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John Robison von der Royal Society

StudieJohn Robison von der Royal Society

Der anerkannte britische Mathematiker und Physiker John Robison (1739 – 1805) landete mit „Proofs of a Conspiracy“ einen Bestseller, der international Gehör fand. Wegen seiner Mitgliedschaft bei der adeligen Wissenschaftsvereinigung „Royal Society of Edinburgh“ und dem Freimaurer-Orden galt er für folgende Generationen von Verschwörungsautoren als eine Art früher Whistleblower, Insider und besonderer Kenner der Materie. Sein Enthüllungswerk war aber ein Ablenkungsmanöver und er präsentierte keine Informationen, die nicht ohnehin schon in Europa zirkulierten. Die bayerische Polizei hatte geheime Schriftstücke und eine Mitgliederliste von Adam Weishaupts Illuminaten-Orden erbeuten können und machte das Material öffentlich. Der revolutionäre Charakter der Schriften legte den Verdacht nahe, dass die Organisation sich beteiligt hatte an der Französischen Revolution. Ranghohe Adelige aus den Illuminaten stellten sich dumm und behaupteten, irgendwelche nebulösen Kräfte (aus Frankreich oder von den Jesuiten) hätten vielleicht unbemerkt die Illuminaten und diverse Freimaurerlogen infiltriert. Der Herzog von Braunschweig (Mitglied der Illuminaten und Großmeister der deutschen Freimaurerei) schickte 1794 ein dementsprechendes Manifest an alle Logen. Drei Jahre später erschienen die Verschwörungsbücher von Robison, Barruel und anderen, die exakt diesem Tenor folgten. Wäre Weishaupts Orden nicht aufgeflogen durch Schlamperei und Informationslecks, wären die Illuminaten in der Verschwörungsliteratur wohl nur am Rande erwähnt worden.

Die britische Krone hatte das klare Motiv besessen, mit geheimdienstlichen Methoden Frankreichs Monarchie anzugreifen und eine Revolution zu fördern. John Robison ging dieser Spur jedoch nicht einmal ansatzweise nach. Er lobt in seinem Buch schamlos die britische Krone, das pseudo-moderne britische Regierungssystem und das brave, obrigkeitshörige britische Freimaurersystem mit drei Graden. Dies soll wohl verschleiern, dass die Welfen nach wie vor das britische Reich fest in der Hand hielten und weitreichende Geheimdienste besaßen, die Operationen im Ausland durchführten. Den Franzosen wirft er vor, sich in Britanniens Kolonialangelegenheiten eingemischt zu haben, womit gemeint ist, dass Frankreich ein Vermögen versenkt hatte in den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Damit will Robison von Anfang an klarstellen, dass Frankreich ein Hort aufrührerischer, aufklärerischer Strömungen war und die französische Monarchie von ebenjenen Ideen hinweggefegt wurde, die sie kurz zuvor noch in den 13 britischen Kolonien in Amerika gefördert hatte. Robison stellt nicht die naheliegende Frage, ob sich die Britische Krone vielleicht dafür gerächt hat, indem sie als Retourkutsche die Französische Revolution förderte. Noch verheerender für Robisons Glaubwürdigkeit ist die Tatsache, dass er sich für „Proofs of a Conspiracy“ mit allerhand Material hatte versorgen lassen von dem Geheimagenten und Diplomaten Alexander Horn, der eng mit der Familie Thurn und Taxis in Deutschland arbeitete, die wiederum der britischen Krone nahestand. Karl Alexander von Thurn und Taxis (1770-1827) heiratete die Tochter von Erbprinz Herzog Karls zu Mecklenburg und Friederike von Hessen-Darmstadt. Der Erbprinz hatte niemand anderen als den englische König George III. (Haus von Hannover) zum Schwager und diente in der hannoverschen Armee. 1776 wurde er sogar Gouverneur von Hannover. Friederike war eine Tochter des Prinzen Georg Wilhelm von Hessen-Darmstadt, dessen Fürstentum mit Hessen-Kassel in adeliger Verbindung stand. Hessen-Kassel wiederum war eng verbunden mit dem Haus von Hannover vom britischen Königshaus und darüber hinaus förderte Hessen-Kassel die Karriere von Baron Knigge, dem zweitwichtigsten Mitglied des Illuminatenordens. Weishaupt selbst flüchtete nach dem Verbot des Illuminatenordens aus Bayern nach Sachsen-Gotha-Altenburg. 1771 machte Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel den jungen Knigge zum Hofjunker und Assessor der Kriegs- und Domänenkammer zu Kassel. Die zweite Ehefrau des Landgrafen soll Knigge sogar eine Ehefrau vermittelt haben. Auch nach seiner Illuminatenzeit wurden ihm Jobs zugeschanzt, wie etwa der Posten eines Oberhauptmanns der großbritannisch-hannoverschen Regierung. In seinem berühmten Buch „Über den Umgang mit Menschen“ schrieb er enttäuscht über Geheimgesellschaften:

