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Mittwoch, August 17, 2022

Russische Behörden haben rund 138.000 Websites gesperrt oder gelöscht seit Invasion

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Das Einprogrammieren von Dogmen

StudieDas Einprogrammieren von Dogmen

Viele Amerikaner kennen solche Situationen: Die einen Familienangehörigen sind vehemente Befürworter von Präsident Donald Trump und halten ihn für den Retter Amerikas und den Nemesis des „linken Deep State“, aber die anderen halten ihn für den leibhaftigen Teufel und haben sogar über George W. Bush eine viel höhere Meinung. Inzwischen gibt es auch Selbsthilfegruppen für Betroffene, deren Angehörige quasi der „QAnon“- Internetsekte beigetreten sind, bei der kryptische Nonsens-Veröffentlichungen eines Unbekannten interpretiert werden als Ankündigungen, dass ein geheimes Team hinter Trump (also ein guter rechter Deep State) in naher Zukunft Mitglieder des bösen linken Deep States verhaftet. Oder jemand wird zum 100% überzeugten Marxist-Leninisten und betrachtet jeden misstrauisch bis feindselig, der nicht diese Lehre vertritt, und sei es ein Sozialist aus einer anderen Strömung, wie etwa ein Trotzkist. Ein radikaler Anarchokapitalist betrachtet es als unantastbaren Grundsatz, dass niemals jemand zu etwas gezwungen werden dürfe. Wenn man darauf antwortet, dass dies eher ein frommer Wunsch und auf absehbare Zeit nicht realisierbar ist, dann folgt ein Wortschwall aus diversen vorgestanzten Argumenten, warum eine Verletzung dieses „Nichtaggressionsprinzips“ vollkommen ausgeschlossen sein müsse. In der Realität ist es aber so, dass die meisten Menschen eben Zwang als völlig legitimes Mittel betrachten und genauso felsenfest von ihren jeweiligen Ideen überzeugt sind wie der Anarchokapitalist. Meistens lässt sich eine starke Ablehnung von Andersgläubigen betrachten, ein Ausgrenzen und eine teils dauerhafte Distanzierung. Gerät jemand auf bestimmte esoterische Bahnen, glaubt derjenige, dass schlechte Gedanken und negative Schwingungen Unheil magisch (kosmisch) anziehen würden. Jede Form von Kritik oder Widerspruch bestätigt auf paranoide Weise den Gläubigen in seiner Haltung, dass er es mit einer schlechten Person zu tun hätte. Ich selbst wurde schon als Mensch komplett abgeschrieben von jemandem, der Chlorbrühe nach Jim Humble als universelles Heilmittel propagierte. Wenn man die Sache ablehnt, ist das für den Anhänger ungefähr so, als hätte man ihn in seinem Innersten beleidigt und den Krieg erklärt. Bei traditionellen religiösen Überzeugungen verstehen wir noch eher die Bereitschaft, felsenfest eine bestimmte Idee zu vertreten, weil Leute meistens ihr ganzes Leben lang in derselben Religionsgemeinschaft stecken, zahllose Rituale durchlaufen haben und die Religion eine ewig lange, anerkannte Geschichte haben. Aber wir sehen die gleiche Art von felsenfesten Überzeugungen, die eben keine lange Geschichte aufweisen und für die Überzeugten selbst auch relativ neu sind. Das Q-Anon-Phänomen gewann erst vor rund 2 Jahren an Fahrt. Der neurechte Trump-Kult wurde innerhalb von nur wenigen Monaten aufgebaut im Wahlkampf. Vor 2008 war die Meinung der Konsumenten und Produzenten von Verschwörungsmedien zu Wladimir Putin schlecht, aber in nur wenigen Jahren gelang es, ihn über Internetvideos zur größten Hoffnung und zum inspirierenden Führer hochzujubeln. Inzwischen gilt es als eine absolute Selbstverständlichkeit, Putin-Anhänger zu sein und diejenigen, die es nicht sind, werden als feindselig betrachtet. Menschen werden innerhalb von Monaten zu überzeugten Verschwörungs-Aktivisten und nehmen teilweise alles als Fakt hin, was von ihren Lieblings-Influencern behauptet wird. Anhänger von David Ickes Reptiloiden-Theoriegebäude bezeichneten mich als Reptiloiden, weil ich dieses Theoriegebäude als Unsinn bezeichnete. Immer wieder lässt sich beobachten, dass fanatische Leute sich über einen längeren Zeitraum regelrecht zugedröhnt haben mit Internetvideos. Vor dem Internetzeitalter war so etwas in dieser Größenordnung und Geschwindigkeit nicht einmal ansatzweise möglich.

