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Dezember, 4

Der neue Klassenkampf durch Elektroautos

Kommentar

Kürzlich veranstaltete unser örtlicher Ford-Händler eine Ausstellung: Klassiker wie ein Model T, oder das erste erfolgreiche massenproduzierte Fahrzeug mit V8-Motor, Vintage Mustangs aus den 1960ern sowie reihenweise deutsche Fahrzeuge aus den 1930ern in perfektem Zustand. Daneben jeweils die aktuellen Mustangs, Elektro-Mach Es und Ranger-Pickups. Das Problem waren die Preise. 50.000 Euro für einen Mustang 5.0, was dem Basispreis für eine Mercedes E-Klasse entspricht. Ein etwas besserer Ranger-Pickup, was ein Nutzfahrzeug mit etwas angenehmerer Ausstattung bedeutet, war ausgezeichnet mit über 40.000 Euro, also etwa dem Basispreis für eine Mercedes C-Klasse. Der Mach E in der GT-Version mit 465 PS startet ab 86.000 Euro. Mit ein paar zusätzlichen Extras erreicht man den Basispreis einer Mercedes S-Klasse.

Ford als Nobelmarke? Sicherlich gibt es günstigere Fahrzeuge von anderen Marken, die schlechter sind und deutlich weniger Spaß machen und Eindruck schinden, aber war Ford nicht ursprünglich die Marke für die Massen? Hatte man mit Fords Nobel-Marke Lincoln nicht die Option für mehr Luxus?

Mich hatte es nicht überrascht, dass keine US-Pickups und US-SUVs zu sehen waren. Denn daneben hätten die deutschen Fahrzeuge alt ausgesehen. Und die Besucher hätten auf ihren Smartphones mal schnell die Basispreise gesucht. Der neue Lincoln Navigator? Ab 77.000$. Not bad. Die Leute hätten diese Kiste wohl am meisten begutachtet.

Günstiger ist der Expedition ab 53.000$, den man anscheinend auch auf keinen Fall neben den gewöhnlichen deutschen Ford-Fahrzeugen stehen haben wollte.

Für die preisbewussten Leute gibt es den F150 im 2022er Modell ab 29.000$. Mit Rabatten in ein paar Monaten, wenn der Nachfolger erscheint, wäre er noch günstiger. Wer will da einen kleineren Ranger stattdessen für über 40.000€ haben? Wäre es Ford erlaubt gewesen, lockerer zu sein, was Emissionen, Spritverbrauch und tausende andere Regierungsvorgaben anbetrifft, könnte man wohl inzwischen für einen lachhaft billigen Preis einen Pickup anbieten. Stattdessen wird das 2023er Basis-Modell ein paar tausend Dollar teurer. Unter anderem auch deswegen, weil Automatikgetriebe mit immer mehr Gängen verbaut werden. Wer braucht eine 10-Gang-Automatik? Vor allem bei amerikanischen Geschwindigkeits-Limits? Mein alter Ford Explorer hatte vier Vorwärtsgänge im Automatikgetriebe, einen Rückwärtsgang und zwei Modi für steile Gefälle. Das reichte völlig.

Ein Blickfänger wäre der neue E-Pickup „F150 Lightning“ gewesen. Dieser kostet aber bereits 40.0000$ aufwärts mit der einfacheren Batterie. Die XLT-Variante liegt bei 55.000$. Irgendwann fallen auch die tausenden Dollars an Steuer-Rabatten bzw. Subventionen weg und auch der Strom ist dann nicht mehr unbedingt subventioniert. Und man wird nicht immer dann laden können, wenn es braucht. In einem US-Bundesstaat könnte Das Netz gerade überfordert sein. Und dann geht das politische Gestreite los: Die Südstaatler verbraten ohnehin zuviel Strom durch Klimaanlagen, wird es heißen. Wozu brauchen sie überhaupt Pickups? Naja, um viele schwere Sachen zu transportieren und zu ziehen. Auch geschäftlich und landwirtschaftlich. Wer soll den Autoverkehr von schlechter verdienenden Leuten querfinanzieren? Die Mittelschicht wird bluten müssen, weil man an die im Gegensatz zu Offshore-Firmenkonstrukten herankommt.

Dann das nächste Problem, dass der F150 Lightning in der Basisversion kaum Lasten transportieren und ziehen kann über längere Strecken bei Highway-Geschwindigkeiten. Tests unter realistischen Bedingungen sind nicht gerade vielversprechend.

