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Dezember, 4

Sogar Frankreich ist militärisch schwach. Warum sind europäische Armeen ein Witz?

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Etwas Seltsames ist seit geraumer Zeit in Europa im Gange. Trotz der angespannten Sicherheitslage seit mindestens 2014 und der wirtschaftlichen Überlegenheit Europas sind unsere Streitkräfte erschreckend schwach. Russland erklärte sich 1997 in einem Vertrag bereit, dass osteuropäische Staaten der NATO beitreten dürfen unter den Bedingung, dass dabei keine nennenswerten Streitkräfte aufgebaut werden. Das wiedervereinigte Deutschland hat seine Bundeswehr und seinen Zivilschutz mehr oder minder ruiniert. Alleine dies gewährte Moskau quasi eine 2500 Kilometer lange, demilitarisierte Pufferzone von der russischen Grenze bis hin zur deutsch-französischen Grenze. Reichte das denn nicht, um den Kreml zu beruhigen? Wieso wurde dennoch die Sichtweise verbreitet, die NATO dehne sich auf beeindruckende Weise gen Osten aus? Mütterchen Russland werde gar „eingekreist“? Es wird sogar noch interessanter:

„Unsere Eigenschaft als Einsatzarmee befähigt uns spontan nicht, einen bewaffneten Konflikt auf hohem Niveau zu bestehen“,

gestannt der französische Generalstabschef Thierry Burkhardt bei einer nicht öffentlichen Anhörung des Verteidigungsausschusses der Nationalversammlung. Die amerikanische Denkfabrik RAND denkt genauso.

Mit rund 200.000 Soldaten, 254 Kamppflugzeugen und 222 Kampfpanzer ist Frankreich bei konventioneller Kriegsführung ein Witz. Nicht einmal zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts werden für Rüstung ausgegeben, obwohl es eher vier sein sollten.

In Deutschland wurde getönt, man werde ein Sondervermögen von 100 Milliarden herbeizaubern, aber laut Experten sind diese Beträge auf Jahre verteilt nur der Ausgleich des bisherigen Investitions-Rückstands. Inbegriffen wäre nicht einmal die dringende Anschaffung von Munition von der wir praktisch keine haben.

Frankreichs Nachbar Spanien ist militärisch unbedeutend und Portugal sowieso. Also gibt es von der russischen Grenze ab bis zur Atlantikküste Europas niemanden, der eine wirklich große konventionelle Streitmacht aufhalten könnte. Gehen wir gedanklich davon aus, dass Atomwaffen nicht eingesetzt werden, und dass Russland mit China und anderen Ländern ein enges Bündnis hat, wären die Aussichten Europas bei einem konventionellen Krieg sehr schlecht. Russlands Kapazitäten sind nur solange begrenzt, wie es kein enges Bündnis mit den Chinesen und Nordkorea gibt. Europäische Soldaten und Offiziere haben nur Erfahrungen mit kleinen Einsätzen in Afghanistan oder Mali.

Worauf hat man in Paris oder Berlin so lange gewartet? Auf eine Annäherung an Russland? Auf bessere Zeiten? Die Ausrede war immer, dass mit leeren Kassen und den Kosten des Sozialstaats niemand Horden an Panzern und Kamppflugzeugen und stehende Heere bezahlen wollte. Man kann den schwarzen Peter mühelos an die Wähler zurückschieben. Die USA haben verbal darauf gepocht, dass die Europäer einen viel größeren Beitrag zur NATO-Verteidigung leisten, aber es ist zweifelhaft ob die Amerikaner wirklich wollten, dass einzelne EU-Staaten verteidigungsfähig werden und die USA nicht mehr brauchen. Nur mit einem zentral geführten EU-Militär von Brüssels (oder Washingtons) Gnaden ist Verteidigung auch nur denkbar.

Gibt es heimliches Kartell zwischen den Supermächten, könnte man die Europäer durch inszenierte Spannungen kontrollieren.

