Gesundheit

Russia Today Deutsch: Schweinegrippe war kein Fake, sondern infizierte bis zu 500mal mehr Russen, als offiziell angegeben

Gerade die vehementesten Verharmloser der aktuellen COVID-Pandemie scheinen ein schlechtes Gedächtnis zu haben und wichtige Sachen zu vergessen. Selbst wenn SARS-Cov-2 eine Tödlichkeit von „nur“ 0.3% hätte, würden dennoch gigantische Mengen an Menschen sterben, weil das neuartige Coronavirus für die Immunsysteme der Menschen weitgehend unbekannt ist, anders als die saisonale Grippe. Aktuelle Studien mit verlässlicheren neuen Zahlen zur Übersterblichkeit deuten eher auf eine Tödlichkeit von mindestens 0,5% bis 0,9% hin. Je älter die Bevölkerungen und je schlechter die Gesundheitssysteme und je mehr Patienten gleichzeitig in der Notaufnahme landen, umso mehr schnellt die Todesrate weiter nach oben.

Die vehementen COVID-Verharmloser versuchten, COVID mit der Schweinegrippe zu vergleichen und die Schweinegrippe als „Fake“ abzutun, als eine Art inszenierte Pandemie. Ein Vergleich zwischen COVID und der Spanischen Grippe wäre weitaus interessanter, aber das passt den Verharmlosern nicht in ihr Konzept.

Die Schätzungen, wie viele Menschen an der Schweinegrippe starben, reichen bis ein paar Hunderttausend. Die ganz große Katastrophe blieb uns glücklicherweise erspart, die Eindämmungsmaßnahmen wurden bald wieder aufgehoben. Es gab deutliche Hinweise auf Korruption bei der WHO und Impfstoffherstellern. Aber um eine Fake-Pandemie handelte es sich nicht.

Nun meldet die deutschsprachige, russische Nachrichtenplattform Russia Toda Deutsch, dass sich möglicherweise bis zu 550 Mal mehr Russen mit dem Schweinegrippe-Virus infiziert hatten, als bisher offiziell angegeben.

Damals gab es in Russland eine „Explosion“ von Patienten mit Lungenentzündung, ähnlich wie heute bei COVID. Es entstand Panik. Und in der Bevölkerung Ratlosigkeit:

„Die Eltern mussten ihre Kinder von ihrem eigenen Geld impfen“, sagten sie. „Viele Menschen waren wütend, sie dachten, die Epidemie sei ein künstlich aufgebauschtes Problem, und sie waren sicher, dass jemand damit einfach Geld verdienen wollte.“ Deshalb lehnten viele Menschen Impfungen ab, kauften dafür aber in großem Umfang antivirale Medikamente auf, was zu einer Verknappung dieser Arzneien führte.

Schulen und Unis wurden geschlossen. Russische Forscher errechneten im Nachhinein, dass wohl etwa 5% aller Russen zwischen 2009 und 2013 an der Schweinegrippe erkrankten. Das wären bereits 100 Mal mehr Erkrankte als offiziell getestet und gezählt wurden.

Russia Today zitiert Ärzte, die nicht namentlich genannt werden wollen:

Einer der Moskauer Ärzte, der an vorderster Front gegen die Schweinegrippe kämpfte, erklärte RT anonym: Im Jahr 2009 wurde H1N1 oft als ambulante Lungenentzündung registriert. Dies sei jedoch nicht auf böse Absicht oder gar etwa einen Erlass „von oben“ zurückzuführen, sondern auf Besonderheiten der Patientenregistrierung und das Fehlen sachgemäßer Testbedingungen damals, erklärte er.

Hätte dieser Arzt unterstellt, dass „von oben“ Befehle kamen zur Vertuschung, dann geriete er wohl in große Schwierigkeiten. Tests waren damals zu teuer. Man rechnet damit, „dass sich in der Situation mit der COVID-19-Pandemie ein ähnliches Durcheinander mit den Statistiken einstellen wird.“

Eine weitere russische Studien namens „Analyse der Epidemie der A(H1N1)-Grippe in Russland in der Saison 2009/2010“ schätzt gar, dass die Zahl der Erkrankten bis zu 480mal größer gewesen sein könnte.

