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Mittwoch, August 17, 2022

Russische Behörden haben rund 138.000 Websites gesperrt oder gelöscht seit Invasion

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Bundeswirtschaftsministerium empfiehlt Unternehmen, sich wegen der Gaskrise mit Notstromaggregaten einzudecken

Das Bundeswirtschaftsministerium empfiehlt Unternehmen, sich wegen der...

Zersetzung

StudieZersetzung

Stellen Sie sich den Bürger Max Mustermann vor; dieser ist verheiratet, berufstätig und hat Kinder. Für Aktivismus bzw. politische Beteiligung hat er pro Woche etwa sieben Stunden Zeit und gibt pro Monat etwa 100 Euro aus für Abonnements und Spenden und Mitgliedsbeiträge. Von den sieben Stunden sind vier bereits nur der reine Konsum von Aktivisten-Medien in Form von Videos und hitzigen Podcasts. Der Rest sind Treffen und diverse konkrete Handlungen. Diese sieben Stunden und 100€ können sehr schnell wirkungslos verpuffen. Wie viel Zeit bleibt dann noch für das Lesen von Sachbüchern, um sich überhaupt zu den relevanten Themen weiterzubilden? Null! Ein anderer Bürger, der nicht verheiratet und kinderlos ist, hat pro Woche 20 Stunden, die er für Aktivismus aufbringt, und gibt pro Monat 400€ aus. Auch hier verpufft das Budget schnell. Ein weiterer Bürger ist dauer-arbeitslos und single und verbringt fast seine gesamte Freizeit Aktivismus. Handelt es sich dabei um Reichsbürger-Emails, sinnlose Youtube-Videos und Kommentare auf Social Media, verpufft auch hier der Aufwand. Politische Bewegungen haben mehr oder minder konkrete Zielsetzungen, Techniken zur Erlangung dieser Ziele, einen Wissensstand, bestimmte Organisationsstrukturen, Führungspersonal, Kommunikationsformen, meistens eine der altbekannten Standard-Ideologien und meistens noch Sympathien oder gar Kooperationen mit irgendeiner Supermacht. An jedem einzelnen Punkt können Geheimdienste ansetzen, um die jeweilige Bewegung zu zerrütten, zu zerstören, zu radikalisieren oder als impotentes Sammelbecken laufen zu lassen. Noch bevor man überhaupt eine Gruppe infiltriert, sind bereits von vorneherein gravierende Probleme innerhalb der Gruppe vorhanden, die man identifizieren und dann gewaltig verschlimmern kann:

