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Mittwoch, August 17, 2022

Russische Behörden haben rund 138.000 Websites gesperrt oder gelöscht seit Invasion

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Mechanismen der Szene

StudieMechanismen der Szene

Wenn man etwas über die geheimen Strukturen und Operationen der Supermächte lernen will, sollte man die gewöhnliche Verschwörungsliteratur vermeiden. Verschwörungs-Autoren bewerben sich als Experten für Verschwörungen, aber sie sind keine.

Die Szene der Verschwörungstheoretiker hat es zumindest geschafft, aus den komplett naiven und tranigen Gedankenmustern auszubrechen, das Undenkbare zu denken und den systematischen, bewussten Charakter des Bösen zu untersuchen. Natürlich finden wir auch in der Szene der Verschwörungstheoretiker, bei prominenten Enthüllungsjournalisten und bei Hackern mit spektakulären Leaks die gesamte Bandbreite an Irrsinn und Fehlverhalten. Wie in jeder anderen Branche auch, geht es in der Verschwörungstheoretiker-Industrie oftmals nur um Geld, Aufmerksamkeit und Einfluss, wobei natürlich Schummeln der schnellste Weg zum Erfolg ist. Wirklich qualitative Forschungsarbeit ist mühselig, teuer, riskant und wird nicht unbedingt vom Publikum gewürdigt, weil das Publikum meistens nur das glaubt, was es hören will und was bereits bestehende Überzeugungen bestätigt. Auch ist alles gewissen Trends und Modeerscheinungen unterworfen. Der Markt ist inzwischen dermaßen übersättigt, dass es immer schwieriger wird, aus der Masse hervorzustechen und Geld zu verdienen. In den 1980er Jahren und davor konnte man noch mit zusammengeklautem, älterem Material Bestseller verfassen, ohne sich sonderlich anstrengen zu müssen, während heute die Geschwindigkeit des Internets fast tägliche Sensationen erfordert, sich schnell zusammengepfuschte Beiträge rasend schnell über soziale Netzwerke verbreiten und bedeutende Vorfälle nur noch wenige Tage lang amateurhaft behandelt werden, bevor das Interesse erlischt und sich auf den nächsten Vorfall gestürzt wird. Folgendes sind die üblichen Tricks und Marotten von schwarzen Schafen aus der Branche:

  • Geheimdokumente fälschen und Lügen erfinden, wie man an dieses Material herangekommen ist. Meistens wird dazu eine Geschichte aufgetischt von hochrangigen Quellen bzw. Aussteigern aus mächtigen Kreisen
  • Altbekanntes und fehlerhaftes Material, das man mühelos im Netz zusammengeklaut hat, hübsch aufbereiten und für teuer Geld verkaufen
  • Von der Russenpropaganda abschreiben ohne echte Prüfung des Materials
  • Den Eindruck erwecken, mit mächtigen Kreisen verbündet zu sein. Ob nun der russische Staat, Außerirdische oder geheime Ninja-Gruppen aus Asien
  • Gnadenlose Übertreibung des eigenen Einflusses, der Publikumsgröße und der qualitativen Zusammensetzung des Publikums. Man kann sich heute notfalls hunderttausende Fake-Freunde auf Facebook oder Klicks auf Youtube kaufen
  • Religiöse bzw. esoterische Denkfallen und theatralisches Priester-Getue
  • Ablehnung von logischem Denken und die Bewerbung von unwissenschaftlichen Maßstäben und Bewertungskriterien
  • Übersteigerte Emotionalität: Sowohl negative Emotionen wie Wut als auch übertrieben-gekünstelte Glückseligkeit
  • Verdummung und Übersimplifizierung der Botschaft: Alles außer kurzen, schnell geschnittenen Youtube-Videos mit einfachen Inhalten überfordert heutzutage die Aufmerksamkeitsspanne des Publikums
  • Ideologischer Fanatismus: Kommunisten, Nazis, libertäre Anarchisten, erzkonservatives Mittelalterdenken usw.
  • Klassische Sektenmechanismen
  • Wissens-Bluff und oberflächliche Untersuchungen, statt aufwändiger Recherchearbeit und Bildung
  • „Crowd-Pleasing“, also das manipulative Einschmeicheln beim Zielpublikum und Bedienen aktueller Trends und Leitmeinungen

