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Der bizarre Tod von Adrian Lamo, Hacker im Zentrum der Wikileaks-Kontroverse

Adrian Lamo, der Hacker der die wichtigste Quelle von Wikileaks an die Behörden verraten hatte, verstarb unter ungeklärten und höchst auffälligen Umständen vor rund einem Jahr im Alter von 37 Jahren, genau dann als die geheime Anklage gegen Julian Assange an Fahr gewann. Nicht nur das Timing ist suspekt, sondern auch der Autopsiebericht.

Das coroner’s office in Sedgwick County, Kansas schlussfolgerte, dass die Todesursache nicht feststellbar ist. Lamo war bekannt dafür, mehrere Medikamente für psychische Probleme und epileptische Anfälle zu nehmen sowie Drogen zu missbrauchen. Theoretisch könnte er einfach an solchen Ursachen verstorben sein, aber mehrere Faktoren legen eine Fremdeinwirkung nahe:

  • Unerklärbare Wunden am unteren Rücken, Armen und Beinen. Möglicherweise wurde er gefoltert und verhört.
  • Auf ganz seltene Medikamente und Chemikalien wurde der Leichnam nicht getestet.
  • Ein Aufkleber am linken Schenkel hatte die Aufschrift: „Adrian Lamo Assistant Director Project Vigilant Threat Analysis/Investigation 70 Bates Street Northwest, Washington DC 20001.“ Dies bezieht sich auf ein Anti-Terror-Programm.
  • Das Rückenmark wurde nicht untersucht
  • Emphysem-Veränderungen in den Lungen. Eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung kann künstlich ausgelöst werden durch Chemikalien wie Nitrit oder Isocyanate
  • Mögliche hepatitische Fettleber
  • Granulares Material in den Nieren
  • Kreatininwert passt zu Nierenversagen
  • Kalium-Werte im Auge waren enorm hoch und dem Arzt ist nicht bekannt, mit welchem Mechanismus ein solcher Wert erreicht werden kann. Selbst das Einspritzen in Blutgefäße würde dies nicht hervorrufen.

Bei der Autopsie griff man auf ein Labor zurück, dessen Chef Verbindungen hat zum Militär.

In den vergangenen zwei Jahren wurde die geheime Grand Jury Ermittlung in den USA gegen Julian Assange und möglicherweise weitere Personen intensiviert und sie überschneidet sich mit den Ermittlungen zu Russiagate und den Hacks gegen die Demokratische Partei der USA. Diverse Personen wie Bradley Manning (inzwischen Chelsea Manning) wurden vorgeladen und bekamen Deals angeboten: Aussage gegen strafrechtliche Immunität.

Vigilant

Wie Forbes berichtete, arbeitete Adrian Lamo, der den Unteroffizier Bradley Manning wegen der Weitergabe von geheimen Dokumenten der US-Armee an die Aktivistenplattform Wikileaks an die Behörden ausgeliefert hatte, als Analytiker für Project Vigilant, ein verschlossenes und für gewöhnlich sehr schweigsames “Sicherheitsunternehmen”, welches Verträge mit der US-Regierung unterhält. Vigilant zeigte sich  ausgerechnet bei der Hackerkonferenz Defcon in der Öffentlichkeit, um neue Hacker zu rekrutieren für die Überwachung des Traffics von insgesamt 12 Internet Service Providern. Man möchte kriminelle Hackeraktivitäten und Terrorismus aufspüren; in Zusammenarbeit mit den Bundesbehörden werden relevante Informationen an die entsprechenden Stellen weitergeleitet. Laut einem Artikel im San Francisco Examiner, hätte man bereits den ehemaligen NSA-Beamten Ira Winkler im Team sowie Suzanne Gorman, früher Sicherheitschefin am New York Stock Exchange.