  • In einer Gruppierung von 1000 Personen sind statistisch gesehen 10 waschechte Psychopathen darunter, sowie 50 Personen mit einer ausgewachsenen narzisstischen Persönlichkeitsstörung, und schließlich noch eine gewisse Quote an Schizoiden, Emotional- Instabilen und weiteren Menschen, die sich negativ auf die Organisation auswirken können. Gerade Psychopathen und Narzissten haben Erfahrung damit, durch krumme Mittel aufzusteigen, dann ihre Kritiker heraus zu drängen und die inhaltliche Ausrichtung der Gruppe zu verändern. Es ist auch üblich, dass hinterhältige Figuren einen Zustrom neuer, höriger und fanatischer Mitglieder bewirken.
  • In jeder Gruppierung haben die Mitglieder unterschiedliche Persönlichkeitsstrukturen, unterschiedliche Vorlieben, oftmals eine unterschiedliche Herkunft, und unterschiedliche Stile der Kommunikation. Schwierige Fragen und Meinungsverschiedenheiten gut zu lösen, erfordert ein hohes Maß an Sachkompetenz und Kommunikations-Fähigkeiten, das meistens nicht vorhanden ist.
  • Einzelne Mitglieder können heikle Geheimnisse verbergen und sind dadurch kompromittierbar; wie etwa frühere Mitgliedschaften in radikalen Organisationen, kriminelle Geschäfte, sexuelle Verbrechen, Drogensucht, Alkoholismus, Medikamentenmissbrauch oder Pädophilie. 
  • Die Mitglieder haben von vorneherein fehlerhafte ideologische Standard-Überzeugungen darüber, wie das Zusammenleben von Menschen funktionieren soll, wie das Böse funktioniert und wie man es erfolgreich bekämpft. Die Ideologien sind darüber hinaus noch in viele Unterkategorien aufgeteilt, die sich gegenseitig kritisch und argwöhnisch betrachten
  • Eine Gruppe kann bereits Agenten und Informanten eines fremden, ausländischen Geheimdienstes beinhalten. Der heimische Geheimdienst kann diese fremden Agenten identifizieren und die ganze Angelegenheit auf verschiedene Weisen ausnutzen. Enttarnt man beispielsweise öffentlich die fremden Agenten, ist das vernichtende PR für die Gruppe. 
  • Die Mitglieder einer Gruppe haben normalerweise wenig bis gar kein Wissen über geheimdienstliche Operationen und Techniken. Selbst Gruppen, die von klassischen Verschwörungsmedien beeinflusst sind, haben gravierende Defizite wegen der traditionell schlechten Qualität der Verschwörungsmedien. Wie ich meinem Buch „Der Geführte“ aufzeige, kontrollierten Frankreich und das verfeindete britische Reich über ihre Geheimdienste vor Jahrhunderten bereits die Verschwörungsmedien.
  • Die Mitglieder einer Gruppe sind in aller Regel unerfahren darin, stabile Hierarchien zu schaffen und aufrechtzuerhalten. Wer verdient welche Position und welches Maß an Aufmerksamkeit? Was soll in der Gruppe erlaubt und verboten sein? Was sind Sanktionsmechanismen für Regelverstöße?
  • Das Internet hat es zwar leichter und billiger und schneller gemacht, Gruppen zu starten und Aufmerksamkeit zu erregen, aber das bedeutet auch, dass zu viele unterschiedliche konkurrierende Gruppen sich gegenseitig ausbremsen und dass Gruppen auch sehr schnell wieder zerfallen können, je nachdem wie sich Trends verändern.
  • Die Mitglieder haben meist gravierende Bildungsmängel zu allen relevanten Themen, fühlen sich aber im Besitz besonderer Wahrheiten uns besonderem Durchblick.

Zielsetzungen

Die Ziele einer Gruppe sind zugleich die Existenzberechtigung der Gruppe, die Identität, die Mission und der Glanz. Es ist einfacher, neue Mitglieder zu gewinnen, wenn man die Ziele zunächst eher schwammig und allgemein hält, um ideologische Meinungsverschiedenheit zu vermeiden und auf später zu verschieben. Manchmal wird ein bestimmtes, konkretes Ziel in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt, wie zum Beispiel Widerstand gegen eine bestimmte Form von Aufrüstung oder eine Stationierung von Atomraketen, während die breiteren Ziele einer sozialistischen Umwandlung des Landes weniger laut und konkret kommuniziert werden, um nicht zu radikal zu wirken. Gelingt es, durch Desinformation und Infiltration die Ziele einer Organisation zu beeinflussen, kann man die Ziele so umgestalten, dass sie zu lasch oder zu hochgegriffen sind, kontraproduktiv, zu radikal, selbstzerstörerisch, unrealistisch oder gar verrückt. Bei konservativen Bewegungen beispielsweise kann man die Zielsetzungen ins Rechtsextreme umgestalten, sodass nicht weniger als der faschistische oder nationalsozialistische Totalumbau der Gesellschaft angestrebt wird. In der AfD dreht sich die interne Spaltung zum großen Teil um die unterschiedlichen Zielsetzungen. Geht es bestimmten Strömungen jetzt um Migrationsbegrenzung und konservative Werte oder um einen weißen Ethno-Staat und Errichtung eines Regimes? Linke Bewegungen haben oftmals effizient Frontorganisationen geschaffen mit einzelnen überschaubaren und realistischen, konkreten Zielsetzungen: Frauenrechte, Anti-Atomkraft, Umweltschutz usw. Die Abschaffung des Kapitalismus, die Ausgrenzung von allem was als „rechts“ gilt und der Ausstieg aus der NATO ist vielen Menschen dann aber doch zu heikel. Die Linken wurden aber niemals ihre Abneigung los gegen das „Bürgertum“ und dessen Wohlstand und Freiheiten, was von vorneherein die Ziele beeinflusst, das Bürgertum in sozialistische, kontrollierte Drohnen zu verwandeln. Die Neurechten besetzten das Thema Migrations-Stopp, aber stürzten oft gleich mit der Tür ins Haus, dass sie eine Diktatur errichten wollen. Die Spaltung der Bevölkerung ist so stark, dass keine Gruppe der anderen wirklich den eigenen Willen aufzwängen kann. Die Werte der einen Gruppe sind das Feindbild der anderen, und je mehr man diese ideologischen Gruppen steuert, um so mehr hält man diese Spannungen aufrecht und keine wirklich nützlichen Ziele werden von den Gruppen erreicht. Bestimmte radikale Zielsetzungen überschreiten nicht nur nationale Gesetze, sondern triggern auch internationale Normen und ausländische Dienste. Die CIA beispielsweise darf gegen dich zum Einsatz kommen, wenn du dich mit den Russen verbrüderst, um Deutschland aus der NATO herauszubrechen und an den Ostblock anzugliedern.

