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William Guy Carr

StudieWilliam Guy Carr

William James Guy Carr (1895 – 1959) war ein in England geborener kanadischer Marineoffizier und Geheimdienstler. In seinem Beruf war er der Britischen Krone verpflichtet und kämpfte für das Empire in beiden Weltkriegen. Ab 1931 hielt er Vorträge in Kanada über die Illuminaten, den internationalen Kommunismus sowie Banker-Familien wie die Rothschilds und Rockefellers. Im Ruhestand veröffentlichte er seine Bücher wie „Pawns in the Game“ (1955) und „Red Fog over America“ (1955), von denen hunderttausende Exemplare über den Ladentisch gingen. Seine größten Einflüsse waren Nesta Webster, Léo Taxil, Barruel und Robison.

In „Pawns in the Game“ behauptete er, dass der ranghohe amerikanische Freimaurer Albert Pike und der Illuminaten-Agent Giuseppe Mazzini in einem Briefwechsel aus dem 19. Jahrhundert den Plan für drei kommende Weltkriege besprochen hätten. Carr bezog sich dabei nicht auf echtes Quellmaterial, sondern auf ein älteres Verschwörungsbuch von Kardinal José Rodríguez aus Chile. Der Kardinal behauptete, dass diese Briefe im Jahr 1925 in der Bücherei des Britischen Museums einsehbar waren, während das Museum erklärte, diese Briefe nie besessen zu haben. Niemand hat je einen Beweis dafür geliefert, dass der Pike-Mazzini-Briefwechsel wirklich echt ist. In den folgenden Jahrzehnten zitierten viele andere Verschwörungsautoren wie zum Beispiel Des Griffin den Briefwechsel und erweckten in den Fußnoten den Eindruck, dass der Text wirklich im Britischen Museum vorhanden gewesen sei, dann aber wegen der erhöhten Aufmerksamkeit von Verantwortlichen des Museums entfernt wurde.

Der Ursprung der ganzen Angelegenheit war eine Erfindung des bekannten Schwindlers Léo Taxil in seinem (unter Pseudonym veröffentlichtem) Buch „Le diable au XIXe siècle“ von 1894. Der Kardinal José Rodríguez, auf den sich Carr bezog, hatte sich einfach bei diversen Texten von Taxil bedient. Carrs zweite Quelle war Edith Starr Miller mit ihrem Buch “Occult Theocrasy” von 1933, die ebenfalls nur den Schwindler Taxil zitiert hatte.1

Carr fabrizierte die Legende von den drei geplanten Weltkriegen, wobei seine Fantasie im Hinblick auf den dritten Weltkrieg nicht besonders weit reichte. Er behauptete, dass die “politischen Zionisten” mit den Muslimen kämpfen und sich gegenseitig zerstören werden, worauf dann der Rest der Welt sich bis zur völligen Erschöpfung bekriegt. Das folgende erfundene Zitat landete in unzähligen weiteren Büchern und Webseiten:

“We shall unleash the Nihilists and Atheists, and we shall provoke a formidable social cataclysm which in all its horror will show clearly to the nations the effect of absolute atheism, origin of savagery and of the most bloody turmoil.”

Begriffe wie Weltkrieg, Faschisten, Zionisten, Nazis oder der Staat Israel, die Carr in seinen erfundenen Zitaten benutzte, waren zu der Zeit von Pike und Mazzini völlig unbekannt. Mehrere Forscher drängten Carr ergebnislos darauf, Beweise vorzuzeigen und selbst der Kardinal Rodríguez musste zugeben, dass damals im Britischen Museum nur Leo Taxils Buch „Le diable au XIXe siècle“ vorhanden war und keine Originalbriefe von Pike und Mazzini.

Carrs Lügen landeten dennoch im Internet und von dort aus beeinflussten sie Alex Jones, Henry Makow, Walter J. Veith, Bill Schnoebelen, Texe Marrs, David Icke, Pat Robertson und viele andere. Diese selbsternannten Experten über die „Illuminaten“ hatten einfach nur ein paar schlechte Bücher gelesen, ohne jemals die ganzen falschen Daten auszusortieren und bessere Forschungen zu betreiben.

