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Beinahe totaler Blackout in Europa

Kürzlich ist Europa an einem massiven Blackout vorbeigeschrammt wegen den strukturellen Problemen der Franzosen und wegen einer Datenpanne.

Laisséz faire

Frankreich bezieht 75% seiner Energie aus 59 Atomkraftwerken und erlebte so manchen Zwischenfall. Die ältesten 24 Reaktoren sollen schrittweise bis 2025 abgeschaltet werden. Im Oktober 1969 begann eine Schmelze von 50 Kilogramm Plutonium im Sait Laurent-AKW, zehn Jahre später gelang radioaktives Wasser ins gewöhnliche Abwassersystem am Sarclay-Reaktor. 1980 versagte das Kühlsystem von Saint Lorent. 1999 überschwemmte ein Sturm das Kraftwerk Blayais und es ergab sich ein Ausfall der Sicherungssysteme. 2008 entkamen in Tricastin 75 Kilogramm Uran aufgelöst in Wasser ins Grundwasser und verseuchten einen nahegelegenen Fluss. Das Fessenheim-AKW und einige weitere befinden sich in Erdbebengebieten; wobei die ausgestellten Unbedenklichkeitsbescheinigungen nach dem Fukushima-Desaster in Frage gestellt werden. 2012 erklärte die französische Atomaufsichtsbehörde, dass Stromausfälle oder der Verlust Kühlflüssigkeit schlimmstenfalls innerhalb von Stunden zu Kernschmelzen in Reaktoren führen könne.

Stromausfälle in Deutschland

Spiegel Online berichtete über eine Studie der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR), laut der die Hauptstadt unzureichend vorbereitet sei auf einen länger anhaltenden Stromausfall:

IM AUFTRAG DES BUNDESFORSCHUNGSMINISTERIUMS WURDE EIN MEHRTÄGIGER BLACKOUT SIMULIERT. ERGEBNIS: BEI EINEM STROMAUSFALL WIE IM WINTER 2005 IM MÜNSTERLAND ODER AM 13. JULI IN HANNOVER BLIEBE DIE BERLINER BEVÖLKERUNG GRÖSSTENTEILS OHNE INFORMATION. […]  PLÜNDERUNGEN UND AUSSCHREITUNGEN WÄREN DIE FOLGE. HINZU KÄMEN MASSIVE INFRASTRUKTURSCHWIERIGKEITEN. SO REICHT DER KRAFTSTOFF FÜR DIE NOTSTROMGENERATOREN “ÜBERLEBENSWICHTIGER EINRICHTUNGEN” WIE POLIZEI, FEUERWEHR UND KRANKENHÄUSERN FÜR MAXIMAL 24 STUNDEN; WASSERWERKE KÖNNTEN NUR ZWÖLF STUNDEN LAUFEN.

DER STRASSENVERKEHR IST UNMITTELBAR NACH DEM STROMAUSFALL BESONDERS IN GROSSEN STÄDTEN CHAOTISCH. KREUZUNGEN EBENSO WIE ZAHLREICHE TUNNEL UND SCHRANKENANLAGEN SIND BLOCKIERT, ES BILDEN SICH LANGE STAUS. ES EREIGNEN SICH ZAHLREICHE UNFÄLLE, AUCH MIT VERLETZTEN UND TODESOPFERN. RETTUNGSDIENSTE UND EINSATZKRÄFTE HABEN ERHEBLICHE SCHWIERIGKEITEN, IHREN AUFGABEN, WIE VERSORGUNG UND TRANSPORT VON VERLETZTEN ODER BEKÄMPFUNG VON BRÄNDEN, GERECHT ZU WERDEN. DURCH DEN AUSFALL DER MEISTEN TANKSTELLEN BLEIBEN ZUNEHMEND FAHRZEUGE LIEGEN, DER MOTORISIERTE INDIVIDUALVERKEHR (MIV) NIMMT NACH DEN ERSTEN 24 STUNDEN STARK AB. DER ÖFFENTLICHE  PERSONENNAHVERKEHR (ÖPNV) KANN WEGEN KNAPPEN TREIBSTOFFS ALLENFALLS RUDIMENTÄR AUFRECHTERHALTEN WERDEN.

IM BEREICH DER WASSERVERSORGUNG WIRD ELEKTRISCHE ENERGIE IN DER WASSERFÖRDERUNG, -AUFBEREITUNG UND -VERTEILUNG BENÖTIGT. BESONDERS KRITISCH FÜR DIE GEWÄHRLEISTUNG DER JEWEILIGEN FUNKTION SIND ELEKTRISCH BETRIEBENE PUMPEN. FALLEN DIESE AUS, IST DIE GRUNDWASSERFÖRDERUNG NICHT MEHR MÖGLICH, DIE GEWINNUNG VON WASSER AUS OBERFLÄCHENGEWÄSSERN ZUMINDEST STARK BEEINTRÄCHTIGT. ZUDEM KÖNNEN AUFBEREITUNGSANLAGEN UND DAS VERTEILSYSTEM NUR NOCH DURCH NATÜRLICHE GEFÄLLE GESPEIST WERDEN, SODASS ERHEBLICH WENIGER WASSER BEREITGESTELLT UND HÖHER GELEGENE GEBIETE GAR NICHT MEHR VERSORGT WERDEN KÖNNEN.

