Medien

Die Semi-Geheimgesellschaft hinter den Verschwörungsmedien vom Kalten Krieg bis heute

Die „John Birch Society“ (JBS) ist heute weitgehend in Vergessenheit geraten und viele Rechtskonservative, Antikommunisten, Trump-Supporter und jene, die sich für Verschwörungen interessieren, wissen gar nicht mehr, wie viele gängige Ideen und Narrative auf die JBS zurückgehen. Donald Trump und sein Vater waren von der Organisation beeinflusst, der Vater der berüchtigten Koch-Brüder, Mick Mulvaney, Alex Jones und unzählige Influencer.

Die JBS sah sich als Vorreiter im Antikommunismus und in der Spionageabwehr. Man hielt alle Behörden für infiltriert durch kommunistische Agenten und man befürchtete, dass selbst US-Präsidenten für die Kommunisten arbeiteten, wie Nixon oder Bush. Anders als das FBI, das beauftragt war mit der Abwehr kommunistischer Spionage, nutzte die JBS die Verschwörungsliteratur der letzten 200 Jahre als Quelle, um ein besseres Verständnis zu erhalten. Dass diese alte Verschwörungsliteratur unter Kontrolle der adelige britischen Spionage war, wussten die Mitglieder der JBS nicht.

Alex Jones‘ Bildung bestand im Prinzip aus Büchern der JBS. Seine Eltern und deren Umfeld (insbesondere die Hammans) waren antikommunistisch und tauschten sich regelmäßig aus. Die JBS organsierte sich in Gruppen von 20 Personen, die sich bei Mitgliedern zuhause trafen wie bei Tupper-Partys. Hamman, dessen Vater laut Jones in Lateinamerika den Kommunismus zurückdrängte und einen militärischen Hintergrund hatte, verschaffte Jones seinen Start in der Medienwelt, die erste Webseite, die ersten Deals mit Radiostationen und Support durch etabliertere Figuren aus JBS-Kreisen. Jones Programm in den 1990er Jahren war pure JBS-Doktrin: Kommunistische Agenten wie George H.W. Bush und Bill Clinton würden über die Vereinten Nationen die Weltdiktatur anstreben, die „Neue Weltordnung“, unterstützt durch die Zentralbank Federal Reserve. Die USA hatten natürlich einen Weltmachtanspruch und benutzten u.a. sozialistische Versatzstücke, um die Bürger zu kontrollieren, aber die amerikanischen Strippenzieher waren keine Agenten Moskaus, sie waren keine Marxisten-Leninisten. Auch nicht die Weisen von Zion. Die amerikanischen Gründerväter und nachfolgenden Präsidenten der Frühzeit waren auch keine Helden, denen dann ihr Staat geklaut wurde von jüdischen Bankern oder „Illuminati“.

Die real existierenden kommunistischen Staaten waren selbstverständlich eine horrende Gefahr für die Bürger der Welt, aber der Fanatismus der JBS stärkte letztendlich die Links-Rechts-Spaltung und viele Linke und Gemäßigte hielten die JBS eher für den Teil einer rechten Weltverschwörung; eine Gruppe an Panikmachern, die nur ihren reichen Gönnern aus der Industrie und rechten Politikern den Vorwand verschaffen sollte, um die Menschen auszubeuten. Amerikanische Konservative hatten versäumt, sich weiterzuentwickeln, und ließen wichtige Bereiche einfach brach liegen, wie Frauenrechte, Schutz von Arbeitern und ein soziales Sicherheitsnetz. Kein Wunder, dass Sozialisten genau in diese Bereiche hineinstießen. Als Folge davon waren Sozialisten dann wirklich überall in der Gesellschaft vertreten, was wiederum die JBS immer paranoider und aggressiver machte.

Manche Bücher aus der JBS-Ecke wurden Millionenbestseller. Europäische Autoren übernahmen bereitwillig Material von der JBS und älteren Verschwörungsbüchern, und fügten unterschiedliche Sachen an, wie UFOs, Esoterik, Rechtsrevisionismus usw.

Auch bei der typisch deutschen Szene, mit Van Helsing und dem Kopp-Verlag, fand man von Anfang an die DNA der JBS. Der Kopp Verlag brachte vor wenigen Jahren erst Carroll Quigleys Bücher auf deutsch raus. Quigley war einer der Hauptquellen der JBS, auch wenn Quigley sich bitter beschwerte, dass seine Forschungen stark verzerrt wurde von JBS-Autoren. Quigley beschrieb ein angloamerikanisches Netzwerk, basierend auf den alten, adeligen Roundtable-Gruppen. Dieses Netzwerk, so stellte er klar, bestand nicht aus Kommunisten und wurde nicht von Kommunisten geleitet. Das Netzwerk kooperiere lediglich mit Kommunisten, wenn es nützlich erscheint, und kooperiere genauso mit rechten Kreisen.

