Psyche

Buchtipp: Stupidity Paradox

Eine aktuelle Studie zeigt, dass Wissen aus klassischen Papierbüchern besser aufgenommen wird als in digitaler Form. Selbst ebooks sind immerhin noch viel besser, als einfach nur Nachrichtenartikel und Social Media Posts zu lesen oder audiovisuelle Inhalte zu konsumieren. Der Sinn und Zweck des Internets scheint zu 99% darin zu bestehen, die Leute vom Bücherlesen abzuhalten. Verboten sind Papierbücher nicht. Wären sie es, würden viele Leute sie lesen wollen.

Alleine dieser Umstand erklärt bereits einen Großteil der grassierenden Dummheit. Die Menschen sind zu überarbeitet, überstresst und übermüdet für Bücher.

Letzten Monat tauchten Hunderte von Menschen in Dallas auf, die erwarteten, John F. Kennedy Jr. zu sehen, der eigentlich 1999 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommenen war. Sie waren felsenfest davon überzeugt, dass Kennedy auftauchen und ankündigen würde, im Jahr 2024 als Donald Trumps Vizepräsidentschaftskandidat anzutreten. Viele, die über sowas lachen, sind Anhänger der sozialistischen Ideologie, die bei ihrer Umsetzung das Paradebeispiel schlechthin für institutionelle Dummheit war.

Vor den 1800er Jahren waren die Anführer von Imperien selbst noch Anhänger vieler irrationaler Ideen. Die Pharaonen dachten, sie könnten mit ihren eigenen Familienangehörigen Nachkommen zeugen und mit gigantischen Steinpyramiden nach dem Tod weiterleben. In den 1800er Jahren änderte die Wissenschaft, wie Imperien funktionierten und es war notwendig, Untertanen wegzubringen von den Feldern und stärker zu bilden. Allzu schlau sollten die Bürger aber nicht sein, weil dies den Fortbestand der Herrscherklassen gefährdet hätte. Der ideale Bürger (aus Sicht der Obrigkeit) ist fähig, seinen Job zu erledigen und seine Steuern zu zahlen. Ansonsten soll er dumm sein wie drei Meter Landweg.

Das Buch „Stupidity Paradox“ untersucht, wie eine auffällige systematische Dummheit alles vereinnahmt hat; von Beamten-Apparaten über Konzerne bis hin zu politisch-ideologischen Gruppen. An sich schlaue Leute verhalten sich dumm, weil ihre Organisationen dieses Verhalten erwarten und belohnen. Kurzfristig profitiert die Organisation von dieser Kurzsichtigkeit, aber langfristig ergeben sich katastrophale Konsequenzen. Vielen Mitgliedern einer Gruppe fällt die Dummheit aber gar nicht so stark auf, man findet Ausreden, man will keine negative Aufmerksamkeit auf sich ziehen und seine Position innerhalb der Gruppe gefährden. Dummheit scheint die eigene Gruppe zu stabilisieren, zusammenzuschweißen, und dies führt (zeitweise) zu gewissen Erfolgen, aber die eigentlichen Ziele werden verfehlt. Zu den Mechanismen der Dummheit zählen:

  • „Verteidigungsroutinen“: Passt die Realität nicht zu den eigenen Überzeugungen, wird ein Standardprogramm abgespult, um die eigenen Überzeugungen zu verteidigen und alles andere abzulehnen und abzuwerten.
  • Falsche Normalität: Wenn in einer Gruppe ein bestimmtes dummes Verhalten als normal gilt, werden schlaue Abweichungen als negativ betrachtet.
  • Kurzlebiges Erinnerungsvermögen: Menschen wollen nicht aus ihren Fehlern lernen und keine Verantwortung übernehmen. Fehler und deren Ursachen geraten in Vergessenheit und werden wiederholt.
  • Gedankenlosigkeit: Oftmals wird agiert, ohne überhaupt richtig darüber nachzudenken, was man zu tun gedenkt.
  • Strafen und Belohnung: Eigenständiges Denken wird betraft und stupides Folgen belohnt. Dies führt schnell zu einer vorauseilenden Selbstzensur.
  • Theater: Man kann nach außen den Eindruck erwecken, echte, sinnvolle Arbeit zu leisten und eine gute Organisationsstruktur zu haben. Aber meistens verbirgt sich hinter all den Meetings und Presentations erschreckend wenig Substanz.
  • Emotionen: Das Gefühl von Gewissheit, selbst wenn die Gewissheit nur eine Illusion ist, ist stark ausgeprägt und erweckt den Eindruck von Kontrolle. Zweifel und Komplexität fühlt sich hingegen weit weniger gut an.
  • Overconfidence: Die Chancen auf Erfolg werden völlig überschätzt. Dies sieht man insbesondere bei politischem Aktivismus. Je weniger Wissen jemand hat, umso leichter lässt sich diese Person aufstacheln zu Aktivismus. Auch viele schlechte Verschwörungshypothesen sind so konstruiert, dass der Eindruck entsteht, der Sieg über die Mächte des Bösen stünde in greifbarer Nähe.
  • Falsche Anführer: Wir wollen regelrecht heldenhafte Führungsfiguren folgen. Deshalb spielen die falschen Personen gerne diese Rolle.
  • Zusammenschweißen: Irrationale Überzeugungen zu bestätigen, fördert den Zusammenhalt der Gruppe. Zweifel und Kritik werden als Schwächung wahrgenommen.
  • Convenience: Althergebrachtes zu wiederholen, Dinge stark vereinfacht zu betrachten und keine echten neuen Entdeckungen zu machen, ist bequemer
  • Garbage in – Garbage Out: Keine richtigen Bücher zu lesen, macht es unendlich schwierig, die Realität zu begreifen
  • Framing: Grobes Framing ist leichter zu merken, als viele relevante Fakten und komplizierte Mechanismen
  • Jobs simplifizieren Abläufe: Viele Jobs sind Teilaufgaben aus Teilbereichen und benötigen irgendwann keine geistige Anstrengung mehr

Wenn man auf andere Gruppen schaut, die man nicht mag, fällt einem deren Dummheit natürlich sofort auf und man redet ausführlich und laut darüber. Mit solcher Kritik an anderen Gruppen steigert man ja seinen Status in der eigenen Gruppe. Kritisches Denken gegen die Dogmen und Führungsleute der eigenen Gruppe schadet deinem Status. Dummheit scheint die eigene Gruppe zu stabilisieren, zusammenzuschweißen, und dies führt (zeitweise) zu gewissen Erfolgen, aber die eigentlichen Ziele werden verfehlt. Es gab keinen Fortschritt in all den politisch-ideologischen Szenen seit Jahrzehnten. Jemand kann in zwei Wochen durch Youtube-Glotzen lernen, ein Influencer zu werden.

Forscher wie Langer und Abelson haben gezeigt: Wir spulen stupide unsere Programme ab, die in uns hineinprogrammiert wurden. Und je mehr andere Gruppen solche standardisierten Programme abspulen, umso mehr fühlen wir uns mit unseren eigenen Programmen gerechtfertigt.

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