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Die entscheidende Spionage gegen Deutschland beim Ersten Weltkrieg

Laut der Geschichtsschreibung der Gewinner habe das Deutsche Reich seinen Platz an der Sonne mit aller Gewalt verfolgen wollen und deshalb einen Krieg mit drei etablierten Großmächten gleichzeitig begonnen. Das Deutsche Reich soll also genau die unsinnigste Handlungsweise gewählt haben, die garantiert zur Niederlage führen musste, nachdem lange Zeit alles unternommen worden war, um zu verhindern, dass Deutschland gegen eine Koalition der Großmächte kämpfen muss.

Gemeinhin gilt das Attentat der serbischen Geheimorganisation „Schwarze Hand“ am österreichischen Thronfolgerpaar in Sarajevo 1914 als der Punkt, an dem der Krieg unvermeidlich wurde. Die serbischen Täter wurden vom serbischen Geheimdienst geführt und es war klar, dass auf eine solche Provokation nur Krieg folgen konnte. Serbien war selbst militärisch relativ schwach, hatte aber Russland als Schutzmacht im Rücken. Ohne Rückendeckung aus Moskau wäre das Attentat wohl nie durchgeführt worden. Der serbische Oberst Dimitrijevic erklärte vor Gericht 1917 ausführlich, mit Einverständnis des russischen Militärattachés gehandelt zu haben. 1

In klassischer Manier der unkonventionellen Kriegsführung hatten die Russen ein Spionagenetz in Österreich aufbauen lassen. Beispielsweise wurde Alfred Redl als russischer Agent angeworben, einer der höchsten Nachrichtendienstoffiziere Österreichs, der Zugang zu allen möglichen Staatsgeheimnissen hatte und sein Oberkommando mit Irreführungen narrte.

Das Deutsche Reich agierte ausgesprochen amateurhaft bei den Versuchen, bolschewistische Revolutionäre zu fördern, in der Hoffnung, dass jene die kriegswilligen Zaren beseitigen. Die Rollen, die die von Deutschland geförderten Agenten wie Alexander Helphand spielten, sind bis heute äußerst fragwürdig. Der russische Geheimdienst Ochrana hatte sämtliche revolutionären sozialistischen Gruppen völlig unterwandert oder gar selbst heimlich gegründet2, allerdings mischten sich amerikanisch-britische Kreise in die Sache mit ein. Die Ochrana war vom britischen Geheimdienst modernisiert worden und die russischen Zaren waren praktisch die gleiche Familie wie der britische Thron.

Der Historiker Antony Sutton schilderte in seinem Buch „Wall Street and the Bolshevik Revolution“, wie der deutsche Generalstab die Reise von Lenin und 32 weiteren Revoluzzern in einem Zug von der Schweiz durch Deutschland gestattet hatte.

Generalmajor Hoffmann, Bundesarchiv, Bild 146-2008-0278 / CC-BY-SA 3.0

Das deutsche Oberkommando handelte anscheinend zunächst, ohne den Kaiser in die Pläne eingeweiht zu haben. Generalmajor Hoffmann schrieb:

„Wir wussten nicht um die Gefahr für die Menschheit und hatten nicht vorhergesehen, was die Konsequenzen sein würden von dieser Reise der Bolschewisten nach Russland.“

Einflussreiche Kreise der angloamerikanischen Hochfinanz hatten ihrerseits die Bolschewisten unterstützt. J.P. Morgan, die American International Corporation, die Warburgs und andere förderten die kommunistische Revolution, während US-Präsident Woodrow Wilson am 28. November 1917 anordnete, die bolschewistische Revolution nicht zu torpedieren. Dokumente des US-Außenministeriums zeigen, dass die National City Bank (kontrolliert von den Stillmans und Rockefellers) und der Guaranty Trust (Morgan) substantielle Kredite vermittelt hatten an die kriegswilligen russischen Zaren, bevor die USA überhaupt offiziell dem Ersten Weltkrieg beitraten.