Wissensstand

Man kann den ohnehin schon unzureichenden Wissensstand einer Gruppe verschlimmern durch manipulative Bücher, Filme, Artikel und Pamphlete und zudem noch Bildungsfeindlichkeit vergrößern, indem man dem Ego der Gruppenmitglieder schmeichelt und die Gruppe als besonders intelligent und belesen bezeichnet.

Feindbilder

Ohne zu definieren, wer oder was bekämpft werden soll, hat eine Gruppe keine echte Identität und Anziehungskraft und auch kein Erklärungsmodell darüber, wie das Böse funktioniert und wie man es bekämpft. Für Linke kommt das Böse aus dem Besitz, dem Bürgertum und der klassischen Kleinfamilie. Für Rechte kommt das Böse von „neumodischen“ Dingen, Migration und einer Abkehr von traditionellen Kontrollstrukturen. Für die politische Mitte ist alles Teufelszeug, was von der Mitte abweicht. Für den Islamisten ist Unglaube das Feindbild #1. Für den Konsumenten klassischer Verschwörungsmedien steckt hinter allem eine jüdisch-kommunistische Weltverschwörung. Es ist nicht besonders schwer, die Feindbilder einer Gruppe zu beeinflussen, um die Gruppe damit zu schwächen und/oder sie zu einem kontrollierbaren Sammelbecken zu machen.

Techniken

Die Möglichkeiten der Sabotage der verwendeten Techniken einer Bewegung sind schier endlos und dadurch kann man die Zeit und die finanziellen Ressourcen der Gruppe wirkungslos verpuffen lassen. Fanatische Propaganda und bestimmte Formen der Provokation stoßen die Mehrheit der Menschen ab. Demonstrationen und Online-Protest haben keine bedeutenden Auswirkungen. Vandalismus ist nichts anderes als „Terrorismus light“. Terrorismus öffnet Tür und Tor für die Verfolgung durch Polizei und Geheimdienste. Als die Linken im Westen gemerkt hatten, dass kein Potenzial vorhanden war für eine klassische kommunistische Revolution, wurde der lange Marsch durch die Institutionen und die Infiltration der Gesellschaft propagiert, was zwar bestimmte Veränderungen mit sich brachte, aber eben keine kommunistische Wunschgesellschaft nach Vorstellungen der Linken. Das westliche System kontrolliert die Linken, nicht umgekehrt, was man an den ganzen Subventionen und Programmen und weiteren Abhängigkeiten sehen kann. Der Parlamentarismus hat bekanntermaßen viele Fallstricke und man kann vieles falsch machen. Als frustrierte Leute aus dem Umfeld der CSU rechts von der Partei eine neue namens REPUBLIKANER starten wollten, kam recht bald der Rechtsruck und der interne Kampf um die Ausrichtung. Immer wieder sieht man auch den (meist illegalen) Versuch, sich aus dem Ausland Hilfe zu beschaffen, was schnell nach hinten losgehen kann. Typische Sektenmechanismen einer Gruppe können zwar begrenzt funktionieren, aber bringen auch gewaltige Probleme und Risiken mit sich. Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Techniken, die die Gruppe verwenden soll, lassen sich natürlich auch einfach nur als Anlass hernehmen, emotionalen Streit heraufzubeschwören und zu eskalieren.

