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Top Gun Maverick: Die Rückkehr des klassischen Pentagon-Kinos der 1980er

KulturTop Gun Maverick: Die Rückkehr des klassischen Pentagon-Kinos der 1980er

Rezension

„Top Gun Maverick“ ist die Rückkehr des klassischen Pentagon-Kinos der 1980er Jahre: Ein extrem spaßiger, komplett schamloser Werbespot für die US-Luftwaffe, oder genauer gesagt die Marine, für die die Hauptfiguren arbeiten, weil ihre Flugzeuge von einem schwimmenden Flugzeugträger starten. Kein woker „soft reboot“. Keine marxistische Pädagogik. Maverick ist nicht komplett abgehalftert, er leistet nicht nur eine Support-Aufgabe für einen weiblichen & fähigeren Nachfolger, wie beispielsweise in den neuen Star Wars-Filmen.

Andere legendäre Charaktere wie Iceman werden nicht heruntergemacht und abgefertigt, wie Han Solo in den neuen Star Wars-Filmen, sondern noch mehr gehuldigt. Männliche Gewalt wird nicht ersetzt durch weibliche Gewalt oder Diplomatie. Und wo wir gerade bei Star Wars sind: Der Plot ist im Prinzip „A new Hope“: Maverick soll innerhalb weniger Wochen die besten Piloten des Landes ausbilden für eine haarige Mission durch einen Canyon, wo dann präzise ein winziges Ziel getroffen werden muss, um die unterirdische Urananreicherungsanlage eines nicht näher genannten „Schurkenstaats“ zu zerstören. Es ist der Todesstern und die gewöhnlichen Piloten haben nicht „die Macht“ auf ihrer Seite. Maverick hingegen hat Jedi-Kräfte, der alte verstorbene Kollege Goose ist ein wenig Obi-Wan für ihn und es gilt, Gooses Sohn in die Wege der Macht einzuführen.

Überrascht es, dass pünktlich zu den neuen internationalen Spannungen der Film den Woke-Trend in Hollywood beendet und junge Menschen inspirieren soll, zum Militär zu gehen oder zumindest des Militär zu fördern? Man fühlt sich beim Zuschauen wirklich wie in den 1980er Jahren auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, bevor dann in den 1990ern kinotechnisch abgerüstet wurde und die Action-Helden von einst wie Schwarzenegger und Stallone plötzlich in Komödien spielten oder in ironischen Actionfilmen, die das Genre auf die Schippe nahmen. Nach Jahren der woken, marxistischen Kino-Pädagogik spielt „Top Gun Maverick“ nun bergeweise Geld ein und zeigt, dass die Studios eben nicht verlernt haben, wie man die Menschen unterhält.

Gleich am Anfang bekommt man in den Credits „Don Simpson und Jerry Bruckheimer“ als Produzenten genannt. Dem klassischen Actionfilm-Gucker kommt dabei das Grinsen, weil Don seit einer Ewigkeit schon tot ist und die Sache eher eine Widmung darstellt, so als wäre Don der „Goose“ für Jerry. Ich glaube, dass niemandem, der jünger als 35 bis 40 war, die Sache auffiel, während man aus allen Richtungen vollgedröhnt wird mit der Musik und dem Sound von Kampfjets. Es ist mehr als nur eine Widmung. Es ist ein Statement: Das alte Pentagon-Kino ist zurück.

Schauspieler und Charaktere

Tom Cruise ist genial als gealterter Maverick. Nicht mehr der blutjunge Hitzkopf, sondern ein alter Jedi-Meister mit Selbstironie und gleichzeitig Gravitas, also Yoda aus „Empire strikes back“. Er hat einen romantischen Subplot mit einer blassen Jennifer Connelly, an die ich mich gerade noch erinnern konnte aus „Phenomena“ von Dario Argento von 1985. Ich hatte sogar vergessen, dass sie in „Requiem for a Dream“ war. Maverick hat Schuldgefühle gegenüber Gooses Sohn, Pilotenname „Rooster“, kompetent aber nicht übermäßig beeindruckend gespielt von Miles Teller aus der „Divergent“-Reihe. Die anderen jungen Piloten wirken ziemlich lahm gegenüber dem restlichen Cast aus klassischen Schauspielern und gegenüber den Figuren aus dem ersten Top-Gun-Film. Glen Powell alias „Hangman“ soll eine Art Iceman sein, kommt aber rüber wie ein übertrieben arrogantes Schwein, mit dem niemand fliegen würde in der realen Welt. Der echte Iceman im Film, Val Kilmer, kann eigentlich nicht mehr reden, hat aber eine der besten Dialogszenen des ganzen Films. Ed Haris, der gefühlt 100 Jahre alt ist, spielt einen Quasi-Antagonisten von Maverick; einen knorrigen hohen Offizier, der die Ära der Piloten beenden will zugunsten von Drohnen. Letztendlich ist keiner der Offiziere und keiner der Piloten wirklich ein Bösewicht, weil der ganze Film eben ein Werbespot fürs Militär ist. Man muss etwas sein Hirn ausschalten, um zuzusehen, wie der gealterte Maverick besser fliegt als Mittzwanziger und es sogar in einem alten Flugzeug aufnehmen kann mit modernsten Jets. Fairerweise muss man dazu erwähnen, dass die Amerikaner wirklich sehr viele Übungen fliegen und andere Staaten sich das nicht leisten können.