Guaranty Trust, die National City Bank und weitere Vertreter der amerikanischen Hochfinanz benutzten als Tarnung das Rote Kreuz, um in Russland die bolschewistischen Revolutionäre zu fördern. Diese Mission des Roten Kreuzes bestand zum Großteil aus Anwälten, Finanziers und deren Assistenten. Später erfolgten eine inoffizielle diplomatische Anerkennung der neuen kommunistischen Regierung durch die USA sowie massenhafte Verkäufe amerikanischer Technologie nach Russland. Instrumentell war dabei die Geheimgesellschaft Skull & Bones, aus der später der Geheimdienst OSS und danach die CIA erwuchs.

Das Deutsche Reich hatte keine auch nur annähernd vergleichbare nachrichtendienstliche Kompetenz und leider auch keine ausreichende Spionageabwehr. Bismarck war ein geschickter Diplomat und Stratege, dennoch waren sein Umfeld und das gesamte preußische Establishment von einem Netzwerk aus Agenten infiltriert worden. Eine zentrale Figur ist der Bankier Gerson von Bleichröder, der Bismarck jede Menge Geld verschaffte. Indem er preußischen Staatsbesitz verkaufte, ermöglichte er die Einigungskriege.3 Sein Vater Samuel Bleichröder war Korrespondent des Hauses Rothschild am Bankplatz Berlin. Um 1860 war das Bankhaus S. Bleichröder eine der ersten Adressen am Markt für Staatsanleihen und, zusammen mit dem Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim, führend bei der frühen Eisenbahn- und Industriefinanzierung. Bleichröders verdächtige Agenda wurde deutlich durch die Finanzierung russischer Unternehmen und des russischen Staatshaushalts. Als prominentes Mitglied des sogenannten Preußen-Konsortiums, eines Zusammenschlusses führender deutscher Banken, übersah Bleichröder den Geldbeutel der Monarchie und des Reiches. Die Bankiers finanzierten zunächst das Deutsche Reich gegen die Franzosen; danach finanzierten sie gleichzeitig das Deutsche Reich sowie das zaristische Russland, die sich gegenseitig äußerst misstrauisch beäugten. Bismarck nutzte dummerweise die Geschäftsbeziehungen Bleichröders zu den Rothschilds und anderen bedeutenden Privatbankiers in diversen europäischen Hauptstädten als Informationsquelle über das Ausland. Anstatt voll auf eine richtige Auslandsaufklärung und einen Nachrichtendienst zu setzen, machte sich Bismarck verwundbar für irreführende Informationen und Manipulation. Bleichröder galt als einer der „engsten Berater“ Bismarcks und war in quasi-diplomatischer Funktion tätig. Bleichröder und mit ihm befreundete Bankiers organisierten die Finanzierung des Preußisch-Österreichischen Kriegs von 1866 durch eine Staatsanleihe. Der von Bismarck befürwortete, „revolutionäre“ Plan von Abraham Oppenheim und Bleichröder, die im Staatsbesitz befindlichen Bergwerke im Saargebiet zu privatisieren und so den Krieg zu finanzieren, setzte sich beim preußischen König nicht durch. Bleichröder war auch an den Verhandlungen und der Abwicklung der französischen Reparationszahlungen im Anschluss an den Deutsch-Französischen Krieg 1870-71 maßgeblich beteiligt.

Die mächtigen Bankhäuser, das Britische Königshaus sowie verräterische deutsche Aristokraten kontrollierten zudem ein Netzwerk aus Logen der Freimaurer, Rosenkreuzer und der „erleuchteten“ Strömungen. Diese Agenten infiltrierten das Deutsche Reich in allen bedeutenden Ebenen; gelangten über die Universitäten bis in die Kinderstuben der preußischen Prinzen. Adam Weißhaupts “Perfektibilistenorden” mit dem historischen Gründungsdatum 1. Mai 1776 war eine subversive Gruppe, infiltrierte zahlreiche Bildungseinrichtungen und studentische Geheimgesellschaften in Deutschland, wo viele neue Agenten gewonnen werden konnten mit Propaganda über eine vermeintliche Aufklärung und einen Wechsel der Machtverhältnisse. Der deutsch-amerikanische Historiker Klaus Epstein (Harvard und Brown-Universität) erklärt:4