Trigger Langeweile und Enge

Alle möglichen verschiedenen Herrschaftsformen benutzten den Faktor Langeweile, um ihre Untertanen bzw. Steuerzahler zu formen. Dieser Faktor darf auf gar keinen Fall unterschätzt werden, denn er ist gleichbedeutend mit „Sensory Deprivation“, also mit dem Entzug von Sinneseindrücken. Das durchschnittliche Klassenzimmer ist wie eine Gefängnis-Zelle, in der Schüler stundenlang im Sitzen wie mit eine Kloster-Schweigegelübde sich extrem langweilige Vorträge anhören müssen, nur um danach zuhause im Stillen in einem noch engeren Zimmer die gleichen Inhalte zu wiederholen. Das Büro als Arbeitsplatz später wurde in Asien und Amerika in kleinste Einheiten aufgeteilt, sogenannte „Cubicles“, die an Hamsterkäfige erinnern. Nach 9/11 gingen Bilder um die Welt von gefesselten Terrorverdächtigen mit Augenbinden und schalldämmendem Gehörschutz, was eine simple, aber effektive Foltermethode war. Länger andauernde sensorische Deprivation kann zu Persönlichkeitsveränderungen, psychischen Schäden, Störungen des Hunger-Sättigungs-Gefühls, verstärkter Suggestibilität, Schlafstörungen und Schwierigkeiten im Kontakt mit anderen Menschen führen. Es kann sogar zu Veränderungen des Stoffwechsels kommen. Je mehr man Langeweile ausgesetzt ist, umso begehrenswerter wirkt alles, was Aufregung, Spaß und Spannung bietet, ob nun Alkohol und Drogen, Videospiele oder Fanatismus. Für gewöhnlich sind diese Formen von Vergnügungen „Sensory overload“, also das genaue Gegenteil der Sensory Deprivation. Videospiele und Filminhalte sind extrem hektisch und bombardieren den Konsumenten mit Ton- und Bildsignalen, emotionalen Triggern und intellektuellen Triggern. Was in Forschungen (siehe auch das Kapitel CHAOS) auch als sehr negativer Faktor bekannt wurde, ist räumliche Enge zusammen mit einer zu hohen Dichte an Bewohnern. Ob das überfüllte enge Klassenzimmer, oder das Büro-Cubicle oder das enge Apartment in der überfüllten Großstadt. Langeweile macht auch extrem anfällig für die charismatischen, mitreißenden Persönlichkeiten aus dem narzisstischen und psychopathischen Spektrum. Gelangweilte Menschen finden andere gelangweilte Menschen langweilig, und im Kontrast dazu wirken Narzissten oftmals wie Lichtgestalten mit ihrem Witz, ihrer Überzeugungskraft, ihrer „Vision“ usw. Für die Narzissten sind gelangweilte Menschen leichte Beute und leicht zu erkennen. Es überrascht daher nicht, dass Filme aus dem Fantasy-Genre finanziell am erfolgreichsten sind und die Protagonisten zu Beginn noch gelangweilt und frustriert sind, aber dann eine neue Welt betreten, sich einer Rebellion anschließen und sich als die Auserwählten begreifen, die das Schicksal der Welt (oder des gesamten Universums) bestimmen werden. Harry Potter ist ein gelangweilter, frustrierter und isolierter Schüler, bevor er in die Welt der Magie eintritt und laut Prophezeiung den bösen Zauberer Voldemort besiegen muss. Mr. Anderson ist ein gelangweilter Angestellter in einem kleinen Cubicle bei einer Firma, und lernt dann, dass er der Auerwählte ist, der die Matrix-Scheinrealität zu Fall bringen wird. Sarah Connor ist eine gelangweilte Kellnerin und dann plötzlich die künftige Mutter des Anführers der Rebellion gegen intelligente Computer im Krieg der Zukunft. Luke Skywalker langweilt sich als Helfer auf einer Farm auf einem langweiligen Planeten und wird dann zum Mittelpunkt im Kampf der „guten Seite der Macht“ gegen das Imperium. Jede fanatische Glaubensüberzeugung vermittelt nicht nur temporäre Gefühle von Euphorie und einem Sinn im Leben, sondern verspricht immer auch viel mehr, was in Zukunft an Euphorie kommen wird, wenn man nur lange genug Aktivismus macht. QAnon-Anhänger mögen das euphorische und beruhigende Gefühl, wenn sie sich gegenseitig darin bestätigen, dass ein mächtiges Geheimteam gegen die Mächte der Finsternis kämpft und der Sieg in greifbarer Nähe stünde. Ein kommunistischer Aktivist träumt von einer glorreichen Zukunft, von Status und Berühmtheit. Das britische Imperium war u.a. auch deshalb erfolgreich, weil man die Bevölkerung mit Langeweile und destruktiven Vergnügungen bearbeitete, und für die höheren Schichten eine höchst spannende und mysteriöse Kultur zelebrierte. Das Freimaurertum war maßgeschneidert darauf, alle möglichen angenehmen Emotionen zu erzeugen und die Spannung aufrechtzuerhalten. Einflussreiche Leute besaßen viele Bücher und dadurch immer ein endloses Reservoir an interessanten Informationen, die sich oft auch im realen Leben nutzen ließen. Man sammelte historische Artefakte, pflegte ein Familien-Netzwerk und hatte desöfteren auch geheimdienstliche Aufgaben zu leisten, was einen besonderen Nervenkitzel und das Gefühl von Exklusivität brachte.

Die Dogma-Zwangsjacke

Was besonders auffällt, ist die schiere Anzahl an unterschiedlichsten Dogmen (Glaubensgrundsätzen) die von Menschen vehement verteidigt werden gegen alle Kritik und jede Logik. Egal ob religiöse Dogmen, politisch-ideologische Dogmen oder Dogmen aus der Szene der Verschwörungstheoretiker. Jeder nur denkbare Blödsinn wird geglaubt und Kritik wird abgeblockt als Bösartigkeit und Verschwörertum. Je mehr man das Problem versteht, dass sich durch zahllose Dogmen ergibt, umso besser versteht man, warum die Gesellschaft so stark geteilt ist und sich konstant untereinander streitet, ohne dass dadurch irgendetwas besser wird. Die Gesellschaft ist grob unterteilt in Christen, Muslime und andere Glauben, in Linke, Rechte, Mitte und Libertäre. Dann sind diese einzelnen Gruppen noch weiter unterteilt und gespalten in radikale und gemäßigtere Muslime, Katholiken und Protestanten, radikale Kommunisten und gemäßigtere linke Strömungen, verschiedenste rechte Strömungen usw. Tausende und abertausende Dogmen unterteilen die Gesellschaft dann zusätzlich noch viel stärker: Dogmen wie Veganismus, abstruse religiöse Ideen, Wunderheilungs-Methoden oder Esoterik. Insbesondere die Szene der Verschwörungstheoretiker ist völlig atomisiert, in kleinste Segmente zerteilt. In manchen Themen sind sich zwar die meisten Verschwörungstheoretiker einig, wie etwa bei den Märchen zur Rothschild-Familie, die es geschafft haben soll, ungestört das Britische Imperium zu stehlen. Abseits von solchen Dingen sind sich Verschwörungstheoretiker kaum in etwas einig. Der eine interessiert sich für seriöse Forschung zu 9/11, der andere vertritt aber vehement, die “No Plane”-Theorie laut der gar keine Flugzeuge für die Anschläge benutzt worden seien. Und wehe, “No Plane” wird kritisiert. Dann bekommt der “No Plane”-Anhänger einen Wutanfall und attackiert den Kritiker als niederträchtigen Verschwörer. Manche glauben nicht an eine jüdische Weltverschwörung, sondern an eine vatikanische, an die Herrschaft von Reptiloiden aus einer anderen Dimension, oder die Herrschaft von Außerirdischen. Momentan muss ich mir anhören, ich sei ein niederträchtiger Verschwörer im Bunde mit Bill Gates, weil ich nicht eine bestimmte Verschwörungshypothese zu COVID teile, sondern in viele verschiedene Richtungen ermittle. Es reicht nicht, dass ich mehrere plausiblere Verschwörungshypothesen und meine Untersuchungen miteinbeziehe. Weil ich nicht die eine “Hoax-Hypothese” vertrete, gelte ich als böse. Ich bin kein Mensch mehr für diese speziellen Verschwörungstheoretiker. Ich bin nichts mehr wert für sie. Ich gehöre vernichtet oder zumindest boykottiert.

