Geheimdienste

“Die AfD ist keine Bedrohung mehr“: Frauke Petrys Buch verfolgt den Bimbes-Baron von Finck

Bild: Foto: Michael Lucan, Lizenz: CC-BY-SA 3.0 de

Buchrezension

In Frauke Petrys neuem Buch über ihre Zeit bei der AfD und der Verwandlung der Partei in ein zahnloses Sammelbecken spielen Figuren wie Höcke, oder Meuthen nicht die Hauptrolle, wie man erwarten könne. Sondern der Bimbes-Baron August von Finck und das Netzwerk, hinter dem selbiger vermutet wird. Von dem Strippenzieher Rohrböck, der dem Finck-Orbit zugerechnet wird und über den gerade neue Enthüllungen zu lesen sind in diversen Medien, liest man nichts.

“Die AfD ist keine Bedrohung mehr“ konstatiert Petry, sondern ein impotentes Sammelbecken, und es seien nur ein paar Millionen Euro notwendig gewesen, um die AfD zu verwandeln und um dadurch einen erheblichen Einfluss auf das Schicksal Deutschlands auszuüben.

Die Partei war bereits bei der Gründung eine Totgeburt, so gewinnt man den Eindruck. Viele der entscheidenden Gründungsmitglieder kannten sich gar nicht, hatten sich nicht gegenseitig überprüft und hatten kaum ein gemeinsames Bildungsfundament für eine langlebige, seriöse Volkspartei. Der eine konnte den anderen nicht leiden, man wusste nicht wie die jeweils anderen ticken zu elementaren Themen. Es ist so, als würden 20 Leute eine 20-Leute-Ehe eingehen, ohne sich zu kennen und ohne einen gemeinsamen Lebensentwurf zu haben. Die Partei war noch keinen Monat alt, da drohte der erste schon jemand anderem mit dem Staatsanwalt. Reine Zusammenarbeit war schon zuviel verlangt. Du hast eine Gruppe mit ein paar Leuten und die kommen schon nicht miteinander klar. Jeder wollte der Boss sein. Kein Wunder, dass dann später Geld und Kompromat zu den entscheidenden Ordnungsfaktoren werden.

Bei der Gründung war Dagmar Metzger „Sprecherin“. Später meinte der Bayern-Chef der Freien Wähler, Aiwanger, dass Metzger ihm finanzielle Unterstützung angeboten hätte. Er hätte in Metzgers Privathaus den Vermögensverwalter des Baron von Finck getroffen. Metzger machte viel für Lucke, besorgte Locations und was sonst noch so notwendig war. Petry hatte den Eindruck, Metzger konnte unendlich Geld beschaffen.

Lucke war währenddessen eine herbe Enttäuschung: Er kümmerte sich um das Euro-Problem, aber soll bei allem anderen gedacht haben, er hätte es mit einem funktionierenden System zu tun. Lucke war etatistisch und staatsgläubig, aber wurde zum Glück von den Wählern eher für einen Wirtschaftsliberalen gehalten. Eine Ein-Themen-Partei konnte nicht ewig zehren von dem entsetzen über Euro-Rettungsschirme.

Ein weiteres Kernproblem war, dass man kein richtiges Personal hatte, um alle Mitgliedsanträge richtig zu prüfen. Im Landesverband Sachsen hatte Petry als Mitstreiter Michael Muster, einen ehemaligen Abteilungsleiter aus dem sächsischen Finanz- und Justizministerium. Ob dieser dem Establishment vielleicht zu nahe stand, befürchtete sie nicht. Auf Listenplatz #3 landete Nabiel Peter Bogendorff von Wolffersdorff. Der hatte auch eine britische Staatsangehörigkeit und wollte in Deutschland zu seinem Namen noch Graf und Freiherr eintragen lassen. Getauft war er ganz u-adelig auf den Namen Nabiel Bagadi. „Im Wege der Adoption“ erhielt er seinen heutigen Namen Nabiel Peter Bogendorff von Wolffersdorff. Es gab jede Menge „Glücksritter und Trittbrettfahrer.“ Es gab Streit um Markenrechte am Partei-Logo, das jemand gemacht hatte. Lucke traute Petry nicht und umgekehrt. Woher kam das Geld über Metzger? Metzger wollte eine private Parteistiftung nach ihren Wünschen, scheiterte, trat zurück. Ihr Nachfolger Christian Lüth war ein episches Desaster.  Im April 2020 stellte Alexander Gauland Lüth von seiner Tätigkeit als Pressesprecher der AfD-Bundestagsfraktion frei, unter anderem weil Lüth sich selbst als Faschist bezeichnet hatte. Auf die Frage, ob er mehr Migranten nach Deutschland holen wolle, antwortete Lüth in dem Gespräch demnach wörtlich:

„Ja. Weil dann geht es der AfD besser. Wir können die nachher immer noch alle erschießen. Das ist überhaupt kein Thema. Oder vergasen, oder wie du willst. Mir egal!“

Kompromat ist wohl zuverlässiger als wankelnde oder vorgetäuschte Loyalität. Bei einer Veranstaltung in Thüringen bekamen Petry und andere das Gruseln bei einer Rede des noch wenig bekannten Björn Höcke. Wer kannte den Typen eigentlich? Wer hat ihn da reingelassen?