Jeder mit ein klein wenig Schreibtalent und Sendungsbewusstsein kann hier quereinsteigen und beginnen, ein Publikum aufzubauen und abzukassieren. Es ist natürlich genauso leicht, absichtlich falsche bzw. teilweise falsche Informationen in Umlauf zu bringen, um die Szene der Verschwörungstheoretiker zu verwirren, ins Chaos zu stürzen und fehlzuleiten. Die Masse des Verschwörungstheoretiker-Publikums ist nicht angetrieben von Täuschungsabsichten, sondern von einer Kombination aus Leichtgläubigkeit gegenüber Verschwörungsautoren und einem absoluten Misstrauen gegenüber Publikationen außerhalb der Verschwörungsszene. Psychopathie und Narzissmus sind ebenfalls gravierende Probleme in der Szene, die bisher nur in sehr begrenztem Umfang verstanden werden.

Der Trick mit der Komplexität

Was tut man, wenn man verhindern will, dass Unbefugte Zugang zu heiklen Daten erlangen? Man kann die Daten schreddern, in einen Tresor sperren, man kann sie verschlüsseln, man kann sie in einzelne Puzzleteile zerteilen und getrennt lagern, man kann gezielt Falschinformationen daruntermischen oder man kann mehrere dieser Techniken gleichzeitig anwenden. Regierungen stopfen bekanntermaßen so viele Daten wie sie nur können in ihre Tresore, verschlüsseln das Ganze nach unterschiedlichen Geheimhaltungsstufen und lagern die einzelnen Teile auch noch getrennt, damit auch jemand mit „Top Secret“-Zugang keinen echten Überblick gewinnen kann.

Bei bedeutenden Ereignissen entstehen in demokratischen Ländern Daten, die sich nicht alle wegsperren, schreddern und verschlüsseln lassen, aber man kann diese Daten immer noch zerteilen, getrennt aufbewahren, Falschinformationen daruntermischen und eine andere Form der Verschlüsselung benutzen: Man lässt den Papierberg voller Details dermaßen anwachsen, dass niemand mehr durchblickt, es sei denn, man hat „den Schlüssel“, d.h. man weiß genau, wo man hinschauen muss und was die wesentlichen Aspekte sind.

Auch die starre akademische Unterteilung in die Politikwissenschaft, Geschichtsforschung, Kriminologie, Psychopathologie usw. ist eine weitere Form der Zerteilung und der Verschlüsselung, denn jeder Fachbereich hat seine eigene Sprache, seine eigene begrenzte Denkweise.

Eines der größten Hindernisse, um bedeutende Sachverhalte einzuschätzen, ist der schiere Umfang und der Detailreichtum. Der wichtigste Untersuchungsausschuss über den NSU-Skandal, bei dem die deutsche Regierung praktisch gegen sich selbst ermittelte und wo stapelweise Akten vernichtet wurden und Zeugen überraschend verstarben, produzierte weit über 100.000 Seiten Akten; mehr als die meisten Menschen in ihrem Erwachsenenleben jemals lesen. Gelöst war der Fall damit aber noch lange nicht. Stefan Aust und sein Partner benötigten mehr als ein Jahr Zeit, um über diesen Papierberg ein Buch in normaler Länge zu schreiben. Selbst wenn man 20 Stunden aufwendet, um das Buch zu lesen, ist man immer noch meilenweit davon entfernt, den Fall wirklich zu verstehen.