Atomisierung statt Gleichschaltung

In einer klassischen Diktatur wurde immerzu viel Wert gelegt auf Gleichschaltung; auf Gleichmacherei. Bei den Nazis gab es die eine Ideologie, die man vertreten musste. Bei den Kommunisten in der Sowjetunion durftest du nicht abweichen. Bei den Fürstentümern und Königreichen in der Vergangenheit musste man die “gottgegebene” Herrschaft der Monarchen akzeptieren. Heute noch in China wird dir vorgegeben, was du zu denken hast. Aber selbst klassische Diktaturen waren darauf angewiesen, die Bevölkerung zu spalten und die einzelnen Gruppen gegeneinander in einem Spannungsverhältnis zu halten. Im Römischen Reich musste man sich dem Kaiser und dem Staatskult unterwerfen und seine Steuern zahlen, aber abgesehen davon konnte man jedem (Mysterien-)Kult frönen wie man wollte und seine ethnisch-kulturellen Traditionen pflegen. Selbst im Sowjetkommunismus, wo eigentlich alle möglichst gleich sein sollten, gab es strenge Hierarchien samt Privilegien, je nachdem wie nützlich man für das Regime war. In einem Fürstentum gab es gesellschaftliche Klassen und Kasten. Im heutigen Putin-Regime muss man sich dem Cäsar bzw. Zar Putin und dessen Partei unterwerfen; ansonsten darf man Kommunist sein, oder Neonazi, orthodoxer Christ, Esoteriker oder Vollblut-Okkultist. In den modernen westlichen Herrschaftssystemen wird deutlich weniger auf Gleichmacherei gesetzt, sondern viel mehr auf Spaltung bis hin zur Atomisierung der Gesellschaft. Selbst politische Bewegungen wie die Öko-Grünen sind zigfach gespalten, von gemäßigten Ökos bis hin zu radikalen Eugenikern und Ökoterroristen. Es können jeden Tag neue Dogmen geschaffen werden, um die Leute weiter auseinanderzutreiben. Irgendwo dämmert es den Menschen, dass man vielleicht nicht allzu sehr in eine “Teile und Herrsche”-Falle hineintappen soll. Aber die Dogmen verhindern letztendlich doch, dass Leute zusammenkommen und an einem Strang ziehen. Treten Organisationen auf der Stelle, versuchen sie es manchmal mit gemeinsamen Aktivitäten, einem (temporären) Waffenstillstand und einem temporären Zurückfahren bestimmter Dogmen. Man kann sich vorstellen, wie lange dieser Waffenstillstand hält. Früher oder später kommen die Dogmen wieder hoch und sorgen dafür, dass die Allianz zerbricht und sich die Fanatiker wieder gegenseitig an die Gurgel gehen.

Die psychologischen Mechanismen von Dogmen

Dogmen geben den Menschen das trügerische Gefühl von Gewissheit, Kontrolle, Sicherheit, Identität und Besonderheit. Wenn man sich einlässt auf typische Dogmen, entfernt man sich aber von der Realität, anstatt sie zu (be-)greifen, man verliert Kontrolle, statt sie zu gewinnen, man begibt sich in Gefahr, statt sicherer zu werden und man verliert seine individuelle Identität und ersetzt jene durch eine künstliche Gruppenidentität. Man ist nichts Besonderes und tut nichts Besonderes. Menschen sehnen sich nach Kontrolle und Identität. Wenn man in behüteten, stabilen bürgerlichen Verhältnissen aufwächst, hat man ein ausgeprägtes Gefühl von Kontrolle und mehr Möglichkeiten, eine wirklich eigene Identität zu formen. Wächst man hingegen in instabilen Verhältnissen auf, fehlt das Gefühl von Kontrolle und Geborgenheit und die Betroffenen tendieren dazu, mit verschiedenen Methoden Kontrolle oder zumindest die Illusion von Kontrolle zu erhalten:

  • Drogenkonsum
  • Narzissmus und ausgewachsene narzisstische Persönlichkeitsstörungen
  • Extreme Religiosität
  • Extremer politisch-ideologischer Aktivismus
  • Häusliche Gewalt, Unterdrückung von Partnern und Kindern
  • Pädophilie
  • Abdriften in die Szene der Verschwörungstheoretiker
  • Annehmen von beliebigen Dogmen wie Veganismus, Wunderheilungs-Methoden usw.

Ein behütet aufgewachsener Bürger der stabilen Mittelschicht hat ein gewisses Maß an Kontrolle über sein Leben und seine Umgebung. Er ist mehr oder minder zufrieden und kann mit diversen Strategien versuchen, seine Kontrolle zu erhöhen. Er hat wenig Interesse an radikalen, umstürzlerischen Ideologien oder Projekten, weil dieser Unfug für ihn eine Bedrohung darstellt für die Ordnung und die Kontrolle. Es ist sinnlos, wenn radikale Linke, Rechte, Libertäre oder Verschwörungstheoretiker sich abstrampeln bei dem Versuch, die Mitte der Gesellschaft zu überreden zu irgendwelchen halsbrecherischen Unternehmungen. Verschiedene Radikale sind prinzipiell frustriert über ihre Erfolglosigkeit, die gesellschaftliche Mitte zu etwas zu überreden. Deshalb hassen Radikale auch die Mitte, denn die Mitte lehnt einfach bestimmte radikale Dogmen ab. Deshalb wollen Radikale auch viel lieber Gewalt anwenden, um die Mitte zu zwingen, diese Dogmen zu akzeptieren. Wie bereits erwähnt, bekommen Menschen durch Dogmen nicht nur das trügerische Gefühl von Gewissheit, Kontrolle und Sicherheit, sondern vor allem auch das trügerische Gefühl von Identität. Menschen bauen alle möglichen und noch so abstrusen Dogmen in ihre Identität sein. Anstatt man selbst zu sein, nimmt jemand von irgendwoher vorgestanzte Elemente, die derjenige nicht wirklich einschätzen kann und die von Leuten stammen, die er auch nicht einschätzen kann. Es ist paradox, wenn Menschen versuchen, mit Hilfe von vorgestanzten, massenhaft verbreiteten Dogmen ihre eigene individuelle Identität bestimmen zu wollen. Besonders wenn Menschen aus instabilen Verhältnissen stammen, und/oder unterschiedliche Schicksalsschläge durchlitten haben, oder einfach ohne speziellen, singulären Anlass in Depressionen versinken, sind sie besonders anfällig dafür, irrationale Dogmen in ihre Identität einzubauen und diese Dogmen militant zu vertreten.