Carr versuchte es außerdem mit einer weiteren scheinbaren Sensation: Durch den kanadischen Geheimdienst hätte er von einer Rede des „Rabbi Emmanuel“ von 1952 erfahren, laut der die geheimen Mächte den dritten Weltkrieg planten und Rassen wie Religionen auslöschen wollten. In Wirklichkeit hatte der Verschwörungsautor Eustace Mullins (siehe nächstes Kapitel) den Rabbi samt Rede („Our Race Will Rule Undisputed Over The World“) schlichtweg erfunden. Mullins erzählte eine hochtrabende Geschichte von einem sowjetischen Überläufer, der ihm eine Kopie der Rede beschafft haben soll. Beweise? Fehlanzeige. Auch Carrs Geschichte, über den Geheimdienst die Rede bekommen zu haben, ist nur eine spannend klingende Legende. Die Rede war nämlich schon abgedruckt worden in einer Ausgabe des Magazins Women’s Voice und in der Zeitschrift der antisemitischen Canadian League of Rights und auch in der antisemitischen Zeitung Common Sense.

Ein weiterer Fehlgriff in Carrs Buch „Pawns in the Game“ ist seine Erläuterung, wie „die Illuminaten“ sich schon vor über 2000 Jahren verschworen hätten, um die Römischen Behörden dazu zu bewegen, Jesus Christus zu töten. Zwar unterscheidet Carr in seinem wirren Geschichtsverständnis zwischen diesen vermeintlichen Illuminati-Juden einerseits, die mit ihren 30 Silberstücken Judas bestochen haben sollen, sowie den gewöhnlichen Juden andererseits, denen fortan zu Unrecht vorgeworfen wurde, den Heiland ermordet zu haben, aber nichtsdestotrotz ist dies alles eine komplett irrationale, religiöse Vorstellung.

Carr bemüht noch die umstrittene Khasaren-Theorie zu den Juden, ohne darüber wirklich Bescheid zu wissen. Alle möglichen jüdischen Händler und Geldwechsler der Vergangenheit, auch Jahrhunderte vor den Rothschilds und anderen Bankiers, seien bereits Teil der satanischen Verschwörung gewesen. Der Untergang Roms hätte ein Machtvakuum geschaffen, das dann sofort die jüdische Dominanz füllte. Diese Darstellungen sind absoluter Unsinn und haben nichts mit Geschichtsforschung zu tun, sondern sollen nur die These von der jüdischen Weltverschwörung stützen und in einen fanatisch-christlichen Kontext eingebunden werden, in ein primitives Schema von Gut und Böse.