2011 erhielt der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall einen Vertrag im Umfang von 140 Millionen $, um ein Gefechtsübungszentrum im südwestlichen Russland zu bauen, das 30.000 Soldaten pro Jahr ausbilden kann. Eine Quasi-Kopie des Gefechtsübungszentrums des deutschen Heeres in der Letzlinger Heide in Sachsen-Anhalt. Der Forschungsdienst des US-Kongresses berichtete, dass Rheinmetalls Partner der staatliche russische Konzern Oboronservis war. Die US-Beamten glauben, dass ein Teil der deutschen Ausbildung in den letzten Jahren an die GRU Spetsnaz ging, die Spezialeinheiten, die unmarkiert auf die Krim vordrangen und die jetzt in der Ostukraine Unruhe stiften.

„Die Leute sind sauer“,

sagte ein US-Geheimdienstmitarbeiter gegenüber The Daily Beast.

„Im Pentagon wird darüber geredet, dass das Training, das sie anbieten, nach Spetznaz gehen würde.“

Aber auch andere EU-Länder drängten sich um den russischen Absatzmarkt: Transportflugzeuge aus Tschechien, Panzerfahrzeuge aus Italien, Wärmebildkameras für Panzer aus Frankreich. Renault Defence und Patria aus Finnland wollten gar mit den Russen zusammen Radpanzer bauen. Finnland ist eines der offensichtlichsten historischen Angriffsziele russischer Expansionspläne.

Anfang Juli 2014 wurde bekannt, dass die meisten von Europas Top-Rüstungsexporteuren einen stillen Handelsstopp mit Russland implementiert hätten. Frankreich wollte schnell noch die Lieferung zweier supermoderner Mistral-Kriegsschiffe im Wert von 1,2 Milliarden Dollar nach Russland durchdrücken, was aber misslang. Französischen Medien zufolge wurde erwogen, die Schiffe entweder zu zerlegen oder an irgendeinen anderen Staat zu verkaufen. Russland tobt und erklärt, so etwas ginge nicht ohne die Erlaubnis Moskaus.

Neben solchen klassischen Rüstungsobjekten gibt es noch den Markt für „Dual Use Items“, also Produkte die wichtig für die zivile Verwendung sind, aber auch für militärische Zwecke benutzt werden können. Der europäische Rüstungsgigant EADS stellte beispielsweise Komponenten für russische Spionagesatelliten her, eine US-Firma produziert Mikrochips für russische Militärcomputer. Französische Firmen verkaufen wichtige Teile für russische Kampfbomber und Zielsystemtechnologie für russische Panzer und Bomber. Während dem russisch-georgischen Krieg 2008 wurden russische Kräfte in Südossetien mit teuren Scharfschützengewehren der finnischen Firma Sako fotografiert, die als „Jagdwaffen“ nach Russland verkauft worden waren.

Die Hälfte des russischen Atomwaffenarsenals ist abhängig von Leitsystemen, die von Firmen in der Ukraine hergestellt und gewartet wurden, genauer gesagt im Osten der Ukraine, im Süden und in der Mitte des Landes. Russische Kampfhelikopter, Kriegsschiffe und Kampfbomber verwenden Motoren aus der Ukraine. Die beste Luft-Luft-Rakete der Russen verwendet ukrainische Leitsystem-Technik.

1200 Bunker standen alleine in der DDR für den dritten Weltkrieg bereit. Ganze 100 Divisionen, rund 2 Millionen Soldaten, standen für den Sturm nach Westeuropa in Bereitschaft. In sieben Tagen wollte die Rote Armee den Rhein erreichen, nach 12 Tagen Blitzkrieg den Atlantik.

Nach der Wende wurden die Bunker schnell entkernt und die Geräte und Dokumente nach Russland gebracht. Die russischen Akten über diese Anlagen sind interessanterweise noch weitere 70 Jahre unter Verschluss.

In der DDR, nördlich von Berlin, wurde mit 84.000 Tonnen Beton der streng geheime Unterschlupf für Honecker gebaut. Nicht einmal das Führungspersonal um Honecker wusste, wo genau er sich befand. Im Ernstfall hätte sich die höchste Garde des Staates dort eingeschlossen. Die wichtigen militärischen Entscheidungen waren natürlich Moskau vorbehalten; Befehle konnten an den Bunker gesendet werden. In einem Tonstudio war es den SED-Politikern möglich, Botschaften ans Volk einzusprechen und diese über die Hörfunksender der DDR auszustrahlen.