Der Vigilant-Direktor Chet Uber gab an, dass er von Adrian Lamos Vater erfahren hätte, dass dessen Sohn sich online mit Bradley Manning angefreundet und jener ihm von der Weitergabe geheimen Materials erzählt hätte. Neben dem Video eines Helikopterangriffs, welches Wikileaks unter dem Titel “Collateral Murder” veröffentlichte, hatte der im Irak stationierte Unteroffizier auch hunderttausende diplomatische Meldungen und Armee-interne Berichte über den Afghanistanfeldzug sowie den Irak-Krieg kopiert und weitergereicht.

“Ich bin derjenige der die US-Regierung angerufen hat,”

meinte Uber.

“Alle sagen dass er [gemeint ist Lamo] ein Spitzel wäre, aber er handelte patriotisch. Er beobachtet alle möglichen Hacks und er machte sich ernsthafte Sorgen dass Leute sterben könnten.”

Unter anderem die Bundespolizei FBI hätte Ermittler geschickt und Lamo eingehend befragt. Er hätte seine Entscheidung bereut, Manning den Behörden auszuliefern, wäre jedoch von allen Seiten eingehend bearbeitet worden. Uber meinte nach eigenen Angaben zu ihm:

“Die werden dich nicht ins Gefängnis stecken. Gib ihnen alles was du hast.”

Lamo lieferte ausführliche Chat-Logs und sogar seine persönliche Analyse über die Hintergründe von Mannings Aktion. So hieß es beispielsweise, Manning hätte selbst nicht die nötigen Fähigkeiten besessen und sei von Hackern der Plattform Wikileaks instruiert worden. Wieviel an der Darstellung von Uber stimmt, ist fraglich. Diese Version der Ereignisse nimmt Adrian Lamo aus dem Schussfeld, gegen den seit längerem Anschuldigungen existieren, bewusst als Informant gearbeitet und in der Hackerszene herumgeschnüffelt zu haben. Es hieß zum Beispiel, dass Lamo diverse Hacker anrief und die Geschichte erzählte, er arbeite an einem Buch über Hacking und würde gerne vertraulich wissen, was denn derzeit für Aktionen liefen. Uber beschrieb, dass man bei Vigilant auch klassiche Spionagetaktiken einsetzt:

“Wir gehen in Bars, suchen nach Listen von bösen Buben, wir bekommen Hinweise von Leuten…”

Der Hacker Eric Gorden Corley (Pseudonym “Emmanuel Goldstein”), der auch die Szenepublikation 2600 betreut, verkündete am 18. Juli 2010 bei der HOPE-Konferenz vor rund 3000 Kollegen, dass bis zu 25% der Hacker in irgendeiner Form als Informanten für die Behörden tätig seien. Dagegen könne man nichts tun und müsste mit dieser Situation leben, hieß es resigniert.

Project Vigilant ist ein klassisches Bindeglied im militärisch-industriellen Komplex; man profiliert sich wie üblich in der Öffentlichkeit mit hohlen PR-Phrasen darüber, dass man die amerikanische Öffentlichkeit beispielsweise vor chinesischen Hackern schütze, oder nach Beweisen für Wahlfälschungen im Iran suche.

Uber war Mitbegründer des Programms Infragard, das im Laufe der Zeit als verlängerter Arm des FBIs und des Heimatschutzministeriums zehntausende Leute aus verschiedensten Unternehmen rekrutierte. InfraGard sei “ein Kind des FBIs”, erklärte Michael Hershman, Vorsitzende des Beratergremiums der InfraGard National Members Alliance und gleichzeitig Geschäftsführer der internationalen Beraterfirma Fairfax Group. 2008 gab es bereits mehr als 23.000 Rekruten, aufgeteilt in regionale Gruppen, die frühzeitiger als die generelle Bevölkerung “Terrorwarnungen” erhalten und bei der Umsetzung des Kriegsrechts und dem Schutz von Infrastruktur behilflich sein sollen. Ein Infragard-Mitglied erklärte einem Investigativreporter vom Progressive, dass er unter dem Kriegsrecht sogar Gebrauch von tödlicher Gewalt machen dürfe, ohne juristische Konsequenzen zu fürchten.

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