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Mittwoch, August 17, 2022

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Russland finalisiert, wie vorhergesehen, eine sowjet-ähnliche Kriegswirtschaft

WirtschaftRussland finalisiert, wie vorhergesehen, eine sowjet-ähnliche Kriegswirtschaft

Bild: Alexander Chizhenok/Shutterstock.com

Kommentar

Westliche Politiker und Wirtschaftsbosse gaben sich zutiefst überrascht über den Krieg der Russen gegen die Ukraine und die damit verbunden Folgen für die russische Wirtschaft. Man hätte optimistisch gehofft, dass Russland sich in eine „normale“ Richtung bewegt und dem Westen immer ähnlicher wird. In Wirklichkeit war es den US-Strategen, und damit wohl auch der deutschen Politik, klar dass wir lediglich ein Zwischenspiel im Osten subventionieren, das letztendlich in einer sowjet-ähnlichen Kommando-Kriegswirtschaft enden wird.

Aktuell wird darum gestritten, ob Russland eine Staatspleite hingelegt hat, weil Zinsen für Staatsanleihen nicht fristgerecht gezahlt wurden. Die Russen pochen darauf, dass erhebliche Gelder durch Sanktionen eingefroren sind und auch diverse Zahlungsvehikel geblockt wurde. Darüberhinaus prahlen die Länder des BRICS-Bündnisses mit ihren hochtrabenden wirtschaftlichen Visionen für die Zukunft, abseits des westlichen Blocks.

Den Experten der Angloamerikaner war jedoch frühzeitig klar, dass die offiziellen Zahlen aus Russland keine Bedeutung haben. Viele Transaktionen laufen ohne Geld über eine Art Barter-System, es wird viel quersubventioniert und letztendlich braucht Moskau einen neuen internationalen Konflikt und eine sowjet-ähnliche Kommandowirtschaft.

Diese neue Kommandowirtschaft wird wohl nur zum geringen Teil vermarktet werden als marxistisch-leninistische Tradition, um ältere Russen und linke Kreise im Ausland damit zu umgarnen. Die Verschmelzung aus Staat und Megakonzernen, die aktuell bereits existiert, ähnelt faschistischen Modellen, kann aber elegant als „National-Bolschewismus“ bezeichnet werden, um sich von Mussolini und Hitler abzugrenzen, oder alternativ als zaristisch und damit in der Tradition von über 1000 Jahren des russischen Reichs unter den Zaren und Fürsten.

Einer, der die momentanen Entwicklungen vorausgesehen hatte im Jahr 1999, war Clifford G. Gaddy vom elitären amerikanischen Think Tank Brokings:

Es ist das, was Professor Barry Ickes von der Pennsylvania State University und ich „Russlands virtuelle Wirtschaft“ genannt haben.
Der Marktwert der Dinge, die die russischen Unternehmen produzieren, ist geringer als der Wert dessen, was zu ihrer Herstellung benötigt wird. Und doch ist der Zusammenbruch dieser Industrien sozial und politisch inakzeptabel, selbst wenn es wirtschaftlich sinnvoll wäre, sie zu schließen und zu ersetzen.

Die russischen Güter sind nicht wettbewerbsfähig im Vergleich mit den Gütern ausländischer Herstellern und mit eindeutigen Geld-Transaktionen und transparenten Preisen würde dies sofort auffallen. Aber die Vermeidung von Geld durch die Mechanismen des Tauschhandels und anderer Formen des nicht monetären Austauschs ermöglicht es, die Preise der Waren willkürlich festzulegen. Die Regierung akzeptiert beispielsweise solche Güter als Ersatz für Steuerzahlungen und Großunternehmen wie aus der Energiebranche akzeptieren die Güter als Bezahlung.

Indem man die Güter überteuert verkauft, entsteht der Eindruck, dass ein Mehrwert geschaffen wurde, so als handle es sich um klassische kapitalistische Produktion. Es erinnert frappierend an das alte Römische Reich, wo die tatsächlichen Bilanzen mehr oder minder geheim gehalten wurden. Das den Bauern weggenommende Getreide wurde in Goldtropfen (Solidi) konvertiert und das Verschleierungspotenzial war endlos, weil es keine transparente Auditing-Kette gab.

Bis zu 70 Prozent der Transaktionen zwischen Industrieunternehmen in Russland vermeiden die Verwendung von Geld. In ähnlicher Weise machen Verrechnungen, Tauschhandel und dergleichen 80-90 Prozent der Steuerzahlungen dieser großen Industrieunternehmen aus.

Statt einer Mehrwert-Schöpfung, wie es beispielsweise den Amerikanern ermöglicht hat, eine Mega-Wirtschaft aufzubauen, gab es in Russland an allen Ecken und Enden eine Wertvernichtung, die versteckt werden musste. Hermann Rauschning war einst mit seinen ökonomischen Warnungen bei Adolf Hitler auf taube Ohren gestoßen, der sich auf die Haltung versteift hatte, dass unbedingt die Endverbraucher-Preise künstlich niedrig gehalten werden müssen. Alles andere als galoppierende Preise würde von den Bürgern hingenommen werden.

