Recht

Anführer der „Proud Boys“ soll jahrelang ein Informant der Behörden gewesen sein

Enrique Tarrio, der Anführer der extremistischen Gruppe „Proud Boys“, hat laut Untersuchungen von Reuters eine Vergangenheit als „ergiebiger“ Informant für die Strafverfolgungsbehörden auf Bundes- und lokaler Ebene und arbeitete nach seiner Verhaftung im Jahr 2012 wiederholt verdeckt für Ermittler, so ein ehemaliger Staatsanwalt und eine Niederschrift eines Bundesgerichtsverfahrens von 2014. Die „Proud Boys“ betrachten sich als Vorkämpfer für die Weiße Rasse und profitierten jahrelang von der neurechten Trendwelle, die von Milliardären finanziert wurde. Der ursprüngliche Gründer war Gavin McInnes, der unterstützt wurde von Rebel Media.

In der Anhörung in Miami beschrieben ein Bundesstaatsanwalt, ein Agent des Federal Bureau of Investigation und Tarrios eigener Anwalt seine verdeckte Arbeit und sagten, er habe den Behörden geholfen, mehr als ein Dutzend Menschen in verschiedenen Fällen von Drogen, Glücksspiel und Menschenschmuggel zu verfolgen.

In einem Interview mit Reuters am Dienstag bestritt Tarrio, verdeckt zu arbeiten oder in Fällen gegen andere zusammenzuarbeiten. „Ich weiß nichts davon“, sagte er, als er nach dem Transkript gefragt wurde. „Ich kann mich an nichts erinnern.“ Strafverfolgungsbeamte und das Protokoll des Gerichts widersprechen Tarrio.

Der 36-jährige Tarrio ist eine hochkarätige Persönlichkeit, die die rechten Proud Boys in ihren Konfrontationen mit der Antifa organisiert. Die Proud Boys waren am 6. Januar in den Aufstand im Capitol verwickelt. Tarrio ist ein enger Freund von Roger Stone, einem Verbündeten von Trump und Alex Jones. Nachdem Stone im Januar 2019 verhaftet worden war, erschien Tarrio vor dem Gerichtssaal in einem Hemd mit der Aufschrift „Roger Stone hat nichts falsch gemacht“.

Obwohl Tarrio nicht am Aufstand des Kapitols teilgenommen hat, wurden mindestens fünf Mitglieder der Proud Boys wegen des Aufstands angeklagt.

Das Protokoll von 2014 wirft ein neues Licht auf Tarrios frühere Verbindungen zur Strafverfolgung. Der Staatsanwalt sagte, Tarrios Informationen hätten in zwei getrennten Fällen zur Verfolgung von 13 Personen wegen Bundesbeschuldigung geführt und den lokalen Behörden bei der Untersuchung eines Glücksspielrings geholfen.

Der damalige Anwalt von Tarrio, Jeffrey Feiler, sagte vor Gericht, sein Mandant habe bei zahlreichen Ermittlungen verdeckt gearbeitet, unter anderem beim Verkauf von Anabolika, bei anderen im Zusammenhang mit „verschreibungspflichtigen Großhandelsnarkotika“ und bei einem dritten gegen Menschenschmuggel. Er sagte, Tarrio habe der Polizei geholfen, drei Marihuana-Anbauhäuser aufzudecken, und sei ein „produktiver“ Informant gewesen.

Ein FBI-Agent bei der Anhörung bezeichnete Tarrio als „Schlüsselkomponente“ bei Ermittlungen der örtlichen Polizei in Bezug auf Marihuana, Kokain und MDMA oder Ecstasy. Das FBI-Büro in Miami lehnte einen Kommentar ab. Es gibt keine Beweise dafür, dass Tarrio seitdem mit den Behörden zusammengearbeitet hat. Allerdings wäre es naheliegend gewesen, durch ihn die Proud Boys zu infiltrieren.

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4 comments

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schlappgedehnt83 29. Januar 2021 at 9:13

Menschen sind dumm, feige, bösartig oder werden gaga gemacht.