Das neue Fake-Selbst

Menschen erfinden sich regelrecht neu durch Dogmen. Sie sind nach dem Radikalisierungsprozess nicht mehr nur der latent depressive “Max Mustermann”, sondern sie halten sich dann für “Max Mustermann, der erleuchtete Krieger des Lichts, auf besonderer Mission zur Rettung der Menschheit vor den satanischen Kräften des Bösen”. Sie fühlen sich besonders, sie haben eine Mission, einen besonderen Grund zu existieren. Aber ihre neue Identität ist äußerst brüchig und wackelig. Sie ist auf Sand gebaut und auf tönernen Füßen. Es hat mehr oder minder mit Narzissmus und Gruppennarzissmus zu tun, psychische Krankheitsbilder, bei denen jemand eine Fantasiewelt und eine idealisierte Fantasie-Version von sich selbst erschafft und nur noch nach Bestätigung giert für diese Fantasien. Wenn jemand ihre Dogmen ablehnt, kritisiert, verwirft und belächelt, drehen sie durch. Sie fühlen sich in ihrem Innersten angegriffen, sie fühlen ihre Identität als Ganzes bedroht und sie bekommen Angst, dass ihr trügerisches Gefühl von Gewissheit und Sicherheit und Kontrolle verdampfen könnte. Manche Menschen leiden an temporärer “Ich-Auflösung”, was sich sehr unangenehm anfühlt. Jemand mit einer ausgewachsenen narzisstischen Persönlichkeitsstörung kann Kritik und Ablehnung nicht ertragen, weil dies eine krasse Bedrohung darstellt für das narzisstische Fake-Selbst. Manchmal werden Narzissten bei zuviel Misserfolg zunehmend depressiv, katatonisch, suizidal. Es fühlt sich für sie an, als würde ihr Selbst, ihr Ich sich auflösen und die Person wird schier überwältigt von Gefühlen der Wertlosigkeit. Bei Dogmatikern verhält es sich ähnlich wie bei Narzissten. Kritisiert man ihr Dogma, reagieren sie aggressiv bzw. die Aggression soll ihre innere Panik übertünchen und überdecken. Der Dogmatiker geht in Angriffsstellung und versucht es mit einem Wortschwall, verbalisierten Dogmen, Pseudoargumenten, Drohungen, Beleidigungen. Wenn er keine physische Gewalt anwenden kann und wenn der Kritiker nicht einknicken will, dann zieht der Dogmatiker wutschnaubend von Dannen. Am liebsten möchte der Dogmatiker mit anderen gleichgesinnten Dogmatikern zu tun haben. Das verstärkt noch die Illusion von Sicherheit und Kontrolle und Identität und einer scheinbaren besonderen Mission. Dummerweise gibt es so dermaßen viele einzelne Dogmen, dass der Dogmatiker sich über kurz oder lang auch mit seinen Gesinnungsgenossen zerstreiten wird. Außerdem ist die Bestätigung, die man in der dogmatischen Echokammer erfährt, ziemlich hohl und leer und unbefriedigend. Es fühlt sich um Welten besser an, wenn man jemanden außerhalb der Echokammer und Filterblase zuschwallen und von den Dogmen überzeugen kann. Die Aggression des Dogmatikers gegenüber Kritikern ist der Versuch, mit verbaler Gewalt oder anderen Formen von Gewalt das Gefühl von Ordnung und Kontrolle wiederherzustellen. Es ist ein bisschen so wie ein Haustyrann, der einen Wutanfall bekommt, weil seine unterdrückte Ehefrau eine von gefühlt 1000 Hausregeln verletzt hat. Oder ein Islamist, der durchdreht, weil jemand aus seiner Familie “vom rechten Pfad” abkommt.