Ich habe mich lange genug mit diesen Dingen beschäftigt, um aus Erfahrung reden und jeden jungen Mann, dem seine Zeit lieb ist, abraten zu können, sich in irgendeine geheime Gesellschaft, sie möge Namen haben, wie sie wolle, aufnehmen zu lassen. Sie sind alle, freilich nicht im gleichen Grade, aber doch alle ohne Unterschied zugleich unnütz und gefährlich.

Möglicherweise war diese enttäuschte Sichtweise nur eine Finte, um sich öffentlich zu distanzieren. Karl Alexander von Thurn und Taxis war der zweite Großmeister der Freimaurer-Mutterloge „Die Wachsende zu den drei Schlüsseln“ und 1806 machte ihn der englische Großmeister zum Provinzial-Großmeister von Bayern.

Der junge Weishaupt verließ das Jesuitenkolleg Ingolstadt im Alter von 15 Jahren und wurde von Christian Wolffs Schüler Johann Adam von Ickstatt adoptiert und im Geiste der „aufgeklärten“ Wolff’schen Philosophie erzogen. Wolff war Mitglied der britisch-königlichen Wissenschaftlervereinigung Royal Society, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit für Spionage benutzt wurde, befand sich zeitweise in der Welfen-Hochburg Hessen und lehrte an der Welfen-Universität Marburg. Adams Vater hatte Rechtswissenschaften in Würzburg studiert bei Johann Adam von Ickstatt, ein Mann der „Aufklärer“-Szene. Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn-Buchheim ernannte Adam Weishaupts Vater zum öffentlichen Corepitor der Rechte und zum außerordentlichen Lehrer für Rechtsgeschichte. Die von Schönborns stiegen in den Hochadel auf und hatten Verbindungen zu den Häusern Schaumburg, Diez und Nassau-Weilburg. Adam studierte an der Universität Ingolstadt Geschichte, Rechte, Staatswissenschaften und Philosophie und wurde 1768 zum Doktor der Philosophie promoviert. 1772 wurde er außerordentlicher Professor der Rechte, 1773 dann ordentlicher Professor für Kirchenrecht in Ingolstadt. Anscheinend fiel den katholischen Autoritäten in Ingolstadt zunächst nicht besonders auf, dass er aus einem Umfeld von Aufklärern stammte. 1777 wurde er Freimaurer in der Loge „Zur Behutsamkeit“ in München und trug hier den Ordensnamen ‚Sanchoniaton‘. Über den Marchese di Constantin Costanzo bekam man die Erlaubnis der Berliner Großloge Royal York für die Münchner Loge Theodor zum guten Rat, erklärte diese daraufhin für unabhängig und überführte sie in den neuen Illuminatenorden. Die Illuminaten-Mitglieder patzten bei ihrem konspirativen Vorgehen und so wurden geheime Mitgliederlisten und andere interne Schriften von der bayerischen Polizei beschlagnahmt und veröffentlicht. Adam floh. Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg (ein Welfe und seit 1783 Mitglied der Illuminaten unter dem Ordensnamen Quintus Severus bzw. Timoleon) gewährte ihm in Gotha Asyl. Die Ironie ging an vielen Beobachtern nicht vorbei: Der angebliche Aufklärer, der die Welt von dem Joch des Absolutismus befreien wollte, flüchtete sich zu einem mächtigen Welfen und wurde von diesem finanziert. Es wäre höchst gefährlich gewesen, wenn Weishaupt in Gefangenschaft geraten wäre und weitere Informationen preisgegeben hätte. Möglicherweise sicherte sich Weishaupt rechtzeitig ab vor seinen Auftraggebern von den Welfen mit Hilfe von belastenden Dokumenten, die im Falle eines Attentats auf ihn oder einer Gefangennahme an die Öffentlichkeit gelangen würden (ein sogenannter Dead Man’s Switch). Für die Welfen wäre es am angenehmsten gewesen, Weishaupt einfach heimlich umzubringen, sich öffentlich von seinem Wirken zu distanzieren und zu behaupten, man sei von Weishaupt und irgendwelchen ominösen französischen Kräften getäuscht worden. Stattdessen durfte Weishaupt in Gotha leben mit dem Titel und der Pension eines Hofrates. Er veröffentlichte fortan eine Reihe von Texten, die den Illuminatenorden verharmlosten, was ihm wohl so von den Welfen befohlen wurde.

