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Gilt gesunde Ernährungsweise bald als psychische Störung?

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Der London Guardian berichtet über ein neu definiertes Krankheitsbild namens Orthorexia Nervosa:

„Die Fixierung auf gesunde Nahrungsmittel kann ein Anzeichen sein für ernsthafte psychologische Störungen.“

Woran man die Betroffenen erkennt?

„Menschen mit Orthorexia haben für gewöhnlich starre Regeln für ihr Essen. Das Vermeiden von Zucker, Salz, Kaffee, Alkohol, Weizen, Gluten, Hefe, Soja, Mais und Milchprodukten ist erst der Anfang ihrer Essgewohnheiten. Jegliche Nahrungsmittel, die mit Pestiziden oder Herbiziden in Kontakt gekommen sind oder die künstliche Zusatzstoffe enthalten, sind ebenfalls tabu.“

Eine fanatische Einteilung von Nahrungsmitteln in „gut“ und „schlecht“ berge weiterhin die Gefahr, dass man am Ende mit Nährstoffen unterversorgt wird.

Es ist überhaupt nichts Neues, dass Vegetarismus oder Veganismus eine besondere Wachsamkeit hinsichtlich mancher B-Vitamine erfordern, es ist nichts neues dass die Debatten über Sinn und Unsinn von Fleischkonsum hitzig geführt werden und oft wie Glaubensfragen wirken, es ist überhaupt nichts neues dass einzelne Leute abstrusen Lehren anhängen, laut denen man sich beispielsweise wie ein Affe in der Natur ernähren müsse oder nur das zu sich nehmen dürfe, was von Pflanzen zu Boden gefallen ist.

In einem Rechtsstaat mit einer freien Marktwirtschaft würden wir erwarten, dass Betrug am Bürger und eine Gefährdung  der öffentlichen Gesundheit vermieden und bekämpft werden. Die maximal mögliche Freiheit ist zu wahren, Nahrungsmittel zu produzieren, zu verarbeiten und zu konsumieren. Bei Regierungen und Konzernen gilt die übliche Faustregel: Je größer die potentiellen Profite oder Machtbefugnisse, umso größer die Gefahr des Missbrauchs und mit umso härteren Bandagen wird gekämpft. Bei der Anhörung zur Bestätigung der Kandidatin Kagan für den obersten Gerichtshof in den Vereinigten Staaten stellte Senator Tom Coburn aus dem Unterausschuss für Verfassungsangelegenheiten heute die Frage, für wie groß Kagan die Befugnis der Regierung einschätzt, der Bevölkerung vorzuschreiben was jene essen dürfe.

Bei einer streng wissenschaftlichen Vorgehensweise, unter Berücksichtigung aller Faktoren die eventuell Ergebnisse verfälschen können, würde man viele Fragen hinsichtlich Nahrungsmittel einwandfrei klären können. Eine neue Studie russischer Forscher beispielsweise legt nahe, dass genetisch modifizierte Nahrungsmittel Unfruchtbarkeit in nachfolgenden Genrationen auslösen. Die Hamster der dritten Generation aus der Versuchsreihe waren nicht nur völlig unfruchtbar, es wuchsen ihnen auch Haare im Mund.

Die US-Behörde zur Prüfung der Sicherheit von Nahrungs- und Arzneimitteln (FDA) erfüllt beim besten Willen nicht ihre sinngemäße Aufgabe, wenn sie durchsetzt ist mit zentralen Figuren aus Biotech-Konzernen wie Monsanto und ohne jegliche eigene substanzielle Untersuchungen genetisch veränderte Organismen schlicht durchwinkt und eine Zulassung erteilt. Kritik an diesem himmelschreienden Interessenkonflikt und der sich daraus ergebenden Gefahr für die Bevölkerung zu üben, macht einen nicht automatisch zum Technologiefeind oder zum Feind des Unternehmertums.

Schwammige Definitionen einer psychischen Störung im Hinblick auf eine wählerische Ernährungsweise dienen nicht nur dazu, ein paar wenigen labilen Leuten höchst umstrittene Stimmungsaufheller und Gesprächstherapiestunden zu verschreiben, es drängt gleichzeitig gesundheitsbewusste Menschen in die Defensive. Man steht vermehrt unter Druck, sich vor anderen Menschen zu rechtfertigen für seine Entscheidungen und je heftiger diese Rechtfertigungen sind, umso eher klingen sie wie die Verteidigung von neurotischen oder paranoiden Verhaltensmustern. Jemand zitiert Studien über die Gefährlichkeit von Natriumfluorid oder künstlichen Süßstoffen? Alles nur Neurose. Jemand spricht über die ausufernde Kontrolle von Regierungen und Konzernen über unsere Entscheidungsfreiheit bei Nahrungsmitteln? Blanker Verfolgungswahn.

Und egal wie sehr Bevölkerungen verfetten, egal wie ernährungsbedingte Krankheiten explodieren, egal wie Vitamin- und Nährstoffpräparate zunehmend wertlosere Dosen von via Gentechnik hergestellten Inhaltsstoffen besitzen; die Vorgaben von Codex Alimentarius werden weiterhin durch Gesetze den ahnungslosen Bürgern aufgedrängt werden, die nur ja nicht vor ihren Mitmenschen den Eindruck erwecken wollen, an „Orthorexia Nervosa“ zu leiden.

Schlimm genug, dass Verstöße gegen den Wust an fatalen Gesetzen strafrechtlich mit voller Härte geahndet werden, man sollte auch damit rechnen, dass Menschen die auf ihre Freiheit pochen schlicht für verrückt erklärt werden. Einem Artikel des Psychologen John Gartner in der Publikation Psychology Today zufolge sind Leute die dem Gedanken anhängen, dass Machthaber sich in dem Interesse verbünden ihre eigene Macht zu vergrößern, grenzwertige Psychotiker die eine Gefahr für die Gesellschaft darstellen.

In seinem Buch Dangerous Minds: Political Psychiatry in China Today and Its Origins in the Mao Era, welches von der New York Times in einer Kritik als „wortgewandt und überzeugend“ angepriesen wurde, stellt der Autor Robert Munro dar, wie im brutalen kommunistischen China Psychiater und Psychologen an jenen, die auch nur geringfügigste negative Meinungen der regierenden Partei gegenüber äußern, eine geistige Schwäche diagnostizieren. Das Buch deckt auf wie „von den 1950er Jahren an nicht nur chinesische, sondern auch sonstige Andersdenkende, die die Regierung anprangerten, von der Polizei behindert, von Psychiatern begutachtet und schließlich als Psychopathen – oder für den Fall, dass man sie als geistig „normal“ bekundet hatte als Verbrecher – in das Gefängnissystem geworfen wurden.“

Ein von Munro zitierter offizieller Bericht der chinesischen Polizei über jene, die „psychiatrische Obhut“  benötigen, verzeichnet Leute die regierungsfeindliche Briefe schreiben, regierungsfeindliche Reden halten oder lediglich Meinungen zu nationalen oder internationalen Angelegenheiten vertreten, die als regierungsfeindlich angesehen werden könnten.

AlexBenesch
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