Sinnlose Pseudo-Diskussionen

Wenn man sich objektiv einliest in verschiedene Sachthemen, merkt man recht schnell, wie viele unzählige Dogmen einfach falsch sind, oder größtenteils falsch oder viel zu simpel oder viel zu kurz gegriffen. Man muss immer wieder schlechte Dogmen entlarven und dazu fachliche Diskussionen führen und forschen. Aber bei der direkten Diskussion mit einem Dogmatiker muss man bedenken, dass der Dogmatiker sich nicht schert um die Realität, um Logik oder Fakten. Der Dogmatiker wird sich selektiv einzelne Fakten oder Fakes herauspicken, die seine vorgefertigte Meinung stützen und gleichzeitig alles verwerfen und ignorieren, was seinen Dogmen widerspricht. Der Dogmatiker benutzt zirkuläre Argumentationen, Fakes, Lügen, Verzerrungen und jeden billigen, unzulässigen Argumentations-Trick, den es gibt. Jedes Mittel ist recht. Wie ein schizoider oder schizophrener Paranoiker unterstellt er dem Kritiker der Dogmen, schlechte Absichten zu hegen, die Dogmen gar nicht verstehen zu wollen, sich die Dogmen gar nicht wirklich angesehen zu haben oder sogar, Teil einer Verschwörung zu sein. Für den linken Dogmatiker ist man ein heimlicher Nazi. Für den rechten Dogmatiker ist man ein Volksverräter, ein angepasster Systemling oder gar ein verkappter bezahlter Propagandist der jüdischen Weltverschwörung der (erfundenen) Weisen von Zion. Für den Verschwörungsdogmatiker ist der Kritiker ein Bezahlschreiber des Verfassungsschutzes, der CIA oder sonst einer düsteren Organisation. Mit dieser paranoiden Polarisierung wertet sich der Dogmatiker selbst auf zu einem Ritter des Lichts, und er wertet den Gegner/Kritiker ab als Agent des Bösen. Es gelang sogar, der gesellschaftlichen Mitte ein verheerendes Dogma einzureden: Dass es keine großen Verschwörungen gäbe und dass nur Verrückte an große Verschwörungen glauben. Es gibt tatsächlich größte Verschwörungen, aber die Szene der gewöhnlichen Verschwörungstheoretiker sind unfähig, Verschwörungen wissenschaftlich zu erforschen. (Haupt-)berufliche Verschwörungstheoretiker sind in aller Regel psychisch krank, und/oder extrem naiv und/oder völlige Hochstapler, die ihre Bildung beziehen aus älteren, schlechten Werken der Verschwörungsmedien. Die einigermaßen stabilen Normalbürger wollen die allermeisten Dogmen der Verschwörungstheoretiker oder der radikalen Linken oder der radikalen Rechten nicht übernehmen. Diese Dogmen sind für den stabilen Normalbürger zu abgedreht und der Normalbürger spürt, dass diese verschiedenen irren Dogmen den Normalbürgern nicht mehr, sondern weniger Kontrolle und Ordnung bringen würden. Das ist auch der Grund, warum man Verschwörungstheoretiker innerhalb gewisser Rahmen einfach reden lässt, und das seit 200 Jahren moderner Verschwörungsmedien. Es soll ja gerade aus Sicht der Herrscher ein Sammelbecken existieren, wo die verrücktesten Verschwörungs-Dogmen von psychisch kranken Leuten vertreten werden. Der Normalbürger belächelt dieses Sammelbecken oder hält es für gruselig, und denkt sich, es gäbe keine großen Verschwörungen. Der Dogmatiker betrachtet sich prinzipiell als Gewinner jeder Diskussion bzw. verbalen Auseinandersetzung. Er zieht sich nach einer (hitzigen) Diskussion in seine Echokammer und Filterblase von Gleichgesinnten zurück und lässt sich dort feiern als Held, als Ritter des Lichts im Kampf gegen das Böse. Der Dogmatiker sucht in seiner Echokammer wieder mal nur Bestätigung und das wohlige Gefühl der Kontrolle. Es gibt Neonazis, die sich zusammenreimten, ich sei ein Jude (und Agent der Weltverschwörung) mit tschechischen Wurzeln, weil ich die Neonazi-Dogmen ablehne und weil es mal einen tschechischen Politiker gab mit einem ähnlichen Nachnahmen wie meinem. Hätte man mal nachgefragt, oder kurz mal im Internet gesucht nach den mittelfränkischen Beneschs, wäre man auf meinen Vorfahren Theo Benesch gestoßen, Schriftführer beim Stürmer und Nazi-Gauleiter. Der ein oder andere Neonazi meinte darauf hin, ich sei halt trotz meiner deutschen Nazi-Vorfahren trotzdem ein Agent der jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung. So geisteskrank paranoid ist der Diskurs mit Neonazis. Die rechte Szene zerfleischt sich gegenseitig wegen zahllosen Dogmen, genauso wie die linke Szene oder die Szene der Verschwörungstheoretiker. Es gibt kaum einen Stuss, der nicht geglaubt wird. Manche trinken Kloreiniger und sind felsenfest überzeugt von der Gesundheitswirkung. Wenn man dieses Dogma in Frage stellt, bekommt man einen Wortschwall aus Pseudoargumenten und Pseudobeweisen entgegengeschleudert, mitsamt unterschwelligen Andeutungen oder offenen Anschuldigungen, man sei ein bezahlter Agent der Pharmaindustrie. Von den ganz Überzeugten Trinkern von Kloreiniger wird man als Mensch abgeschrieben, verworfen und boykottiert, wenn man das Kloreiniger-Dogma ablehnt. In dem überaus erfolgreichen Joe Rogan-Podcast stritten sich der Freund von Rogan und notorischer Verschwörungstheoretiker namens Eddie Bravo mit dem notorischen Verschwörungstheoretiker Alex Jones um das Dogma, die Erde sei in Wirklichkeit flach. Anfangs bekundeten die beiden noch, nicht zu emotional werden zu wollen, aber innerhalb kurzer Zeit kochten die Aggressionen hoch. Joe Rogan hatte jahrelang gezögert, Jones in seine Sendung einzuladen, weil die Qualität von Jones’ Arbeit und die psychische Gesundheit von Jones sich steil nach unten bewegt hatten. Als Rogan öffentlich anmerkte, dass er Jones’ Stuss ablehnte, wie etwa zum Thema Sandy Hook, bekam Jones einen epischen Wutanfall und startete eine regelrechte Hasskampagne gegen Rogan. Es hieß, Rogan sei irgendwie im Bunde mit der CIA und hätte etwas zu tun mit MKULTRA, Rogan hätte den Auftrag, das Publikum abzulenken von dem Wirken von Jones usw. Jones verstieg sich sogar zu psychopathischen Analogien und Fantasien, Rogan an den Beinen aufzuhängen und ihm den Hals durchzuschneiden. Wo ist die Schmerzgrenze für Dogmen? Wie absurd muss ein Dogma sein, dass sich niemand findet, der sich davon überzeugen lässt und der es in seine Identität miteinbaut? Wenn ich jetzt behaupten würde, dass der Kosmos deine Wünsche erfüllt, wenn du dir splitterfasernackt Pfauenfedern in den Hintern steckst und im Kreis herumhüpfst und laut “Krah, krah, krah” schreist? Gäbe es irgendwelche Techniken, mit denen es mir gelänge, jemanden von diesem Unsinn zu überzeugen? Es gab libertäre Supporter von Recentr, die vor Jahren in die Fänge der ultra-libertären Quasi-Sekte von Stefan Molyneux reingeraten waren. Sie hatten sich von Molyneux diverse irrationale und viel zu vereinfachte Dogmen einprogrammieren lassen: Man dürfe nie jemanden zu etwas zwingen. Auch nicht zur Einhaltung grundlegender freiheitlicher Rechtsnormen und Landesgrenzen, die die Rechtsnorm räumlich eingrenzen. Wegen diesem Dogma würde auch folglich das zusätzliche Dogma gelten, dass man sich überhaupt nicht (partei-)politisch engagieren dürfe. Darüberhinaus gelte das Dogma, dass jede Form von Staatlichkeit des Teufels sei und unweigerlich dem Bösen dienen würde. Diese Radikal-Libertären versuchen dann, andere Leute zu dem „rechten Glauben“ zu bekehren. Wer partout nicht beitreten will, gilt als der Feind, vor dem man sich fernhalten müsse. Der ein oder andere hat die Sekte wieder ernüchtert verlassen. Manche hängen immer noch drin. Es ist sinnlos, sich auf ausführlichere direkte Diskussionen mit den Sektierern einzulassen. Sie suchen prinzipiell nach Bestätigung und dem Gefühl von Kontrolle. Sie suchen nicht wirklich nach Fakten und Logik und nach einer wissenschaftlichen Betrachtung der Welt. Wir sehen also deutlich: Herrscher können die Bevölkerung kontrollieren mit zahllosen irrationalen Dogmen, die bestimmte psychologische Effekte haben und von den Menschen in ihre Identitäten eingebaut werden. Wie bekommt man diese Dogmen aber in die Menschen zuverlässig hineinprogrammiert? Ein Weg für Herrscher ist es, einfach Geld hineinzustecken in diverse dogmatische Szenen und Gruppen. Ein weiterer Weg ist, es den Dogmatikern und Spinnern zu erleichtern, ihren Stuss in die Welt hinauszublasen.

