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Die unterschiedlichen Formen der Eugenik in 1984 und Brave New World

Der dystopische Roman 1984 von George Orwell (eigentlich Eric Arthur Blair) zeigt ein sozialistisches englisches Regime in der Zukunft, das mit direkter Brutalität jede Form des Widerstandes zermalmen will. Dabei werden manche Prinzipien sozialistischer Eugenik dargestellt, wie etwa die Vernichtung kritischer Denker, die selbstständig handeln, die körperlichen Beschwerden und das schnelle Altern der gewöhnlichen Parteimitglieder und die nur sehr kurze Blütezeit der Proles, der einfachen Bürger.

Die Regierung kontrolliert die Eheschließungen und die sexuellen Beziehungen, wobei für Fortpflanzung künstliche Befruchtung empfohlen wird. Es entsteht der Eindruck, dass das Regime gewöhnliche Parteimitglieder selbst bei kleinsten Anzeichen für eigenständiges Denken oder Zweifel verhaftet, aber die begrenzte Perspektive der Hauptfigur Winston lässt offen, ob verhaftete Personen wirklich nur kleinste Vergehen begangen hatten oder deutlich mehr. Das Regime leidet offensichtlich an Geldmangel und könnte es sich nicht leisten, ständig Verwaltungsbürokraten und andere Funktionäre aus dem Verkehr zu ziehen und wie am Fließband zu foltern und hinzurichten.

Winston selbst war eine illegale Beziehung eingegangen, mietete sich heimlich ein Zimmer in einer Proles-Gegend und schloss sich dem an, von dem er dachte, es sei eine militante Widerstandsorganisation. Der Roman Brave New World von Aldous Huxley präsentiert ohne Umschweife Eugenik-Konzepte, wo beispielsweise Menschen für eine Klassengesellschaft gezüchtet werden und dabei justiert werden kann, wie intelligent sie werden.

Aldous wurde interessanterweise Mitglied der elitären, adeligen Royal Society of Literature und war sieben Mal nominiert für den Literaturnobelpreis, sein Bruder Sir Julian Huxley war Eugeniker und Mitglied der Royal Society und weitere Mitglieder der Familie galten als bedeutende Wissenschaftler und Künstler. Der Vorfahre Thomas Henry Huxley war nicht nur bei der Royal Society, sondern sogar im britischen Kronrat und bei 10 verschiedenen Royal Commissions. Mehreren Biographen fiel auf, dass in der Huxley-Familie gehäuft psychische Erkrankungen auftraten, was auf erblich bedingte Faktoren (i.e. Schäden) hinweist. Huxleys Roman Brave New World wurde beeinflusst von den Romanen von H. G. Wells und es gibt eine Reihe an Vorwürfen wegen plagiierten Ideen aus dem Roman “We” von Yevgeny Zamyatin, „Daedalus“ von J. B. S. Haldane und Werken von Mieczysław Smolarski. Die Figur Mustapha Mond aus Brave New World, der Herrscher von Westeuropa, wurde benannt nach dem Industrialisten Sir Alfred Mond, 1st Baron Melchett, Mitglied der Royal Society und des britischen Kronrats.

Was praktisch jeder vergisst bei Orwells 1984 sind die äußerst wichtigen Anspielungen darauf, dass die drei Supermächte in 1984 (Ozeanien, Eurasien und Ostasien) heimlich an der Spitze kooperieren und den schwelenden Dauerkonflikt gegeneinander nur inszenieren, um die diktatorischen Strukturen aufrechterhalten zu können.

Keine der drei Supermächte kann von einer Allianz der anderen beiden erobert werden, dennoch gibt es wechselnde Allianzen, die ständig von der Staatspropaganda begleitet werden, so als hätte es vorhergehende Allianzen nie gegeben.

Die Hauptfigur in 1984, Winston Smith, liest in dem illegalen Buch “The Theory and Practice of Oligarchical Collectivism”, dass die Ideologien der drei Superstaaten praktisch identisch sind und dass dieses Geheimnis mit aller Härte geschützt wird. Der “englische Sozialismus” ist also genauso totalitär wie der Neo-Bolschewismus in Eurasien oder wie die chinesische Doktrin der Auslöschung des Individuums.

Winstons Geliebte Julia vermutet, dass die sporadischen Bombardierungen Londons in Wirklichkeit von der eigenen Regierung durchgeführt werden, um der Bevölkerung damit konstant den Dauerkrieg ins Gedächtnis zu rufen.

In unserer heutigen Realität gibt es praktisch niemanden, der erforscht, ob die drei Supermächte an der Spitze heimlich kooperieren. Alle drei Supermächte gingen aus höchst verdächtigen Revolutionen hervor:

Bei China und Russland haben wir es mit klassischen Diktaturen zu tun; jeder sieht unmissverständlich, dass die kommunistische Partei bzw. die Putin-Partei herrscht und dass ein Überwachungsapparat Abweichungen rigoros verfolgt. Nicht ganz so rigoros wie in 1984, aber nahe dran.

Die westliche Supermacht ist dagegen wesentlich schlauer konstruiert; es gibt die Illusion von Demokratie und Wahlmöglichkeiten. Jeder kann sich seine favorisierte politische Ideologie auswählen und jene unterstützen, ohne dabei zu merken, dass alles heimlich kontrolliert ist. Alle politisch-ideologischen Gruppen befinden sich in einem Dauerkonflikt, der nicht von einer einzelnen Gruppe oder Koalition dauerhaft gewonnen werden kann. Viele Überwachungsmethoden werden von Bürgern freiwillig in Kauf genommen durch Handys und Computer. Mit diesen gewonnenen Daten und Psychometrie-Algorithmen können die Persönlichkeitsstrukturen der einzelnen Bürger automatisch vermessen werden, wodurch der Algorithmus die Menschen genauer kennt als deren engste Angehörige und sogar genauer als die Menschen sich selbst kennen.

Diejenigen Menschen, die merken, dass etwas an dem System überhaupt nicht stimmt, geraten auf die ebenfalls heimlich kontrollierte Schiene der Verschwörungsmedien und glauben irrtümlich, sie würden nun “außerhalb der Matrix” denken.

In 1984 liest Winston ein Exemplar des Buchs “The Theory and Practice of Oligarchical Collectivism”, das zumindest Grundzüge des Wesens und der Funktionsweisen der Diktaturen verrät. Winston ist (im Gegensatz zu Julia) höchst interessiert an diesem Verschwörungsbuch, aber er erfährt darin nichts Handfestes zu der Frage, wie man gegen die Diktatur kämpfen soll. Es ist nie klar, ob das Buch an sich nur eine gezielte Falle der Geheimpolizei ist, um Dissidenten aufzuspüren und zu inkriminieren. Winston bekam das Exemplar von O’Brien, der die Rolle eines ranghohen Dissidenten spielt, aber in Wirklichkeit nur für die Geheimpolizei Dissidenten jagt. Zwar erklärt sich Winston bereit, eine Art Agent zu werden für die mysteriöse Widerstandsorganisation “Bruderschaft” und folgsam Befehle auszuführen, egal wie brutal diese sein mögen, aber es ist zu bezweifeln, dass Winston jemals wirklich in der Lage wäre, solch unmoralische Aufträge zu erfüllen. Selbst hatte er überhaupt keine Ahnung vom Widerstandskampf und sein einziger Lehrmeister stellt sich als Mitglied der Geheimpolizei heraus.

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