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Ohne den Spion Martin Bormann gäbe es keinen sowjetischen Sieg über die Nazis

GeheimdiensteOhne den Spion Martin Bormann gäbe es keinen sowjetischen Sieg über die Nazis

Bild: Free Wind 2014/Shutterstock.com

Russland feiert sich in seiner aktuellen Iteration wie jedes Jahr als Sieger über die Nationalsozialisten. Unter den Tisch fällt, dass Stalin baden gegangen wäre ohne die massiven Rüstungslieferungen aus dem amerikanischen Lend-Lease-Programm, das nun aufgewärmt wird, um der Ukraine zu helfen. Aber noch ein Faktor war entscheidend: Der Spion Martin Bormann, der im Jahr 2000 von dem zweifachen Pulitzer-Preis-Träger Louis Kilzer in dem Buch „Hitler’s Traitor“ enttarnt werden konnte. Den allermeisten im Dritten Reich war Bormann unbekannt; aber wer eine Audienz beim Führer wollte, der musste zunächst von Bormann durchgelassen werden. Alle Informationen des Russlandfeldzugs, bis hin zu de Detail-Erörterungen der deutschen Generäle, gelangte zeitnah in die Hände der Sowjetführung. Umgekehrt waren die Nazis bereits vor Beginn des Feldzugs nachrichtendienstlich blind gewesen; wussten weder von den Millionen Reservisten, noch von den 35.000 gepanzerten Fahrzeugen.

Beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 war Bormann gerade einmal 14 Jahre alt, rannte von zuhause weg und wollte sich zum Dienst im deutschen Militär verpflichten, wo er jedoch abgelehnt wurde. 1918 konnte er dem 55. Feldartillerie-Regiment beitreten, nahm aber in den letzten Kriegsmonaten nicht an Kämpfen teil. Er verdiente sich fortan seinen Lebensunterhalt als Bauerngehilfe auf dem Gut seines ehemaligen Offiziers Oberstleutnant Hermann von Treuenfels in Mecklenburg, wo er schnell zum Verwalter des Gutsbesitzes aufstieg. Das mecklenburgische Fürstenhaus spielt eine wesentliche Rolle im Orbit der Welfen und bei den Verbindungen zum britischen Thron, zum russischen Zarenhof und zum dänischen Königshaus. Der Hochadel, insbesondere Welfen, Wettiner und Reginare, hatte seine eigenen Geheimdienst-Strukturen und im Zentrum stand das britische Kolonialreich.

Aus der Teilung von Mecklenburg ging u.a. Mecklenburg-Strelitz hervor. Adolf Friedrich IV. Herzog zu Mecklenburg-Strelitz (1738-1794) war Sohn der Prinzessin von Sachsen-Hildburghausen. 1761 verheiratete er seine jüngere Schwester Sophie Charlotte mit Georg III., König von Großbritannien. 1764 erhielt er als erster mecklenburgischer Fürst den Hosenbandorden, die exklusivste britische Auszeichnung. Herzog Adolf Friedrich V. von Mecklenburg-Strelitz war das Kind von Prinzessin Augusta Karoline von Großbritannien, Irland und Hannover (1822–1916). Er studierte Rechtswissenschaften an der Welfen-Universität Göttingen (geschaffen von König George II. von Großbritannien) und nahm 1870/71 am Deutsch-Französischen Krieg teil.

Das mecklenburgisch-preußische Adelsgeschlecht Treuenfels, bei dem Martin Bormann seine erste Karriere machte, geht zurück bis in das Jahr 1689. Bormann war neben seiner Tätigkeit als Gutsverwalter auch im Traditionsverband des ehemaligen Freikorps Roßbach ehrenamtlich als Abschnittsleiter tätig. Einige Männer aus diesem Freikorps machten später auch große Karriere im Nationalsozialismus; als Führungsleute von SS und SA. Dabei war auch Rudolf Höß, späterer SS-Obersturmbannführer und Kommandant des Vernichtungslagers Auschwitz. Die Männer im Freikorps teilten zwar einige ideologische Überzeugungen, es gab aber auch ein Hauen und Stechen.