Das Youtube- und Facebook-Massenexperiment

Das Internet an sich ist bekanntermaßen das Werk des militärisch-industriellen Komplexes der USA. Es dient dazu, die Aktivitäten der Menschen zu überwachen, die Leute vom Bücherlesen abzuhalten und bietet den Herrschern inzwischen längst Möglichkeiten, psychometrisch die Persönlichkeitsstrukturen der Menschen digital und automatisiert zu vermessen. Früher brauchten narzisstische und dogmatische Rattenfänger und Hochstapler echtes Talent und Anstrengung, um Opfer zu finden und in diese irgendwelchen bescheuerten Dogmen hineinzuprogrammieren. Heute reicht ein Computer mit Webcam. Ein Rattenfänger kann sich im Internet umsehen, welche Dogmen und ganze dogmatische System es denn so gibt auf der Welt. Der Rattenfänger sucht sich das Passende heraus, kopiert die Dogmen und die manipulativen Techniken, um diese Dogmen zu stützen und legt los. Viele Jahre lang war insbesondere Youtube eine regelrechte Stuss-Fabrik, eine Turbolader für alle Arten von Rattenfänger. Jeder militante Veganer, Verschwörungstheoretiker, Kommunist und Nazi konnte wild drauflos-stussen und neue Opfer finden. Der Youtube-Algorithmus war darauf angelegt, Videos zu bewerben, die den Zuschauer stärker an den Bildschirm fesseln. Zuschauern wurden nach dem Zufallsprinzip und basierend auf bisherigem Seh-Verhalten diverse Videos vorgeschlagen und zwangsläufig ist dann irgendwann etwas dabei, das angeklickt wird und irgendwie dogmatisch ist. Es verhält sich ähnlich wie mit Pornografie; zunächst sind die Inhalte, die geschaut werden, eher gemäßigt, werden aber im Laufe der Zeit immer abgedrehter. Jemand interessiert sich für gesunde Ernährung und der Youtube-Algorithmus schlägt immer extremere Videos vor, bis derjenige im Laufe der Zeit zu einem militanten Veganer mutiert und seine Gesundheit gefährdet. Jemand interessiert sich für Fitness und landet bei extremen Bodybuilding und gefährlichen Varianten von anabolen Steroiden. Jemand fängt mit linken Videos an und glaubt irgendwann an den Stalinismus. Jemand interessiert sich für das Bankensystem oder die Ungereimtheiten in der offiziellen Darstellung zu 9/11 und landet irgendwann bei Neonazi-Ideen. Längst nicht bei allen funktionierte der Radikalisierungsprozess durch Youtube. Einige Leute ziehen früh die Notbremse. Meistens handelt es sich dabei um stabilere Personen aus stabileren familiären Verhältnissen. Manche ziehen erst dann, ähnlich wie beim Alkoholismus, die Notbremse, wenn sie durch den dogmatischen Stuss in ihrem Leben ernsthafte Probleme bekommen: Partner und Angehörige wenden sich ab, Probleme im Beruf oder in der Schule, zunehmende Vereinsamung, Probleme mit dem Gesetz, Depressionen und so weiter. Manche schaffen es (wie Alkoholiker) nie, deutlich und nachhaltig die Notbremse zu ziehen. Auf der Suche nach Bestätigung kassieren sie eine Abfuhr und Niederlage nach der anderen. Sie reagieren aber so, wie es in sie hineinprogrammiert wurde: Mit narzisstischem Verteidigen der Dogmen, mit verbaler Gewalt. Es ist wie ein Alkoholiker, der sich nach Entspannung und Euphorie sehnt und zu diesem Zweck immer mehr trinkt und den daraus entstehenden Stress und die Depressionen zu kurieren versucht mit noch mehr Alkohol. Es erinnert an die Ureinwohner Amerikas, die keine Erfahrungen hatten mit Alkohol und denen von den Kolonialmächten aus Europa Alkohol gegeben wurde; teils sogar kostenlos. Der Alkohol verwüstete und erodierte die Zivilisationen der Ureinwohner. Manche Wirkungen des Alkohols ähneln den Wirkungen von dogmatischem Stuss: Man fühlt sich euphorisch, selbstsicher, lebendig, mutig und besonders. Man hat das illusionäre Gefühl von Kontrolle. Manche Angetrunkenen lassen sich auf Schlägereien ein, haben sich regelrecht dazu anfeuern lassen von den berauschenden Wirkungen und fühlen sich mutiger, als sie es nüchtern gewesen wären, aber in Wirklichkeit macht sie der Alkohol zu schlechteren Kämpfern. Der Alkohol senkt die Konzentration, Reaktionsgeschwindigkeit und die Balance. Kein hauptberuflicher UFC-Kämpfer würde es für eine gute Idee halten, angetrunken ins Octagon zu steigen. Wenn jemand in der Winterkälte draußen friert und Alkohol trinkt, meint derjenige, sich wärmer zu fühlen. In Wirklichkeit kühlt er durch die Effekte des Alkohols mehr aus, weil er mehr Wärme an die Außenwelt abgibt. Das Trinken von Alkohol erzeugt quasi die Illusion, man würde die Gesetze der Thermodynamik aushebeln. Noch gefährlicher kann die Wirkung von Psychedelika sein. Halluzinogene Stoffe können in kleinen Dosen unter Überwachung durch medizinische Fachleute durchaus therapeutische Effekte haben. Wenn aber jemand an sich selbst herumexperimentiert mit Drogen, die aus dem Internet oder von einem Bekannten gekauft wurden, dann kann das übel schieflaufen. Gerade wenn es sich um schwurbelige esoterische oder anderweitige religiöse Dogmen handelt, oder um schwurbelige paranoid-schizophrene Dogmen aus den Verschwörungsmedien, kann es durchaus passieren, dass ein Rauschzustand die Dogmen noch fester in denjenigen Menschen reinprogrammiert. Wenn die Person dann auch noch als Nachwirkung der Drogenexperimente latent psychotische Zustände entwickelt, paranoide und schizoiden Gedanken und Gedankenmuster entwickelt, dann wirken paranoid-schizophrene Dogmen umso überzeugender. Es sind sich selbst verstärkende Kreisläufe, regelrechte Abwärtsspiralen. Was sahen wir bei dem Verschwörungsautoren David Icke? Eine katastrophal schlechte Kindheit, weitere Schicksalsschläge, Depressionen, das Suchen nach Sinn, das Entdecken von Esoterik und Verschwörungsliteratur, das Versinken im Sektensumpf der Verschwörungsdogmen und schlussendlich wurde er selbst zum Guru auf der Suche nach neuen Opfern, die man programmieren kann. Früher hatten Icke und Konsorten nur Bücher, Pamphlete, VHS-Videobänder und öffentliche Auftritte als Werkzeuge zur Verfügung, um neue Opfer zu finden und zu programmieren. Eine mühselige Angelegenheit. Ende der 1990er Jahre etablierte sich jedoch die Benutzung des Internets. Am elften September 2001 rasten Flugzeuge ins World Trade Center und lösten einen unbekannten Boom aus in den Verschwörungsmedien. 