Kommunikationsformen

Jede Gruppe muss untereinander kommunizieren, und zwar unablässig. Idealerweise würden die Gruppenmitglieder ausschließlich faktenbasierte, zielorientierte und logische Kommunikation betreiben, aber fast immer trifft man auf schlechte Kommunikationsformen, die besonders bei Meinungsverschiedenheiten Chaos anrichten. Unpassende Vergleiche, selektives Herauspicken von Informationen, unlogische Schlussfolgerungen und eine gehörige Portion Arroganz sind völlig gängige Phänomene und viele Gruppenmitglieder lassen sich leicht dadurch manipulieren, was dazu führt, dass immer mehr solche schlechten Kommunikationsformen benutzt werden.

Organisationsstrukturen

Strukturen, die zu fest sind, können schneller Entscheidungen umsetzen, aber Fehler wirken sich dabei eben auch stärker aus. Gelingt es, die Führung zu infiltrieren, lässt sich mehr Schaden anrichten. Zu lockere Strukturen sind zu ineffizient, um Entscheidungen zu treffen und umzusetzen. Ein weiterer Faktor ist die Bürokratie innerhalb einer Gruppe, die viel zu ausschweifend und teuer und ineffizient sein kann, oder zu schwach ausgeprägt. Setzt man die falschen Personen zur falschen Zeit am falschen Ort ein mit den falschen Ressourcen, resultiert ein Desaster. Im deutschen Rechtsextremismus konnte man immer wieder beobachten, dass V-Personen des deutschen Inlandsgeheimdienstes am erfolgreichsten die Strukturen aufbauen und dadurch in der Hierarchie aufsteigen konnten. Manchmal ist es für Geheimdienste lohnenswert, einer Gruppe in gewissem Maße zu helfen, wenn dadurch bestimmte, wichtigere Ziele erreicht werden können. 

Führungspersonal

Agenten, V-Personen, Psychopathen und Narzissten, aber auch einfach nur unfähige Personen und ideologische Fanatiker in der Führungsebene zersetzen zuverlässig jede Organisation, oder machen die Organisation zu einem Sammelbecken.

Standard-Ideologien

Mit jeder Standard-Ideologie macht man sich einen Großteil der Bevölkerung zum Feind, man übernimmt sich ein falsches Erklärungsmodell über das Böse sowie eine falsche Heilslehre, wie das Böse zu bekämpfen sei. Man übernimmt eine falsche Analyse der Geschichte, sowie eine grob fehlerhafte Politikwissenschaft, und es fehlt das geheimdienstliche Verständnis.

Sympathien für eine der drei Supermächte

Sobald man sich auf eine Supermacht einlässt, ist man extrem verwundbar für Infiltration und Manipulation.

