Sicherheit

Die Bundeswehr hat nur genügend Munition für einen einzigen Tag

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Kommentar

Söder von der CSU meinte kürzlich:

„Die Bundeswehr hat nach Schätzung vieler Experten nur für einen Tag Munition. Wir sollten eine Reserve von mindestens einem Monat haben und endlich genügend Ersatzteile für Flugzeuge und andere Geräte.“

Munition für nur einen einzigen Tag? Dann können wir die Bundeswehr ja gleich zu einer reinen symbolhaften Sache auf Facebook und Youtube machen. Wir tun einfach so, als hätten wir ein Militär, wir machen es rein virtuell, sparen damit Geld. Eine rein virtuelle Veranstaltung.

Während des Kalten Krieges hatte die Bundeswehr Munition für 30 Tage. Jetzt ist man fast leer. Hauptsache, externe Berater werden mit Millionen Euro an Steuerzahlergeldern gefüttert und Generäle tragen ihre stolzen Uniformen.

Das Verteidigungsministerium will heute keine konketen Daten herausrücken:

“Diese Informationen sind als Verschlusssache eingestuft und werden daher nicht veröffentlicht.”

Auch bei anderen und teureren Munitionen sind die Bestände so knapp, dass man von reiner Symbolik reden muss. Selbstverständlich könnten die USA im Ernstfall palettenweise die Patronen im NATO-Standardkaliber liefern, aber dann hätten unsere wenigen Soldaten zu wenig Training, um wirklich zu treffen. Gibt es eine Art Geheimvereinbarung, laut der unsere Depots fast leer sein müssen und dass nur im Ernstfall die Amerikaner die Erlaubnis erteilen, die Depots zu füllen? Jaja, das wäre wohl wieder eine “Verschlusssache.”

Es befinden sich in den Depots der Bundeswehr auch weiterhin mehrere hunderttausend (Angaben variieren) G3-Gewehre für den Fall der Landesverteidigung, die auch weiterhin gewartet werden, zum Beispiel durch das Nachrüsten des Hülsenabweisers. Außerdem sind auch in den Waffenkammern vieler Bundeswehreinheiten immer noch G3-Gewehre vorhanden und einsatzbereit.

Der Bundesrechnungshof hielt fest, dass auch gewaltige Mengen an Munition eingelagert sind für das G3-Gewehr. Ein Teil davon ist leider wegen unsachgemäßer Lagerung nicht mehr einsetzbar:

Anfang 2011 untersuchte der Bundesrechnungshof, ob das Bundesverteidigungsministerium seine Zusagen eingehalten hat. Dabei stellte er fest, dass die Bundeswehr einen Bevorratungsbedarf von 28 Millionen Patronen Gewehrmunition des Kalibers 7,62 x 51 mm hat. Tatsächlich lagerte sie 227 Millionen Patronen dieses Typs mit einem Buchwert von 116 Mio. Euro. Die Bundeswehr hat den überschüssigen Teil dieser Gewehrmunition nicht verwertet und lagert noch immer alte Bestände, deren Beschaffung bis auf die 1960er-Jahre zurückgeht. Seither hat sie nicht vorrangig die alten Bestände aufgebraucht, sondern auch inzwischen neu beschaffte Gewehrmunition verwendet.

Es könnte rund die Hälfte der Munition faul sein. Zum Höhepunkt des Kalten Krieges verfügte die Bundeswehr über rund 500.000 Soldaten plus Reservisten. Außerdem wären im Extremfall noch weitere Bürger eingezogen worden und hätten Gewehre gebraucht. Wie viele Gewehre existieren heute noch in den Depots und in welchem Zustand befinden sich diese?

Nach der Wende wurden angeblich die allermeisten Kalaschnikow-Gewehre der DDR-Volksarmee ans Ausland verschenkt. Existieren davon aber noch welche? Angesichts des neuen Ost-West-Konflikts existiert immerhin ein gewisser Bedarf für den Fall der Landesverteidigung.

Es ist auch bizarr, dass das deutsche Waffenrecht so streng ist, aber im Falle der Landesverteidigung theoretisch Millionen Gewehre zur sofortigen Verfügung stehen.

Wie zeitgemäß ist das G3 bzw. sind die Varianten davon heute noch? Der amerikanische Youtube-Kanal Sensible Prepper hat es getestet. Das G3 ist verhältnismäßig günstig und hochwertig verarbeitet, das Kaliber ist teuer aber hat große Vorteile gegenüber dem heute gängigen 556 NATO, es gibt viele Ersatzteile und Maschinen zur Herstellung von Teilen und die Genauigkeit der Waffe ist relativ hoch. Zubehör-Schienen müssten ans Gehäuse drangeschweißt werden.

Während die Bundeswehr einen Nachfolger für das G36 sucht und evtl. 100.000 Einheiten des neuen Gewehrs beschaffen wird, könnte die Masse der Deutschen im Verteidigungsfall eher auf das G3 zurückgreifen.

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