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Terror

Das Geheimnis des zweitgrößten Profiteurs von 9/11

Northfoto / Shutterstock.com

Donald Trump feuerte nun seinen Nationalen Sicherheitsberater John Bolton, der als Ultra-Hardliner bekannt ist, aber dies ändert nichts daran, dass Trumps Administration insgesamt voll ist mit elitären Neokonservativen und Vertrauten der ehemaligen Präsidenten Bush und Bush Sr.

Das amerikanische Empire musste nach dem Kollaps der Sowjetunion massiv abrüsten und insbesondere die Geheimdienste zurechtstutzen. China war zu dem Zeitpunkt noch lange kein glaubwürdiger Gegner, weder wirtschaftlich noch militärisch. Die Anschläge vom 11. September 2001 boten schließlich die Gelegenheit, so lange einen “Krieg gegen den islamischen Terror” zu führen, bis Russland und China endlich zu glaubhaften Feinden auf der Weltbühne herangereift waren.

Und das macht Russland zu dem zweitgrößten Profiteur von 9/11 nach den USA.

Die Anschläge verschafften dem Putin-Regime die benötigte Zeit und die benötigte Ablenkung, um die diktatorischen Verhältnisse in Russland wieder in vollem Umfang herzustellen. Während der Westen hitzig debattierte über NSA-Überwachung, geheime US-Foltergefängnisse und den Patriot Act, achtete niemand auf das, was im Osten vor sich ging. Auch die “alternativen” Medien interessierten sich fast überhaupt nicht für die russische Föderation, deren Geheimdienste ganz langsam und behutsam die westlichen alternativen Medien infiltrierten.

Kein Wunder, dass der Kreml der Bush-Administration großzügig beim “Krieg gegen den islamischen Terror” half. CNN berichtete 2002:

“In einer erstaunlichen Entscheidung koordinierte der russische Präsident mit den zentralasiatischen Nationen, um den US-Streitkräften erstmals die Nutzung von Militärbasen der ehemaligen Sowjetunion zu ermöglichen.

Weitere Zugeständnisse von Putin folgten. Als Bush ankündigte, dass die Vereinigten Staaten sich aus dem Raketenabwehrvertrag zurückzogen, nahm Putin das gelassen hin – so beendete er einen Streit, der einst drohte, die Beziehungen zwischen den USA und Russland zu stören.

Und als Washington US-Militärtrainer nach Georgien nahe der Grenze zu Russland schickte, war Putin völlig gelassen.”

Russland durfte im Gegenzug Mitglied der G8-Staaten werden und immer mehr Gas und Öl an Europa liefern und damit Milliardenprofite erwirtschaften, mit denen das russische Militär und die Geheimdienste erneuert werden konnten. Westliche Medien waren recht leise über den Tschetschenienkrieg, über die systematische Vernichtung von Freiheit in Russland und erst recht über die Terror-Anschläge in Russland, die höchstwahrscheinlich von Putins Geheimdienst FSB verübt worden waren und Putin zum Star gemacht hatten.

Ruslan Martagow, der Sprecher einer von Moskau installierten Regierung in Tschetschenien gewesen war, meinte:

“Der 11. September war ein unerwartetes Geschenk für Herrn Putin”, sagt Martagov. “Von da an nannte er den Kampf gegen die tschetschenische separatistische Bewegung im Nordkaukasus einen “Kampf gegen den internationalen Terrorismus”.

Boris Kagarlitsky, der Direktor des Moskauer Instituts für Globalisierungsstudien, sagt, dass die Regierung Putins auch die Angriffe vom 11. September genutzt hat, um ihr Vorgehen gegen unabhängige Medien zu rechtfertigen:

“Der Krieg gegen den Terrorismus ist ein großes Geschenk für jede Regierung, denn er stellt immer eine Möglichkeit dar, die Bürgerrechte und -freiheiten schnell einzuschränken, um eine Lebensweise zu retten, die[angeblich] von einem absoluten Übel bedroht ist”, sagt Kagarlitsky. “Für das russische politische Establishment ergab sich eine wunderbare Gelegenheit, die Presse zu kontrollieren. Es ist kein Zufall, dass das systematische Abwürgen der freien Presse genau nach September 2001 begann.”

Vielen ist inzwischen bekannt, wie stark die amerikanischen und britischen Geheimdienste zusammen mit Saudi Arabien frühzeitig die internationale islamische Terroristenszene infiltriert und mit aufgebaut hatte, wie etwa im Kalten Krieg in Afghanistan gegen die sowjetischen Besatzer.

Aber auch die russischen Geheimdienste hatten frühzeitig den radikalen Islam infiltriert.

Alexander Litwinenko, der rebellische russische FSB-Geheimdienstoffizier der 2006 in London mit radioaktivem Material ermordet wurde, bezeichnete den berüchtigten al-Zawahiri als “Moskaus Mann in al-Qa’eda”. In einem Interview nach den Anschlägen vom 7. Juli 2005 in London behauptete er, dass der zukünftige al-Qa’eda-Chef sich 1998 in einem FSB-Ausbildungszentrum in Dagestan im Nordkaukasus befunden hätte.

“Dort absolvierte er eine sechsmonatige Spezialausbildung. Dann wurde er nach Afghanistan geschickt, wo er noch nie zuvor gewesen war. Unmittelbar danach drang er unter Aufsicht seiner FSB-Bosse in das Gefolge von Bin Laden ein und wurde bald sein Stellvertreter in al-Qa’eda…. Ich sah die Offiziere aus dem FSB-Direktorium für Dagestan, die kurz zuvor al-Zawahiri ausgebildet hatten, die nach Moskau versetzt wurden und Beförderungen erhielten.”

