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Die angloamerikanischen Wurzeln der NS-Ideologie zur Irreführung der Deutschen

Die Geschichtsforschung stürzte sich gierig auf deutsche und österreichische Einflüsse auf Hitlers Weltanschauung, ignorierte aber komplett die Frage, welche amerikanischen und britischen Einflüsse es gegeben hatte. Die rechts-revisionistische Literatur hat damit starke Berührungsängste, während es bei der Verschwörungsliteratur immer mal wieder Lichtblicke gab, aber auch stark Irreführendes. Nach dem Zweiten Weltkrieg erschienen viele schlechte Bücher über den Okkultismus im Nationalsozialismus, die die alten Mythen am Leben erhielten und meist sogar noch weiter auf die Spitze trieben. Praktisch niemand machte sich die Mühe, nachzuprüfen, inwiefern die Nazi-Esoterik britische Wurzeln hatte und wie die britische Spionage dadurch Einfluss in Deutschland gewinnen wollte.

Der britische Historiker Nicholas Goodrick-Clarke trennte in seinem wissenschaftlichen Standardwerk „Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus“ Mythen von Fakten, verfolgte aber keine Geheimdienstspuren in Richtung Britannien, was wenig überrascht, da er an der elitären Universität Oxford arbeitete, die eine Brutstätte der britischen Spionage ist. In seinem späteren Werk „Im Schatten der Schwarzen Sonne“ behandelte er die Neonazi-Szene und deren Esoterik, sowie die Überschneidungen mit der Szene der Verschwörungstheoretiker, ohne dabei zu enthüllen, wie die Ikonen der internationalen Neonazis mit dem britischen Adel und der angloamerikanischen Spionage verbunden waren und wie angloamerikanische Machtzirkel seit über 200 Jahren entscheidenden Einfluss ausüben auf die Verschwörungsliteratur.

Hitler fand früh Gefallen an Wagners schmalzigen Opern, narzisstischen Heldenfantasien und an der völkischen Esoterik mit Ideen von Vergöttlichung der nordischen Rasse durch Zucht und Ausrottung „Minderwertiger“, hatte aber andererseits auch Verachtung übrig für viele völkisch-esoterische Schwätzer, die keine echte Macht und keine einflussreichen Verbindungen besaßen. In „Mein Kampf“ warnte er vor „deutschvölkischen Wanderscholaren“, die von altgermanischem Helden-Kitsch schwärmen, aber vor „jedem kommunistischen Gummiknüppel“ fliehen:

„Sie sind im günstigsten Fall unfruchtbare Theoretiker, meistens aber verheerende Schwadroneure, und glauben nicht selten, durch wallenden Vollbart und urgermanisches Getue die geistige und gedankliche Hohlheit ihres Handelns und Könnens maskieren zu können.“

Man kann es als gesichert betrachten, dass er weite Teile seiner Auffassungen aus dem billigen Blättchen „Ostara“ des Lanz von Liebenfels bezogen hatte und darüber später kein Wort mehr verlor. Die Ostara war schwer beeinflusst von der Theosophie, die wiederum unter der Kontrolle stand von der Britin Annie Besant und dem Amerikaner Henry Olcott. Das britisch-amerikanische Establishment hatte das Interesse daran, mit Logen und Propaganda verdeckten Einfluss auszuüben in Deutschland.

Lanz von Liebenfels, der eigentlich gar kein Adeliger gewesen war, predigte den Rassenkampf, schmähte Mitgefühl und wollte Frauen unter strikter Kontrolle halten. Nur die Adeligen seien in der Lage, Fortschritt zu erzeugen und der Vergöttlichung näher zu kommen. In seiner Zeitschrift Ostara verwursteten verschiedene Autoren die Texte der britischen Theosophie-Anführerinnen Annie Besant und Helena Blavatsky. Letztere war in eine deutsch-russische Adelsfamilie hineingeboren worden und hatte sich vertieft in die Bibliothek ihres Urgroßvaters, eines Freimaurers mit rosenkreuzerischer Ausrichtung.

