo es doch genug junge Leute vor Ort gibt, deren Geschichte man lückenlos nachvollziehen kann?

Es klingt wie eine der üblichen, unglaublich schlechten CIA-Auslandsoperationen. Die Russen sind seit bald 100 Jahren bekannt dafür, Exil-Gruppen zu unterwandern. Praktisch keine geheime CIA-Operation von Leiter Frank Wisner zur Destablisierung des Ostblocks war wirklich geheim. Der KGB wusste durch höchstplazierte Spione im Westen immer vorher Bescheid. Die CIA-ausgebildeten Kämpfer wurden kurz nach dem Fallschirm-Absprung geschnappt, gezwungen nach Hause zu funken „Alles ok, schickt mehr Geld“ und dann umgebracht.

Gelang es dem russischen Geheimdienst FSB, die Exil-Tschetschenen-Community in den USA zu durchdringen? Waren die Tsarnaev-Brüder Doppelagenten?

Ruslan Tsarni, Onkel der Boston-Verdächtigen, war verheiratet mit der Tochter des ehemaligen ranghohen CIA-Funktionärs Graham Fuller. Ruslan heiratete die Tochter Fullers, der 1986 Vizevorsitzender des National Intelligence Councils wurde. Fuller und Ruslan könnten auch zusammen im Geschäft gewesen sein, letzterer arbeitete einst für eine Halliburton-Frontfirma die Ölverträge in Kasachstan besorgen sollte.

Weshalb verbrannten die Amerikaner dann die beide Brüder so theatralisch in aller Öffentlichkeit? Was war das Motiv? Wenn man einfach nur irgendeinen Sündenbock gebraucht hätte, hätte irgendein wütender Militärveteran völlig ausgreicht. Stattdessen präsentierte man zwei Brüder deren Familie in die Geheimdienste verstrickt waren.

Russland muss sich die Hände gerieben haben darüber, dass die amerikanische Öffentlichkeit davon ausgeht, dass tschetschenische Extremisten den Anschlag verübt hätten. So kann sich Moskau präsentieren als derjenige, der sowieso immer recht gehabt habe mit seinem Kampf gegen den Terror im Nordkaukasus und auch auf russischem Territorium, samt Überwachung, Folter, Zensur und alles was dazu gehört.

Es gibt ein Szenario das niemand anfassen will: Die beiden Brüder waren möglicherweise Moskaus Agenten. Die Amerikaner merkten es recht spät und hängten den beiden den Boston-Anschlag an und verantstalteten die Menschenjagd, um deren Untertauchen und Flucht zu verhindern.

Die theatralische Hatz wäre in diesem Szenario eine Warnung an andere gewesen. Außerdem wäre so sichergestellt worden, dass sie sich in irgendeine Botschaft flüchten und einen diplomatischen Vorfall generieren, inklusive Presse. Vielleicht wurden die beiden auch von FSB-Agenten hereingelegt, die die Bombe legten. Alles mögliche Szenarien.

Eine echte Warnung?

Die von Moskau finanzierte Medienorganisation RT hatte verblüffend schnell Fotos und Videos parat von der Verhaftung des US-Diplomaten Ryan Fogle: 500-Euro-Scheine, Perücken und weitere Gegenstände sollen beweisen, dass er für den Geheimdienst Central Intelligence Agency arbeitet und versucht haben soll, einen russischen Agenten zum Überlaufen zu bewegen, der in Verbindung stünde mit Untersuchungen über die Tsarnaev-Brüder und den Anschlägen in Boston.

Der Russenagent, der von Fogle rekrutiert werden sollte, soll 2011 mit einem Team nach Dagestan gereist sein und die Vereinigten Staaten dann gewarnt haben vor den Tsarnaev-Brüdern, die wiederum für amerikanische CIA-Frontorganisationen gearbeitet hatten.

Handelte es sich um die Warnung, dass die Brüder Doppelagenten waren? Durfte dieser Russe die Warnung geben oder hat er damit ein Geheimnis verraten? Botschaftsangehörige werden sehr oft im Ausland eingesetzt um Spionageringe zu etablieren, da sie diplomatische Immunität genießen und im Ernstfall einfach nur ausgewiesen werden.