Der Teamplayer

In der verschworenen, völkisch-nationalen Szene Deutschlands wurden Anfang der 1920er Jahre einige sogenannte Feme-Morde an „Verrätern“ begangen, einer davon durch Mitglieder des Freikorps Roßbach. Als Verräter konnte sowohl jemand aus der rechten Szene gelten, als auch jemand vom politischen Gegner. Der Volksschullehrer und Mitglied der rechtsradikalen Deutschvölkischen Freiheitspartei (DVFP) Walter Kadow musste am 31. Mai 1923 sterben. Zwei Jahre zuvor war er der „Arbeitsgemeinschaft Roßbach“ beigetreten, also der paramilitärischen Organisation, die aus dem Freikorps hervorgegangen war. Martin Bormann schloss Kadow bald aus wegen dessen Verhalten und mangelnder Gesinnung. Unter anderem schien sich Kadow 30.000 Reichsmark erschlichen zu haben. Als Rache wurde Kadow in den Wald verschleppt, unter anderem vom späteren Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß, verprügelt, ermordet und vergraben. Sieben an der Aktion beteiligte Männer wurden später verhaftet, sechs davon wegen Mordes angeklagt. Zu ihrer Verteidigung argumentierten sie, dass man Kadow für einen kommunistischen Spion hielt und die Konfrontation unter Alkoholeinfluss ungeplant eskaliert sei. Höß wurde zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt von denen er nur rund vier absitzen musste, während Bormann zu einem Jahr verurteilt wurde, weil er Spuren der Tat beseitigen wollte. Bormann galt wegen seiner Beteiligung und dem Absitzen der Strafe als loyaler Kamerad und erhielt dafür 1938 den Blutorden der NSDAP.

Bei der Deutschvölkischen Freiheitspartei (DVFP), der das Opfer Kadow angehört hatte, war auch Hermann von Treuenfels Mitglied, der adelige Arbeitgeber von Bormann. Das Parteiprogramm war stark beeinflusst durch die antisemitische Desinformation der damaligen Zeit, die besonders von britischen und amerikanischen Geheimdiensten verbreitet wurde. Zu den führenden Politikern der DVFP gehörte Ernst Graf zu Reventlow, der zum Uradel zählte. Aus dem Familienzweig Ziesendorf (in Mecklenburg) entsprang Detlef Reventlow, der 1632 zum dänischen Kanzler von Christian IV. von Dänemark (ein Welfe) ernannt wurde. Detlef war Stammvater von zwei neuen Familienzweigen, die beide zu großem Einfluss gelangten. Der ältere Zweig erlangte 1767 die dänische Lehnsgrafenwürde und heiratete in das dänische Königshaus und das Adelsgeschlecht Schleswig Holstein-Sonderburg ein. Die dänischen Monarchen sind eng verwandt mit den britischen. Zur Reichstagswahl im Mai 1924 trat die DVFP in einer Listenvereinigung mit Ersatzorganisationen der vorübergehend verbotenen NSDAP an, die 6,6 % der Stimmen erzielte. 1912 war Ernst Graf zu Reventlow auch im Vorstand sowie im Förderungsausschuss des von ihm selbst mitgegründeten „Verbandes gegen die Überhebung des Judentums“. Später wechselte er zur NSDAP und war dort relativ erfolgreich mit diversen propagandistischen Aufgaben hinsichtlich der „Judenfrage“. Dem „Verband gegen die Überhebung des Judentums“ gehörten auch Martin Bormann und Alfred Rosenberg an. Ein weiterer Gründer des Verbandes hatte 1919 die erste Ausgabe der „Protokolle der Weisen von Zion“ außerhalb Russlands herausgegeben und gilt als einer der wichtigsten Propagandisten der Theorie einer jüdisch-freimaurerischen Weltverschwörung der 1920er Jahre. Reventlow selbst kam nach dem Krieg glimpflich davon. Sein einziger Sohn starb jedoch am Ende des Kriegs. Hermann von Treuenfels flüchtete mit seiner Frau und dem verbliebenen Sohn verständlicherweise in die spätere britische Besatzungszone. Bormann wurde 1928 Mitglied der NSDAP und machte eine verblüffend schnelle Karriere bis hin in die oberste Führungsetage.

