Politik

Strache plant sein politisches Comeback – aber hat er irgendetwas dazugelernt?

Bild: Alexandros Michailidis / Shutterstock.com

Kommentar

Strache plant in Österreich sein politisches Comeback und die Angelegenheit bringt völlig abgedroschenes Marketing mit sich. Der Werbe-Pitch lautet natürlich, die FPÖ sei zu soft geworden, zu karrieregeil, zu systemkonform und hintertrieben. Er selbst sei natürlich kompromisslos patriotisch und total ehrlich.

Mal sehen, wie das beim Publikum ankommt. Auch die Identitären merken, dass sie als APO Pressure Group verbrannt sind und brauchen eine frische Aufmachung. Mit dem alten Personal bleiben aber die alten Probleme.

Die Koalition in Österreich war zerbrochen, weil Strache und Gudenus von der FPÖ sich in einem heimlich gefilmten Meeting mit einer Fake-Oligarchin peinlich benommen und fragwürdige Andeutungen gemacht hatten.

Hätten Strache und Gudenus etwas von Politik und Spionage verstanden, hätten sie die Dame wirklich geprüft, bevor sie mir ihr in einer fremden Location bei Wodka-Red Bulls über abstruse Pläne sprechen. Niemand erwartet Perfektion von Strache, aber in seinem Alter wie ein blutiger Anfänger zu agieren, ist schockierend. Was zur Frage führt, auf wieviele weitere Fallen er noch hereingefallen ist und wer sonst noch irgendwas gegen ihn in der Hand hat.

Sellner stammt aus dem gleichen Millieu von rechten Burschenschaften und Neonazis wie Küssel, der ebenfalls kürzlich den Eindruck erweckte, er habe heikle Informationen über Strache in der Hinterhand.  Inzwischen merkt Sellner, dass mit dem Niedergang von Strache die gesamte rechte Szene geschwächt wird und damit seine eigene Karriere in Gefahr ist. Ich weise seit Jahren darauf hin, dass man keine Figuren aus diesem Milieu fördern sollte, weil sich zu viele V-Männer darin tummeln und auch Nicht-V-Männer anscheinend problematisches Material übereinander sammeln. Ein paar Fotos oder Videos reichen ggf. um jemand anderem Schaden zu können.

Werden reiche Gönner der FPÖ, die teils von Strache auf dem geleakten Video genannt wurden, nochmal riskieren, jemanden wie Strache aufzubauen?

Gottfried Küssel, ein notorischer Neonazi und Provokateur, hat in einem Interview mit der deutschen Zeitschrift “N.S. Heute” über Strache gesprochen:

“Da gab es einige lustige Auftritte, über die will ich jetzt aber nicht reden, vielleicht brauchen wir das noch einmal.”

Strache habe “zwar nie unsere Blutgruppe gehabt”, aber “im stillen Kämmerlein hat er den großen Nationalsozialisten gespielt.” Strache soll an “einer Art Wehrsportübung” in Niederösterreich teilgenommen haben, bei der auch Gottfried Küssel, Chef der extremen Organisation VAPO, anwesend gewesen sein soll. Strache meint, gleich nach Ankunft wieder nach Hause gefahren zu sein. Mitglied der VAPO sei er nicht gewesen. Strache war noch bei einer Reihe an “Zeltlagern” mit Neonazis wie Andreas Thierry und Jürgen Hatzenbichler, ein einem Treffen der Wiking-Jugend usw.

Da wir aktuell sehen, wie eine FPÖ-Regierungsbeteiligung durch ein einzelnes Video gesprengt werden konnte, muss man sich fragen, wer alles von Strache aus seinen früheren Jahren noch Bilder oder Ton-Aufnahmen hat, betrunken am Lagerfeuer und in ideologischer Stimmung und wie viel solche Aufnahmen heute in bestimmten Händen theoretisch wert sein können. Der Vater von Johann Gudenus war John Gudenus, auch Politiker. Beide stammen aus einer Adelsfamilie und gehörten der Wiener pennalen Burschenschaft Vandalia an. John Gudenus wirkt so, wie bei uns die NPD, deren adeliger Gründer Adolf von Thadden für den britischen Geheimdienst arbeitete. Über den Neonazi Gottfried Küssel, dem Sellner von den Identitären früher hinterherdackelte, sagte der ältere Gudenus bei einer Gerichtsverhandlung gegen den Politiker Ewald Stadler im April 2014:

„Gottfried Küssel war ein anständiger Mann, den man leider eingelocht hat.“

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1 comment

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Ben Esch 25. Januar 2020 at 11:03

von einer privaten Firma, die mit dem ÖVP geführten Verfassungsschutz eng zusammenarbeitete wurde das Video gedreht und nach dem Dreh eine zweijährige Langzeitstrategie entworfen.

und zwar: wir lassen die Grüninnen sehr knapp aus dem Parlament fliegen – holen die FPÖ in eine vom Volk gewünschte Koalition – machen eine beliebte Arbeit – und kurz vor der nächsten großen (EU) Wahl ziehen wir das Video aus der Tasche – sprengen die Koalition – schicken die FPÖ in ein zweites Knittelfeld und beanspruchen alles bisher positiv gemachte für uns.
DAS INNENMINISTERIUM, DORT WO DIE WAHLERGEBNISSE MANIPULIERT WERDEN, ist somit kurz vor dieser Wahl wieder schnell unter ÖVP-Herrschaft gestellt worden, und so ist auch das Wahlergebnis ausgefallen.
Die Grüninnen wurden wie geplant fulminant zurück ins Boot geholt und eine Globalistenkonforme Regierung zusammen gestellt.

Man sollte überhaupt laut darüber nachdenken, wie es sein darf, daß eine durchgehend zur Wahl stehende Partei, die Wahlergebnisse auswerten und bekannt geben darf.

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