Der Abschlussbericht der offiziellen 9/11-Untersuchungskommission basierte auf 2,5 Millionen Seiten an Dokumenten, ist aber trotzdem keine zufriedenstellende Angelegenheit. Auch die doppelte Menge an Aktenmaterial hätte daran nichts geändert, denn die wichtigsten Daten blieben geheim und waren der Kommission nicht zugänglich.

Ein Bericht für den US-Senat über das Folterprogramm nach 9/11 ist 6700 Seiten lang und als geheim eingestuft, wobei kaum ein Senator sich schlappe 112 Stunden Zeit genommen hat, um ihn zu lesen. Bei acht Stunden Lesen am Tag bräuchte man zwei Wochen dafür. Online findet sich eine nicht-geheime Zusammenfassung, die inklusive Anhang 525 Seiten lang ist, was immer noch mehr darstellt, als der durchschnittliche Bürger pro Jahr liest. Es befinden sich übrigens sehr viele Schwärzungen im Text und man bräuchte als Kontext zum besseren Verständnis eigentlich noch ein paar Fachbücher zu dem Thema obendrauf. Ausgangsmaterial für den Bericht waren atemberaubende 6,3 Millionen Seiten Akten. Macht 13125 Tage Lesearbeit zu je 8 Stunden, also insgesamt 36 Jahre. Das klingt, als hätte man einen Roman geschrieben über jeden wichtigen Dschihadisten von hier bis Mekka. Es geht aber in Wirklichkeit nur um 39 Terroristen und Terrorverdächtige. In den Geheimgefängnissen seien zum Höhepunkt ganze 119 Gefangene gewesen.

Das Attentat auf Präsident John F. Kennedy? Millionen Seiten an Akten wurden veröffentlicht und 2017 kam noch ein Berg bisher geheimer Dokumente dazu, aber wir können heute trotzdem nur mit einer gewissen Sicherheit abschätzen, dass es weitere Täter gegeben hat mit unbekannter Herkunft und mit unbekanntem Motiv. Die Linken und die gängigen Verschwörungsautoren machten aus Kennedy einen strahlenden Helden und Rebellen gegen das Establishment, obwohl er in Wirklichkeit mit seinem Bruder von der CIA gebremst werden musste, was illegale Operationen anbetraf, nicht umgekehrt.1 Seine Administration war voller gefährlicher Insider und es gab bei ihm keine Spur einer Rebellion. Weder die Sowjets noch die amerikanischen Eliten hatte ein erkennbares Mordmotiv. Wir sind trotz Millionen an Akten ratlos und die Verschwörungsautoren gaben uns einen Haufen falscher Mythen. 

Als die Organisation Wikileaks die Log-Dateien des Irak- und Afghanistan-Krieges in die Hände bekam, hatte das Ganze den Umfang von fast einer Million Seiten. Wikileaks verfügte nicht einmal annähernd über genug Manpower, um das Material zu sichten und zu bewerten. Also übertrug man es in ein praktischeres Datenbankformat und übergab es an Rechercheteams der NY Times, vom SPIEGEL und vom guardian. Es gibt wahrscheinlich keinen einzigen Redakteur oder irgendeinen Leser, der wirklich alles von dem Quellmaterial gelesen hat. Selbst wenn jemand alles gelesen hätte, wäre das daraus resultierende Bild höchst unvollständig und irreführend, weil die zugrundeliegenden Datenbanken von vorneherein vom US-Militär bereinigt und mit falschen Informationen angereichert waren. So berichteten dann die großen Zeitungen, dass insgesamt nur knapp 100.000 Tote im Irakkrieg zu verzeichnen waren und dass die meisten Iraker von anderen Irakern getötet worden seien. Wer’s glaubt wird selig.