Hitler gab in „Mein Kampf“ zu, dass er in Wien den „granitenen“ Grundstein für seine Ansichten gefunden hätte und rassische Broschüren gelesen hätte, ohne jedoch explizit zuzugeben, dass es sich wohl nur um die Ostara gehandelt hatte. 1951 erklärte Lanz, dass Hitler ihn 1909 sogar besucht habe, um seine Hefte-Sammlung zu vervollständigen. Die Ähnlichkeiten zwischen Lanz‘ Publikationen und Hitlers Überzeugungen sind überdeutlich, auch wenn Hitler sich später nie zu Lanz bekannte und die NSDAP offiziell ohne Esoterik gestaltete. Dennoch blieben Lanz‘ narzisstische Grundideen erhalten, ohne dass die Nazis oder die Historiker später untersuchten, inwiefern diese Schriften direkt oder indirekt infiziert waren durch britische Propaganda.

„The Coming Race“ war ein einflussreicher rassistischer Roman von dem britischen Adeligen Edward Bulwer-Lytton, der in Cambridge studiert und mächtige Diplomaten in seiner Familie hatte. Seine Ideen einer geheimen Herrenrasse und der magischen Vril-Energie wurden von den Theosophen ernst genommen und weiterverarbeitet, was wiederum teilweise bei den deutschen völkischen Logen und Büchern hängen blieb. Später wurde behauptet, dass Professor Haushofer, der Geopolitik-Lehrmeister von Hitler und Heß, Mitglied einer geheimen Vril-Gesellschaft gewesen sei.

Dies ist nicht bewiesen, allerdings ist es nennenswert, dass Haushofer vehement eine Allianz zwischen Deutschland und Großbritannien befürwortete, was sich schließlich auch in Mein Kampf und in Heß‘ Denken niederschlug. Die Briten ließen die Nazis später im Zuge einer strategischen Täuschung eine ganze Weile lang im Glauben, eine solche Allianz ebenfalls zu befürworten. Der Sohn von Haushofer bandelte während dem Krieg mit den Briten an und wurde praktisch zum Überläufer und Spion.

Hitler schrieb auch einen begeisterten Brief an den amerikanischen Autor Madison Grant, der 1916 das Werk „Der Niedergang der Großen Rasse“ über Rassenhygiene veröffentlicht und an den elitären Universitäten Yale und Columbia studiert hatte.

Der Österreicher Guido von List predigte einen völkisch-esoterischen Brei namens „Ariosophie“ mit ähnlichem theosophischem Einschlag wie Liebenfels und wurde auch von Hitler gelesen. List war zwar nicht pauschal „der Mann der Hitler die Ideen gab“, wie später behauptet wurde, aber die Leitmotive des Sozialdarwinismus sind dennoch bei Hitler hängen geblieben.

Nach dem Ersten Weltkrieg gab es verstärkte Aktivitäten des Germanenordens und der Thulegesellschaft des Freiherr von Sebottendorf, wo völkisch-esoterische Propaganda zelebriert wurde und auch ein paar verdächtige Adelige Mitglieder waren. Aus diesen Kreisen heraus erfolgte die Gründung der Deutschen Arbeiterpartei, die dann zur NSDAP wurde, man zelebrierte völkische Esoterik, popularisierte Hakenkreuz und „Sieg Heil“. Sebottendorf hatte das Logenwesen in der Türkei gelernt bei einer wahrscheinlichen Tarnorganisation der Jungtürken-Bewegung, die mit Hilfe des britischen Imperiums den Sultan stürzte. Die Loge, die also Sebottendorf aufgenommen und ausgebildet hatte, war also mit einer hohen Wahrscheinlichkeit mit dem britischen Imperium verbunden und war auf das türkische Zielpublikum zugeschnitten. Sebottendorfs eigene Loge später in Deutschland war wiederum auf ein deutsches Zielpublikum zugeschnitten und man müsste hier der Frage nachgehen, ob auch dort die Briten aus dem Hintergrund heraus die Fäden zogen.

Thule und der Einfluss des Publizisten Dietrich Eckart, dem Hitler das Buch „Mein Kampf“ widmete, werden in der christlich gefärbten und antijüdischen Verschwörungsliteratur häufig mit Satanismus gleichgesetzt, auch wenn letztendlich keine physischen Belege und zuverlässige Augenzeugenberichte aufzutreiben sind für rituelle Menschenopfer oder gar die Herbeirufung von Dämonen. Auch war Eckart nie Mitglied bei Thule, wie es Verschwörungsbücher oft behaupteten, sondern hielt dort nur einen Gastvortrag. 1960 erschien das Buch „Le matin des magiciens“ von Louis Pauwels und Jacques Bergier und erklärte Eckart zum Satanisten, der Hitler in den Kult eingeführt hätte, was 1972 in „The Spear of Destiny“ von Trevor Ravenscroft noch viel weiter ausgeschmückt wurde. Letzterer war Brite und Anthroposoph, eine Splittergruppe der britisch dominierten Theosophen.