Das, im Prinzip, sind die Verschwörungsmedien. Sonst nichts. Es ist nichts Besonderes. Es sind interessante Dinge enthalten, aber insgesamt liefert es uns kein echtes Verständnis über die Welt und und die Geschichte. Es liefert uns keine wirksamen Strategien.

All dieses JBS-Material und anderes Zeug landete später auch im Internet und beeinflusste die nächste Generation an Verschwörungs-Influencern. Die neuen Influencer schreiben immer von den älteren ab. Wenn man auf „alternativen“ Blogs und Videokanälen seine Informationen holt, dann wird man auch dementsprechend schlecht beraten. Gängige Verschwörungs-Influencer sind keine Experten über Verschwörungen, über die Supermächte, Geheimoperationen und die Geschichte. Sie pressen alles in wenige Grundmuster. Die einflussreichsten Stimmen heute sind rechte, wohlhabende amerikanische Kreise, u.a. Teile der Republicans, so wie damals die Gönner hinter der JBS. Diese Vorbeter geben die Narrative vor, wie über die angebliche Wahlmanipulation, über COVID usw. und dann wird nur noch nachgeplappert von den anderen Influencern. Das geht von einem zum anderen, bis nach Deutschland. Manche von diesen Influencern wissen gar nicht mal wirklich, wie sich Verschwörungsmedien im Laufe von 200 Jahren entwickelt haben. Manche haben noch nie gehört von der JBS. Sie meinen, auf alles eine Antwort zu haben und dulden keinen Widerspruch. Wer ihnen widerspricht, wird als dumm abgetan oder als Helfer der linken Weltverschwörung.

Manche Influencer sind auch nicht klassisch rechts, aber sie übernehmen trotzdem typische Narrative zu diversen Themen. Dann spielen noch die Russen mit. Diese geben ein Narrativ vor, unterschiedliche russische Websites wiederholen das und deutsche Influencer gucken dann auf den russischen Seiten regelmäßig nach und kopieren dann die Narrative und Talking Points. Das ist alles. Das gilt dann als „Recherche“, als Wahrheit und als Journalismus und Aktivismus. Und ich soll da mitmachen. Und die Leute denken, dass sie mit diesem Zeug irgendwas gewinnen können.

Wir nannten uns von Anfang an „unabhängige Medien“. Nicht nur unabhängig von Mainstream, sondern unabhängig von allem anderen auch. Die JBS-Linie, in der modernisierten Form bei Alex Jones, war durchaus interessant vor über einem Jahrzehnt. Aber eben zu begrenzt, mit zu vielen Fehlern drin. Man muss sich davon lösen, eigene Forschungen betreiben und bessere Ergebnisse liefern. Alex Jones gab vor rund zwei Jahren zu, dass er die vergangenen zehn Jahre praktisch keine Bücher mehr zu Sachthemen gelesen hat. Er hielt das für überflüssig. Er war anscheinend überzeugt davon, dass es ausreiche, vor Ewigkeiten ein paar JBS-Bücher gelesen zu haben.

Wir lesen ab und zu Kommentare, laut denen wir ja früher so toll gewesen sein, aber uns dann total verschlechtert hätten. Das heißt, als wir noch die klassische JBS-Infowars-Linie hatten und vieles einfach nur übersetzten und kopierten, mochten das Leute, weil es das war war sie gewohnt waren. Je stärker meine Bildung wurde, umso mehr fand ich natürlich heraus, wo die Fehler und Rahmen und Probleme sind bei der klassischen JBS-Linie. Und je besser wir wurden, umso mehr wandten sich einige ab.

Die grob fehlerhaften JBS-Narrative bestimmen heute noch das Denken der Leute, ob nun vorm Rechner in Deutschland, in AfD-Kreisen oder bei Protesten am Kapitol. Egal welche Kanäle man sich anschaut, welche Radiosendung oder Podcast man anhört, welche Webseite man liest, man bekommt im Prinzip immer das gleiche Zeug vorgesetzt. Die JBS mag in Vergessenheit geraten sein, aber die Gönner hinter der Organisation haben längst unzählige neue Organisationen und Think Tanks gegründet, die unser Denken bestimmen sollen. Die Anhänger dieser Narrative erlebten nicht nur vier Jahre lang eine schlappe Trump-Administration mit leeren Versprechungen, sondern nun haben die Democrats das Weiße Haus, sowie die Mehrheiten im Senat und Kongress.

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