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WELTÜBERGANG 28. Januar 2021 at 15:44

Die Proud Boys wurde, wie richtig erwähnt, von Gavin McInnes gegründet. Es war halb Spaß, halb ernst, was man an deren Aufnahmeritual sieht: man wurde von anderen solange geschlagen, bis man 5 Müslisorten nennen konnte. Also eine totale Gefahr für die Demokratie 🙂

„Proud“ wollten sie sein auf sich selbst und auf die westliche, christliche, kapitalistische Zivilisation. Sie waren eine Gegenreaktion auf linke Identitätspolitik, weiße, christliche, reiche Männer für alles Übel in der Welt verantwortlich zu machen.

Die Proud Boys hatten, soweit ich weiß, nie ein konkretes Ziel. Aber sie waren eben schon eine Gruppe und somit Angriffspunkt. Sie hatten einen Namen, Logo, einen Stil und einige bekannte Mitglieder. Aber mangelnde Bildung + Sektenmechanismen + Geheimdienste = und es kann nur schiefgehen.

Ursprung für den Aufstieg der Proud Boys war der geniale Gavin McInnes. Er kann einfach reden, bietet äußerlich eine Show und hat Mut, sich gegen den Zeitgeist zu stellen (selbst wenn er dabei sein eigenes Monster bekämpfen muss, hier in Form vom VICE Magazin, das mittlerweile auf links bis linksradikal gedreht wurde und sogar Teil von A&E Networks und Disney ist).

Gavin McInnes war mehrmals bei Joe Rogan zu Gast, der ihn mittlerweile nicht mehr einlädt. Seine Interviews gehörten zu den meistgeguckten und bestbewertetsten. Auch auf dem mittelmäßig erfolgreichen, kanadischen REBEL MEDIA gehörten seine Videos immer zu den meistgesehensten. Dass Gavin McInnes gut ist, sieht man daran, dass er sein Publikum stets mitnehmen konnte, selbst als er bei REBEL gehen musste und mehrmals den Arbeitgeber wechselte, bis er irgendwann sein eigenes Network eröffnete, wovon er meines Wissens leben kann. Ich konsumiere ihn aber seit Jahren nicht mehr und kann es nicht genau sagen.

Leider fehlen Gavin McInnes einige Informationen, ohne die er nicht besser als der typische Mainstreamjournalist oder als der typische YouTuber ist. Er hat immerhin viel gelesen und einer seiner Lieblinsautoren ist Arthur L. Herman*, der wirklich gut ist (leider hat auch jener keine Ahnung von Geheimdiensten und Elitenetzwerken). Gavin McInnes wäre ein genialer Mistreiter für das Gute, das Liberalkonservative. Leider ist er untragbar. Es ist ein Zeichen der Zeit, dass ein ehemaliger Punk, Comedian und VICE Gründer einer der konservativen Medienführer ist. Wenn das System eben zu links wird, dann kippt es. Mittlerweile spielt man ja auf CDU Parteitagen ein Lied von den Toten Hosen und deren Frontsänger Campino lobt Merkel öffentlich.

Wendepunkt der Proud Boys war, glaube ich, die Unite the Right rally in Charlottesville in 2017. Dort hat man den Schulterschluss mit Rechtsextremisten gemacht. Einen Tag später distanzierte sich Gavin McInnes und trat aus. Seitdem sind sie verbrannt. Das Gute für die Linken und die korrupten Mainstreammedien ist, nun ist auch Gavin McInnes verbrannt. Da ihm aber wichtigen Informationen fehlen, wäre er sowieso keine Hilfe mehr.

https://en.wikipedia.org/wiki/Arthur_L._Herman

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Paolo Pinkel 29. Januar 2021 at 20:07

Wie bist du auf recentr gestoßen?

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WELTÜBERGANG 1. Februar 2021 at 11:02

Vor 10 Jahren auf YouTube.
Seit 5 Jahren Abonnent.

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