Zwischen 2013 und 2015 verließen 4000 qualifizierte Leute die Partei. Sehr viel. Lucke wollte eine langweilige Ein-Thema-Partei und verlor zunehmend die Kontrolle über den Laden. Er schickte panisch eine Rundmail raus, dass alles zu vermeiden sei, was irgendwie interessant ist. Lucke war ein Garant für den Niedergang. Dann kam die „Erfurter Resolution“ von den Radikalinskis, die das genaue Gegenteil war: Zu krass. Lucke startete seinen „Weckruf-Verein und scheiterte krachend daran, der Partei einen Biedermann-Kurs aufzuzwingen.

Mit einem kleinen, vertrauenswürdigen Team hätte man viel erreicht, meint Petry die Balance gefunden, um weder rechtsradikal noch lasch zu sein. Lucke habe mehrere Gelegenheiten versäumt, Höcke und co. rechtzeitig plattzumachen, wobei sich die Frage stellt, ob ein konfrontativer Kurs irgendwelche Geldgeber vergrault hätten, auf die Lucke setzte.

Der Milliardär Henning Conle bot sich Petry an, laberte Allgemeinplätze ohne persönliche Details über sich preiszugeben. Meuthen habe ständig über seine persönliche Finanzsituation gejammert. Nach einem Treffen zwischen Meuthen, Conle und Petry soll Meuthen dann plötzlich mehr und mehr dem „Flügel“ und Höcke nachgegeben haben. Die Frage steht in der Luft, welche Rolle Geld gespielt haben könnte.

Im Wahljahr 2017, also völlig zur Unzeit, kam dann Höckes „Mahnmal der Schande“-Rede. Die qualitativen Parteimitglieder verließen den Laden zunehmend und wurden ersetzt durch immer mehr „Jogginghosen-Patrioten.“ Laut Petry standen auf den Parteilisten 40% Flügelanten, 10% taugliche Bürgerliche, der Rest Opportunisten. Es gab massenhaft Werbematerial, das von Außen/Unbekannt stammte und die Gemäßigten in der Partei benachteiligte. Petry spricht wenig über die „alternativen“ Medien, die ebenfalls am Tropf vom Baron Finck hängen, und eine bestimmte Sichtweise vermittelten.

Ferdinand Graf von Galen ist ein Ex-Kollege des Barons aus Zeiten, als August von Finck noch Bankier bei der Privatbank Merck, Finck & Co war. Das Galen-Geschlecht geht ewig weit zurück. Das 76-jährige Finck-Familienoberhaupt verkauft 1990 die Privatbank Merck, Finck & Co an die englische Barclays Bank. Der SPIEGEL schrieb:

Verschwiegenheit und Heimlichtuerei, gepaart mit Machtwillen und Arroganz, das waren schon immer die Merkmale des Hauses Finck. »Was wirklich in der Familie vorgeht«, resümierte das Schweizer Wirtschaftsmagazin Bilanz, »ist rätselhaft wie der Ritus einer Freimaurerloge.«

Ich selbst forsche zu der Frage, ob Finck mit adeligen britischen Geheimdienstnetzwerken zu tun hat, die seinem Großvater bereits den Adelstitel und die Banker-Karriere beschafften. Petry scheint blank bei der Frage, WARUM Finck diesen vermuteten Einfluss auf die AfD genommen hat.

Metzger habe auch die PR-Arbeit für Fincks Edelmetallgeschäft Degussa übernommen und verschicke die Pressemitteilungen des Finck-nahen Ludwig von Mises Instituts, das sich für freie Märkte einsetze.

So finanzierte Finck mit sechs Millionen € auch den Verein, wo Vera Lengsfeld im Vorstand saß. Immer wieder gab es wichtige Figuren in der AfD, die plötzlich ihre negative Haltung zum Flügel änderten.

Ein paar Millionen € reichten anscheinend aus, um aus der AfD ein impotentes Sammelbecken zu machen.

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