Image default
Featured Recht

Die desaströse Befragung von Alex Jones im Zuge der Klagen gegen ihn über seine Sandy Hook-Berichte

Alex Jones war kürzlich gezwungen, 3 Stunden lang Fragen über seine Verschwörungs-Berichterstattung aus den letzten Jahren über das Massaker von Sandy Hook zu beantworten. Dies dient der Beweisaufnahme während der Vorverhandlungsphase bei einer Reihen von Verleumdungsklagen, in denen Eltern der Sandy Hook-Opfer Jones beschuldigen, von amateurhaften Verschwörungstheorien und sogar glatten Lügen über das Ereignis zu profitieren. Unter anderem nannte Jones das Massaker fake, inszeniert und sprach über Schauspieler in dem Zusammenhang. Bis heute werden Eltern der toten Kinder von verschiedensten Personen regelmäßig bedroht und beschuldigt, Schauspieler und Teil einer Verschwörung zu sein.

Es wird irgendwann eine grundsätzliche gerichtliche Entscheidung über die Grenzen und Mindeststandards von investigativer Berichterstattung geben. Es ist prinzipiell nichts Neues, dass investigative Reporter verklagt werden, aber die bestehenden Gesetze sind veraltet und liegen hinter den Entwicklungen des Internets zurück, wo so viel chaotisch, improvisiert, verrückt und emotional ist. Ohne ein grundsätzliches Urteil wissen wir einfach noch nicht exakt, ob Alex Jones‘ schlampige Berichterstattung aus zweiter und dritter Hand innerhalb der Grenzen der Meinungsfreiheit und anderer Gesetze lag.

Wir haben aus der Befragung, in der Jones zu Ehrlichkeit verpflichtet ist, einige Dinge gelernt:

  • Infowars untersuchte Sandy Hook nicht wirklich selbst, obwohl Alex Jones öffentlich behauptete, er habe „tiefe Forschung“ betrieben. Man vertraute auf Informationen aus zweiter Hand von Youtubern und seltsamen Persönlichkeiten wie Wolfgang Halbig. Während der Befragung wurde Alex Jones mit leicht zu beschaffenden Beweisen konfrontiert, die das, was Jones als grobe Anomalien bei der Schießerei angesehen hatte, völlig widerlegten. Infowars verfügt über ein Budget von mehreren Millionen Dollar und man hätte erwarten können, dass Jones angemessene Ressourcen investiert, um Sandy Hook zu untersuchen.
  • Alex Jones versucht, seine Verantwortung auf alle möglichen anderen Personen abzuwälzen. Zahlreiche Male gab er Leuten wie Halbig, Dan Bidondi, Mitarbeitern und ehemaligen Mitarbeitern die Schuld. Er musste zugeben, dass er der Chef seines Unternehmens und letztendlich verantwortlich ist. E-Mails, die Jones nun herausrücken muss, werden mehr Licht auf die Frage werfen, wann genau und warum sich Jones genau von Bidondi und Halbig getrennt hat.
  • Jones‘ Chefreporter, Paul Joseph Watson, mochte die Sandy Hook-Berichterstattung bei Infowars überhaupt nicht und forderte Jones auf, sich von dem Thema fernzuhalten. Watson empfahl, diesen Fall mit „äußerster Vorsicht“ zu behandeln und forderte in einer Sendung vom Publikum, dass niemand die Eltern von Sandy Hook belästigen sollte. Er drohte sogar, seinen Job zu kündigen.
  • Alex Jones‘ Anwälte erhoben Einwände gegen praktisch alle Fragen. Ob das ihnen später helfen wird, ist unklar.
  • Alex Jones gab wiederholt ausweichende Antworten, kritisierte, dass gezeigte Videoausschnitte von ihm „bearbeitet“ und „aus dem Zusammenhang gerissen“ wurden. Er spielte sogar Wortspiele und behauptete, dass die Bedeutung seiner vergangenen Worte anders und harmlos sei. Irgendwann bat er sogar den ihn befragenden Anwalt, die Bedeutung des Wortes „inszeniert“ zu erklären, denn Jones bestreitet sogar, das Ereignis jemals deutlich und unmissverständlich als Inszenierung bezeichnet zu haben.
  • Mehrmals schien er mit der Logik und dem Inhalt mehrerer Affidavits zu kollidieren. Wenn ein Richter entscheidet, dass er gelogen hat, wird er für das Lügen bestraft.
  • Wir haben gelernt, dass es neben der Free Speech Systems LLC eine weitere Jones-Firma namens Infowars LLC gibt. Es ist unklar, warum Fragen dazu gestellt wurden, aber Alex wurde ziemlich bleich bei dem Thema. Es scheint, dass die Sandy Hook-Anwälte bereits viel mehr dazu wissen.
  • Alex wies die elementarsten Anschuldigungen gegen ihn entschieden zurück: Dass er Tatsachenaussagen machte, anstatt Spekulation als Spekulation zu deklarieren, dass seine Berichte den Eltern geschadet haben, dass er von seinen Berichten profitierte, dass er die Menschen im Publikum direkt oder indirekt ermutigt haben könnte, den Eltern nachzustellen usw. Er wiederholte immer wieder, dass er rechtmäßig berichtet habe und sich leider auf fehlerhafte Informationen von anderen Personen stützte. Am Ende der Aussage erklärte Jones schwammig, dass manchmal Leute behaupten, emotional verletzt zu sein, wenn sie es nicht sind. Möglicherweise meinte er damit die Kläger, was aber eine groteske Unterstellung wäre und insinuierte, dass die Kläger lügen. Jones wurde aufgefordert, seine Haltung zu klarifizieren. Jones unterstellte eine orchestrierte Kampagne gegen ihn, worauf der Anwalt von Sandy Hook antwortete, dass Jones sich selbst als Opfer in dieser ganzen Angelegenheit bezeichnet.
  • Als Alex mit seinen Behauptungen zu anderen Terror- un Amok-Ereignissen konfrontiert wurde, wurde er sehr nervös. Wenn diese Art der Befragung irgendwann fortgesetzt wird, könnte sich herausstellen, dass er regelmäßig schlampig und vorschnell berichtet und sich somit wenig darum schert, herauszufinden was wirklich vorgefallen ist. Jones verteidigte seine Berichterstattung über andere Fälle, behauptete aber später, dass er in der Vergangenheit fast psychotisch war und irrtümlich glaubte, dass alle möglichen Dinge inszeniert und gefälscht wurden.
  • Er behauptete eine Form der Psychose und die Unfähigkeit, zwischen Realität und Fantasie zu unterscheiden. Das war eher nur Gerede und kein Versuch, auf Unzurechnungsfähigkeit zu plädieren. Er argumentierte einfach, dass er unter extremem Arbeitsstress stand, die Mainstream-Medien und die Regierung zu viel gelogen hatten und er von der Propaganda im Internet über Verschwörungen getäuscht wurde.
  • Jones erklärte wiederholt, dass Sandy Hook ein winziger Bruchteil der Themen sei, die er in der Show behandelte. Aber er musste sich bewusst darüber sein, dass es sich um einen wichtigen Fall handelte und dass Fehler schwerwiegende Folgen haben können. Jones hat auch wiederholt erklärt, dass fast seine gesamte Show daraus besteht, zu kommentieren, was bereits in den Nachrichten ist. Aber wie kann eine Multimillionen-Dollar-Medienagentur behaupten, investigativ zu sein, sich aber dann auf schwache Quellen aus anderen Ländern verlassen?