Bereits im Jahr 1255 sollen die satanischen jüdischen Geldwechsler „die absolute Kontrolle“ über den Großteil des Adels und über viele christliche Kirchenämter in Britannien erlangt haben. Die Quellenangabe von Carr für diese Aussage ist das Buch “Aaron of Lincoln” über den gleichnamigen jüdischen Mann, der in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts mit Kreditgeschäften sehr viel Geld verdient hatte, was aber überhaupt nicht mit moderneren Maßstäben verglichen werden kann. Er besaß abseits davon keine Macht und wurde von seinen Kreditnehmern als Wucherer bezeichnet, weshalb nach seinem Tod der britische König einfach sein gesamtes Vermögen (einschließlich ausstehender Kredite) einzog. Juden waren beileibe nicht die einzigen gewesen, die simple Kreditgeschäfte tätigen konnten, aber sie hatten einen völlig unsicheren Rechtsstatus und konnten jederzeit enteignet, verhaftet oder ermordet werden. 1190 griff Richard de Malbis, einer der Schuldner von Aaron, mit Gleichgesinnten die Familie von Aarons Finanzverwalter an, wobei insgesamt 150 Juden umgebracht wurden. Die Geschichte von Aaron ist nie und nimmer ein Beweis, dass ein Netzwerk satanischer Juden im 13. Jahrhundert die Kontrolle über England hatte. In der Folgezeit wurden die Juden sogar des Landes verwiesen. Als nächstes beschreibt Carr die Verschwörung von Oliver Cromwell zum Sturz des britischen Königs Charles I, als handle es sich um einen jüdischen Plot. Der „jüdische Geldbaron“ Manasseh Ben Israel, sowie deutsche und französische Finanziers, hätten Cromwell als Mittel zum Zweck benutzt, um den britischen Thron zu Fall zu bringen. Manasseh Ben Israel verhandelte Bedingungen aus für eine mögliche Rückkehr der Juden nach England und verstarb zwei Jahre später. Carr macht aus ihm einen Superverschwörer und Strippenzieher und liefert dazu eine Fußnote, die keinerlei Substanz hat. Cromwell war zunächst nur ein einfacher Abgeordneter des englischen Unterhauses gewesen, übernahm dann die Kontrolle über die Streitkräfte des Parlaments und bezwang die Truppen von König Charles I. Dieser relativ gewöhnliche Machtkampf der damaligen Zeit wird von Carr umgedeutet als Revolution jüdischer Illuminaten. Cromwell scheiterte schließlich und Charles II. aus dem Haus Stuart übernahm wieder den Thron. Carrs Formulierungen erwecken den Eindruck, dass nur Juden zu größeren Verschwörungen bereit seien, was natürlich Unsinn ist.

Die Trennung von Staat und Kirche, basierend auf dem sogenannten Calvinismus, sei ebenso ein jüdisches Mittel der Zersetzung gewesen. Calvins echter Name sei Cohen gewesen und bei der Feier der jüdischen Organisation B’nai B’rith in Paris 1936 soll seine jüdische Abstammung gefeiert worden sein. Als Quelle nennt Carr die Februar-Ausgabe der Zeitung „London Catholic Gazette“ aus demselben Jahr.2 Im Internet Archive findet sich der Scan des betreffenden Zeitungsartikels mit dem Titel „Die jüdische Gefahr und die katholische Kirche“. Darin werden angebliche Auszüge aus Reden bei der B’nai B’rith zitiert, die von einem anonymen Informanten beschafft worden sein sollen. Es liest sich genauso wie die Protokolle von Zion oder ähnliche Fakes: Jüdische Anführer palavern darüber, wie sie die Weltherrschaft an sich reißen und sämtliche anderen Religionen und Regierungen zerstören wollen. Laut den Verschwörern sei die katholische Kirche natürlich der Hauptfeind und müsse bekämpft werden durch das Anheizen von Liberalismus und Revolten. Dieser Zeitungsartikel hat keinerlei Beweiskraft und ist nur darauf zugeschnitten, den katholischen Leser zu manipulieren und von dem harten Kurs der katholischen Kirche zu überzeugen. Die Zeitung Catholic Gazette bezeichnete im Prinzip jedwede Kritik an der katholischen Kirche als jüdisch-freimaurerische Agitation. Selbstverständlich praktizierten Protestanten, Freimaurer und diverse Adelskreise tatsächlich Propaganda gegen die katholische Kirche und nutzen dabei auch Fakes, aber die Zeitung Catholic Gazette reagierte darauf ebenso unehrlich und manipulativ. Calvin, so der Artikel, sei jüdisch gewesen, und auch der Reformator Martin Luther wird als bezahlter Agent der Juden beschrieben. Statt echte Beweise zu liefern, behauptete die Zeitung einfach, dass ein geheimer Informant diese Informationen bei einer mächtigen Judenloge erfahren hätte.

Quellen:

[1] https://esotericagnosticismandfreemasonry.wordpress.com/2016/03/06/pikes-fake-three-world-wars-letter-the-proof/

[2] https://archive.org/stream/TheCatholicGazetteTheJewishPerilAndTheCatholicChurch/The%20Catholic%20gazette%20-%20The%20jewish%20peril%20and%20the%20Catholic%20Church#page/n1/mode/2up

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