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Genetisch veränderte Turbo-Pocken als biologische Waffe

SicherheitGenetisch veränderte Turbo-Pocken als biologische Waffe

Es ist ein gängiger Irrtum, dass biologische Waffen prinzipiell sehr tödlich sind und wie in Hollywood-Filmen zu apokalyptischen Ausbrüchen führen. Genauso werden harmlosere Erreger beschafft und modifiziert, die einen Gegner verlangsamen und beschäftigt halten. Lässt sich die künstliche Herkunft auch noch verschleiern, ist das ein gewaltiger Bonus.

Bei Pockenerregern ergibt sich ein sehr breites Spektrum; von gentechnisch veränderten Super-Pocken, bis hinunter zu den momentan auftretenden Affenpocken (die eigentlich so gut wie nichts mit Affen zu tun haben). Wie bei jedem Ausbruch ermitteln Sicherheitsbehörden ergebnisoffen in alle Richtungen: Eine Terrorgruppe könnte dahinterstecken, oder letztendlich sogar ein staatlicher Akteur. Es könnte bald eine neue Varianten auftreten oder ein ganz anderer, weiterer Erreger. Angesichts der leichten Beschaffbarkeit der regulären Pocken, die bereits sehr gefährlich sind, mutet es seltsam an, dass seit Jahrzehnten nicht mehr dagegen geimpft wird und die Bevölkerung dementsprechend stark gefährdet ist.

Pocken betreffen Menschen jeden Alters, weisen jedoch die höchste Sterblichkeitsrate bei jungen und älteren Menschen auf. Die Sterblichkeitsrate natürlich auftretender Fälle bei unbehandelten Personen liegt zwischen 20% und 50%. Auch wenn man diese Quote durch medizinische Maßnahmen stark nach unten drücken kann, so sind die Gesundheitssysteme nicht darauf ausgelegt, hunderttausende oder Millionen Fälle gleichzeitig zu behandeln. Jeder einzelne Fall steigert die Problematik; immer mehr Materialien werden verbraucht, der ganze Müll ist hochansteckend, jede Leiche ist hochansteckend, jeder verwendete Raum ist kontaminiert und je dichter das Gedränge, umso eher steckt sich das medizinische Personal an trotz Schutzvorkehrungen.

Der Tod resultiert normalerweise aus Virämie, Toxämie, disseminierter intravasaler Gerinnung, Hypotonie oder kardiovaskulärem Kollaps. Pocken werden schon lange als Waffe eingesetzt. Bereits im 14. Jahrhundert katapultierten tatarische Streitkräfte die Leichen von Pockenopfern in belagerte Städte, um eingeschlossene Verteidiger zu schwächen. Pocken wurden auch während der Franzosen- und Indianerkriege (1754–1767) vom Kommandanten von Fort Pitt als biologische Waffe eingesetzt. Soldaten verteilten Decken, die von Pockenpatienten benutzt worden waren, um Ausbrüche unter amerikanischen Indianern auszulösen. Es kam zu einer Epidemie, die mehr als 50% der infizierten Stämme tötete.

In den späten 1930er Jahren versuchte die Sowjetunion erstmals, das Pockenvirus zu kultivieren, indem es auf der Chorioallantoismembran sich entwickelnder Hühnerembryos gezüchtet wurde. Die Sowjetunion verwendete über drei Jahrzehnte fast ausschließlich die Hühnerembryo-Technik. Ende der 1980er Jahre waren die meisten Probleme bei der Produktion gelöst, und es wurde eine neue reaktorbasierte biologische Pockenwaffe in flüssiger Form entwickelt.

Obwohl Feldversuche mit der Pockenwaffe eingestellt wurden, wurden andere Formen von Tests fortgesetzt. Neuartige Trägersysteme machen es möglich, über Raketen ganze Städte einzunebeln mit der Krankheit. Da biologische Pockenwaffen niemals in großem Umfang eingesetzt wurden, sind auch keine Daten über die tatsächliche Gefahr und die erwarteten Verluste verfügbar. Man muss sich also bislang auf Schätzungen, Plan-Übungen und Computermodelle verlassen.

Pocken sind als Biowaffe beliebt, weil der Erreger bestimmte Eigenschaften aufweist und sich nicht zwangsläufig global zu einem unkontrollierten, dauerhaften Problem entwickeln muss, das auf den ursprünglichen Angreifer zurückfällt. Mit entsprechenden Vorbereitungen (etwa durch Impfkampagnen) kann sich der Angreifer vorab bereits schützen.

Die infektiöse Dosis der Pocken ist sehr gering. Die Stabilität des Erregers in einem Aerosol ist gegeben, wodurch er viele Kilometer schweben oder irgendwo kleben kann, ohne seine Ansteckungsfähigkeit zu verlieren. Die Länge der Inkubationszeit ist relativ kurz und moderne, künstlich erzeugte Varianten könnten dies noch weiter verkürzen. Wenn die ersten Menschen Symptome zeigen, ist der massive Schaden bereits nicht mehr verhinderbar.

Eine Erkrankung ist schwerwiegend, langwierig und die Behandlung sehr kompliziert. All diese Eigenschaften veranlassten sowjetische Experten zu der Annahme, dass es keine mit Pocken vergleichbare biologische Waffe gab. Die große Anzahl von Patienten würde es unmöglich machen, sie alle erfolgreich zu behandeln; vorhandenes medizinisches und unterstützendes Personal, Medikamente und medizinische Ausrüstung würden nicht ausreichen.

Sekundäre Tröpfcheninfektionen würden sich ergeben durch Husten oder Niesen. Der Erreger kann überall kleben. Jede Leiche und jedes bisschen Müll (verbrauchte Schutzausrüstung) wäre hochansteckend.

Wenn der Pocken-Stamm genetisch verändert wird, um seine Virulenz zu erhöhen, könnten die möglichen Folgen noch dramatischer sein. Leider haben wissenschaftliche Fortschritte in den letzten zwei Jahrzehnten die Entwicklung genetisch veränderter Stämme von Orthopoxviren ermöglicht. Eine Verkürzung der Inkubationszeit der Krankheit kann erreicht werden durch die Verbesserung der Anheftung des Virus an eine Wirtszelle und Beschleunigung der Virusvermehrung in Wirtszellen. Es bräuchte weniger Infektionsdosis, um sich anzustecken. Die Tödlichkeit wäre höher.

Man kann auch verschiedene Erreger miteinander kombinieren: 1993 veröffentlichte eine Gruppe russischer Autoren einen Artikel über die Schaffung eines rekombinanten Vacciniavirus mit einer eingefügten DNA-Kopie der 26S-RNA des Virus der venezolanischen Pferdeenzephalomyelitis (VEE).

Weitere Beispiele waren die Projekte, die durchgeführt wurden, um ein rekombinantes Vacciniavirus mit einer eingefügten DNA-Kopie der RNA des Ebola-Virus-VP24-Gens zu schaffen, und die Schaffung eines rekombinanten Vacciniavirus, das das Protein des Virus der Japanischen Enzephalitis exprimiert.

Ab einem gewissen Punkt ist Verteidigung nur noch mit Nanotech möglich.

https://www.ijidonline.com/article/S1201-9712(04)00130-4/fulltext

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