9/11-Dokus und anderes Material wurde zu den meistgesehenen Videos im Netz. Die Verbreitung des Films Loose Change war so gewaltig, dass sie sich gar nicht mehr messen lässt. Und der amerikanische militärisch-industrielle Komplex ließ die Verschwörungsmedien weitestgehend in Ruhe. Es gab sogar passive Unterstützung. Google Video und später Youtube übernahmen nicht nur das kostenlose Hosting von Videomaterial (was bei anderen Anbietern damals noch recht teuer war), sondern übernahmen quasi auch noch die Werbung und die Distribution und die Monetarisierung (!) der Videos. Bis zur Zensurwelle vor ein paar Monaten konnte man jahrelang ganz einfach Geld verdienen auf Youtube und eine Karriere aufbauen mit Verschwörungsmedien, egal wie abwegig der Stuss und die Dogmen waren. Youtube/Google verbreiteten auch die Videos von Alex Jones bis zum Abwinken im Netz. Das Establishment WOLLTE eine Verbreitung von Verschwörungsmedien und wir wissen nun auch warum: Weil die Jones-Medien qualitativ immer schlechter wurden und immer mehr irrationale Dogmen beinhalteten. Je mehr die Leute Jones-Videos glotzten, umso weniger Zeit hatten diese Leute, richtige Bücher zu lesen. Je mehr die Leute glotzten, umso mehr gewannen Youtube und das Establishment. Alex Jones war in seiner Schulzeit früher bekannt als aggressiver, gewalttätiger Wirrkopf. Später setzte er sich die Maske der Normalität auf und machte Karriere als Verschwörungs-Stusser. Bis 2008 war seine Arbeit noch passabel, dann ging es abwärts und in seinem Fokus stand immer weniger die Absicht, dem Publikum Fakten und Logik zu bieten, sondern es ging irgendwann nur noch darum, dem Publikum das Gefühl von Bestätigung zu verschaffen, das Bedienen von dogmatischem Stuss, damit die Leute im Publikum sich so fühlen konnten, als hätten sie Kontrolle über ihr Leben und über die Welt. Alex Jones war nur noch eine Art Drogendealer für die Droge namens “dogmatische Wohlfühl-Bestätigung”. Was die Fakten sind und die Logik, war nun egal. Hauptsache, das Publikum bekommt seine regelmäßige Dosis der Droge und konnte sich fühlen, als sei man Teil einer besonderen Bewegung, als sei der Sieg möglich über die Kräfte des Bösen. Zu diesem Zweck wurden sogar der russische Diktator Putin und der zynische Geschäftsmann Donald Trump als Helden und Retter präsentiert. Es gab immer mehr Leute, die süchtig wurden nach der Droge, die Alex Jones anzubieten hatte. Und je mehr Abhängige die Drogen konsumierten, umso größer war das Gemeinschaftsgefühl, die Illusion von (kollektiver) Kontrolle und umso größer die süchtig machende Wirkung der Droge. Und wie auch bei herkömmlichen Drogen gab es so manchen Abhängigen, der selbst zum Dealer aufsteigen wollte. Und wie bei herkömmlichen Drogen gilt auch hier die Binsenweisheit “Don’t get high on your own supply”. Wenn man die Drogen, die man verkauft, sich selbst reindröhnt, seinen eigenen dogamtischen Verschwörungs-Bullshit glaubt, um sich an den Machtgefühlen zu berauschen, dann beginnt eben die Spirale in den Abgrund. Wie man deutlich an Alex Jones erkennen kann. Er erinnert inzwischen an den Kokain-Boss Tony Montana aus dem berühmten Gangster-Film Scarface. Alex Jones und andere fürchteten immerzu, dass die Regierung früher oder später Verschwörungsmedien verbietet. Aber es kommt und kommt kein Verbot. Manchmal bremst ein Gericht oder eine Firma wie Youtube die Verschwörungsmedien zu einem gewissen Grad aus, wenn sie es zu bunt treiben, aber es kommt kein pauschales Verbot von der Regierung. Weil die Verschwörungsmedien eben eine Fabrik sind für Stuss und das Einprogrammieren von irrationalen Inhalten in Menschen. Das Sammelbecken der Verschwörungstheoretiker glotzt Alex Jones wie eine Droge. Auch das Weiterverbreiten von Jones-Inhalten und das Posten auf Social Media haben diese berauschende Wirkung. Zudem konnte man das Zuschauer-Verhalten der Youtube-Glotzer aufzeichnen und analysieren und abgleichen mit anderen Daten aus anderen Datenbanken. Welcher Bürger glotzt welche Inhalte? Wie irrational sind diese Inhalte? Welche Persönlichkeitsstruktur hat dieser Bürger? Glotzt er zunehmend irrationalere Inhalte? Teil er bestimmte Inhalte auf Facebook mit anderen Menschen? Verändert sich gar die Persönlichkeitsstruktur des Bürgers durch das Glotzen? Ist ein Suchtverhalten erkennbar? Bewegt sich die Person in eine Echokammer bzw. Filterblase hinein? Nimmt die Person irrationale Dogmen an? Youtube und Facebook waren wahrscheinlich eine absolute Goldmine an Informationen für das Establishment. Es kommt einem vor, als wären die Sozialen Medien im Prinzip wie ein gigantisches MKULTRA-Massenexperiment. Alleine die Bereitstellung des Internets und speziell Youtubes führte zu einer explosionsartigen Vermehrung von gefährlichem Stuss. Gurus und Rattenfänger, die vor dem Internet schon aktiv waren, konnten ihre Aktivitäten dramatisch ausweiten. Neue Rattenfänger konnten einsteigen in das Geschäft des Rattenfängertums. Ganze neue Generationen an Dogmatikern wurden aktiv und fanden neue Leute, die man programmieren konnte.