Später musste Russland zumindest zugeben, dass man al-Zawahiri rund ein halbes Jahr lang in FSB-Gefangenschaft hatte und ihn dann gehen ließ, weil man seine echte Identität nicht erkannt habe. So naiv wird der FSB aber nicht gewesen sein, weil man eindeutige Daten von Zawahiri und dessen zwei Begleitern ausgewertet hatte:

“Nach der Freilassung besuchte Zawahiri zehn Tage lang heimlich Islamisten in Dagestan, was vermutlich der ursprüngliche Zweck seiner Reise in die Region gewesen war. Kurz darauf machte er sich auf den Weg nach Afghanistan, um sein schicksalhaftes Bündnis mit Bin Laden zu schließen, das Mitte Februar 1998 mit der Ankündigung einer neuen Partnerschaft zwischen den Männern und ihren Organisationen in einer Global Islamic Front for Jihad gegen Juden und Kreuzritter gefestigt wurde. So wurde al-Qa’ida offiziell geboren und der Weg zum 11. September festgelegt.”

Zawahiri war bereits 1996 einer der meistgesuchten Terroristen der Welt, nachdem er 1981 eine führende Rolle bei der Ermordung von Präsident Anwar Sadat gespielt hatte; die Rolle des radikalen Arztes Zawahiri im anschließenden öffentlichen Prozess wurde in vielen Ländern im Fernsehen übertragen.

Die russischen Geheimdienste hatten bereits im Kalten Krieg Verbindungen zur PLO, einschließlich Waffenlieferungen und Ausbildungen, während palästinensische Gruppen wie die PFLP-GC praktisch wie Unterabteilungen des KGB waren.

Der FSB-Überläufer Alexander Litwinenko sprach von weiteren Verbindungen des FSB zu al-Kaida, wurde aber prompt von russischen Agenten ermordet mit radioaktiven Polonium. Shamil Basayev, der langjährige Emir der Mudschahidin in Tschetschenien, war in den 90er Jahren ein Agent des russischen Geheimdienstes GRU.

Rund zehn Jahre nach 9/11 veröffentlichte TIME Magazine den Artikel “Wie der Krieg gegen den Terrorismus Russland einen Gefallen getan hat“. Darin wird äußerst kritisch Bilanz darüber gezogen, wie Putin vor dem Hintergrund der 9/11-Anschläge den Tschetschenienkrieg rechtfertigte und immer stärker behauptete, dass die tschetschenischen Terroristen erhebliche Verbindungen zu al Kaida hätten; dass quasi die USA und Russland einen singulären gemeinsamen Feind bekämpfen würden.

“Es gab jedoch kaum Beweise dafür, dass die tschetschenischen Rebellen Teil eines globalen islamistischen Terrornetzwerks waren, wie Putin und seine Regierung wiederholt behaupteten. Der Führer der Separatisten war damals Aslan Maskhadov, ein ehemaliger Oberst der Roten Armee, der dem Kommunismus näher war als dem Islamismus, und es gab keinen Beweis dafür, dass er viel Hilfe aus dem Ausland erhielt.”

Russland konnte nicht nur die abtrünnige Region Tschetschenien wieder einfangen, sondern auch das Militär testen, Offiziere ausbilden und üben für künftige, größere Operationen. Ab 2008 sahen wir eine schrittweise Infiltration der westlichen alternativen Medien durch russische Geheimdienste, die insbesondere Konservative ansprechen sollten, die wegen dem Wahlsieg der Democrats und Barack Obama in höchster Alarmbereitschaft waren. Zunehmend präsentierte sich das russische Regime als christlich-konservativ und versprach westlichen Konservativen das Blaue vom Himmel. Innerhalb von wenigen Jahren wurde es in westlichen “alternativen” Medien üblich, einfach unkritisch von den Russenmedien abzuschreiben und hinter jedem schockierenden Ereignis westliche Dienste zu vermuten, aber nie Spuren in Richtung Russland zu untersuchen. Fast der einzige, der frühzeitig Russlands Beziehung zu al-Kaida untersuchte, war der Autor Torsten Mann in seinem Buch Weltoktober. Sein nächstes, bald erscheinendes Werk dreht sich hauptsächlich um Russlands Einfluss auf den radikalen Islam.

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3 comments

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Rugai 12. September 2019 at 3:36

Achja (Seufzer), auch wenn klar ist , dass innerhalb der sogenannten “Herrschenden Klassen” wohl jedes Mitglied irgendwie Dreck am Stecken hat (eben auch Putin, Hallo ? Ex-KGB, der sich “zum Guten” bekehren liess ?) hätte es mir schon gefallen, wenn ausgerechnet Russland sich als wirklicher Erneuerer im Sinne eines Paradigmenwechsels hervorgetan hätte, insbesondere nach den ganzen Vorträgen über eine multipolare Weltordnung und dem nüchternen,gelassen-unhysterischen Auftreten Putins zur Weltwirtschaft und -Politik.
Nach dieser Lektüre wächst dann doch wieder die eigentliche Ahnung, dass hier auf sehr hohem und äusserst gerissenen manipulativem Niveau einfach nur Böser Cop , Guter Cop in wechselnden Rollen gespielt wird…wie eigentlich schon immer….

Schade, Märchengeschichten können so verlockend sein…..

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Jermain 11. September 2019 at 23:39

Das sind ja supertolle Kerle hier links wie rechts! So unglaublich souverän! So unglaublich unabhängig!

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Suchti 11. September 2019 at 13:02

Es gibt da draußen n i c h t e i n e Partei, welche nicht irgendwie die Evolution des Menschen ausbremst – gut, manche sind da etwas dümmer als andere, aber Dreck am Stecken haben sie zumindest alle. Punkt

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