Der russische Staat holte sich international Kredite und zerstörte gleichzeitig die eigene Fähigkeit, diese zurückzuzahlen ohne ständig neue Schulden aufzunehmen. Dazu kam das Problem des „Brain Drains“, also des Abwanderns von den produktivsten Personen ins Ausland, die sich dort an wirtschaftlichen Aktivitäten beteiligen, die einen Mehrwert schaffen. Innerhalb Russlands waren viele gebildete Bürger frustriert über die unproduktive Mentalität der Quersubventionen und des Tauschhandels.

In der russischen Landwirtschaft gibt es neben den wenigen Mega-Firmen fast nur noch kleine Selbstversorgerbetriebe, die den eigenen Lebensmittelbedarf decken und ansonsten so gut wie nichts für den Markt produzieren. Dort besteht das einzige Bargeld aus staatlichen Transferleistungen wie Renten und Kindergeldzahlungen. Eine ähnliche Entwicklung wurde 1999 prognostiziert für andere Wirtschaftszweige: Große (korrupte) Konzerne werden subventioniert, die kleineren werden vom richtigen Markt abgeschnitten und existieren weiter, um diverse Grundbedürfnisse der Arbeiter und Gemeinden in der unmittelbaren Umgebung zu bedienen.

In der virtuellen Wirtschaft sagen offizielle Wachstumszahlen wenig. Virtuelle oder illusorische Preise führen zu einem illusorischen BIP. Die Wirtschaft scheint zu wachsen, tut es aber nicht wirklich. Sie zieht sich in Wirklichkeit zusammen.

Das Risiko einer Kontraktion wird eher hingenommen als das (vermeintliche) Risiko, das entstehen würde durch eine Stärkung echter, produktiver Firmen. In westlichen Ländern gibt es eine breite Landschaft an starken Zulieferer-Betrieben, die alle möglichen Teile liefern können. Bei den Russen wirkten sich Sanktionen und der Export-Stopp der Ukraine 2014 absolut verheerend aus, da es einfach nicht gelang, selbst die vielen benötigten Teile in der angemessenen Qualität herzustellen.

1999 prophezeite Clifford Gaddy bei Brookings, dass sich Russland in eine Richtung bewegt, in der globale Spannungen den Vorwand liefern für eine militarisierte, vollständige Kommandowirtschaft mit Zwang an allen Ecken und Enden.

Besonders wenn Druck besteht, die Produktion konventioneller Waffen im großen Maßstab wiederzubeleben (im Gegensatz zu einer begrenzteren Konzentration auf, sagen wir, Nuklear- und Weltraumwaffen), wird sie sich fast unvermeidlich zu einer vollwertigen Kommandoverwaltungswirtschaft entwickeln. Ein solches System kann es sich nicht leisten, potenzielle Ressourcen wegzulassen, und das erfordert Zwang.

Der Kreml scheint nun die Ausweitung der staatlichen Kontrolle über die Wirtschaft als Allheilmittel für all ihre Probleme zu sehen. Valentina Matvienko, Vorsitzende des Oberhauses des Parlaments und enge Verbündete von Präsident Putin, sagte dies kürzlich offen, als sie über den Eisenbahnbetrieb des Landes sprach, und erklärte, dass private Betreiber jetzt anfangen müssen, für den Staat zu arbeiten, anstatt nur daran zu denken, Geld zu verdienen. Während sie über die Zukunft des Schienenverkehrs sprach, beschrieb Matvienko auch Russlands derzeitiges Führungssystem als „Mobilisierungsökonomie“.

Wie der Analyst Nick Trickett in einem kürzlich erschienenen Artikel erklärte, versucht der Kreml nun, eine Wirtschaft aufzubauen, die „nicht von externen Preisniveaus für die Waren beeinflusst wird“. Um dies zu erreichen, insbesondere bei einem dramatisch schwächeren Rubel, muss der Kreml nicht nur eine Kommandowirtschaft aufbauen, sondern auch die vollständige politische Kontrolle über die Preisgestaltung haben. Das bedeutet, dass Unternehmen nicht über Preis oder Qualität konkurrieren, sondern auf der Grundlage ihrer Verbindungen zum Kreml und anderen wirtschaftspolitischen Entscheidungsträgern.

Die neue Wirtschaft, die Putin auf der Grundlage der Ukraine-Invasion aufbaut, wird einige Ähnlichkeiten mit Russlands Marktwirtschaft vor 2022 haben. Zum Beispiel dürfen Eliten, die dem Kreml treu bleiben, ihren Reichtum behalten – Putin hat dies faktisch erklärt. Aber Moskau wird größtenteils nur seine immer knapper werdenden Reserven unter ihnen verteilen.

Teilweise könnte innerhalb des BRICS-Blocks das wirtschaftliche Verschiebebahnhof-Spiel erweitert werden, allerdings halst man sich damit auch weitere Probleme auf.

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