Wie viele Russen sind tatsächlich gestorben an der Schweinegrippe? Wei viele Schweinegrippe-Tote wurden als Todesfälle aufgrund von Lungenentzündungen usw. gelistet? Wollte die Regierung die genauen Todeszahlen überhaupt wissen? Oder wäre dies zu peinlich gewesen, wenn die Weltöffentlichkeit davon erfahren hätte und wie marode das russische Gesundheitssystem war? Russland hat ohnehin ein großes Problem mit seiner Demografie. Die Lebenserwartung ist nicht sonderlich hoch und es kommen zuwenig neue Kinder auf die Welt.

Russlands Gesundheitssystem auch heute zu schwach für COVID

Ein Jammer-Text auf Russia Today Deutsch über die westliche Berichterstattung über russische Dissidenten während der COVID-Krise gibt zu: Russlands medizinisches System ist “oft kritisch unterbesetzt” und droht “vom Corona-Virus völlig überwältigt zu werden”. Der größte Brüller im Text ist folgender Satz:

“Tatsache ist, dass nach fast drei Jahrzehnten ultraneoliberaler Ökonomie, zu der Russland vom Westen angestachelt wurde, die Arbeitsbedingungen für Ärzte in russischen staatlichen Krankenhäusern im Allgemeinen schlecht sind. Darüber hinaus kann niemand bestreiten, dass viele Krankenhäuser des Landes eine Menge Hilfe benötigen, um einen vernünftigen, akzeptablen Standard zu erreichen.”

Nicht etwa Putin und die korrupten Oligarchen seien schuld an dem maroden Gesundheitsystem. Sondern der Westen und der Kapitalismus. Diesen Stuss kann man an sich schon nicht gelten lassen, weil es westliche Märkte und Banken waren, die nach 1991 Russland vor dem totalen Kollaps bewahrt hatten.

Außerdem war zuvor auch schon das sowjetkommunistische Gesundheitssystem eine Katastrophe: Zu Beginn der 1980er Jahre waren die Kassen leer und das Niveau ging steil nach unten. Und das, obwohl westliche Großkonzerne seit 1918 den Sowjets alle mögliche Technologie verkauft hatten. Das große Putin-Wunder blieb bislang aus:

Seit 2008 sind viele Milliarden Rubel in das russische Gesundheitswesen geflossen, im Rahmen der neusten Gesundheitsreform. Unter dem Schlagwort „Optimierung“ werden Kliniken modernisiert und zusammengelegt. Doch die Reform ist bei Fachleuten und in der Bevölkerung äußerst umstritten. In Umfragen äußern sich weiterhin rund zwei Drittel der Befragten unzufrieden vor allem mit der kostenlosen medizinischen Versorgung in ihrem Land.

Es wird auf Russia Today Deutsch gemault, dass russische Dissidenten es doch tatsächlich wagen, mit westlichen Massenmedien zu sprechen über COVID 19. Die Russenmedien rollen natürlich westlichen Dissidenten ständig den roten Teppich aus.

Zudem versuchen die einschlägigen Beeinflussungsagenten Russlands bei uns in Deutschland immer noch, die Gefährlichkeit des Virus so gering wie möglich einzuschätzen. Über Russlands Lockdown sprechen sie bisher nicht, aber sie könnten die Wende in der Berichterstattung von RT als Signal auffassen, die Propaganda anzupassen.

In Russland kam es zu einem harten Lockdown und zum Verbot von Kritik daran („Fake News“). Die Moskauer Krankenhäuser und der Rettungsdienst arbeiten nach einem starken Anstieg der Zahl derer, die mit schweren Coronavirus-Komplikationen ins Krankenhaus eingeliefert werden, an der Kapazitätsgrenze, sagte ein hoher Beamter der Stadt kürzlich. Die Zahl in Moskaus Krankenhäusern habe sich verdoppelt, und mehr als 85% dieser Patienten hätten eine Lungenentzündung, sagte die stellvertretende Bürgermeisterin Anastasia Rakowa auf dem Telegramm-Konto der städtischen Virus-Task Force.

