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Professor enttarnt britische Agenten hinter dem wichtigsten Verschwörungsbuch

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Professor Claus Oberhauser von den Universitäten Innsbruck und Tirol veröffentlichte 2021 das Buch „Diplomatie aus dem Untergrund: Die merkwürdige Karriere des Alexander Horn (1762-1820)“.

Dieser Horn war ein professioneller britischer Agent, der im deutschsprachigen Raum geheime Informationen beschaffte und diese verschlüsselt über Kuriere nach London schickte. Besonders in Regensburg ging er auf Beutezug, wo es den „Immerwährenden Reichstag des Heiligen Römischen Reichs“ gab, ein wichtiges Gremium, wo Machteliten aus ganz Europa verkehrten. Horn klaute nicht nur en masse Geheimnisse, er übermittelte sogar Geld an Aufständische in Tirol und beteiligte sich an Desinformation gegen Frankreich.

Und ausgerechnet dieser Horn lieferte das Material, das der anerkannte britische Mathematiker und Physiker John Robison verwendet hatte für das Verschwörungsbuch „Proofs of a Conspiracy“ von 1797, ein Bestseller, der international Gehör fand und zum Fundament wurde für viele spätere Werke der Verschwörungsliteratur. Robison war Mitglied der Royal Society und hatte Kontakte zu den höchsten britischen Adelskreisen. Das Establishment wollte, dass dieses Buch über Freimaurer, Jakobiner und den geplatzten bayerischen Illuminatenorden erscheint. Aber warum?

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Die Französische Revolution wurde von Personen durchgeführt, die sich konspirativ verhalten mussten, dafür u.a. auch Freimaurer-Logen verwendeten und, notfalls mit Gewalt, Frankreich in eine konstitutionelle Monarchie umwandeln wollten (wie Britannien eine war) oder gar in eine Republik (wie die USA). Hinterher waren erzkonservative Katholiken und Verfechter der alten Ordnung entsetzt und werteten die Revolution als antichristliche Verschwörung und Anarchie.

Warum mischte sich der britische Geheimdienst in diese Debatte mit ein und wollte das Narrativ kontrollieren? Aus zwei Gründen:

  • Streit und Chaos stiften beim Erzfeind Frankreich, wo die Revolutionäre sich bereits gegenseitig zerfleischten
  • Alle Spuren verwischen, die darauf hindeuteten, dass der britische Geheimdienst den französischen Revolutionären geholfen hatte

Wegen seiner Mitgliedschaft bei der britischen Wissenschaftsvereinigung „Royal Society of Edinburgh“ und dem Freimaurer-Orden galt Robison für folgende Generationen von Verschwörungsautoren als eine Art früher Whistleblower, Insider und besonderer Kenner der Materie. Sein Enthüllungswerk war aber ein Ablenkungsmanöver und er präsentierte keine Informationen, die nicht ohnehin schon in Europa zirkulierten. Sowohl die Royal Society, als auch die Freimaurer waren für die britische Krone Vehikel, um schrittweise das eigene Imperium zu transformieren im Zuge einer Fake-Aufklärung.

Den Franzosen wirft Robison vor, sich in „Britanniens Kolonialangelegenheiten eingemischt“ zu haben, womit gemeint ist, dass Frankreich ein Vermögen versenkt hatte in den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. George Washington und seine Vertrauten hatten sich mit hochtrabenden, aufklärerischen Reden und Schriften offiziell vom britischen König George III. und dem Konzept einer Monarchie verabschiedet. Niemand bezweifelt die gut dokumentierten Nachschublieferungen der Franzosen an Washington. Robison führt diesen Gedanken aber nicht explizit aus. Warum nicht? Wäre er hier ins Detail gegangen, hätte es dem Leser wohl gedämmert, dass sich Britannien hinterher vielleicht an Frankreichs Könighaus gerächt haben könnte mit der Finanzierung oder sonstigen Förderung französischer Revolutionäre. Es wäre die naheliegende Retourkutsche gewesen, aber Robison vermeidet jeden noch so kleinen Hinweis in diese Richtung. Noch verheerender für Robisons Glaubwürdigkeit ist die Tatsache, dass er sich für „Proofs of a Conspiracy“ mit allerhand Material hatte versorgen lassen von dem Geheimagenten und Diplomaten Alexander Horn, der eng mit der Familie Thurn und Taxis in Deutschland arbeitete, die wiederum der britischen Krone nahestand. Und dann gibt es noch familiäre Verbindungen, die von dem Thurn und Taxis-Clan reichen zu den mächtigsten Adeligen im bayerischen Illuminatenorden und zum britischen Königshaus. Diese Verbindungen hatten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mit Spionage zu tun, aber Robison schweigt dazu eisern.