Die Anlage entsprach mit ihrer elastischen Federung und ihrer reichhaltigen Ausstattung dem damaligen Stand der Technik. Die Vorräte waren aber recht knapp bemessen; nur 14 Tage hätten die Insassen nach dem Einsatz von Atomwaffen versorgt werden können, danach hätten sie in Schutzanzügen und mit Gasmasken zum Flughafen und in die Sowjetunion transportiert werden müssen.

Ein anderer Bunker bei Kossa in Nordsachsen wurde lange Zeit nur für den Unterschlupf des Territorialkommandos des III. Militärbezirks der NVA gehalten. Historiker vermuten jedoch inzwischen, dass hier eine Kommandozentrale ein Millionenheer Richtung Westeuropa hätte lenken sollen. Ein Großrechner vom Typ AP 3 war dort installiert, mit dem man Schlachtpläne direkt an die Front hätte senden können. Andere extrem wichtige Bunker wurden gesprengt oder sind mit Regenwasser vollgelaufen.

Die russische Militärdoktrin sah traditionell für den Ernstfall schnelle Gebietsgewinne vor, egal ob dabei viele eigene Truppen und Zivilisten sterben. Die NATO ging jahrzehntelang davon aus, dass die Rote Armee ohne allzu große Probleme bis nach Portugal durchmarschieren könnte. Deutschland wäre mit Atomwaffen enthauptet und die Bundeswehr danach überrollt worden.

In diesem Fall sollten dann später von England und Nordafrika aus Bombardements in Europa durchgeführt werden, während lange vorbereitete Widerstandszellen in Europa die Rote Armee sabotieren.

Quellenverzeichnis:      

http://www.shtfplan.com/emergency-preparedness/russians-to-rapidly-build-5000-bomb-shelters-in-moscow-by-2012_11122010

https://www.nytimes.com/svc/oembed/html/?url=https%3A%2F%2Fwww.nytimes.com%2F1996%2F04%2F16%2Fworld%2Fdespite-cold-war-s-end-russia-keeps-building-a-secret-complex.html#?secret=cg6OGZfQD2

http://www.wnd.com/2000/06/4137/

Russland stationiert 48 Atomraketen an EU-Grenze

http://www.bild.de/politik/ausland/politik-ausland/exklusiv-russland-stationiert-48-atomraketen-an-eu-grenze-33916120.bild.html

Sowjet-Pläne zum Blitzkrieg gegen Westeuropa:

http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/poland/1504008/World-War-Three-seen-through-Soviet-eyes.html

http://www.rferl.org/content/article/1063249.html

https://recentr.com/2013/09/kgb-experte-china-russland-und-mexiko-holen-sich-grosteil-der-usa-eu-geht-an-russland/

As if Things Weren’t Bad Enough, Russian Professor Predicts End of U.S.

http://www.wsj.com/articles/SB123051100709638419

http://www.bild.de/bild-plus/politik/inland/sigmar-gabriel/geheimdokumente-im-ministerium-verschwunden-40159238.bild.html

Verstößt Rheinmetall gegen das Waffenembargo und baut das russische Gefechtsübungszentrum Mulino einfach weiter?

http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=wu&dig=2014%2F06%2F10%2Fa0058&cHash=1bf3522814f0e567df8749436a48bee2

Germany Helped Prep Russia for War, U.S. Sources Say

http://www.thedailybeast.com/articles/2014/04/22/germany-helped-prep-russia-for-war-u-s-sources-say.html

http://www.watson.ch/Ukraine/articles/471681326-Was-der-%C2%ABweisse-Konvoi%C2%BB-wirklich-transportierte

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9 Kommentare

  1. Ich dachte es hieß hier jahrelang, die EU-Länder geben jährlich jetzt schon mehr fürs Militär aus und laufen den Russen immer mehr davon. Ich finde den Artikel ehrlich gesagt verwirrend.
    Was stimmt denn nun wirklich?