Barbarossa

Heinz Guderian und seine Kollegen erstellten einen fachmännischen Plan zum Angriff gegen die Sowjetunion, bei dem zunächst die Schaltzentrale und das Industriezentrum Moskau bei warmem Wetter erstürmt werden sollte. Hitler lehnte dies ab und präsentiert einen lächerlichen Alternativplan, um Zeit zu gewinnen, kürzte die Herstellung von Munition und löste Divisionen an der Ostfront auf, weil der Sieg angeblich sehr schnell kommen würde. Was sagte aber die nachrichtendienstliche Aufklärung über Russlands Ausrüstungsstärke? Nicht viel, denn man wusste nur sehr wenig darüber. Auf Hitlers Wunsch hin war weder eine strategische Bomberflotte aufgebaut worden, noch hatte man Marinestützpunkte in Norwegen, die in der Lage gewesen wären, Nachschub für die Russen aus den USA aufzuhalten. Und natürlich war die U-Boot-Flotte viel zu klein, um den Atlantik zu blockieren. Die USA, mit ihren schier endlosen Bodenschätzen und Industriekapazitäten, weichten ihr Neutralitätsgesetz von 1939 auf, sodass „überschüssiges“ Kriegsgerät an Deutschlands Gegner exportiert werden durfte. Ohne eine richtige Koordination und ohne strategische Vorteile erfolgte dann eine deutsche Kriegserklärung an die USA. Oberbefehlshaber Erich Raeder schlug vor, bei Suez zuzuschlagen, um Öl zu sichern für Deutschland und Japan, um Britannien abzuschneiden und die Türkei zu beruhigen. Der amerikanische Generalstabschef Marshall befürchtete genau diese nächsten Schritte, weil dies militärischer Logik entsprochen hätte. Aber auf die Sabotage Hitlers war erneut Verlass und die USA konnten weiter die Briten in Nordafrika versorgen. Der Pakt von 1939 zwischen Deutschland und der Sowjetunion war ein Schock gewesen für Japan und es wurde versäumt, einen gemeinsamen deutsch-japanischen Angriff gegen Stalin zu planen. Stattdessen rackerten sich die Japaner gegen die USA ab und Russland konnte alle möglichen Kräfte aus dem Osten nach Westen beordern. Entgegen den Behauptungen schlechter rechtsrevisionistischer Literatur gab es keine dringende Notwendigkeit, die Sowjetunion möglichst früh anzugreifen, um Stalin „zuvorzukommen“. Hitler wollte bereits im Herbst 1940 den Angriff wagen, ohne auch nur annähernd genügende Bereitschaft dazu zu haben, weshalb Keitel und Jodl deutlich auf die Bremse drückten. Den Fachmännern war klar, dass man sich auf einen Zweifrontenkrieg einlassen würde, bei dem nur dann Aussichten auf Erfolg bestünden, falls es gelänge, Russland innerhalb von Monaten niederzuringen. Dazu hätten aber unbedingt die fachmännischen Pläne umgesetzt werden müssen und nicht das Hitler’sche Himmelfahrtskommando. Hitler und nur Hitler traf die fatalen Entscheidungen, unter Bruch aller Verträge und allem internationalen Recht und mit der Vorab-Ankündigung, sich an keine moralischen Mindeststandards zu halten. Stalin war durch seine Spione natürlich gleich mehrfach vorgewarnt, unternahm aber zunächst keine klassischen Defensivhandlungen, obwohl dies die Deutschen abgeschreckt und den Tod vieler russischer Soldaten verhindert hätte. Die gewöhnliche Geschichtsschreibung versucht es mit der unlogischen Erklärung, dass defensive Vorbereitungen die Deutschen noch früher zum Angriff ermuntert hätten und Stalin einfach mehr Zeit gewinnen wollte. In der Nachbetrachtung erscheint Stalins Vorgehensweise insgesamt wie eine Wiederholung der Strategie, die gegen Napoleon im Jahr 1812 so erfolgreich war: Das Anlocken des Gegners in die Tiefen des russischen Raumes, das Zerfleddern der gegnerischen Kräfte und