Das heißt, vereinfacht formuliert, dass Robison für sein Enthüllungsbuch manipulatives Material hergenommen hatte aus dem Dunstkreis der Illuminaten und adeligen „aufklärerischen“ Gegner der französischen Monarchie. Seine Treuebekundungen gegenüber dem britischen König und sein gesellschaftlicher Status, der von ebenjenem König abhängig war, zeigen ganz offensichtlich einen direkten Interessenkonflikt. Es ging ihm nicht um eine wissenschaftliche Aufarbeitung des Themas, die den König und seine Verwandten auf deutschem Boden in Verlegenheit bringen könnte.

Sein Name erscheint 1776 im „Minute Book of The Poker Club“, einer wichtigen Vereinigung der schottischen Aufklärung, die früher noch „The Select Society“ hieß. Mit im Boot war der schwerreiche Sir William Pulteney, dessen Vorfahre vom britischen König George II. zum 1st Earl of Bath erkoren worden war. Robison wurde zum Generalsekretär der Royal Society of Edinburgh und veröffentlichte 1797, also wenige Jahre vor seinem Tod, das Verschwörungsbuch „Proofs of a Conspiracy“. Für uns heute liegt der Verdacht auf der Hand, dass es ihm nur darum ging, die Aufmerksamkeit hauptsächlich auf die französischen Freimaurer und bayerischen Illuminaten zu lenken und so zu tun, als gäbe es keine signifikanten Spionage-Verbindungen zu Britannien. Warum wurde das Buch nicht unter Pseudonym veröffentlicht oder von einem anderen Autor? Vielleicht kalkulierte man damals, dass Robisons Position ihn eher glaubwürdig als befangen aussehen lässt. Er galt als aufgeklärter Wissenschaftler, Fan des britischen Freimaurertums und gleichzeitig treuer Diener seines Königs. Damit stellte er einen Kontrast dar zu Illuminaten und französischen Maurern, die nach geltendem Recht in Deutschland und Frankreich Extremisten oder sogar Hochverräter waren.

Robison musste einfach nur alles weglassen, was den Verdacht auf Britannien lenkte und ansonsten konnte er sich weitestgehend an der Wahrheit orientieren, dass in Frankreich der Widerstand gegen den König im Verborgenen in schrägen Freimaurerlogen organisiert wurde.

Alexander Horn

„Man könnte Horn oder Mister Bergström, so sein Deckname, als einen Vorgänger von James Bond bezeichnen“,

meint Professor Claus Oberhauser von den Universitäten Innsbruck und Tirol. 15 Jahre lang soll Alexander Horn, der Lieferant von Material für Robisons Verschwörungs-Bestsellerbuch, geheime Informationen beschafft und an das britische Außenministerium übermittelt haben. Hunderte Texte würden noch existieren in Archiven.

https://www.uibk.ac.at/de/newsroom/2016/im-auftrag-seiner-majestaet/

Besonders wichtig Horns Beutezüge in Regensburg, dem Sitz eines äußerst wichtigen Gremiums, wo sich Vertreter der europäischen Großmächte trafen.

Horn ging mit seiner konservativen Tarnung auch nach Linz, infiltrierte dort den habsburgischen Hof und schickte über Kuriere regelmäßig an das Foreign Office in London die verschlüsselten Berichte. Zu seinem Tradecraft gehörte auch seine Tarnidentität „Jonas Bergstrom“. Den Tiroler Aufständischen soll er Geld geliefert haben. Man kann sich vorstellen, dass der britische Geheimdienst wohl auch französische Revolutionäre bezahlt hatte. Zu den Aufgaben Horns gehörte auch Desinformation gegen Frankreich, was mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch die Materialsammlung betraf, die er John Robison zur Verfügung stellte.

Oberhauser veröffentlichte das Buch „Diplomatie aus dem Untergrund: Die merkwürdige Karriere des Alexander Horn“ und ist als Mitglied gelistet bei der Organisation „Comparative Analysis of Conspiracy Theories zur Erforschung des Phänomens der Verschwörungstheorien“. Es ist ausgesprochen selten, dass ein Forscher dabei tatsächlich in die geheimdienstliche Ebene einsteigt. Wenn er so ausführlich belegen kann, dass ein britischer Geheimdienstler hinter einem der einflussreichsten Verschwörungsbücher aller Zeiten steckt, dann sollte er auch weitere Informationen nachvollziehen können, die zeigen, dass der britische Geheimdienst das gesamte Genre in hohem Umfang über 200 Jahre lang kontrollierte.