Die Prinzen Karl von Hessen (Welfe) und Ferdinand von Braunschweig (Welfe) sowie die Herzöge Ernst von Sachsen-Gotha (Welfe) und Carl August von Sachsen-Weimar (Welfe) waren Mitglieder des Illuminatenordens. Ernst nutzte die Gothaer Illuminatenloge sogar als geheimes Schattenkabinett.

Papst Pius VI. war über die Angelegenheit nicht gerade amüsiert und erklärte in zwei Briefen an den Bischof von Freising die Mitgliedschaft im Illuminaten-Orden als unvereinbar mit dem katholischen Glauben.

Im Vorwort seines Buchs erklärt Robison, dass er in seiner englischen Heimat in jungen Jahren so manche harmlosen (und eher langweiligen) Erfahrungen gesammelt hätte in Freimaurerlogen, dagegen aber in Logen auf dem europäischen Festland Dinge erlebte, die seiner Ansicht nach überhaupt nicht in das System der Freimaurerei gehören. Er lobt also das gute und brave britische Freimaurertum auf der einen Seite, und verdammt die düsteren, subversiven Logen in Deutschland und Frankreich auf der anderen Seite. Genau diese Darstellung war das, was die Welfen verbreiten wollten. Robison besuchte nach eigenen Angaben u.a. Logen in der französischen Stadt Liege, in Berlin und Königsberg, wo ihm Begeisterung entgegengebracht wurde und wo ihm große Fortschritte bei seiner freimaurerischen Erleuchtung versprochen wurden. Ihm wären aber die angebotenen Inhalte und versprochenen neuen Grade jedoch zu irrational, zu frivol, zu fanatisch, zu teuer und zu zeitintensiv gewesen. Sehr viele angesehene und einflussreiche Männer hingegen stürzten sich auf jeden neuen, noch so obskuren Trend, der in den vielen neuen Logen präsentiert wurde. Europaweit, so Robison, frönten die Freimaurer zunehmend schrägen und heiklen Ideen, die außerhalb der Logen zu öffentlicher Häme und zu staatlicher/kirchlicher Zensur geführt hätten. Es grassierten natürlich auch Revolutionspläne zum Sturz der französischen Monarchie, getarnt mit aufklärerischen Idealen.

Für die gewöhnlichen britischen Freimaurer galt es als Regel, in der Loge keine kritischen Diskussionen über die Regierung und die Kirche zu führen. Wir können also festhalten, dass eines der wichtigsten Werke der Verschwörungsliteratur zurückgeht auf eine obskure Reihe an Texten, nicht unbedingt nachvollziehbare Quellen, nicht auffindbare Bücher, die Einflüsterungen eines britischen Spions sowie die schwammigen Beobachtungen von Robison in diversen europäischen Logen. Wieviel Einfluss Weishaupt auf die Französische Revolution hatte, schätzte Robison nicht einmal konkret ein. Er zeigte lieber mit dem Finger auf die französischen Offiziere und Funktionäre, die zeitweise in Amerika tätig gewesen waren und dort den Duft der Unabhängigkeit geschnuppert hätten. Abermals bemüht Robison das Argument, die französische Monarchie sei hinweggefegt worden mit den gleichen aufklärerischen Ideen, die sie zuvor in den 13 britischen Kolonien in Amerika fördern ließ. Außerdem erwähnt er die Anhäufung von Schuldenbergen und die neuen Steuern, die erhoben wurden von den Bourbonen. Nur ein Funke sei nötig gewesen, um die Revolution in Gang zu bringen. Aus geheimdienstlicher Sicht brauchte es aber weit mehr als einen Funken und günstige Umstände für einen Umsturz, sondern lange vorbereitete subversive Operationen, das Etablieren von Spionageringen und die Anwerbung von genügend bedeutenden Leuten, die man für einen Umsturz benötigt. Anstatt nüchtern und geheimdienstlich zu analysieren, was vorgefallen war, tischt uns Robison eine selektiv aufbereitete Geschichte der Illuminaten auf und lädt uns dazu ein, in einem Labyrinth herumzuirren.  Er stichelt lieber gegen „korrupte“ französische Logen, die zwecks des Umsturzes einfache Wachleute des Palastes und ähnliche Figuren umschmeichelten und zu Freimaurern machten. Auf Seite 296 warnt er gar vor einer französischen Weltverschwörung! Robisons zweifelhaftes Buch wurde in alle Windrichtungen verbreitet und stieß auch in Amerika auf Gehör bei George Washington oder dem Senator Seth Payson, der 1802 den an Robison angelehnten Text „Proof of the Illuminati“ veröffentlichte.

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