Drehbuch

Wie bereits erwähnt, ist die Geschichte im Kern „Star Wars A New Hope“. Man muss den Todesstern anfliegen und dann ein winziges Ziel treffen und nur Maverick und Rooster haben Jedi-Kräfte. Der Rest sind nur Charakter-Subplots, die vielleicht noch die drei Frauen im Publikum interessieren. Wirklich identifizieren kann man sich mit einem Mega-Piloten wie Maverick und seinen Schuldgefühlen ohnehin nicht und die Romantik ist bestenfalls passables Füllmaterial, damit sich nicht Actionszene an Actionszene reiht. Die Geschichte ist deutlich größer als die des alten Films, wo es nur auf einen Dogfight hinausläuft mit ein paar feindlichen Flugzeugen. Es wirkt aber nicht zweckmäßig übertrieben und schließlich muss man ja auch zeitgemäß bleiben und mit anderen Action-Filmen mithalten. Alles bewegt sich flott vorwärts und man rätselt bestenfalls noch, wer von den Figuren überleben wird.

Regie

Als Regisseur diente Joseph Kosinski und man fragt sich, ob er nur „Action“ und „Cut“ rief, während alle wichtigen Entscheidungen auf Jerry Bruckheimer zurückgingen. Es wirkt alles enorm kompetent, was aber auch zu einem großen Teil am Editing und der Postproduktion und den echten Flügen bei den Dreharbeiten liegt. Die Subplot-Dialogszenen hätte fast jeder Regisseur hinbekommen. Der alte „Top Gun“ hatte noch Tony Scott als Regisseur, der im neuen Film eine Widmung erhielt.

Look

Es ist erstaunlich, wie es gelungen ist, die Magie von traditionellem 35mm-Film einzufangen mit modernen Sony VENICE-Digitalkameras. Alles stimmt. Selbst die Farben von Uniformen und Hauttöne erinnern an die 1980er und 1990er. Anscheinend ließ man eine digitale Film-Simulation als Effekt drüberlaufen und man bekommt die Magie von Film und gleichzeitig die Vorteile von digital. Von mir aus könnte jeder neue Film so aussehen, statt dem gängigen toten ALEXA-Resolve-Look, den man überall vorgesetzt bekommt. Es ist nicht realistisch, heutzutage noch Filme zu drehen auf 35 mm, wo die Kameras nicht ins Cockpit passen und man sich herumschlagen muss mit den Fehleranfälligkeiten unter widrigen Bedingungen. Es wurde bereits viel geredet darüber, wie die Schauspieler in echte Flugzeuge mit Kameras gesetzt wurden. Das einzige was fehlt, war 3D, so wie in der Konvertierung des ersten Teils.

Sound

Die alten Songs sind da und der Lärm auch. Neue Songs die im Gedächtnis hängen bleiben, gibt es keine. Wobei die Performance in „Deutschlands größtem Multiplex“-Kino nicht dem Material gerecht wurde. Die Subwoofer waren schlapp und die Verstärker der regulären Lautsprecher überfordert in den lauten Momenten. Das sollte man im optimierten Heimkino hören.

Magic-Faktor

Lässt man alteingesessene Produzenten ran ohne Woke-Pädagogik, klappt es auch plötzlich wieder mit der Film-Magie. Der Kitsch-Regler wird auf Stufe 10 hochgedreht und die Charaktere leisten Übermenschliches. Wer hat schon Lust auf Realismus?

Ikonografie

Neue ikonografische Elemente gibt es keine. Nicht eine einzige Sache wird der Fortsetzung zugeschrieben werden. Dafür klappt es hervorragend mit der Einbindung der klassischen ikonografischen Elemente, bis hin zum Sport-Match mit freiem Oberkörper.

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