Der Test von Hoovie wurde von Breitbart und Infowars aufgegriffen. Insbesondere Infowars war dabei mal wieder zu inkompetent, um die grundlegenden Aspekte des Tests zu verstehen. Nicht ein Mangel an Drehmoment oder Geschwindigkeit war das Problem. Sondern die Reichweite. Bei all dem Getöse machen Plattformen wie Infowars eben doch nur Werbung für die Republicans, die viele Jahre lang nur so getan haben, als würden sie sich gegen die Klima-Transformation zu wehr setzen.

Regierungsvorgaben haben über Jahre hinweg Verbrenner-Autos künstlich verkompliziert und verteuert, damit im Vergleich dazu die Elektro-Autos preislich nicht völlig absurd erscheinen. Bill Gates erklärte in seinem aktuellen Klima-Buch, dass die klimaneutralen Produkte der Zukunft nicht teurer sein sollen wie die althergebrachten. Aber ist das nicht Schummelei, wenn die althergebrachten Fahrzeuge künstlich verteuert wurden?

Klassische Fords, also vor allem die Muscle Cars und Pickups mit V8-Motoren und Vergasern, waren so simpel konstruiert, dass sie selbst von findigen Amateuren gewartet und repariert werden konnten. Auch ein Zerlegen des Motors, der Einbau neuer Teile und das Wiederzusammensetzen waren keine Raketenwissenschaft. Moderne Verbrenner-Autos sind voll mit Computermodulen und unnötig komplizierten überteuerten Motoren, die auf Verbrauch und Abgaswerte hin zwangsoptimiert werden mussten.

Der neue F150 Lightning sollte als E-Fahrzeug gemäß der Verheißungen relativ simpel gestrickt sein. Immerhin ist das das schlagende Argument im Vergleich zu einem Verbrenner, der viele bewegliche Teile hat, Steuerketten, usw.

Ein Blick unter die Plastikabdeckung unter der Haube des Lightning zeigt ein endloses Gewirr aus Kühlmittel-Leitungen, die lecken können und genau neben Computermodulen und ähnlichen Elektronik-Bauteilen verlaufen. Praktisch der gesamte Unterboden wurde mit Panzerplatten abgedeckt, um das empfindliche und außerordentlich teure Batterie-Pack zu schützen, das bei einem Unfall zu einer Flammenhölle führen kann, die nicht einfach zu löschen ist.

Was noch dazu kommt, ist dass das Netzwerk aus Ladestationen immer noch zu schlecht ist. Scotty Kilmer schildert den Horror-Trip einer Person, die in ein paar Tagen nach Alaska fahren wollte. Er hatte Glück, dass er sich von Ladeoption zu Ladeoption durchhangeln konnte. Je mehr E-Fahrzeuge auf den Straßen sind, umso schlimmer wird es. Gibt es irgendwann die speziellen Ladestationen für betuchtere Fahrer und deren Elektro-Mercedes, E-Bentleys usw.?

Mit Verbrenner-Auto kann man kreuz und quer durchs ganze Land fahren, wobei der einzige begrenzende Faktor die steigende Müdigkeit des Fahrers ist. Man kann halten, wo man will, sich das Land ansehen. Mit e-Auto hangelt man sich notdürftig von Lademöglichkeit zu Lademöglichkeit.

Eigentlich gibt der Gebrauchtmarkt alles Mögliche her, was man sich wünschen kann. Auch Luxusfahrzeuge, oder welche mit Austauschmotoren. Aber seit Monaten merken die Mechaniker in Amerika, dass viele Ersatzteile für viele Fahrzeuge nicht mehr hergestellt werden. Irgendwann sind alle verbliebenden Teile von Schrottplätzen kannibalisiert. Und was dann? Eine Art Elektro-Trabant kaufen? Klein, schrottig und mit langer Wartezeit?

Stehen unsere Kinder und Enkel irgendwann in einem Automuseum oder bei einer Ausstellung und fragen sich, was für coole Pickups, Muscle Cars und SUVs es früher einmal gegeben hat?

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4 Kommentare

  1. Ich dachte über einen umstieg auf ein E-Auto nach, aber die infrastruktur ist wohl das größte Problem, ich bräuchte ja auch eine ladestation auf meinen parkplatz…

    • Wäre irgendwie funny, an Ökos und Spießern mit einem F150 Lightning vorbeizufahren und einen Spruch abzulassen. Aber es fehlt einfach an Utility. Lieber klassischen F150 oder F250 und eine LKW-Zulassung dafür kriegen.

      • Da gibts auch ne zusammenstellung von Herrn Lüning, wo er darauf hinweißt, dass die Stromnetzt garnicht ausgelegt ist, für Ladestationen in jeder garage, da haben dann 3 Häuser in einer straße die Tesla schnelllader und die anderen können dann garkeine Ladestationen anschließen. Die müssen halt dann verbrenner fahren^^
        Echt ein Witz.

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