DER SEKTOR LEBENSMITTEL UMFASST DIE KOMPLEXE VERSORGUNGSKETTE VON DER ROHSTOFFPRODUKTION BIS ZUR ABNAHME VON FERTIGERZEUGNISSEN DURCH DEN ENDVERBRAUCHER. ALS FOLGE DES STROMAUSFALLS IST DIE VERSORGUNG MIT LEBENSMITTELN ERHEBLICH GESTÖRT; DEREN BEDARFSGERECHTE BEREITSTELLUNG UND VERTEILUNG UNTER DER BEVÖLKERUNG WERDEN VORRANGIGE AUFGABEN DER BEHÖRDEN. VON IHRER ERFOLGREICHEN BEWÄLTIGUNG HÄNGT NICHT NUR DAS ÜBERLEBEN ZAHLREICHER MENSCHEN AB, SONDERN AUCH DIE AUFRECHTERHALTUNG DER ÖFFENTLICHEN ORDNUNG.

NAHEZU ALLE EINRICHTUNGEN DER MEDIZINISCHEN UND PHARMAZEUTISCHEN VERSORGUNG DER BEVÖLKERUNG SIND VON ELEKTRIZITÄT UNMITTELBAR  ABHÄNGIG. DAS DEZENTRAL UND HOCHARBEITSTEILIG ORGANISIERTE GESUNDHEITSWESEN KANN DEN FOLGEN EINES STROMAUSFALLS DAHER NUR KURZ WIDERSTEHEN. INNERHALB EINER WOCHE VERSCHÄRFT SICH DIE SITUATION DERART, DASS SELBST BEI EINEM INTENSIVEN EINSATZ REGIONALER HILFSKAPAZITÄTEN VOM WEITGEHENDEN ZUSAMMENBRECHEN DER MEDIZINISCHEN UND PHARMAZEUTISCHEN VERSORGUNG AUSZUGEHEN IST. BEREITS NACH 24 STUNDEN IST DIE FUNKTIONSFÄHIGKEIT DES GESUNDHEITSWESENS ERHEBLICH BEEINTRÄCHTIGT.

WENIGER ROBUST SIND DIE KOMMUNIKATIONSWEGE ZWISCHEN DEN BANKEN, CLEARINGORGANISATIONEN UND HANDELSPLÄTZEN EINERSEITS UND DEN PERSONEN UND UNTERNEHMEN, DIE FINANZDIENSTLEISTUNGEN NACHFRAGEN, ANDERERSEITS. WEGEN DES AUSFALLS DER TELEFONNETZE UND DES INTERNETS BESTEHT IM BETROFFENEN GEBIET NACH KURZER ZEIT KEINE MÖGLICHKEIT MEHR, FINANZDIENSTLEISTUNGEN ABZUWICKELN. VIELE BANKEN, DIE NACH DEM EINTRITT DES STROMAUSFALLS NOCH GEÖFFNET BLEIBEN, SCHLIESSEN NACH EINIGEN TAGEN. DA AUCH DIE GELDAUTOMATEN AUSGEFALLEN SIND, DROHT DIE BARGELDVERSORGUNG DER BEVÖLKERUNG ZU KOLLABIEREN.

EINE „NATIONALE KATASTROPHE“ WÄRE EIN LANGANDAUERNDER STROMAUSFALL ABER AUCH DESHALB, WEIL WEDER DIE BEVÖLKERUNG NOCH DIE UNTERNEHMEN, NOCH DER STAAT HIERAUF VORBEREITET SIND – SO DAS DIKTUM DES „GRÜNBUCHS“
(REICHENBACH ET AL. 2008, S. 84)

Lokale Blackouts können schnell massive Netzschwankungen auslösen die in einem Dominoeffekt größere Gebiete lahmlegen. Auch fortschrittliche Hackerattacken wie Stuxnet wären geeignet, Steuerungsanlagen von Kraftwerken zu manipulieren und betriebsunfähig zu machen. Der Bericht des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung “Gefährdung und Verletzbarkeit moderner Gesellschaften –  am Beispiel eines großräumigen und langandauernden Ausfalls der Stromversorgung” analysiert die Lage in der BRD.

Michael Limburg kommentierte zu dem Thema:

Denn die notwendige Abschaltung ganzer Bezirke – im Techniksprech „Lastabwurf“ genannt- ist die zwingende Konsequenz, wenn man verhindern will, dass in Folge der Energiewende in Minutenbruchteilen das ganze Land nicht nur im Dunkeln liegt, sondern überhaupt keinen Strom mehr hat.

Um das zu möglichst verhindern, hat der Bundestag Anfang Februar 2017 fast unbemerkt und daher ohne jeden Aufruhr seitens der Medien, wieder mal das Energiewirtschaftsgesetz novelliert.

Es wurde dabei, die zuvor vom VDE vorgeschlagene, „Kaskadierung“ in geltendes Recht umgesetzt, was bedeutet, dass, bedingt durch Störungen, die durch die Flatterstromerzeugung entstehen, und nicht mehr ausgeregelt werden können, Teile des Stromnetzes zwanghaft und in Kaskaden (also von klein- auf mittel- bis großräumig) vom Netz genommen, also abgeschaltet werden müssen. Die Vorwarnzeit für die lokalen Stromversorger beträgt extrem kurze nur 12 Minuten, dann muss er handeln und Vollzug melden.

Nur die wenigsten wissen, dass Krankenhäuser nur für die Intensivstationen Notstromversorgung vorhalten, und die auch nur für max. 24 Stunden. Oder, wie unlängst geschehen, eine Feuerwehr nicht ausrücken konnte, weil das elektrisch betriebene Tor sich nicht öffnen ließ. Es muss wohl erst eine weitere Grenfell- Tragödie – von der es hierzulande bereits einige gab (wir berichteten darüber z.B. hier und hier) – geschehen, bevor den Menschen die Augen aufgehen. Doch dann ist die Wahl vorbei und die Verderber sind wieder gewählt und machen ungerührt weiter.

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