Die Sandy Hook-Anwälte wollen beweisen, dass Jones die Wahrheit rücksichtslos missachte und/oder bewusst log. Die Befragung gab ihnen die Möglichkeit, die Inkompetenz und die schäbige Berichterstattung im Infowars-Büro sowie die seltsame Entscheidungsfindung dort zu entlarven. Wir haben aus Jones‘ früherem Gerichtsverfahren gegen seine Ex-Frau gelernt, dass er narzisstisch ist, und in der aktuellen Befragung zu Sandy Hook versuchte er dermaßen grotesk, seine Berichte als legitim oder gut gemeint zu bezeichnen, dass einige Leute dies als „Gaslighting“ bezeichnen könnten, ein Begriff, der für narzisstisches Verhalten während eines Streits verwendet wird.

Jones muss jetzt eine Menge E-Mails und andere interne Kommunikationen einreichen und die Sandy Hook-Anwälte werden den Inhalt nach mehr Beweisen und möglichen Widersprüchen mit dem, was Jones in der Aussage von sich gab, durchsuchen. Wir werden wahrscheinlich auch eine Befragung von Jones‘ Mitarbeitern oder ehemaligen Mitarbeitern sehen, um ein besseres Bild davon zu bekommen, was Jones wirklich über Sandy Hook dachte, wie viel oder wie wenig Mühe er aufgewendet hatte, um seine öffentlichen Behauptungen zu überprüfen und wie die Wünsche seines Publikums seine Entscheidungsfindung beeinflusst haben.

Die Leute im Infowars-Publikum denken, dass sie die Wahrheit zu allen möglichen Dingen in dem Jones- Programm erhalten, aber was sie tatsächlich bekommen, ist eine Menge Gerede von einem unqualifizierten Mann, der nicht zu verstehen scheint, wie geheime Operationen durchgeführt werden oder logisch durchgeführt werden können. Jones erwähnte wiederholt die Skandale über nicht existierende Massenvernichtungswaffen und den Brutkasten-Schwindel über den Irak, um seine kritische Hinterfragung der Ereignisse von Sandy Hook zu rechtfertigen.