Die bereits in einem früheren Kapitel beschriebene britische Autorin Nesta Webster förderte in den 1920er Jahren nach Kräften die Sichtweise über eine jüdische Weltverschwörung und den jüdischen Kommunismus, der die Zaren in Russland gestürzt hätte. Die Rolle des britischen Imperiums wurde systematisch vertuscht. Die britische Theosophie-Chefin Annie Besant, die einen großen Einfluss hatte auf die deutschen völkisch-esoterischen Gruppen, stand der Fabian Society nahe, die im Auftrag des britischen Adels und britischer Großkapitalisten den Sozialismus in Europa als gesteuerte Opposition aufbaute. Die Ironie, dass Besant gleichzeitig den Sozialismus förderte und deutsche Ultrarechte inspirierte, die den Sozialismus als rein jüdische Verschwörung zur Eroberung der Welt betrachten, blieb unbemerkt.

Der Münchner Verleger Julius Lehmann, der einen erheblichen Einfluss auf Hitler und die NSDAP ausübte, besaß bereits 1905 Kontakte zu Rassenfanatikern in den USA und veröffentlichte einige Übersetzungen ins Deutsche. Noch bevor der Erste Weltkrieg endete, machte er bereits „die Juden und ihre alljüdische Presse“ für die deutsche Niederlage verantwortlich, obwohl doch eigentlich Großbritannien und die amerikanischen Nachschublieferungen Deutschland das Rückgrat brachen. Die britischen und amerikanischen Abteilungen für psychologische Kriegsführung und Propaganda hatten sicher ein brennendes Interesse daran, die Judenkarte zu spielen und den Deutschen einzureden, dass Juden die Schuldigen seien. Lehman belieferte Hitler mit deutschen Übersetzungen amerikanischer Bücher über Rassenhygiene wie Madison Grants „Untergang der großen Rasse“. In den USA gab es zu dem Zeitpunkt längst einen bürokratischen Apparat zur Sterilisation „Minderwertiger“.

Die bereits erwähnten Protokolle von Zion, die Hitler später mehrfach in Mein Kampf erwähnte, waren von einflussreichen Figuren in Großbritannien und den USA in der westlichen Welt popularisiert worden. Sogar Winston Churchill kommentierte zu den Protokollen, dass man „diese Richtung bei den Juden“ ja bereits seit den Tagen von Adam Weißhaupt kenne (der gar kein Jude war, sondern wahrscheinlich ein britischer Agent) und dass auch die Kommunisten der Neuzeit wie Marx oder Rosa Luxemburg jüdisch seien und Teil wären einer „weltumspannenden Verschwörung für die Überwältigung der Zivilisation“. Ob Churchill wusste, dass Weißhaupts Illuminaten eine Frontorganisation des britischen Imperiums waren und dass Britannien kräftig mitmischte im Sozialismus, ist nicht bekannt.

Vor 1919 war Hitler eher positiv gegenüber Juden eingestellt (seine Familie hatte einen jüdischen Hausarzt), danach negativ, was zum Teil der völkischen Propaganda geschuldet war, zum Teil aber auch an seinem Opportunismus gelegen haben könnte. In den 1920er Jahren feierten Hitler und die Nationalsozialisten die Schriften des amerikanischen Autobauers Henry Ford wie etwa die Reihe „Der Internationale Jude“. Ford wurde essentiell für die deutsche Kriegsproduktion und ließ eine halbe Million Exemplare der „Protokolle von Zion“ drucken.

Was bei Hitler und den bedeutenden Nationalsozialisten also definitiv hängen geblieben war, sind die (gruppen-)narzisstischen und psychopathischen Kerngedanken über ein arisches Regime, die Bekämpfung „niederer“ Rassen und Kommunisten, sowie große Sympathien für das „germanisch-stämmige“ britische Imperium und amerikanische elitäre Rassisten.

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