Telegram Fake-Fabrik: Ukrainische Flüchtlinge hätten russischsprachigen Teenager in Deutschland ermordet

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Über soziale Netzwerke verbreitete sich rasend schnell ein Video, laut dem ein russischsprachiger Teenager durch ukrainische Flüchtlinge in Euskirchen ermordet worden sei. Die Fake-Meldung wurde im typischen Stil aufbereitet: Per emotionalem Handy-Video und Hörensagen. Die Information stammte (wie so oft) von einem Bekannten, der sie natürlich von einem Bekannten hatte.

Niemand prüft die Sache nach, niemand treibt Angehörige des vermeintlichen Toten auf, niemand sucht behördliche Bestätigungen über Ermittlungen, niemand findet entsprechende Daten von Medizinern. Das Publikum in den sozialen Netzwerken denkt wie üblich nicht selbst und kann nichts filtern, sondern verbreitet das Fake einfach weiter. Die tatsächlichen Toten im Ukraine-Krieg, vor allem auch Kinder und Jugendliche, werden in der psychopathischen Telegram-Blase gleichzeitig ausgeblendet. Das sei nicht von Belang, übertrieben oder fake, ganz einfach die Schuld „der NATO“ und vor allem eine Ablenkung vom Corona-Thema. Die Aktivisten hätten nämlich fast schon den Endsieg davongetragen bei Corona, aber im letzten Moment habe der „Deep State“, nicht etwa Putin, den Krieg gestartet und damit den Aktivisten ihren Sieg gestohlen.

Wer auch immer das aktuelle Telegram-Fake geplant hatte, agierte strategisch dumm oder ging davon aus, dass das Publikum dumm ist wie drei Meter Landweg und längst jede Beziehung zur Realität verloren hat. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich das Ganze als Fake herausstellt. Gesucht werden Märtyrer-Figuren und Drama. Hauptsache die Lage destabilisieren, um Russlanddeutsche aufzubringen. Wie schon beim Fall „Lisa“, wo ein Sexverbrechen behauptet und zum Politikum gemacht wurde, als sogar der russische Außenminister Sergej Lawrow der Bundesregierung eine Vertuschung vorwarf. Es schwingt immer der Vorwurf mit, nur Moskau sei willig und fähig, deutsche Staatsbürger mit russischem Hintergrund zu beschützen. Wie es aussieht, wenn Moskau eine „spezielle“ Aktion durchführt zum Schutz slawischer Russisch-Sprecher, sieht man derzeit in der Ukraine.

Wie lange dauert es, bis wirklich jemand stirbt? Bei der berüchtigten Tötung des Studenten Benno Ohnesorg, die zu weitreichender Radikalisierung geführt hatte, stellte sich hinterher heraus, dass er von einem Agenten der Stasi erschossen worden war.

Seit Sonntag verbreitete sich das Handy-Video über den nicht-existierende toten Teenager rasant in den sozialen Medien. Es lägen keinerlei Informationen über einen solchen gewalttätigen Übergriff oder gar über einen Todesfall vor, teilte die Polizei am Sonntag mit. Eine Frau, die sich Natalia B. nennt, entschuldigte sich in einem zweiten Statement. Sie habe sich auf eine Bekannte verlassen die die Sache wiederum von einem Bekannten erzählt bekommen hatte.

Auch der deutschsprachige Telegram-Account „Neues aus Russland“ teilt das Video. Hinter dem Kanal steckt die 28-jährige Aktivistin Alina Lipp; eine Art Poster-Girl für die russische Sache.

Ohnesorg

Der linke Westberliner Student Benno Ohnesorg wurde 1967 während der Demonstration gegen den Besuch des Schahs von Persien von dem west-berliner Polizisten Karl-Heinz Kurras erschossen. Dies sorgte für eine erhebliche Radikalisierung in Deutschland in allen politischen Lagern, was Moskau sehr in die Hände spielte. 2009 wurde auf Basis von Stasi-Akten enthüllt, dass Kurras heimlich SED-Mitglied war inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR gewesen war. Es wurde nicht bewiesen, ob Kurras im Auftrag der Stasi absichtlich einen Mord begangen hat und die Auftragsmordthese gilt als obsolet; nichtsdestotrotz darf man nicht vergessen, dass die Bundesrepublik zwischen der Wende und der Ukrainekrise 2014 nicht unbedingt viel Interesse daran hatte, bestimmte alte Geschichten auszugraben, die das Verhältnis zu Russland beschädigen konnten. Bestimmte Akten wurden zensiert oder gesperrt.

Ausgerechnet ein Fotograf der DDR-Propagandazeitung „Wahrheit“ schoss das berühmte Foto des toten Ohnesorg. Der Medizinalassistent Alfred Mentschel mit kommunistischen Verbindungen war auch zufällig am Ort des Geschehens und bearbeitete den Erschossenen. Ein Arzt im Krankenhaus beseitigte ein Stück Schädeldecke. Die Stasi besorgte sich rechtzeitig Gerichtsakten und hatte die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen.

Kurras hatte gegenüber dem MfS schriftlich erklärt, er halte den Weg des Ostens für die richtige Politik. Ihm fehlte zwar die typische marxistisch-leninistische Ausbildung, aber er konsumierte Bücher aus dem Osten.

Wie viele Polizisten in der heutigen Bundesrepublik halten auf Grund der vielen Propaganda den Weg des Ostens für die richtige Politik? Wie viele Polizisten in der Bundesrepublik würden sich heute von russischen Diensten rekrutieren lassen? Und wozu wären sie bereit?

AlexBenesch
AlexBenesch
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