Die berühmte Karlsschule in Stuttgart (Schillers Alma Mater) hatte mehrere Illuminati in ihren Fakultäten. Die Bildungsbewegung, angeführt von Basedow, lehrte Illuminati-Prinzipien. […] Die Lehrkörper-Positionen boten eine exzellente Hebelwirkung für die Arbeit des zukünftigen Triumphs der Aufklärung: Der prominente Illuminat Leuchsenring diente beispielsweise als Lehrer des preußischen Kronprinzen, der später Friedrich Wilhelm III. wurde (obwohl das spätere Verhalten des Schülers ihn enttäuscht haben musste). Die beiden führenden Studentenorden, die Konstantisten und die Schwarzen Brüder, wurden beide von den Illuminati infiltriert. Üblich waren sehr freundliche Beziehungen und auch direkte Überschneidungen mit den Freimaurern. Weitere bedeutende Orden waren die Amizisten, Unitisten und Harmonisten.

In Göttingen gab es 1770 an der Universität einen Konstantistenorden, bei dem laut Arnold Brügmann niemand geringeres als Illuminatus Baron von Knigge Mitglied war. August Hermann Niemeyer wurde nach seinem Werk “Charakteristik der Bibel” ein Vertrauter sowohl des Illuminaten Lessing als auch des Freimaurers und Befürworters der französischen Revolution Klopstock. Delbrück wurde im Jahr 1800 auf warme Empfehlung seines ehemaligen Lehrers August Hermann Niemeyer am preußischen Hof angestellt. Dort war er ausgerechnet Erzieher des späteren preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. Ab 1801 wurden auch dessen Brüder, der spätere Kaiser Wilhelm I. und Prinz Carl, von ihm (v)erzogen. 1809 wurde er versetzt in den Posten eines Geheimen Regierungsrats und sollte nicht mehr die Kronprinzen erziehen. Als Grund wird seine „lasche“ Handhabung des Kronprinzen Friedrich Wilhelm angesehen. Das eigentliche Ziel der Führungsebene der “erleuchteten” Organisationen war nicht, wie in den Rekrutierungsbotschaften hochgehalten, Aufklärung und eine Stärkung der Bürgerrechte um der Freiheit willen, sondern die systematische Zersetzung und Zerstörung der deutschen Monarchie.

Bis 1935 existierten in Deutschland acht „reguläre“, d.h. anerkannte Großlogen. Friedrich der Große ließ sich als Kronprinz, ohne Wissen seines Vaters und mit konspirativen Methoden, 1738 in die „Große National-Mutterloge Zu den drei Weltkugeln“ aufnehmen, die von der Zentrale in London anerkannt wurde. Sein Vater, König Friedrich Wilhelm, hatte sich noch abfällig über die Freimaurerei geäußert.

Friedrich III. von Preußen, König von Preußen und Deutscher Kaiser, besuchte 1851 das britische Königshaus und traf Prinzessin Victoria. Diese wurde wenige Jahre später seine Verlobte, allerdings favorisierten einige am preußischen Hof eher eine Ehe mit einer Prinzessin aus dem russischen Zarenhaus. Die britische Presse zog über das deutsche Haus von Hohenzollern her und sprach ihr Misstrauen aus. Das britisch-deutsche Haus von Sachsen-Coburg und Gotha war der heimliche Herrscher des Freimaurertums und der „erleuchteten“ Gruppen, die als Agenten unkonventionelle Kriegsführung betrieben. Nachdem der Illuminatenorden 1784 von der bayerischen Regierung verboten worden war, flüchtete Adam Weishaupt nach Regensburg. Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg (seit 1783 Mitglied der Illuminaten unter dem Ordensnamen ‚Quintus Severus‘, bzw. ‚Timoleon‘) gewährte ihm in Gotha Asyl. Die Illuminaten machten kein völliges Geheimnis daraus, dass sie den deutschen Staat unterwanderten.

