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Der Geführte: Hitlers Homosexualität und die Geheimdienste

Hitlers Beziehungsleben lässt sich offiziell in zwei Phasen einteilen: Das absolute und völlige Desinteresse an Frauen von seiner Teenagerzeit bis hin zum Putschversuch 1923 und der Inhaftierung in Landsberg; danach als Politiker im Rampenlicht umgab er sich oberflächlich mit ein paar Damen und führte eine leere Scheinbeziehung mit der höchst unglücklichen Eva Braun.

In „Mein Kampf“ verschwieg er so gut wie alles über sein Familien- und Privatleben und konnte dahingehend nichts vorweisen, was seiner Selbstinszenierung in irgendeiner Form genützt hätte. Fast jeder biss auf Granit, der versuchte, hinter Hitlers Fassade zu schauen und über Privates sowie die Vergangenheit zu sprechen. Er hatte sich eine gewisse Anzahl an lustigen und unverfänglichen Anekdoten über die früheren Zeiten zurechtgelegt und diese immer wieder und wieder exakt gleich erzählt. Mein Kampf, die Anekdoten, das Gerede, dass er wegen seiner Arbeit für Frauen einfach keine Zeit hätte, und schließlich auch drakonische Gesetze gegen jedes fiese Gerücht über ihn, sollten jede Diskussion und jede Untersuchung seines Privatlebens von vorneherein unterbinden.

In der NSDAP galt lange Zeit die inoffizielle Leitlinie, dass das Privatleben eines Funktionärs niemanden etwas angehe und Homosexualität geduldet sei, solange nichts davon an die Öffentlichkeit und die politischen Gegner dringt. Hitler pflegte seine engen Männerbünde, genauso wie der homosexuelle Ernst Röhm die Schaltstellen seiner SA mit Homosexuellen besetzte und eine Weile lang schien dieses System zu funktionieren, aber interne Machtkämpfe der Nationalsozialisten wurden von Anfang an ausgetragen mit Erpressungsmaterial über homosexuelle Beziehungen. 1924, kurz nach dem gescheiterten Putsch, der Hitler zu einer international bekannten Figur machte, jammerte er, dass durch seine Gegner sein „Leben durchprüft wird bis in die Zeit meiner […] Jugend“ und dass in die „geheimsten Familienangelegenheiten“ hineingeschnüffelt wird, in der Hoffnung, ihm den Garaus zu machen. Aber auch seine vermeintlichen Freunde wie der Gestapo-Chef Rudolf Diels oder Ernst „Putzi“ Hanfstaengl sammelten fleißig kompromittierendes Material und brachten dieses sogar ins Ausland.

Die berühmten Historiker wie Ian Kershaw interessierten sich schlicht nicht für die Persönlichkeit Hitlers und bezweifelten gar, dass er eine gehabt hätte, so als sei er nur eine Hülle gewesen voller Weltanschauung und Politik. Wenige und kaum beachtete Geschichtsbücher gingen auf die Homosexualität in der NSDAP ein, ohne dabei hohe wissenschaftliche Standards einzuhalten. Erst der deutsche Historiker Lothar Machtan lieferte 2001 mit „Hitlers Geheimnis – Das Doppelleben eines Diktators“ eine sehr tragfähige Studie, der kaum zu widersprechen ist und die auch deutliche Hinweise liefert über das Potential der politischen Erpressung. Allerdings betrachtete Machtan die Erpressungsversuche gegen Hitler nur als eine innerdeutsche Angelegenheit, die nach der großen Säuberungsaktion gegen Röhm und 150 weitere Mitwisser sowie nach diversen Schmiergeldzahlungen weitestgehend erledigt gewesen sei. Die vielen Datenlecks waren aber auch mit Hilfe der diktatorischen Befugnisse nach der Machtergreifung 1933 nicht mehr unter Kontrolle zu bringen, denn belastende Akten reichten zurück bis in seine Dienstzeit im Ersten Weltkrieg und sogar noch weiter zurück. Zu viele Figuren hatten Frühzeitig Akteneinsicht und die Motivation, gegen Hitler etwas in der Hand zu haben, wobei die persönliche Absicherung nur dann gegeben war, wenn das heikle Material im Ausland gebunkert wurde. Zu den heiß begehrten Daten zählten