Angriffe gegen die ewig langen feindlichen Versorgungslinien. Die deutschen Generäle waren sich über diese Risiken im Klaren und wollten deshalb möglichst schnell Moskau einnehmen, mit Überraschungen arbeiten und Methoden des Blitzkriegs nutzen. Hitlers Plan beinhaltete ausschließlich tödliche Fehler, die Stalin in die Hände spielen würden, wobei Hitler diese ganzen Einzelheiten zwangsläufig von jemand anderem eingeflüstert wurden, da er selbst nicht die Ausbildung und Erfahrung besaß, einen detaillierten Plan zu erstellen, der genau das Falsche war für die Wehrmacht: Kein schnelles Einnehmen von Moskau, Angriffe gegen die Peripherie, maximales Zerfleddern der eigenen Streitkräfte, statische Kriegsführung statt Blitzkrieg-Techniken. Rechtsrevisionisten wie David Irving lenkten später die Schuld auf Jodl, genauso wie Hitler immerzu seinen Generälen die Schuld in die Schuhe schob. Dabei brach der Führer mit den elementarsten Grundsätzen der Kriegsführung, die schon Clausewitz aufgestellt hatte über die Bedeutung von Rückzugsräumen und beweglicher Verteidigung. Halder notierte sogar schriftlich, dass für Hitler Moskau nicht wichtig sei. Russland konnte kurzfristig bis zu 10 Millionen Soldaten aufbieten, während die Deutschen für das Unterfangen nur drei Millionen Mann aufboten. Die Sowjets hatten zudem äußerst effektive Panzer, wie den T-28, T-34 und T-35, basierend auf Technologie aus Amerika und gefertigt in Produktionsanlagen, die von amerikanischen Firmen errichtet worden waren. In kürzester Zeit konnten die Sowjets zivile Fabriken für Automobile und Traktoren auf die Herstellung von Panzern umstellen. Der Historiker Antony Sutton listete in seinem Werk „National Suicide“ im Detail auf, wie die Sowjets in den 1920er und 1930er Jahren Prototypen aus verschiedenen Ländern kauften und diese Entwürfe weiterentwickelten. Der T-27 war ein knapp zwei Tonnen leichtes Fahrzeug mit einem Vierzylinder-Motor von Fords Automobil „Model T“. Der T-26 war ein Abklatsch vom britischen Vickers-Armstrong, der T-35 ähnelte stark dem „A-1 Vickers Independent“ und der berüchtigte T-34 basierte auf dem amerikanischen Christie-Fahrwerk, hatte schwedische Kugellager und wurde angetrieben durch einen von BMW entwickelten Dieselmotor mit 500 PS. Die Schweißarbeiten waren schlampig, aber der T-34 war schnell genug und hatte vor allem genügend Feuerkraft. Millionen Tonnen an Panzerplatten dafür waren in den 1930ern noch von den USA geliefert worden, die sich offiziell der Neutralität verschrieben hatten. Hätte die deutsche Auslandsspionage damals funktioniert, wäre man sich bewusstgeworden, dass die USA über Großbritannien bis hin nach Russland eine Art Weltregierung mit gemeinsamen militärischen Kapazitäten bildeten. Es wäre sinnvoll gewesen, den T-34 in Deutschland nachzubauen und bei anderen Entwicklungen Priorität auf Bewaffnung zu setzen, nicht auf Geschwindigkeit und Dicke der Panzerung. Hitler natürlich sorgte für Verwirrung und Unfug in der Panzerentwicklung, ohne dass er natürlich den Hauch einer Ahnung vom Ingenieurswesen oder jemals selbst mit Panzern zu tun gehabt hatte. Die berüchtigten deutschen Tiger-Panzer wurden zum Mythos stilisiert, waren aber störanfällig wegen den chaotischen Bedingungen bei der Entwicklung und Produktion und blieben häufiger wegen technischer Probleme liegen als wegen Feindbeschuss. Der amerikanische Sherman-Panzer war zwar eine simplere Konstruktion, dafür aber zuverlässiger und er wurde auch in deutlich höheren Stückzahlen produziert.