“Zusammen mit der wachsenden Zahl schwerkranker Menschen ist der Druck auf das Gesundheitswesen der Hauptstadt stark gewachsen. Unsere stationären Einrichtungen und unser Ambulanzdienst arbeiten jetzt an ihren Grenzen”,

sagte Rakova. Unterdessen warnte Bürgermeister Sergej Sobjanin, dass die Epidemie noch nicht einmal annähernd ihren Höhepunkt erreicht habe.

“Ich kann Ihnen mit Sicherheit sagen: Es hat noch keinen Höhepunkt gegeben. Wir befinden uns eher in den Ausläufern dieses Gipfels, nicht einmal in der Mitte”,

sagte Sobjanin, der auch Leiter einer Taskforce ist, die regionale Reaktionen koordiniert, gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur RIA Novosti.

Er sagte, Russland habe mit seinen Anti-Virus-Maßnahmen Zeit gewonnen und liege im Vergleich zu Ländern, die unter großen Epidemien leiden, zwei bis vier Wochen hinter der Kurve zurück.

“Wir erleben das mi einer Zeitverzögerung, sodass wir uns besser auf den Schlag vorbereiten können, der auf uns zukommt”,

sagte der Bürgermeister.

Die Russen haben ihre privaten Ausgaben um bis zu einem Drittel gekürzt, da sich das Land einen Monat lang in einem nationalen Stillstand befindet, der dazu geführt hat, dass die Hälfte der Wirtschaft abgeschaltet wurde.

Erste Daten russischer Banken über das Ausgabeverhalten ihrer Kunden in der ersten Woche der nationalen “arbeitsfreien Zeit”, die vom 28. März bis zum 5. April dauerte, zeigen, dass VTB-Kunden ein Drittel weniger ausgaben, während die Kartentransaktionen der Sberbank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 23% zurückgingen.

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2 comments

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Emma 30. April 2020 at 14:03

@ Jens Harmann

Covid-19 ist in Teilen vergleichbar mit der Spanischen Grippe. Solange es kein Impfstoff gibt, ist es unberechenbar. Es mutiert und es wird eine zweite Welle geben, in China läuft diese schon. Ich lese bei Ihnen heraus, dass unsere moderne Gesellschaft verlernt hat, mit solchen Ereignissen, die nicht neu sind, die es seit Menschengedenken gibt, umzugehen. Jeder glaubt von sich, dass er locker 100 Jahre alt wird, Krebs ist bald besiegt und nichts kann uns mehr was anhaben. Sterben… darüber spricht mach nicht, das hat man aus der Erfahrungswelt einfach gestrichen. Klappt aber nicht, weil Viren sich nicht dran halten.

Sowohl die „Asiatische Grippe“ von 1957 als auch die „Hong-Kong-Grippe“ von 1968 hatten pandemische Ausmaße und forderten jeweils bis zu zwei Millionen Tote. Obwohl noch etliche Zeitzeugen dieser beiden Pandemien am Leben sind, ist das große Referenz-Ereignis, auf das die Debatte gerade ständig fokussiert, die Spanische Grippe von 1918/19, die am Ende des Ersten Weltkrieges mehr Menschen umbrachte als die Kampfhandlungen.
Das Influenza-Virus wurde erst 1933 entdeckt.

Zudem waren bakterielle Lungenentzündungen eine häufige Begleiterscheinung der Krankheit, die seinerzeit oftmals zum Tod führten. So gab es damals noch keine Antibiotika, die die trittbrettfahrenden Bakterien hätten unschädlich machen können.

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Jens Harmann 28. April 2020 at 14:29

Inwiefern ist die Coronaepidemie, bei der im Schnitt 80jährige, schwer vorerkrankte Menschen sterben, mit der Spanischen Grippe, bei der 40 % der Verstorbenen zwischen 20 und 35 Jahre alt waren?

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