Robisons zweifelhaftes Buch wurde in alle Windrichtungen verbreitet und stieß auch in Amerika auf Gehör bei George Washington oder dem Senator Seth Payson, der 1802 den an Robison angelehnten Text „Proof of the Illuminati“ veröffentlichte.

Washington erklärte in einem Brief an Reverend G. W. Snyder, der ihm Robisons Buch zugesandt hatte, sich darüber zu freuen, dass die gefährlichen Lehren der Illuminaten und der Jakobiner sich nicht in Amerika verbreitet hätten. Schon gar nicht in Kreisen amerikanischer Freimaurer. Washington hatte sich noch vom französischen König mit Schießpulver und Waffen beliefern lassen. Nach der Hinrichtung des Königs führte Britannien 1793 einen Krieg gegen Frankreich und Washington beließ es dabei, die neue französische Regierung anzuerkennen und gab sich ansonsten neutral. Bereits 1794 schlossen die USA den weitreichenden Vertrag „Jay’s Treaty“ mit Britannien.  

Napoleon, der neue Herrscher Frankreichs, verkaufte billig riesige Gebiete in Amerika an die USA.

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3 Kommentare

  1. Mach doch mal ein ausführliches Gespräch mit dem Oberhauser. Stell ihm Fragen bzw. erzähl ihm was Du selber rausgefunden hast und für seine eigenen Forschungen interessant sein könnte. Muss ja nicht öffentlich passieren. Wenn er ein professioneller Wissenschaftler ist, der seine Forschung ernst nimmt, dürfte er so einem Gespräch nicht abgeneigt sein. Zumal Recentr auf ihn und seine KollegInnen (sic!) wohl auf den ersten Blick wie eine weitere „Verschwörungsklitsche“ wirken dürfte. Genau das ist Recentr eben nicht, aber das muss man den Damen und Herren Experten wahrscheinlich häppchenweise erklären. Einige der KollegInnen (sic!) von Oberhauser aus dem Forschungsprojekt sind ganz offensichtlich stark linksideologisch eingestellt und somit befangen, aber das ist ein altbekanntes Problem in den Sozialwissenschaften.

  2. Wieder ein großer Schritt hin zur Beweisführung, hernach folgt die Bestellung. Ich habe heute übrigens einmal Dr. Eugen Drewermann angeschrieben, bleibe vorerst bei christlichen Themen, sollte Herr Drewermann interesse äußern, würde ich Deine Arbeit empfehlen, wie immer.

    Worum es im christlichen Bereich geht, sind im Kern zwei Themen:
    – Das Volk Israel forderte einst, zu Zeiten Samuels, als dieser im Sterben lag einen Menschen als König, ihm vorangehend. Außer sich sagte Samuel dies Gott oder wie ich sage, dem Vater. Dieser antwortete Samuel, gräme dich nicht, sie haben nicht dir gekündigt, sondern mir. Gib ihnen also einen König, gib ihnen aber auch meine Satzungen dazu, welche zusammengefasst den Feudalismus bedeuteten, also die Leibeigenschaft, wie wir ja wissen mündete der Feudalismus im Absolutismus, genau die Zeit der Vorgänge oben von Dir beschrieben und darauffolgend in der Scheindemokratie, welche den modernen Feudalismus hervorgebracht hat, in dem wir hier leben dürfen.

    Ich meine als Christ, der ich sein will oder der ich werden will, leitet sich daraus ab mich sozusagen beim Vater zu entschuldigen und ihn zurück zu bitten. Hieraus ist ein spiritueller Auftrag für Christen zu erkennen, über den aber niemand redet und wenn ich davon anfange möchte, will schon niemand mehr auch nur zuhören, also arbeite ich dann eben für mich selber weiter daran.
    Mit Herrn Drewermann bespreche ich die Inkosequenz des Pazifismus darüber, bin gespannt wie das Gespräch dann so verläuft, freue mich auch darauf und vielleicht kann ich ihn auch einmal besuchen fahren. Ich mag Herrn Drewermann sehr gerne und habe Hochachtung für ihn und werde dementsprechend sensibel vorgehen.

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