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Politik

Die wirklich einzige Lösung für den AfD-Richtungsstreit

Kommentar

Die bayerische AfD hat nun sogar argumentiert, dass der rechte „Flügel“ um Höcke und andere Figuren eine separate Organisation darstellt, die zu der AfD in Konkurrenz steht. In mehreren Landesvorständen tobt der Kampf und Höcke erklärte kürzlich beim Kyffhäusertreffen dem Bundesvorstand an, dass jener nicht mehr allzu lange bestehen werde. Die Partei mag im Osten recht hohe Umfragewerte haben, aber die Meinungsforschung zeigt, dass dort auch eine Schallgrenze erreicht wurde und dass die AfD auf Höcke-Kurs bundesweit eher absinken wird.

Der Flügel ist beeinflusst durch klassische Verschwörungsliteratur, rechtsrevisionistische Bücher und wahrscheinlich auch durch klassische Rechtsesoterik. Der gemäßigt-bürgerliche Teil der Partei hält sich größtenteils fern von solchen Medien. Dies ist der Ursprung der Spaltung in der AfD. Die Flügel-Anhänger werden nie von diesen Einflüssen loslassen, weil nur in dieser Literatur größere Verschwörungen behandelt werden und nur in dieser Literatur eine Neubetrachtung der deutschen Geschichte vorgenommen wird. Die gemäßigten Bürgerlichen werden sich nie auf diese Einflüsse einlassen, weil darin zu große Irrtümer und Irreführungen enthalten sind und die allermeisten Menschen im Inland und Ausland abstößt.

Der Flügel denkt, ein Ablassen von klassisch rechter (Verschwörungs-) Literatur wäre wie eine komplette Amputation und Selbstaufgabe. Die Bürgerlichen denken, sie würden ihren bürgerlichen Charakter verlieren, wenn sie sich auf rechte (Verschwörungs-)Literatur einlassen.

Die AfD kann nicht als braune Partei funktionieren, sie kann aber auch nicht als harmlose Spießerpartei funktionieren. Die Lösung liegt auf der Hand: Es braucht endlich wissenschaftliche Medien und Forschung, die sich mit Verschwörungen und ausländischen Geheimdienstoperationen gegen Deutschland in der Vergangenheit und Gegenwart beschäftigen. Nur so lassen sich verheerende Irrtümer eliminieren und neue Erkenntnisse gewinnen und nur so finden Menschen aus dem rechten Spektrum und generell aus der gesamten Bevölkerung zusammen.

Die britischen, amerikanischen, russischen und hochadeligen (!) Spionageabteilungen kombinierten ihre Geheimdienstoperationen immer mit psychologischer Kriegsführung, um die Menschen auf falsche Fährten zu locken. Man kontrolliert seit dem späten 18. Jahrhundert die Leitlinien der modernen Verschwörungsmedien und lancierte über den britischen Freimaurer John Robison das erste Verschwörungs-Bestseller-Buch „Proofs of a conspiracy“, in dem deutsche und französische Logen für die Frazösische Revolution verantwortlich gemacht wurden, aber kein Sterbenswort verloren wurde über die britische Spionage.

Im 19. Jahrhundert infiltrierte die britische Spionage die völkischen Gruppen in Deutschland und Österreich, um dort Okkultismus zu verbreiten, Fortschrittsfeindlichkeit, Sympathien für den (Welfen-)Adel und Freiheitsfeindlichkeit.

Guido von List bediente sich inhaltlich bei altbekannten Quellen wie dem Freimaurertum, den Rosenkreuzern, weiteren Organisationen, der Kabbala und auch bei Tempelritter-Mythen, die jeweils passend zurechtgebastelt wurden. Alle möglichen Tricks und Kniffe kamen zum Einsatz, um eine vermeintliche armanische Hochzivilisation zu behaupten, die vor Ewigkeiten als goldenes Zeitalter existiert haben soll. Von Wappen über Statuen bis hin zu Ortsnamen; überall interpretierte List hinein, dass es sich um versteckte Spuren der Armanenkultur handelte. Besonders perfide war Lists Idee, dass deutsche Adelsgeschlechter „Abkömmlinge alter Armanengeschlechter“ wären und dass nach einer bald hereinbrechenden Endzeit und Apokalypse (messianische Wehen) ein neues Zeitalter käme.

Man erkennt wieder einmal, wie anpassungsfähig die Mysterien und die zugrundeliegenden Prinzipien sind; sie ließen sich problemlos verbinden mit germanischen Versatzstücken wie Runen oder der Edda und einer speziell angepassten Agenda für deutsche und österreichische Nationalkonservative. Genauso funktioniert die Masche heute, wo Neurechte umgarnt werden mit Tempelritter-Ikonografie oder mit Rechts-Okkultismus aus Russland.

