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Proudhons Vernichtungsabsicht und Drumonts „verjudetes Frankreich“

StudieProudhons Vernichtungsabsicht und Drumonts „verjudetes Frankreich“

Pierre-Joseph Proudhon (1809 bis 1865) war ein linker französischer Ökonom und Soziologe, der als einer der bedeutendsten Frühsozialisten gilt. Er geriet mit seinen Ideen und Projekten in Schwierigkeiten unter Napoleon III. Mit Karl Marx war er in einen Streit verwickelt um theoretische Details, was die sozialistische Bewegung weiter spaltete. Juden hielt er für eine minderwertige Menschenrasse, die zu wirtschaftlicher Produktivität, zu metaphysischer Begriffsbildung und zu eigener Staatlichkeit nicht fähig sei. Juden seien immer Parasiten, ein „Feind der menschlichen Art“. Daher blieben nur zwei Möglichkeiten:

„Man muß diese Rasse nach Asien verweisen oder vernichten. Durch das Eisen oder durch das Feuer oder durch die Ausweisung ist es notwendig, dass der Jude verschwindet.“

Edouard Drumont, ein französischer Journalist aus dem rechten Spektrum, der teils anarchistische Ideen vertrat, veröffentlichte 1886 das Werk „La France Juive“, von dem hunderttausende Exemplare verkauft wurden. Es gab auch eine deutsche Ausgabe unter dem Titel „Das verjudete Frankreich“. Im Prinzip handelte es sich dabei um eine Argumentationslinie, die Augustin Barruel schon in den 1790er Jahren vorgegeben hatte und genau dem entsprach, was Britanniens Geheimdienste auch über weitere Verschwörungsbücher verbreitet hatten. Hauptsache, eine Ablenkung von den britischen Geheimdiensten. Drumont meinte schwammig, Juden und Freimaurer würden heimlich Frankreich kontrollieren. Da sich das Freimaurertum schon weit verbreitet hatte, rituell Bezug nahm auf ein paar alttestamentarische Elemente aus der Antike, und James de Rothschild ein mächtiger Banker in Frankreich war, schien diese Verschwörungshypothese für Leser plausibel. Wie bereits erwähnt, erhielten Juden in Freimaurerlogen das Gefühl, mit nicht-jüdischen Logenbrüdern auf einer Stufe zu stehen und an einer neuen Welt zu arbeiten. Drumont predigte eine Rassentheorie, laut der sich Juden vom Rest der Menschheit gravierend unterscheiden würden durch ihre parasitären Eigenschaften. Bedeutende linke Figuren wie Karl Marx und Ferdinand Lasalle seien Juden und deshalb sei der Sozialismus Teil der großen Verschwörung. Drumont bezeichnete sogar den Illuminatengründer Weishaupt als Juden, um zu unterstellen, dass diese Verschwörung hinter der Französischen Revolution steckte. Genau diese Narrative lenkten ab von Britanniens Geheimdiensten und sorgten für Misstrauen und politisches Chaos. 1889 gründete Drumont eine französische „Antisemitenliga“ und eine entsprechende Zeitung. Vorbild war die deutsche Antisemitenliga des linken Anarchisten Wilhelm Marr. Jener hatte in den Welfenhochburgen Hannover und Braunschweig Schulen besucht und dann im Norden Ausbildungen durchlaufen. Im Februar 1879 erschien in Berlin Marrs Propagandaschrift „Der Sieg des Judenthums über das Germanenthum“. Er meinte, Frankreich und das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Irland würden von Juden beherrscht. Sein Schüler war ausgerechnet Theodor Fritsch, der im rechten Spektrum sehr erfolgreich wurde und bis in die Nazi-Ära hinein das Publikum belieferte mit Büchern und Pamphleten, darunter deutsche Übersetzungen der Protokolle der Weisen von Zion und der von Henry Ford unter dem Titel „Der internationale Jude“ herausgegebenen Zeitschriftenaufsätze.

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