Der verkorkste Feldzug

 Die kampferprobten deutschen Truppen konnten zwar im Russlandfeldzug Anfangserfolge erzielen, allerdings darf man dabei nicht vergessen, dass Stalin vorbeugende Verteidigungsmaßnahmen verhindert hatte und die Deutschen bewusst in die Tiefen des russischen Raumes lockte. Hitlers Drosselung der Munitionsherstellung, die verlangsamte Rüstungsproduktion und das Fehlen von geeigneter Winterausrüstung wirkten sich erst etwas später aus.

Die Offiziere beklagten einen Mangel an schweren Waffen, worauf ihnen erklärt wurde, dass Hitler Panzer zurückhalte für Operationen im Mittelmeerraum und Nahost, also genau die Gebiete, an denen er immer wieder sein Desinteresse demonstriert hatte. Die Sowjets erhielten durch Hitlers Entscheidungen äußerst wichtige Atempausen und keine Ausrede der Welt kann diesen Verrat schönreden; sogar Halder und von Brauchitsch wollten deswegen zurücktreten. Als die Panzer Leningrad erreichten, mussten sie auf Befehl eine Blockade errichten und die Zivilbevölkerung aushungern, anstatt einen gewöhnlichen Angriff durchzuführen und Hitler zog dann auch noch Panzer ab für einen verspäteten, schlecht geplanten Angriff auf Moskau mit geschwächten Kräften und schlechtem Wetter. Durch die Atempause konnte Stalin natürlich frische Truppen und Gerät herankarren, und sibirische Divisionen nach Süden schicken, weil ja von den Japanern kein Angriff zu erwarten war. Aus Schlamm wurde Frost mit Temperaturen von 30 Grad minus, die zu massenhaft Erfrierungen und Ausrüstungsproblemen führten. In der einzigen existierenden Tonbandaufnahme, in der Hitler mit seiner ganz normalen Stimme spricht, unterhält er sich 1942 mit Carl Mannerheim über die Unmöglichkeit, im Winter Krieg zu führen und wie verrückt hoch die sowjetische Panzerproduktion sei.

Die Aufnahme war heimlich von einem Toningenieur angefertigt und versteckt worden: Der Führer gibt sich schockiert, wie stark die Sowjetunion bewaffnet war und dass man keinen blassen Schimmer hatte, wie zehntausende Arbeiter in gigantischen Fabriken dort rund um die Uhr Panzer bauten. Wenn er das gewusst hätte, so Hitler, dann hätte er dennoch die Sowjetunion überfallen, weil dieser Schritt alternativlos gewesen sei. Wie üblich gibt es kein Fehlereingeständnis über seine Entscheidungen, die er im Alleingang getroffen hatte trotz der Schwäche der deutschen Auslandsgeheimdienste und entgegen der Einschätzung aller seiner Generäle. Operation Barbarossa war alles andere als alternativlos, aber Hitler spricht von unmöglichen russischen Forderungen, die an Erpressung grenzten und von der Gefahr, dass Stalin einen Blitzangriff durchführen könnte auf die Ölfelder in Rumänien, die für Deutschland lebenswichtig waren. Zu dem Zeitpunkt hätte Deutschland aber längst Großbritannien erobern, sowie Nordafrika und den Mittleren Osten sichern können, ohne die Sowjetunion anzugreifen. Man merkt in der Tonaufnahme, wie effektiv und überzeugend Hitler Sachverhalte manipulativ darstellen konnte. Er spricht auch noch davon, dass die deutsche Ausrüstung für schönes Wetter entwickelt worden sei und nicht für den bitteren Winter. Warum er 1942 diesen Zustand beklagte und nicht schon Jahre vorher entsprechende Maßnahmen ergriffen hatte, sowohl was Winterjacken als auch winterfeste Panzer anbetrifft, beantwortete er nicht. Die sowjetische Gegenoffensive zwang schließlich die Deutschen zum Rückzug, aber der Führer gab einen seiner berüchtigten Haltebefehle, wodurch seine Truppen keine Rückzugsräume nutzen und die schon von Clausewitz gepredigte bewegliche Verteidigung praktizieren durften. Und erneut kamen die unsinnigen Einzelbefehle und die schlecht koordinierten Einzelschlachten, weshalb von Brauchitsch aus Protest zurücktrat (offiziell wegen seiner Gesundheit). Nach der desaströsen Winteroffensive waren eine Million deutsche Soldaten verloren, ein Drittel des Ostheeres. Weitere führende Offiziere traten zurück oder wurden vom Führer ersetzt, wie beispielsweise von Rundstedt, von Bock, von Leeb, oder Guderian.

