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Theodor Fritsch

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Mit der Schrift „Leuchtkugeln. Altdeutsch-Antisemitische Kernsprüche“, die er 1881 unter dem Pseudonym Thomas Frey veröffentlichte, begann Fritsch eine lange Reihe judenfeindlicher Pamphlete. Im September 1882 nahm er neben Max Liebermann von Sonnenberg und 200 weiteren Teilnehmern am „Ersten Internationalen Antijüdischen Kongreß“ in Dresden teil. Von Sonnenbergs „Deutschsoziale Reformpartei“ (DSRP) sah vor, die rechtliche Gleichberechtigung der in Deutschland lebenden Juden rückgängig zu machen, und sprach zudem von einer „Endlösung der Judenfrage“ und der „Vernichtung des Judenvolks“. Es folgte 1887 der „Antisemiten-Katechismus: eine Zusammenstellung des wichtigsten Materials zum Verständniss der Judenfrage“. Darin wird zunächst in einer einfach gehaltenen Frage-und-Antwort-Form erklärt, was eigentlich das „Sündenregister“ der Juden sein soll. Dem Leser wird vermittelt, dass es sich dabei um eine Kurzusammenfassung aus hunderten Büchern zu dem Thema handle:

„Die Juden bilden unter dem Deckmantel der Religion in Wahrheit eine politische, soziale und geschäftliche Genossenschaft, die, durch gleiche Instinkte geleitet und im heimlichen Einverständnis unter sich, auf die Ausbeutung und Unterjochung der nichtjüdischen Völker hinarbeitet. Die Juden aller Länder und aller Sprachen sind in diesem Ziele einig und arbeiten einander zu diesem Zwecke in die Hände.“

Die Juden würden dabei so clever vorgehen, dass man sie nicht mit den gewöhnlichen Gesetzen verfolgen könne; was praktisch bedeutet, dass der „Antisemiten-Katechismus“ offen zugibt, keine gerichtsverwertbaren Beweise und nachrichtendienstliche Erkenntnisse gegen Juden liefern zu können, was wir genauso bei all den anderen antisemitischen Publikationen gesehen haben, die größtmögliche Enthüllungen versprechen, aber letztendlich keine nachprüfbaren Geheimnisse von Bedeutung vorweisen können. Praktisch alle Probleme im Deutschen Reich, von Sittenverfall bis hin zu niedrigen Löhnen, sei der Judenverschwörung anzulasten. Wir erkennen das grundlegende Argumentationsmuster aus der angloamerikanischen Verschwörungsliteratur, laut dem die Juden eine Art Supergeheimdienst bilden würden. Überall säßen Juden an den Schalthebeln und würden die organsierte Machtübernahme Deutschlands selbstverständlich aus ihrer internationalen Presse heraushalten. Während die Juden vermeintliche geheimdienstliche Wunder vollbringen, werden die nicht-jüdischen Eliten im Deutschen Reich als hilflose Versager dargestellt. Im Kapitel „Der Jude in geheimen Gesellschaften“ heißt es, Juden hätten den Tempelritterorden infiltriert und durch teuflische Mystik zersetzt, was jeglicher Grundlage entbehrt, abgesehen vielleicht von den Einflüssen antiker Mysterien bei den Templern, die aber eher auf Rom und Griechenland zurückgehen und die man auch bei den Welfen oder den Freimaurern finden kann. Selbstverständlich folgt die klassische Falschbehauptung, die Juden hätten das Freimaurertum unterwandert; ein Vorwurf der früher noch den Franzosen und den Jesuiten galt. Später folgt das Kapitel „Das Vermögen des Hauses Rothschild“ in dem 5000 Millionen geschätzt werden, ohne darauf hinzuweisen, dass die Rothschilds gezielt von dem Adelshaus Hessen-Kassel und dem britischen Thron aufgebaut worden waren. Der Autor führt an dieser Stelle nicht das Waterloo-Märchen an, laut dem Nathan Rothschild den britischen Aktienmarkt abgezockt hätte, aber es ist gesichert, dass Fritsch das Märchen kannte und glaubte, denn es wird angeführt in seinem „Handbuch der Judenfrage“. Dann folgt ein Kapitel über die Deutsche Reichsbank, die als jüdische Privatbank bezeichnet wird, welche nur den Anschein der Staatlichkeit erweckt. Nach der Gründung der amerikanischen Zentralbank Federal Reserve zirkulierte Verschwörungsliteratur mit einem praktisch identischen Argumentationsmuster. Jüdisches Personal bei der Bank würde beweisen, dass es sich um ein Juden-Institut handle, das sich als staatliches Institut tarnt. Fritsch gründete 1902 den Hammer-Verlag und veröffentlichte deutsche Übersetzungen der Protokolle der Weisen von Zion und der von Henry Ford unter dem Titel „Der internationale Jude“ herausgegebenen Zeitschriftenaufsätze des Dearborn Independent. Die Ausgabe der Protokolle von Fritsch aus dem Jahr 1932 enthält ein Vorwort des Herausgebers, in dem verschwiegen wird, dass der Text längst als Fälschung aus älteren Quelltexten entlarvt worden war. Als Vorlage für die deutsche Übersetzung wählte Fritsch die englische Fassung von Victor E. Marsen und er lobt die Publikationen von Henry Ford und der englischen Zeitung „Morning Post“. Nach dem eigentlichen Text der Protokolle gibt es in der Fritsch-Veröffentlichung noch ein langgedehntes Schlusswort, in dem implizit eingestanden wird, dass der Text ziemlich abgehoben und übertrieben klingt. Fritsch will mit dem Schlusswort den Text glaubwürdiger wirken lassen. Der (Welfen-) Adel sei praktisch zu keinerlei Spionageabwehr fähig gewesen und hätte sich kinderleicht hereinlegen lassen von den Juden:

„Die alten Fürsten ahnten gar nicht, wie sie von schlauen Gauklern mißbraucht und genarrt wurden. Mit den Augen des Diebes verfolgte der listige Einbrecher die täppischen selbstgefälligen Gebahrungen der „Machthaber“ und lenkte sie durch heuchlerische Gebärden zu seinem Nutzen. Mögen heute die gestürzten Großen aus den „Protokollen“ erfahren, welch unwürdige Rolle sie gespielt haben.“

Ein „arisches Gehirn“ hätte sowieso gar nicht die Vorstellungskraft, einen Text wie die Protokolle zu fälschen.

„Der englische Übersetzer Marsden erklärte, er habe täglich nur eine Stunde an dieser Übersetzung arbeiten können, da ihn diese widernatürlichen und unehrlichen Gedankengänge seelisch krank machten.“

Es ist zu bezweifeln, dass Marsden irgendwelche seelischen Probleme hatte bei der Übersetzung, denn die Protokolle unterschieden sich ja keinen Deut von der restlichen antisemitischen Propaganda, die bei der britischen Zeitung „Morning Post“ ständig gelesen wurde. Wer die Protokolle nicht für echt hält, ist laut Fritsch entweder dumm und ungebildet, oder jemand, der die Wahrheit vertuschen will. Die Juden hätten den Ersten Weltkrieg zu verantworten und seien Ungeziefer, das man loswerden müsse. Hitler und die NSDAP hatten diese Sichtweise verinnerlicht und glaubten, sich mit „den alten Fürsten“, den „gestürzten Großen“ verbünden zu können gegen die jüdischen „Diebe“ und „Gaukler“.

Theodor Fritsch – Die Zionistischen Protokolle (11. Auflage 1932, 85 S., Scan, Fraktur)

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