Sozialpsychologen stellten fest, dass es nichts gibt, um das sich herum keine verfeindeten Gruppen bilden werden. Und wenn sie sich erst einmal gebildet haben, zeigen die Menschen in diesen Gruppen sofort Stammesgünstlingshaltung, Stammessignale, Stammesvorurteile und so weiter. Menschen bilden nicht nur instinktiv Gruppen, sondern stellen sie über alles – egal wie willkürlich oder minimal oder bedeutungslos die Gruppen sind. Welche politischen Meinungsverschiedenheiten zwei Gruppen auch immer haben mögen, welche Stammesstreitigkeiten sie auch immer haben mögen, es geht bei diesen Kämpfen nicht unbedingt wirklich um das fragliche Thema. Stattdessen sind die gegensätzlichen Positionen oft nur Rechtfertigungen für die „Wir-gegen-die-Emotionen“, die sich naturgemäß aus der Gruppenbildung ergeben. Wir müssen das Gefühl haben, dass wir Teil von etwas sind, aber wir müssen auch das Gefühl haben, dass nicht jeder Teil davon sein kann, damit wir uns selbst wichtig fühlen. Wir müssen das Gefühl haben, dass wir zu einer Gruppe gehören und dass es Außenseiter gibt. Es gibt Leute, die nicht aufgenommen werden. Es gibt also etwas, das das Mitglied zu etwas Besonderem macht, und die Grundidee hinter der sozialen Identität ist auf Selbstwertgefühl aufgebaut. Wir müssen also Teil von Gruppen sein, um unser eigenes Selbstwertgefühl zu stärken, um uns als Individuen gut zu fühlen. Wir müssen das Gefühl haben, dass wir von der Gruppe akzeptiert werden, und diese Gruppe braucht Status. Und solange diese Gruppe einen Status hat, fühlen wir uns wohl in unserer Haut. Wenn der Status dieser Gruppe bedroht ist, fangen wir an, uns schlecht zu fühlen, und dann müssen wir Dinge tun, um den Status einer Gruppe zu verbessern. Deshalb gibt es einen Konflikt zwischen den konkurrierenden Gruppen; wir fangen an, viel härter zu kämpfen, denn der Konflikt zwischen Gruppen ist in Wirklichkeit ein Kampf um das eigene Selbstwertgefühl und das eigene Wertgefühl. Wissenschaftliche Fragen werden meist nicht auf wissenschaftlichem Niveau erörtert, sondern die Gespräche verkommen zu einer billigen Stammessignalisierung. Die Macht der modernen sozialen Medien hat es den Menschen ermöglicht, ihre Stammesloyalität in einem Ausmaß zu signalisieren, wie es nie zuvor möglich war. Es ist eine gruselige Vorstellung, dass Fakten bei Menschen einfach nicht gut ankommen. Bestimmte Ansichten und Haltungen sind wie eine Art Mitgliedsausweis und eine Art Loyalitätsbeweis für eine Gruppe. Wenn man innerhalb seiner Peer-Group ausschert, anders denkt, wird dies als Fehlverhalten gewertet und die anderen Mitglieder fragen sich, ob man diesem Abtrünnigen überhaupt noch vertrauen kann.

Nach der Durchführung vieler Studien wie dieser kamen Forscher wie Kahan und sein Team zu dem Schluss, dass die Menschen fast immer das, was ihre Gruppe glaubt, über das stellen werden, was das Übergewicht der Beweise nahelegt. Kahan sagt, die Beweise seien eindeutig, dass die Menschen es viel mehr schätzen, ein anerkanntes Mitglied ihres Stammes zu sein, als dass sie es schätzen, richtig zu liegen. Wir werden uns eher dafür entscheiden, falsch zu liegen, wenn wir dadurch bei unseren Altersgenossen einen guten Ruf behalten. Die sozialen Medien haben die Kosten für das Demonstrieren von Stammesverhalten gesenkt.

Eine Forschungsstudie hat gezeigt, dass Menschen, die eine hohe wissenschaftliche Neugier haben, bei den gängigen Themen nicht so polarisiert sind, weniger Gruppendenken praktizieren und seltener mit der Gruppe übereinstimmen.

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