Eine Pseudo-Warnung?

Die britische Zeitung Mail on Sunday berichtete, dass laut ihr vorliegenden Informationen Tamerlan Tsarnaev, einer der angeblichen Boston-Terroristen, Verbindungen gehabt hätte zu tschetschenischen Dschihadisten und auf Warnung der russischen Geheimdienste hin von der amerikanischen Bundespolizei FBI fünf Jahre lang unter Beobachtung gestellt wurde. Die Behörde fand jedoch nach eigenen Angaben keine Hinweise auf terroristische Hintergründe bei Tamerlan. Dies würde auch nicht überraschen, wenn die CIA die Brüder ohne große Erfolgserlebnisse in den Nordkaukasus geschickt hätte.

Auf dem englisch-sprachigen, vom Kreml finanzierten Nachrichtensender RT wurde die Meldung über Warnungen aus Russland groß ausgebreitet. Die alternativen Medien nahmen dies wieder einmal als „Beweis“ dafür, dass Russland unschuldig in der Angelegenheit sein müsse.

Das FBI hat jedoch klargestellt, dass Russland 2011 Informationen über Tamerlam Tsarnaev angefragt hatte. Laut den Russen handele es sich bei Tamerlan um einen „Anhänger des radikalen Islam“ der sich seit 2010 stark verändert hätte und in die Region gereist sei um sich nicht näher genannten Untergrundgruppen anzuschließen.

Das FBI hätte mehr Informationen von den Russen angefragt, aber nichts Zusätzliches erhalten. Es sieht also eher danach aus als wollten die Russen vom FBI wissen, was die US-Behörden an Informationen hatten.
Woher wussten die Russen bereits so früh, dass Tamerlan ein Anhänger des radikalen Islams war und sich verändert hatte? Russische „Behörden“ hätten dies durch abgehörte Gespräche festgestellt. Durch die offizielle Kontaktaufnahme der Russen mit dem FBI und der im Folgenden gestarteten FBI-Ermittlung gegen die Tsarnaevs konnte sich Russland nach den Anschlägen die Hände in Unschuld waschen und den Finger auf das FBI zeigen.

Die russische Zeitung Izvestia berichtete großspurig, dass Tamerlan Seminare der amerikanischen Jamestown Foundation in Georgien besucht hätte, in denen er in Terror ausgebildet wurde um gegen Russland vorzugehen. Dieser Bericht wurde natürlich wieder von alternativen Medien im Westen wieder als Beweis gewertet. Die Jamestown Foundation veröffentlichte eine Stellungnahme in der man die Anschuldigungen in der Izvestia komplett zurückweist:

„Unsere Organisation hatte noch nie Kontakt mit den Tsarnaev-Brüdern. Jamestown hat nie irgendwelche Seminare abgehalten um Terroristen oder subversive Agenten auszubilden.“

Die Stiftung veröffentlichte einen Artikel von Valery Dzutsev über die auffallend wohlwollende Berichterstattung in den russischen Medien über die Eltern der Tsarnaevs. Der große Sender NTV interviewte beispielsweise die Mutter, die darauf besteht, dass ihre Söhne von den US-Behörden hereingelegt wurden.

„Falls die russischen Sicherheitsdienste Vorab-Informationen hatten über Tamerlans Versuche, den Aufständischen im Nordkaukasus beizutreten, dann kann man sicherlich seinen Eltern nicht über den Weg trauen. Die russischen Sicherheitsdienste scheinen die Eltern zu umschwärmen anstatt gegen sie zu ermitteln. Zubeidat und Anzor Tsarnaev reisten Berichten zufolge von Dagestan nach Moskau. In Dagestan schützte die Polizeo Anzor Tsarnaev vor der Belagerung durch Journalisten. Dieses Maß an Schutz für jemanden, dessen Söhnen terroristische Aktivitäten im Inland und Ausland vorgeworfen werden, ist höchst ungewöhnlich in Russland.“

AlexBenesch
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