In den Parlamenten läuft das gleiche Spielchen: Gesetze werden in aller Regel von Lobbygruppen oder speziellen Juristen-Teams als hochkomplizierte Gesetzespakete entworfen und den Parlamentariern oft noch in unlesbarer Form mit zu wenig Vorlaufzeit auf den Tisch geknallt. Das Gesetzespaket kann sogar nur eine Auflistung sein von Änderungen an bestehenden Gesetzestexten; ausgetauschte Halbsätze und veränderte Kommata und allerhand juristisches Fachchinesisch. Die Abgeordneten winken so etwas meistens einfach durch, ohne es gelesen oder verstanden zu haben. Manche Parlamentarier haben wenigstens noch früher mal Jura studiert, aber sind dennoch nicht zwangsläufig in der Lage, spezialisierte Rechtsgebiete zu verstehen.

Wenn ein Biochemie-Konzern argumentieren will, dass die eigenen gentechnisch veränderten Produkte sicher seien, produziert er so viele Akten, dass diese in zwei LKWs hineinpassen, und schickt das Ganze dann an die zuständige Regulierungsbehörde, die gar nicht die Kapazitäten hat, um den Papierberg zu bearbeiten. Meistens wird nur eine grobe Stichprobe des Materials vorgenommen.

Man erkennt also, dass Papierberge und vermeintliche Wissenschaftlichkeit unsere zeitlichen und bildungstechnischen Kapazitäten völlig überfordern. Es ist nichts Weiteres als eine Art Verschlüsselung von Daten. Entschlüsseln kann man sie nur, wenn man weiß, auf welche wichtigen Puzzleteile man achten muss. Dabei helfen uns die Kriminologie und die Kriminalistik, denn diese Fachrichtungen verstehen genau, wie man beispielsweise das verschachtelte Geflecht aus Briefkastenfirmen von organisierten kriminellen Banden entwirrt. Diese Banden wissen genau, wie man Informationen schützt. Und Ermittler wissen, wie man trotzdem da drankommt. Von Geheimdienstlern können wir auch enorm viel lernen. Das gemeinsame, verbindende Element sämtlicher Vorgänge und „Verschwörungen“ ist der Mensch an sich und dieser ist relativ gut überschaubar. Mein Buch „Das Böse entschlüsselt“ handelt davon.

Wissenschaft kann uns in ein Labyrinth hineinziehen, aus dem wir nicht mehr herauskommen, kann uns aber auch die richtigen Wege aufzeigen, um unsere Probleme zu lösen. Verschwörungsliteratur und andere Verschwörungsmedien bieten meist fehlerhafte Codes an zum Entschlüsseln von Daten und dem Herausarbeiten von wiederkehrenden Mustern.

Auch wenn jemand einen ganzen Stapel Verschwörungsbücher liest und entsprechende Webseiten und Filmchen konsumiert, fehlen demjenigen immer noch elementares Wissen über Geschichte, Geheimdienste, Kriminologie und Psychopathologie.

Die akademische Welt und die Massenmedien haben sich damit begnügt, gängige Verschwörungspublikationen zu kritisieren und größtenteils zu widerlegen, anstatt selbst bessere Forschungen über Verschwörungen zu betreiben. Die medizinischen Publikationen von vor 300 Jahren waren auch ziemlich armselig, aber glücklicherweise hatten Leute dies nicht als Signal aufgefasst, ihre Forschungen einzustellen. Das gängige Mantra lautet, dass Verschwörungstheoretiker sich einfache Erklärungen suchen für eine hochkomplizierte Welt, die ihnen Angst macht. Verschwörungstheorien böten das beruhigende Gefühl, dass die Welt mit all den zufälligen, schlimmen Ereignissen doch zumindest erklärbar sei. Allerdings bricht in der Realität bei Geheimdiensten und Regierungen nach schockierenden Überraschungen sofort der Alarm aus und man begnügt sich nicht mit irgendwelchen Beschwichtigungen über Zufälle, sondern man untersucht sofort mit allem Nachdruck mögliche Verschwörungen hinter dem Ereignis. Die Sowjets befürchteten nach dem Attentat auf Präsident Kennedy zunächst, dass rechte Kreise Amerikas dahintersteckten, um öffentlich die Sowjetunion zu beschuldigen und den militärischen Druck erhöhen zu können. Der Schütze Lee Harvey Oswald hatte zu allem Übel noch Zeit im Ostblock verbracht und in Mexiko City Kontakte unterhalten zum KGB.2 Jetzt könnte man die Paranoia des Kalten Krieges belächeln, aber die Analysten des Kremls waren alles andere als Spinner und Anfänger, sondern evaluierten einfach sachlich die verschiedenen Szenarien. Die US-Führung wiederum glaubte nicht an eine sowjetische Verschwörung, denn diese hätte den Sowjets letztendlich nur geschadet, und vertuschte nach Kräften die Akten über Oswalds Kontakte zum KGB, damit das amerikanische Volk nicht denkt, der dritte Weltkrieg stünde vor der Tür.