Beispiel-Analyse am rechten Lager

Die AfD erlebte einen temporären Höhenflug durch die Flüchtlingskrise und konnte eine Weile lang die inneren ideologischen Kämpfe im Zaum halten. Letztendlich brachen dann in allen wichtigen Bereichen die Probleme durch: Um die Zielsetzungen wurde gestritten, die eingesetzten Techniken waren oft fehlerhaft, die Kommunikationsformen schlecht, die Organisationsstrukturen (Flügel-Netzwerk, Chat-Gruppen) anfällig, das Führungspersonal höchst problematisch, die ideologische Ausrichtung hart umkämpft (klassische Konservative gegen Rechtsrevisionisten und Anhänger der klassischen Verschwörungsmedien) und zudem war man sich überhaupt nicht einig, ob man eher pro NATO oder pro Russland sein soll. Dementsprechend verharrt die Partei nun als wirkungsloses Sammelbecken bei rund 10% bundesweit in Umfragen. Für die Altparteien ist die AfD nun keine Bedrohung mehr und es ist unwahrscheinlich, dass sich in absehbarer Zeit weitere ernstzunehmende rechts-konservative Parteien bilden werden, da die Szene Angst davor hat, durch zu viele einzelne Projekte die AfD zu schwächen und am Ende mit leeren Händen dazustehen. In den USA ist die radikalere rechte Szene zum Teil eingefangen worden durch die Präsidentschaft von Donald Trump und das Q-Anon-Theoriegebäude, laut dem ein geheimes Team hinter dem Präsidenten bald Amerika retten und den „linken Deep State verhaften werde. Schwammige Ankündigungen aus einem Internetforum werden von Influencern „interpretiert“ ohne dass man irgendetwas wirklich nachvollziehen kann. Die Q-Bewegung hat unrealistische Zielsetzungen, glaubt dass eine nicht näher definierte Geheimgruppe maßgeblich dieses Ziel erreichen wird, die Kommunikation ist schwurbelig, die Organisationsstruktur ein Witz, das Führungspersonal inkompetent, die ideologischen Fundamente sind dünn und man sympathisiert mit dem russischen Regime. Im Jahr 2020 machte eine abstruse, militante Bewegung auf sich aufmerksam, die sich Boogaloo nennt, in Anlehnung an den Namen eines bedeutungslosen Hollywood-Films namens „Breakin‘ 2: Electric Boogaloo“. Man trägt Hawaii-Hemden und posiert mit AR-Gewehren, was an das Computerspiel Far Cry erinnert. Eine richtige Führungskaste und Strukturen existieren nicht, sondern nur eine generelle Haltung, die Bereitschaft zur Gewalt, und ein Haufen Memes und schwarzer Humor aus einschlägigen Internetforen. Wirklich Neues hat die Bewegung nicht anzubieten, sondern wir sehen einen Mischmasch aus althergebrachter rechter Militanz, Revolutionsfantasien und Überzeugungen aus den klassischen Verschwörungsmedien. Möglicherweise begann das Ganze wie so oft nur als Spaß-Aktion und entwickelte ein Eigenleben. Staatsanwälte in Kalifornien, Texas, Nevada und Colorado haben eine Reihe von Strafanzeigen gegen selbsternannte Boogaloo-Anhänger zu bearbeiten, deren Verhaftungen oft mit der Beschlagnahme von Waffen und Sprengstoff einhergingen. Ein Boogaloo-Unterstützer, Steven Carrillo, ein Stabsfeldwebel der Luftwaffe im aktiven Dienst, wird angeklagt, einen Wachmann im Bundesgerichtsgebäude in Oakland getötet zu haben. Boogaloo-Anhänger sind der Meinung, dass ein zweiter Bürgerkrieg dem in den 1860er Jahren ähneln wird. Dann beschuldigten die Bundesbehörden drei Männer in Nevada, die alle beim US-Militär waren, geplant zu haben, Molotowcocktails und andere Sprengstoffe zu verwenden, um eine gewalttätige Reaktion bei in Las Vegas versammelten Demonstranten auszulösen. Ein SWAT-Team des FBI verhaftete die Männer mit Feuerwerkskörpern, Brandbeschleunigern, einem AR-15-Gewehr, einer Schrotflinte Kaliber 12 und Munition, wie aus Dokumenten hervorgeht. Die Männer wurden auch wegen Verbrechen im Zusammenhang mit der Planung eines Brandbomben-Angriffs einer Einrichtung des Forstdienstes am Lake Mead östlich von Las Vegas angeklagt. 

“So guys, das war’s. I am a complete loser.”

Mit diesen Worten endete der Terroranschlag des Killers von Halle. Nichts funktionierte bei dem Anschlag wie geplant. Die Netzverbindung für seinen Livestream war schlecht. Er kam nicht in die Synagoge hinein, wo er die versammelten, wehrlosen Gläubigen zusammenschießen wollte und musste dieses Versagen seinem Publikum kommentieren:

“Sorry, guys. Einmal Verlierer, immer Verlierer.”

Er erschießt dann eine Passantin und dabei gleichzeitig den Reifen seines Autos, das ihm als Fluchtfahrzeug dienen sollte. Auf dem Stream ist nicht nur das Fahrzeug deutlich zu sehen, sondern auch das Nummernschild. Dümmer kann man seine Flucht nicht planen. Ein Döner-Imbiss muss als spontanes Ausweichziel herhalten und er beschwert sich über seine selbstgebaute Maschinenpistole, eine sogenannte Luty aus der Publikation “Expedient Homemade Firearms”, ein Design das gedacht ist für Widerstandskämpfer in einer Diktatur. Er jammert:

