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Politik

„Des is ka Falle.“ Die billige Ibiza-Operation ruinierte russische Pläne mit Strache

Der Nebel um die Ibiza-Operation lichtet sich und es scheint zunehmend, dass eben nicht ein professioneller Geheimdienst wie der Mossdad der Urheber ist, wie der ehemalige Vizepräsident des BND im Cicero-Magazin vermutete, sondern eine kleine Firma. Die Kosten werden auf maximal 600.000€ geschätzt. Dies erklärt vielleicht, warum russische Geheimdienste nicht Strache rechtzeitig warnten und die Operation sabotierten. Man hatte die Freelancer einfach nicht auf dem Schirm.

Strache und Gudenus hätten leicht prüfen können, dass die Dame, die sich als Erbin des russischen Milliardärs Makarow ausgab, über ihre Identität und Verwandtschaft gelogen hatte. Bei dem heimlich gefilmten Meeting in Ibiza fielen den beiden ihre ungepflegten Füße auf und sie fragten sich, wie das bei einer Dame aus der russischen Oberliga der Fall sein könne. Inzwischen wird vermutet, dass die Dame aus dem Rotlicht-Millieu oder sonstwoher stammen könnte. Eine professionelle Agentenausbildung brauchte sie nicht dazu, in einer geliehenen Maybach-Limousine herumgefahren zu werden und eine einstudierte Geschichte zu erzählen. Bei vorbereitenden Meetings wurde laut Gudenus eine „Passkopie“ vorgezeigt. Die für das Meeting benutzte Finca kann man mieten und es wird damit geworben, dass bereits Überwachungskameras vorinstalliert sind.

Laut Gudenus habe ein Wiener Anwalt den Kontakt hergestellt, der eine Verbindung aufweist zu eine, SPÖ-nahen Anwalt. Ein mysteriöser Mittelsmann sei auch noch dabei gewesen, der ein Detektivbüro in München betreiben soll und ein privater Schnüffler ist. Warum Gudenus hier so blind Vertrauen schenkte, ist eine der großen offenen Fragen.

Der ehemalige Chef des Privatschnüfflers meint, ihn auf den Aufnahmen sofort erkannt zu haben und er vermutet einen „politischen Auftraggeber“. Das Vogehen sei „0815“-Branchenstandard gewesen. Gleichzeitig kursiert der Verdacht, dass das Video hauptsächlich zu Geld gemacht werden sollte. Im siebenstelligen Bereich sei es angeboten worden, aber keiner schien angebissen zu haben. Warum es dann scheinbar an die Presse verschenkt wurde, ist seltsam. Möglicherweise fürchteten die Urheber nach den öffentlichen Andeutungen von Jan Böhmermann die Enttarnung. Da aber der Anwalt und der Privatschnüffler bereits ihre Gesichter gezeigt hatten, ist eine Abschirmung nicht mehr möglich.

Igor Makarow, der tatsächliche Oligarch, will nun die Urheber der Operation jagen und hat dafür eine Menge Ressourcen zur Verfügung.

„Wir nutzen alle juristischen Mittel, um herauszufinden, wer hinter der unrechtmäßigen Verwendung meines Namens steht.“

Genauso werden russische Geheimdienste versuchen, die Situation irgendwie zu retten. Strache gilt als extrem russlandfreundlich und sprach auch in dem Video über seine Ost-Kontakte:

„Das sind alles gute Typen, die haben ja Kohle ohne Ende, die kennen uns ja und die lieben uns.“

Russlands Hoffnungen und Pläne mit Strache und der FPÖ wurden anscheinend zerschossen von der billigen Operation von Freelancern. Vielleicht liegt hierin auch der Grund dafür, dass die russischen Geheimdienste diese Operation nicht verhindern konnten. Niemand rechnete damit, dass ein Freelancer so einfach Erfolg haben würde.

Die russischen Geheimdienste haben noch die Chance, die Operation irgendwie in Verbindung zu bringen mit Straches politischer Opposition. Auf diese Weise könnte der FPÖ geholfen werden. Ob Strache ein Comeback gelingt, hängt davon ab, wie sein Verhalten strafrechtlich beurteilt werden wird und welche Überraschungen noch kommen können.

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