Bei einem Terroranschlag beginnt sofort die Suche nach weiteren Zellen der Tätergruppe sowie nach staatlichen und nichtstaatlichen Hintermännern. Die Sowjets hatten in der DDR, im mittleren Osten, auf Kuba und an weiteren Orten verschiedene Arten von Terroristen ausgebildet, während die CIA in Bayern oder Südamerika „Freiheitskämpfer“ trainierte. Die CIA siedelte gleich in München die radikale Muslimbruderschaft an, weil man sich spionagetechnisch und geostrategisch einen Nutzen davon erwartete.3

Bricht eine neue Supergrippe aus, werden unsere Behörden sofort untersuchen, ob der Erreger nicht vielleicht von einem fremden Staat im Labor gezüchtet und dann bei uns in Umlauf gebracht worden war. Im Zweiten Weltkrieg bereiteten die Briten und Amerikaner eine Operation vor, um notfalls ganz Deutschland mit Milzbranderregern zu verseuchen.4

Sogar eine Reaktorkatastrophe wird nicht einfach so hingenommen: Da Russland und Weißrussland nun ein Kernkraftwerk in einer Erdbebenzone an der Grenze zu Europa bauen und es bereits Zwischenfälle gab, befürchten Sicherheitsexperten, dass ein größerer Vorfall inszeniert werden könnte, damit die Menschen aus dem Baltikum evakuiert werden müssen. Das entstehende Chaos könnte von Russland ausgenutzt werden, um das Baltikum zu erobern.5

Akademiker haben schon versucht, öffentlich bestätigte Verschwörungen wie etwa den dünnen Watergate-Skandal zu zählen, die Anzahl der beteiligten Personen zu schätzen und dann Pi mal Daumen gerechnet, dass Verschwörungen umso eher ans Tageslicht kämen, je mehr Beteiligte es gibt und dass deshalb größere Verschwörungen unwahrscheinlich seien. Dass die Erfolge von Geheimdiensten und generell das meiste an Geheimdienstarbeit nie an die Öffentlichkeit dringt, erwähnen diese Forscher nur am Rande. Genauso wenig fragen sie Psychologen danach, inwiefern sich die antisoziale Persönlichkeitsstörung und die narzisstische Persönlichkeitsstörung auswirken auf systematisches bösartiges Verhalten im Verborgenen.

Man geht davon aus, dass man für einen einfachen akademischen Grad rund 150 Fachbücher sowie eine Vielzahl an Fachartikeln gelesen haben muss. Rund 300 Bücher sind für einen Doktortitel nötig, und insgesamt ca. 450 Bücher für einen Professor-Titel. Natürlich sind damit Fachbücher aus einem einzelnen akademischen Fach gemeint und es „gehört sich nicht“, sich außerhalb des eigenen Fachbereichs irgendwo einzumischen. Natürlich macht es wenig Sinn, wenn jemand, der auf einen Fachbereich innerhalb der Physik spezialisiert ist, sich einmischen will in eine hochspezialisierte Debatte aus der Geschichtsforschung. Aber wenn wir Machtstrukturen und organisiertes Verbrechen des höchsten Organisationsgrades auf nationaler und internationaler Ebene erforschen möchten, dann stellen wir fest, dass es dafür keine ausgebildeten Fachleute gibt. Man müsste sich seine Bildung aufteilen auf ausgewählte Fachliteratur über

  • Kriminologie/Kriminalistik
  • Psychopathologie
  • Geschichte
  • Militärwesen
  • Geheimdienstwesen
  • Politikwissenschaft
  • Etc.