„Ich habe zumindest bewiesen, wie wertlos improvisierte Waffen sind.“

Eine fachgerecht selbst gebaute Schusswaffe kann durchaus so zuverlässig sein wie eine industriell hergestellte. Ihm mangelte es anscheinend an handwerklichen Fähigkeiten und Erfahrung. Er feuerte (natürlich vollautomatisch) auf ein Polizeifahrzeug und hatte naturgemäß sehr schnell keine Munition mehr. Die Beamten treffen ihn am Hals, also genau da, wo seine Schutzweste und sein Helm ihn nicht abdecken. Seine Ideologie hat er aus dem Internet zusammenkopiert; er glaubt, der Holocaust sei das Fake einer vermeintlichen jüdischen Weltverschwörung, die ihn zum Versager machte. Er glaubt dementsprechend das Märchen, dass jüdische Kleinstfamilien wie die Rothschilds ungehindert das über Jahrhunderte gewachsene britische Imperium einfach so stehlen konnten, ohne verhaftet oder anderweitig aufgehalten zu werden. Der Tatverdächtige zog nach den Worten des Manifests, das ihm zugerechnet wird, in den Krieg gegen Juden. Selbst wenn es ihm nur gelänge, einen einzigen Juden zu töten, sei es die Sache wert. Denn wenn genügend andere Täter ebenfalls nur einen oder wenige Juden töten, gäbe es letztendlich keine Juden mehr.

Er beherrschte auch den szenetypischen, schwarzen Humor und Jargon, den er sich abgeschaut hat. Ein deutsches Publikum war ihm anscheinend zu wenig, sondern er zielte auf ein internationales Publikum ab. Er wusste um die Schwierigkeiten, in die geschützte Synagoge einzudringen und überlegte, ob eine 4 Kg schwere ANFO-Bombe ihm dabei nützen würde. Schon Breivik nutzte ANFO. Er bastelte sich Handgranaten nach einem Rezept aus dem Internet auf der Basis von Ammoniumnitrat. Wäre er an mehr Dünger gelangt und in der Lage gewesen, eine große Bombe daraus zu bauen und damit vor der Synagoge zu parken, wäre er jetzt weltberühmt. Er vermutete, dass die Juden in der Synagoge bewaffnet sein könnten und sogar mit einem richtigen Waffenschein (Sondererlaubnis) verdeckt in der Öffentlichkeit Waffen tragen dürfen. Hier sieht man recht deutlich, wie sehr er richtige Gegenwehr fürchtete. Die Betroffenen bei der Synagoge beschwerten sich, dass die Polizei 10 Minuten brauchte, um zum Ort des Geschehens zu fahren. Hätte jemand aus dem Fenster der Synagoge zurückgeschossen, wäre das Spektakel schnell beendet gewesen. Er hatte keine Ahnung, wie die Synagoge innen aussah, welche Räume und Flure in welcher Anordnung vorzufinden wären. Ihm war bewusst, dass das Ausspähen des Zielortes enorm wichtig ist, aber er fürchtete sich, beim Ausspähen durch die Videoüberwachung aufzufallen und aufzufliegen. Er wählte das Ziel aus, weil es einfach der nächstgelegene Ort war mit einer signifikanten Anzahl von Juden. Eigentlich war sein Ziel eine Moschee oder ein Antifa-Zentrum. Juden hätten laut seiner Kenntnis, die er von Internet-Müll übernommen hat, letztendlich die Macht und Verantwortung für alle Probleme und deshalb wählte er die Synagoge. Wohl auch, um sich abzugrenzen von bisherigen Terroristen; um dem Publikum etwas Besonders zu bieten, was es nicht schon zigfach gab. Der Norweger Terrorist Anders Breivik konnte erfolgreich eine große Bombe herstellen und zünden, sowie auf eine Insel voller unbewaffneter Teenager zu gelangen, wo er um sich schoss. Bei ihm gibt es auch ernsthafte Spuren, die darauf hindeuten, dass er Ausbildungskurse in Weißrussland absolviert hatte und nennenswerte Verbindungen aufwies zu Leuten aus der Szene. Die Behörden erklärten ihn (wohl aus Gründen der Verschleierung) zum einsamen Wolf.