Er hätte gefragt werden sollen, ob er einen historischen, bestätigten Fall von einer Massenschießerei in der Öffentlichkeit mit Schauspielern und haufenweise Mitwissen bei der Polizei und Rettungskräften nennen kann. Nicht einmal Operation Northwoods kommt dem nahe, denn die Ideen, die im Northwoods-Plan erwogen wurden, erforderten, dass wichtige Informationen in einem kleinen engen Kreis geheim gehalten werden.

Man kann einfach keine Schießerei an einem öffentlich zugänglichen Ort mit Schauspielern veranstalten und auch noch Hunderte von Polizisten, Rettungskräften und andere Zeugen mittendrin herumlaufen lassen. Niemand in der Community würde die „Krisenschauspieler“ kennen und die Sache wäre extrem auffällig. Es gäbe zu viele Leute, die Bescheid wüssten, und man kann nicht alle von ihnen für die nächsten Jahre überwachen. Wie würde man die Mitwisser überwachen? Mit Hunderten von Agenten? Die dann wissen möchten, warum sie gewöhnliche Leute überwachen, die an den Ereignissen von Sandy Hook beteiligt waren? Es braucht etwa 20 Agenten, um eine vollständige Überwachung einer Person zu gewährleisten. Selbst wenn die Verschwörer ihre Standards senken, würde es immer noch zu viele Ressourcen erfordern zu auffällig sein.

Nicht nur das Szenario eines inszenierten Sandy Hook Shootings mit Schauspielern ist unlogisch, sondern es gibt auch noch viele andere Ereignisse, die von Jones und weiteren Reportern als glatte Fälschung bezeichnet wurden. Die unlogischste Art der Operation geschieht also angeblich andauernd.

Politisch hassen Konservative natürlich Schießereien, weil diese Ereignisse den Demokraten die Möglichkeit geben, den zweiten Zusatzartikel der Verfassung zum Waffenrecht anzugreifen. Es ist legitim, darauf hinzuweisen, dass Demokraten versuchen, ein Verbrechen mit Ideologie zu erklären und versuchen, das Ereignis in Übereinstimmung mit ihrer Ideologie zu benutzen. Es ist legitim, mehrere Szenarien in die eigene Medienrecherche einzubeziehen. Aber es muss auf einem bestimmten Qualitätsniveau erledigt werden. Das ist der Job. Wenn Infowars den Job, den sie angeblich machen wollen, nicht erledigen kann, müssen sie aufhören. Wenn sie über zu viele Fälle berichten und sich komplett verzetteln, müssen sie sich auf bestimmte Fälle konzentrieren.

Wenn eine Schießerei stattfindet und der Schütze eine Vorgeschichte von psychischen Erkrankungen, Medikamenten, Gewalt und/oder Bedrohungen hat, kann man mögliche Szenarien untersuchen, die sich um illegale Operationen drehen. Es ist verhältnismäßig einfach, Datenbanken durchzugehen, einen geeigneten Kandidaten zu finden, in sein Haus einzubrechen und seine Zahnbürste mit Chemikalien zu vergiften, um die Person noch instabiler zu machen. Aber diese Dinge sind extrem schwer zu beweisen.

Dies könnte der Untergang von Infowars sein und unterschiedliche Folgen haben. Entweder werden unabhängige Reporter ihre Arbeit dramatisch verbessern und sicherstellen, dass sie sich nicht finanziell davon abhängig sind, ihrem Publikum zu sagen, was es hören will. Oder unabhängige Reporter werden wie gewohnt weitermachen und sich in die dunklen Ecken des Internets zurückziehen, wo nur sehr wenig Geld verdient werden kann.

Wenn es kein Geld und keinen Ruhm mehr zu holen gibt, werden viele das Interesse verlieren, diese Jobs zu machen. Man sieht bereits, wie einige Internet-Reporter immer weniger investigative Themen behandeln, sondern auf die oberflächliche neurechte Linie gewechselt sind, wo man sich mit breiten, allgemeinen Attacken gegen Linke und Muslime begnügt.

Liked it? Take a second to support AlexBenesch on Patreon!

Related posts

Die wahre Bedeutung der Eskalation in Chemnitz

AlexBenesch

Kommt nach der Zensur die „Fairness Doktrin“?

AlexBenesch

#‎EUgunban‬: Endlich ein Sieg im EU-Ausschuss

AlexBenesch

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie einverstanden sind, benutzen Sie die Seite weiter und klicken auf „OK“. Erfahren Sie mehr in unserer Datenschutzerklärung. OK Datenschutz