Lanz von Liebenfels brachte unverhohlen und offen eine gehörige Portion Psychopathie und Gruppennarzissmus in seine Esoterik mit ein; niedere Rassen und Stände gehörten versklavt und ausgerottet. Die Spuren der „heiligen elektronischen Kraft“ hätten sich durchgesetzt in den alten fürstlichen Dynastien Deutschlands. Dass gerade die Welfen auf deutschem Boden mit dem britischen Thron eng verwandt waren und eine Gefahr darstellten, wurde nicht erkannt oder kam nicht zur Sprache. Auch dass die britischen Welfen und deren Organisationen den Schein-Parlamentarismus und über die Fabian Society den Sozialismus aufbauten, sprachen die völkischen Gruppen nicht an, entweder aus Unkenntnis oder um gezielt den falschen Eindruck zu erwecken, der Adel hätte immer stärker an Einfluss verloren und sei ein verlässlicher Partner für die Völkischen. Die Zukunftsvisionen, die auch in günstigen Heften wie der Ostara gemalt wurden, über einen rassereinen Staat mit Zauber-Priestern, waren nichts anderes als Gruppennarzissmus und eine immer stärker verzerrte Realitätswahrnehmung. Anstatt den Fokus auf geheimdienstliche Fähigkeiten zu setzen und die Strukturen von Amerika, Russland, Britannien und dem Welfen-Adel zu erforschen, interessierte man sich nur für altbekanntes mystisches Brimborium und bastelte sich eine germanisierte Version davon zurecht.

In einer österreichischen Burgruine schuf Liebenfels den Ordo Novi Templi (ONT), wo er mit Kostümen und abgekupfertem Zeremoniell die Elite der Zukunft sammeln wollte. Natürlich hatte Lanz noch nie im Kampf ein Schwert geschwungen oder irgendeine Art von Kriegsführung vollzogen. Er konstruierte einfach das Märchen zusammen, dass die Tempelritter ein arischer Bund mit einer arischen Mission gewesen seien, um ein neues Reich im Mittelmeerraum zu errichten. Die katholische Kirche hätte davon Wind bekommen und die Templer zum Großteil zerstört.

Bild: Liebenfels im Templer-Kostüm

Hans Heinrich XV. Fürst von Pless beschenkte den ONT reichlich. Er hatte in London Mary Theresa Olivia Cornwallis-West geheiratet, deren Bruder George die Mutter von Winston Churchill heiratete, dessen Familie wiederum über Generationen hinweg den Welfen diente. Marys Schwester Constance heiratete Hugh Grosvenor, den 2. Duke of Westminster, Mitglied im Royal Victorian Order. Hugh kämpfte mit einer Freiwilligen-Einheit der Yeomanry im Zweiten Burenkrieg, später war er dann Aide-de-camp von Lord Roberts und Lord Milner. In der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg schloss sich Grosvenor verschiedenen Gruppierungen am äußersten rechten Rand des politischen Spektrums an, unter anderem dem Right Club, der auch offen antisemitisch war. Hughs Antisemitismus war wahrscheinlich genauso eine bloße Taktik wie das antisemitische Geschwätz von Winston Churchill über revolutionäre Juden und Illuminaten. Churchills großes Täuschungsmanöver gegen die Nazis (siehe mein Buch Adel – Geheimdienste – Militär) hätte nicht funktionieren können ohne die langwierige geheimdienstlich-propagandistische Vorarbeit in der rechten Szene, um den Deutschen einzureden, Britannien strebe ein Bündnis nordisch-stämmiger Staaten an.

Bild: Johann Albrecht von Mecklenburg

Im 20. Jahrhundert wurde dieses Prozedere auf die Spitze getrieben. Die rechtsokkultistische Propaganda wurde immer extremer und anstatt endlich angemessen die britische Bedrohung und Spionage zu analysieren, wurde der Fokus immer mehr gelegt auf das Märchen einer jüdischen Weltverschwörung. Die Welfen von Hessen-Kassel hätten statt den Rothschilds genauso gut nicht-jüdische Bankiers als Strohmänner aufbauen können. Die Rothschilds mit ihren gigantischen Palästen wollten gesehen werden. Hätte es wirklich eine jüdische Weltverschwörung gegeben, hätte man von diesen Juden so gut wie nichts gesehen. Die Welfen hätten auch genauso gut nicht-jüdische Strohmänner verwenden können für die inszenierte kommunistische Revolution, aber es war gewünscht, den Mythos der jüdischen Illuminati weiter zu pflegen. Die völkischen Gruppen übernahmen samt und sonders die rechtsokkultistischen Gedanken und lenkten ab von der Spionage aus den USA, Britannien und Russland. Nur wegen dieser langwierigen geheimdienstlichen vorarbeit konnte im Zweiten Weltkrieg das große Churchill-Täuschungsmanöver gelingen, wodurch die Nationalsozialisten glaubten, Britanniens Adel und Militär seien Verbündete Deutschlands.

Immer dann, wenn das rechte Spektrum sich gravierend bedroht sieht, kommen wieder Ritter-Gruppen, alte okkultistische Autoren werden wieder hervorgekramt und der Fokus wird wieder auf „jüdischen Bolschewismus“ und hochtrabende revolutionäre Pläne gelenkt. Heute, angesichts Massenmigration und dominantem Linkskurs, sehen wir eine Wiederholung dieses Spielchens, angereichert mit irreführendem Rechtsrevisionismus. Auf diese Weise lässt sich das rechte Lager spalten, radikalisieren, isolieren und weite Teile der Gesellschaft und des Auslands bekämpfen die Rechten. Wenn eine Person aus dem rechten Lager einsteigt auf den rechtsokkultistischen Verschwörungs-Neonazi-Kurs, kann diese Person recht einfach bei Straftaten erwischt und unter Druck gesetzt werden.

Die sogennannten „Neu-Rechten“ wie Steve Bannon, Milo, Richard Spencer oder Alexander Dugin kramen einfach uralte rechtsokkultistische Autoren wie Julius Evola hervor.

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