Sobald die Wehrmacht auf dem Weg tief nach Russland hinein über ein Gebiet hinweggefegt war, kamen die Sonder-Einsatzgruppen der SS und richteten absurde, völlig unnötige Massaker an der Zivilbevölkerung an, was jede Möglichkeit zerstörte, eroberte Bevölkerungen in das Deutsche Reich zu integrieren und deren Loyalität zu gewinnen. Hitler erklärte dem japanischen Botschafter im kleinen Gesprächskreis die Selbstverständlichkeit, dass die Russen bewegliche Verteidigung und Rückzugsräume nutzten; also genau das, was er seinen eigenen deutschen Truppen verboten hatte. Es wäre unendlich einfacher gewesen, die rumänischen Ölfelder zu verteidigen und neue Ölfelder zu erobern, als im fernen Russland zu versuchen, eine Frontlinie von 3000 Kilometern Länge zu halten. Die Russen hatten kurze Nachschubwege und erhielten zudem noch substanzielle Lieferungen von den Amerikanern, wogegen die Deutschen mit massiven Logistikproblemen zu kämpfen hatten. Mitte Oktober 1942 kam nur knapp ein Viertel bis die Hälfte der benötigten Züge mit Nachschub aus Deutschland nach Stalingrad an. Ende Oktober 1942 hätte der Rückzug begonnen werden müssen, aber der Führer befahl eiskalt die Fortsetzung der Angriffe. Einerseits spielt hier wieder sein Narzissmus eine Rolle und der Gedanke, mit genügend Willen sei alles möglich, aber in der Gesamtheit kann man nur von gezielter Sabotage sprechen.

https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article170115075/Die-Stalingrad-Katastrophe-erwuchs-aus-einem-Logistik-Desaster.html

Die folgende Sommeroffensive wurde dann auch noch gründlich verkorkst, sodass bei Stalingrad die 6. Deutsche Armee und Teile der 4. Panzerarmee eingeschlossen wurden. Der einzige auch nur ansatzweise realistische Befehl wäre gewesen, so schnell wie möglich aus dem Kessel auszubrechen und zu verschwinden aber Hitler gab per Funkspruch die Order, um jeden Preis stehenzubleiben. Er hätte genauso gut befehlen können, dass sich die Männer selbst erschießen sollen. Trotz dieser absurden Sabotageakte in Serie riss der Führer immer mehr Befugnisse an sich und machte sich selbst zum alleinigen Entscheider bei den Heeresgruppen. Im Winter wurde auch noch die Heeresgruppe A eingekesselt, durfte aber auf Befehl Hitlers zunächst nicht zurückweichen, dann doch, aber auf eine ineffektive Weise. Auch in Extremsituationen sahen wir das Aufsplittern und Zerreiben, bis schließlich die 6. Armee kapitulierte.

Generaloberst Franz Halder hatte Hitler längst durchschaut und landete im KZ. Auch kam es zum Bruch mit Jodl und Keitel. Nach Oktober 1942 war Hitler der einzige gewesen, der für einen Gesamtkriegsplan zuständig war und dennoch strickte man nach dem Krieg neue Dolchstoßlegenden. Der Zusammenbruch kam als nächstes in Afrika, da ja von Hitler versäumt worden war, das Mittelmeer abzusichern und Rommel keinen Treibstoff mehr erhielt, und natürlich drohte die Gefahr einer Invasion durch die Alliierten in Europa. Die USA produzierten endlose Mengen an Kriegsgerät, das von den deutschen U-Booten im Atlantik längst nicht mehr effektiv versenkt werden konnte, die deutsche Verschlüsselung war komplett gebrochen, sodass die Briten alle Kommunikationen des OKW mitlesen konnten, die USA verfügten fast schon über die Atombombe und man hatte noch ein weiteres Ass im Ärmel, nämlich die biologischen Kampfstoffe, die in enger Zusammenarbeit entstanden im amerikanischen Zentrum Camp Detrick und im britischen Porton Down.

Angeheizt von der glatten Lüge, die Deutschen würden ihre Rakete vom Typ V-1 mit Botulinustoxin auf London abfeuern wollen, bat Winston Churchill die Amerikaner, in „brüderlicher Hilfe“ eine halbe Million Milzbrand-Bomben herzustellen. Zwei Wochen nach der erfolgreichen Invasion in der Normandie forderte die US-Militärführung ihrerseits eine Million Milzbrandbomben an. Produktionsschwierigkeiten führten zu einiger Frustration, aber die Briten hatten ein einfacheres Alternativprogramm am Laufen zur Herstellung von fünf Millionen milzbrandverseuchter „Rinderkekse“ die über deutschem Gebiet hätten abgeworfen werden können (Operation Vegetarian). Nicht einmal als Abschreckungsmittel hatte Hitler ein Biowaffenprogramm zugelassen; nur hinter seinem Rücken gab es vereinzelte Forschungsprojekte wie das von Kurt Blome, um herauszufinden ob man aus U-Booten verseuchte Ratten auf die amerikanische Küste loslassen könnte. Der US-Geheimdienst OSS verbreitete das Märchen, dass die Nazis für solche Zwecke Millionen Nager aus dem Ausland beschaffen würden.