Ich selbst führe auf meiner Webseite recentr.com eine Liste mit der Fachliteratur, die ich gelesen habe und Sie können schnell erkennen, dass ich in etwa eine solche Aufteilung in verschiedene Fachgebiete vorgenommen und insgesamt so viele Titel gelesen habe wie es für einen Professortitel nötig wäre. Das heißt, ich habe nicht die Spezialisierung auf einen einzelnen Fachbereich, sondern mir eine auf mein Ziel maßgeschneiderte, fachübergreifende Bildung angeeignet. Diese Fachliteratur ist in den vergangenen 12 Jahren deutlich und nachvollziehbar in meine Arbeit eingeflossen. Ein Akademiker, der ein Buch veröffentlicht, braucht nur seinen akademischen Titel, seine Universität und sein spezielles Fachgebiet im Klappentext angeben, damit der Leser ungefähr weiß, welche Bildung der Autor sich angeeignet hat. Bei typischen Verschwörungsbüchern hingegen haben die Autoren meistens keine akademischen Grade oder nur universitäre Abschlüsse in Feldern, die für Verschwörungen nicht oder nur teilweise relevant sind. Also bleibt oft nur der Blick in das Quellenverzeichnis des Verschwörungsbuches und der Abgleich, um einzuschätzen, ob der Autor überhaupt eine Ahnung hat.

Bei dem Versuch, Mitmenschen von Verschwörungen zu überzeugen, probiert der typische Verschwörungstheoretiker in aller Regel, seine Mitmenschen zu überladen mit Einzelfällen, was aber wegen der Masse an Daten selten zum Erfolg führt. Wählt er dabei auch noch eine ungeeignete Präsentation, oder benutzt er dabei fehlerhafte Informationen, wird der Verschwörungstheoretiker auf Ablehnung stoßen und sich zunehmend isolieren. Es ist enorm schwierig, einen Mitmenschen mit der klassischen Methode zum Verschwörungstheoretiker zu machen. Man müsste diesen Mitmenschen von einer hohen Zahl an komplexen Einzelfällen überzeugen, diverse wiederkehrende Muster von Verschwörungen vermitteln und dabei noch gegenteilige Propaganda bekämpfen. Die wenigsten lassen sich von jemand anderem derart umfangreich beeinflussen und mit Material versorgen. Erlebt der Verschwörungstheoretiker beim Missionieren Misserfolge, isoliert er sich zunehmend, hält die Masse der Menschen für zu blöd und zieht sich in die Blase seiner Szene zurück, was den Blick auf die Realität vollends vernebelt. Die allermeisten typischen Verschwörungsbücher sind Flickenteppiche aus Versatzstücken vergangener Verschwörungsbücher, garniert mit einem esoterischen oder radikal-politischen Glaubensbekenntnis, plus dem Aufruf zum Missionieren.

Quellen:

[1] CIA: Die ganze Geschichte, Tim Weiner, Fischer Verlag

[2] https://kurier.at/chronik/weltchronik/veroeffentlichte-akten-kennedys-moerder-und-der-kgb/294.671.248

[3] Die vierte Moschee: Nazis, CIA und der islamische Fundamentalismus, Ian Johnson, Klett-Cotta

[4] Deckname Artischocke: Die geheimen Menschenversuche der CIA, Egmont R Koch und‎ Michael Wech, Goldmann Verlag

[5] http://www.bild.de/bild-plus/politik/ausland/wladimir-putin/putin-atomkraftwerk-53185050.bild.html

[6] Alex Jones admits he doesn’t read any books, https://www.youtube.com/watch?v=h8DAHyqipxw

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