Bild: Friedrich III. in Freimaurerkleidung

Als Friedrich III. preußischer Kronprinz wurde und die britische Prinzessin Victoria ehelichte, ging er zunehmend politisch auf Distanz zu seinem Vater Wilhelm I. und zu dem Ministerpräsidenten Otto von Bismarck. Auf den Vater wurden mehrere Attentate verübt, die ihm schwer verletzt keine andere Wahl ließen, als die Regierungsgeschäfte an den Sohn abzutreten. Der Sohn erkrankte an Kehlkopfkrebs und musste kurz nach der Thronbesteigung gleich wieder die Herrschaft abtreten an seinen Sohn Wilhelm II. Dieser war auf Drängen von Victoria von dem eiskalten und strengen Lehrer Georg Hinzpeter erzogen worden, nicht von einem traditionell üblichen militärischen Erzieher. Wilhelm II. war später in militärischen Belangen unfähig und ging nach Ende des Ersten Weltkriegs schließlich ins niederländische Exil.

Wir sehen durchgehend die Bearbeitung der preußischen Machtstrukturen durch verschworene Bankhäuser, Freimaurer-Inhalte und auch durch die britischen Aristokraten. Immer war es das Ziel, Bismarcks Position zu schwächen und das Deutsche Reich mit unsinnig-liberalen Ideen aufzuweichen. Die Geschichtsforschung muss hier unbedingt große Anstrengungen unternehmen, um die Zeit des Deutschen Reiches vor dem Hintergrund der Spionage und Geheimpolitik zu untersuchen.

Bismarck nannte Wilhelm II. einen „Brausekopf“ und meinte, jener „könne nicht schweigen, sei Schmeichlern zugänglich und könne Deutschland in einen Krieg stürzen, ohne es zu ahnen und zu wollen.“ Für Wilhelm II. war Bismarck ein alter Knacker, der endlich in Rente gehen sollte. Letztendlich feuerte er Bismarck und ersetzte ihn durch den unerfahrenen Leo von Caprivi, der den Rückversicherungsvertrag mit Russland nicht verlängerte und damit das Deutsche Reich in eine äußerst ungünstige Lage brachte. Der Historiker Guido Preparata schrieb in seinem Werk „Wer Hitler mächtig machte“:

Je mehr der deutsche Kaiser zu später Stunde versuchte, die Tripel-Entente zu schwächen, desto mehr verstärkte Großbritannien sie: 1912 unterschrieb England ein geheimes Flottenabkommen mit Frankreich, und Frankreich tat das gleiche mit Russland.

In diesen Tagen war der deutsche Generalstab mit der Einübung und weiteren Feinabstimmung des Schlieffenplans beschäftigt. Den Briten war der Plan bis ins letzte Detail bekannt:

„Ohne dass es jemand in Berlin wusste, war er 1906 dank eines Verräters, der ihn für sechzigtausend Franc verkauft hatte, in den Besitz der französischen Armee gelangt.“

Großbritannien verließ sich darauf, dass Deutschland unvermeidlich gegen die belgische Neutralität verstoßen musste, sobald Moltke den Schlieffen-Blitzkrieg beginnen würde. Schon 1906 beteiligte sich der britische Generalstab unter voller logistischer und geheimer Zusammenarbeit seines belgischen Gegenübers an simulierten Manövern in ganz Belgien, bei denen der Einsatz eines britischen Expeditionsheeres auf dem Kontinent geprobt wurde. Die Öffentlichkeit wurde über diese Pläne nie unterrichtet.

Ab dem Frühjahr 1914 war die Entente zum Überfall auf die Deutschen bereit.

Quellen:

[1] Geheimpolitik und Geheimdienste als Faktoren der Zeitgeschichte, Paul Chartess, Docupress, 1987, Seite 52

[2] Geheimpolitik und Geheimdienste als Faktoren der Zeitgeschichte, Paul Chartess, Docupress, 1987, ab Seite 20, Kapitel 2.2

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Gerson_Bleichr%C3%B6der

[4] The Genesis of German Conservatism von Klaus Epstein

Fritz Stern: Gold und Eisen. Bismarck und sein Bankier Bleichröder

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