    • Es stimmt beides gleichzeitig, auch wenn es widersprüchlich klingt. Der russische Verteidigungshaushalt ist ein Witz im Vergleich zu der Summe der Budgets der EU-Staaten. Zudem ist die Industrieproduktion in Europa viel besser. Wenn die einzelnen Staaten für sich betrachtet ihre Ausgaben in vernünftigem Maße erhöhen, könnte Russland einpacken. Stattdessen wurden die einzelnen Streitkräfte in Europa künstlich klein gehalten. Ansonsten würde niemand Russland ernst nehmen. Und es gäbe kein Mega-Drama.

      • Besten Dank für die Erläuterung.
        Ich verfolge dein Medium schon so lange, aber manchmal verwirren mich die ganzen Zusammenhänge doch wieder, weil es ein komplett anderes Narrativ ist, als es ständig von allen Seiten propagiert wird. Deine Einschätzung aber, ergibt für mich letztlich immer am meisten Sinn.

        Europa ist also nur am Papier überlegen, wenn man rein die Militärausgaben betrachtet. Wobei Russland alleine vermutlich auch nicht bestehen könnte. Es kommt also darauf an, wie das echte Verhältnis Russlands zu China/Nordkorea ist.

      • Europa hätte längst die Verteidigungsausgaben auf 4% des BIP hochfahren und alles straffer organisieren können. Die Russen können da (als einzelner Staat betrachtet) nie mithalten. Vor allem weil die so stark durch Korruption ausgebremst sind.

      • Nach der Feuerkraft lässt es sich so nicht behaupten, Gelbfurz!
        Benesch: Geht es Dir etwa wie den Maxis und Du überschätzt die Anglos?

  2. Soweit die Details, aber die NATO-Armeen Westeuropas wurden vor dem Zusammenbruch des Warschauer-Pakts ebenfalls für einen Witz gehalten gegenüber der Roten Armee und ihren Hilfstruppen.
    Nach dem Zusammenbruch des Warschauer-Pakts konnten wir uns dann nicht nur die NVA von innen ansehen, sondern auch die Westgruppe der Roten Armee.

    Eine knappe halbe Million Soldaten, alle alkoholkrank und bis auf die Offiziere unterernährt und im Dreck und im Sondermüll hausend, sich gegenseitig zu Tode mobbend und mit Trabbi-Panzerchen und ähnlichem Zeug ausgerüstet, das nach einer halben NATO-Normschlachtlänge von ganz alleine auseinander gefallen wäre.
    Und die NVA war auch nicht viel besser.

    Nach Kenntnisnahme dessen hat man sich auf westlicher Seite erst einmal auf dem Teppich gerollt vor Lachen, von wegen: Und vor dieser Rasselbande hatten wir Angst.
    Wenn der Warschauer-Pakt in den 1980er-Jahren in den Westen gekommen wäre hätte man noch nicht einmal gezielt schiessen müssen, sondern nur langsam im Rückwärtsgang fahrend über deren Köpfe hinweg bis sie ihr Material durch Dauerbenutzung geschrottet hätten – dann hätten die NVAler ihre Begrüssungshunnis bekommen und die übrigen Roten Asylanträge, und ihre funktionsunfähige Ausrüstung hätte man ihnen zum Tagesschrottpreis pro Kilo abgekauft.

    Das hört sich großkotzig an, aber die russische Armee bestätigt diese Einschätzung mit ihrer derzeitigen performance.
    Und mit Atomwaffen droht Putin seit einer halben Woche nach Kriegsbeginn, tut das seitdem mindestens einmal pro Woche und auf westlicher Seite nimmt man das erst zur nicht ernstnehmbaren Kenntnis seit er vor Kurzem verlauten liess, dass er es ernst meine.

  3. Da kann man nur vermuten dass es in Europa sehr sehr geheime Bunker gibt, oder man die Europäische Politik für austauschbar hält, was sie ja eigentlich ist.

    Ich glaube das einzige Land in Europa was verteidigungsfähig ist wäre Polen, momentan vielleicht nicht, aber was man so hört rüsten die Polen massive auf.
    Thorsten Heinricht spricht von bestellungen von haubitzen die verdoppelt wurden.

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