„Influencer“

Sogenannte „Influencer“ im politischen Bereich aus den sozialen Medien wiederholen in aller Regel nur das, was sie sich von erfolgreicheren Influencern abgeschaut haben, die wiederum einflussreiche westliche Gönner haben oder russische Verbindungen. Influencer können auch einfach direkt die „Talking Points“, also die wesentlichen Pseudoargumente aus den russischen Medien, kopieren. Fake-Accounts auf den sozialen Medien können entsprechende Berichte viral verbreiten, Fake-Klicks und Follower lassen sich leicht beschaffen und hin und wieder bekommen große Influencer auch Exklusiv-Informationen zugeschanzt. Ganz unten in der Futterkette stehen gewöhnliche Leute in den sozialen Medien, die einfach die Beiträge der Influencer weiterverteilen und in Kommentarspalten drauflos agitieren und Pseudo-Diskussionen führen, in der Erwartung, damit für die eigene Sache zu kämpfen. Im Endeffekt erreicht man aber so nur sehr begrenzt neue Leute, die nicht selbst schon in der Filterblase sitzen. Der neurechte Trend beispielsweise nutzte ideologische Literatur, die uralt ist und es ist kein Fortschritt erkennbar. Aber auch der Mainstream fördert Influencer auf Youtube, um as junge Publikum zu erreichen, das kaum noch die althergebrachten Medien konsumiert. Youtube war eigentlich gedacht als Plattform für „echte“ Leute und Selbstständige, die sich Zuhause filmen oder in einem bescheidenen Studio. Stattdessen dominieren auf Youtube heute Gestalten, die zu dem Influencer-„Netzwerk“ einer größeren Firma gehören. Der Stil soll immer noch den Eindruck erwecken, die Personen filmen sich spontan Zuhause oder man platziert die Personen vor einem schlichten weißen oder grauen Hintergrund. Ein Stab an Profis schreibt und recherchiert die Beiträge.

Wenn das Gerede nicht mehr ausreichend erscheint

Zersetzungsmaßnahmen führen bei den Mitgliedern und Sympathisanten einer Organisation zu gewaltiger Frustration und dadurch entsteht der Eindruck, dass man sich nicht unbedingt mehr nur auf Reden begrenzen, sondern diverse Formen der Gewalt erwägen sollte, um den Zielen näherzukommen, wie etwa Sabotage, Vandalismus, Einschüchterungen oder ausgewachsener Terrorismus. Terroristen sind manchmal, aber nicht immer psychisch gestört. Es kann sich für die jeweilige Person so legitim anfühlen, als würde man regulären Streitkräften oder dem Geheimdienst eines Landes beitreten. Ein revolutionärer Terrorist wird nicht geboren, sondern muss sein Handwerk lernen, ob nun von erfahrenen Terroristen, spezialisierten Ausbildern oder Anleitungen aus dem Internet. Dabei kommt es schnell vor, dass derjenige auf dem Radar der Behörden auftaucht, entweder durch Spitzel in der Szene oder elektronische Überwachung. Geheimdienste bewegen sich oft in einer rechtlichen Grauzone, wenn es darum geht, Provokateure und Agenten einzusetzen, um (mögliche) Terroristen aus dem Verkehr zu ziehen und gerichtliche Verurteilungen zu erwirken. Politisch und religiös motivierte Terroristen haben immer wieder gezeigt, dass ihnen wesentliche Bildung über Revolutionskriegsführung fehlt. Die meisten wissen hauptsächlich, wie man einen Abzug drückt und sind zu tiefer Strategie und komplexeren Operationen gar nicht in der Lage. Der durchschnittliche militante Dschihadist träumt vom großen Kalifat, während der gesamte Gürtel muslimischer Länder zunehmend vergreist und die wirtschaftlichen Schwächen immer deutlicher zutage treten. Rechtsextremisten folgen meistens der Logik aus Büchern wie die “Turner Diaries”, wo mit Anschlägen die USA in einen Bürgerkrieg hineingetrieben werden. Narzisstische Täter folgen ihrer ganz eigenen Logik:

  • Bei seiner Tat spielt der Täter eine Rolle, die er sich selbst ausgesucht hat, wie zum Beispiel den Gotteskrieger, den Kommandosoldaten usw. Er schlüpft in ein fiktives Alter Ego, das allmächtig ist. In Wirklichkeit handelt es sich im Kern um kleinkindliches Denken gemischt mit einem kleinkindlichen Wutanfall. Auslöser für eine Gewalttat bzw. einen „erweiterten Suizid“ sind häufig persönliches Scheitern, Versagen, Schicksalsschläge. Alles was den Graben zwischen narzisstischer Fantasie und Realität zu groß werden lässt.
  • Sucht nach absoluter Kontrolle über andere Menschen: Der Killer würde am liebsten die Zeit einfrieren mit seiner Tat, Trophäen sammeln, Monumente schaffen. Oft betrachten Täter ihre Taten als „gerecht“ und sich selbst als heldenhaft.
  • Grandiose Fantasien von Machtdemonstrationen: Die Waffe, sei es nun ein Flugzeug, ein LKW, eine Axt oder eine Schusswaffe, ist für einen Narzissten wie ein magischer Gegenstand, der die Umsetzung einer Fantasie möglich macht. Kleidet der Täter seine Tat in ein ideologisches bzw. religiöses Gewand, kann er sich als Teil eines größeren Ganzen oder gar kosmischen Plans betrachten.
  • stark verminderter Sinn für Mitgefühl, behandelt andere Menschen wie Gegenstände
  • Extreme Wutausbrüche wegen intensiv erlebten Kränkungen durch die Außenwelt. Das völlig überzogene Anspruchsdenken führt unweigerlich zu herben Enttäuschungen

Immer wieder hören wir bei Tätern im Nachhinein von „Medikamenten gegen Depressionen“. Meistens handelt es sich dabei um „Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer“ (SSRIS), die gefährliche Nebenwirkungen haben können. Der deutsche Sender SWR strahlte im Jahr 2013 einen Beitrag aus über den möglichen Link zwischen SSRIS und unkontrollierter Aggression:

„Besonders interessant ist der Einfluss auf die Aggressivität – nach innen als Suizid, nach außen als Fremdaggression“, sagt Prof. Andreas Meyer-Lindenberg vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim.

http://www.swr.de/odysso/-/id=1046894/nid=1046894/did=10912484/1c5dw6u/index.html

Schwere Narzissten, die zu Mördern werden, haben ihre eigenen Argumentationsmuster, mit denen sie sich selbst als überlegen und rechtschaffen beschreiben. Sie genießen die Kontrolle über ihre Opfer, die Tatsache, dass jene nicht flüchten, ihn nicht verlassen können. Bei dem Aurora-Massaker fand die behandelnde Ärztin kurz nach der Tat ein verstörendes Notizbuch von James Holmes. 20 Ärzte erklärten, dass er schizophren war. Der „Virgin Killer“ Elliot Rodger nahm lange Videos auf vor seiner Tat und erklärte, die Frauenwelt dafür bestrafen zu wollen, dass sie ihn bisher ignoriert hätte. Seit seiner frühen Kindheit wurde er von einem Psychotherapeuten zum anderen geschoben. Antipsychose-Medikamente lehnte er ab und den Psychoterror seiner Mitschüler ertrug er nicht. Der norwegische Terrorist Anders Breivik wurde von Fachärzten diagnostiziert mit einer schweren narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Rund 1% der Bevölkerung hat eine ausgewachsene antisoziale Störung und praktisch keinen Sinn für Gewissen und Empathie. Weitere Teile der Bevölkerung haben stark eingeschränkte Empathie und würden bei Tests auf der Psychopathen-Skala des Forschers Robert Hare irgendwo zwischen 15 und 40 Punkten liegen. Die Verbreitung von Narzissmus ist dermaßen groß, dass es vielen Menschen, die Narzissmus nicht verstehen, gar nicht groß auffällt.

Narzissmus und die antisoziale Störung können zusammen auftreten mit weiteren Erkrankungen wie etwa Depression oder emotionaler Instabilität. Für normale Menschen sind beruflicher Stress und scheiternde Liebesbeziehungen kein Grund für mehrfachen Mord. Ein Narzisst jedoch nimmt den herausfordernden Alltag ganz anders war: Als eine Serie von tief schneidenden Kränkungen, die nur schwer aufzuwiegen sind durch “narzisstische Nahrung” in Form von Bewunderung, Aufmerksamkeit, Bekanntheit, Bedeutsamkeit. Sie fühlen sich ständig bedroht, von einem tiefen Loch verschluckt zu werden, eine Leere, die in der Regel durch frühen Liebesmangel ausgelöst wurde und durch nichts wirklich jemals wieder aufgefüllt werden kann. Sie stehen manchmal sogar Todesängste aus, Furcht vor einer Auflösung ihrer Persönlichkeit, vor einem Dammbruch, der sie überfluten kann mit Schmerz und Gefühlen der Wertlosigkeit.

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