Alles war bereits aussichtslos.

1943 wartete Hitler noch extra lange, um eine neue Offensive zu starten, sodass die Russen ihre Schwachpunkte verstärken konnten. Es folgte die gigantische Schlacht von Kursk, bei der die Sowjets überlegen waren und die Deutschen heftige Verluste erlitten. Mit einer strategischen Langstrecken-Bomberflotte hätte man die Rüstungsproduktion der Sowjets aus der Luft zerstören können, aber selbst der erfolgreiche Angriff des Kampfgeschwaders 55 auf die Gorki-Panzerwerke bei Nowgorod (gebaut von der Ford Motor Company), bei dem auch 800 neue Panzer vom Typ T-34 zerstört wurden, war für Hitler kein Anlass, etwas an seiner Strategie zu ändern. Albert Speer und die hohen Offiziere hatten sogar schon einen ausgereiften Plan für die Luftwaffe, aber es durften nur ineffektive Angriffe auf die sowjetische Eisenbahn und Straßen durchgeführt werden. Am 10. Juli 1943 kam es zur Landung der Amerikaner in Italien und dem Sturz Mussolinis durch König Viktor Immanuel, der Verbindungen hatte zu den deutschen Adeligen, die Hitlers Aufstieg begünstigt hatten. Es waren keine Offensiven mehr möglich; nur noch ein geordneter Rückzug und eine diplomatische Lösung waren sinnvoll, was aber kategorisch von Hitler abgebügelt wurde. Es gab damals nur wenige, die einen Gesamtüberblick hatten, wer jahrelang welche Entscheidungen getroffen hatte. Hitler praktizierte eine perfide Strategie der Verwirrung, Ablenkung und der Beschuldigung anderer. Die Dreistigkeit vieler Revisionisten, die Tatsachen zu verdrehen und das Märchen zu propagieren, Hitler sei das pragmatische Genie mit den guten Absichten gewesen, während seine Offiziere ihn dauernd im Stich gelassen hätten, ist grenzenlos. Wo bereits Hitler Deutschlands Feinden in die Hände spielte, so nützen die schlechten Revisionisten seitdem letztendlich nur dem angloamerikanischen Empire.

Während den gewaltigen Bombardierungen der Alliierten 1944, wurde auf Hitlers Berghof mit Jahren an Verspätung darüber gesprochen, dass man doch nun wirklich eine starke Bomberflotte bauen müsse. Das revolutionäre Flugzeugmodell Me262 durfte trotzdem nicht als Jäger gebaut werden, wütete Hitler in einem seiner Anfälle, sondern nur als Bomber. Ende 1944, als eh nichts mehr geholfen hätte, kam doch noch die Serienproduktion der Me 262, aber nicht in ausreichenden Mengen und das Gerät wurde bei vielen Einsätzen vorenthalten. Die Me 262 war so überlegen, dass nur 80 Stück davon die alliierten Bomberflüge hätten stoppen können. Albert Speer meinte später dazu:

„Es war wiederum Hitler, der diejenigen Schachzüge machte, die der Luftoffensive der Gegner im Jahre 1944 zum Erfolg verhalfen.“

Die Offiziere umgingen inzwischen Hitlers selbstmörderische Haltebefehle, beschleunigten den unvermeidlichen Rückzug und wurden ihres Amtes enthoben, weil sie nicht die Sabotage und Ermordung deutscher Soldaten verantworten wollten. Die Sommeroffensive 1944 wurde zu einem epischen Desaster, weil Hitler Einkesselungen möglich gemacht hatte durch die Befehle, unrealistisch lange Frontlinien zu halten.

Die Landung der Alliierten in der Normandie und der Vorstoß der Roten Armee nahmen in der Folge jeden Spielraum für einen Waffenstillstand und so blieb nur noch die Kapitulation.

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