  • mögliche Polizeiakten aus Hitlers Frühzeit als Künstler in Wien, dem österreichischen Mekka für Schwule. Die Polizei nutzte allerhand Spitzel in der Szene und Hitler könnte durchaus ins Netz gegangen sein
  • private, handschriftliche Briefe mit eindeutigem Inhalt
  • Hitlers Militärakten aus dem Ersten Weltkrieg und insbesondere alles über ein Verfahren wegen einer homosexuellen Beziehung im Krieg
  • mögliche Fotos von sexuellen Handlungen zwischen Hitler, Rudolf Heß und anderen in der Haft in Landsberg, wo diese besonderen Luxus-Häftlinge in einem eigenen Bereich mit modernem Badezimmer untergebracht waren
  • alles Belastende über Hitlers sexuelle Aktivitäten in München nach der Haft; die Phase seines politischen Aufstiegs
  • Belastendes aus dem Umfeld der persönlichen Entourage aus der späteren Phase Hitlers, wo er weit vorsichtiger agierte

Den größten Wert für Erpresser und für ausländische Geheimdienste hätten Fotoaufnahmen besessen, die Hitler unzweifelhaft bei sexuellen Handlungen zeigten und die nicht als Fälschungen oder Nacktbaden in der Natur abgetan werden konnten. Es gab viele Gelegenheiten, um solche Fotos verdeckt zu schießen, was eine typische Vorgehensweise von Geheimdiensten ist, und natürlich besteht auch die Möglichkeit, dass ein ausländischer Geheimdienst solche Fotos gekauft hat von Individuen aus der Schwulenszene.

Dass die bekannten Historiker wie Kershaw die Frage nach einer möglichen Spionagetätigkeit Hitlers oder anderer prominenter Nazis überhaupt nicht stellen, ist entlarvend und peinlich genug, aber auch die Weigerung, Hitlers Sexualität auf den Grund zu gehen, ist eine Art Schutzmauer, denn wenn Hitler schwul war, dann war er mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit mehrfach kompromittiert. Die Frage nach der Sexualität geht direkt über in die Frage nach einer möglichen Spionage.

Dass Hitler bereits als Teenager Künstler in einer Großstadt werden wollte, hing fast garantiert mit seiner Homosexualität zusammen und der Tatsache, dass in Wien und München eine lebhafte Schwulen- und Künstlerszene existierte. Eine biedere Beamtenkarriere zu verfolgen, so wie sein Vater es verlangte, war hingegen eine grauenvolle Vorstellung, da das Bürgertum abseits der Metropolen sehr engstirnig war und nur ein klassisches Familienleben akzeptierte.

Mit seinem sehr engen Freund und wahrscheinlichem Liebhaber August Kubizek lebte er eine Weile lang seinen Traum in Wien und lernte kennen, welche Cafés, Restaurants, Badehäuser usw. als heimliche Treffpunkte für Schwule genutzt wurden. Mit gleicher Kleidung im Partnerlook spielten sie die junge Boheme, machten gemeinsame Touren in die Natur und besuchten die Oper.  Nach der typischen Verliebtheitsphase hatte es zwischen den beiden dann nur noch gekriselt, da Hitler immer erst nachmittags aus den Federn kam und sich dann noch über das „Geklimper“ des fleißigen Musikstudenten Kubizek beschwerte. Während Hitler immer mehr von Politik und völkischer Esoterik schwafelte, war das Interesse seines Freundes an diesen Themen gleich null.

„Weiß Gott, wo er überall herumgelaufen war, wo er geschlafen und wie er gehungert hatte.“

Wien war ein Mekka für Schwule aus ganz Österreich und nach dem Skandal um Philipp Fürst zu Eulenburg, den damals besten Freund des Kaisers, war Homosexualität ein heftig umstrittenes Gesprächsthema im gesamten Land. 1913 kam noch die Enttarnung des Geheimdienstchefs Alfred Redl als Homosexueller und Spion dazu, der Kriegspläne an ausländische Mächte verkauft hatte, um seinen Luxus zu finanzieren. Zu den üblichen Vorurteilen gegen Schwule kam also noch der Generalverdacht dazu, dass jeder Schwule prinzipiell erpressbar sei und deshalb keine höhere gesellschaftliche Bedeutung erlangen dürfe. Nur bei den Künstlern war Andersartigkeit gesellschaftlich akzeptiert. Es dauerte fast 100 Jahre, bis sich herausstellte, dass Redl nicht unbedingt wegen Erpressung sein Land verriet, sondern ein Selbstanbieter war, der aus Gier handelte. Sicherlich hatte die österreichische Polizei ein Interesse daran, ein Spitzelnetz zu etablieren, um Listen von „Perversen“ zu erstellen. Gleichzeitig hatten die Schwulen ihre eigene geheime Welt etabliert mit Codes, getarnten Treffpunkten und diversen weiteren Mitteln der Abschirmung. Diejenigen Homosexuellen mit Geld, Einfluss und Beziehungen waren meistens älter und hatten durch ihren Status eine Anziehungskraft auf junge Homosexuelle aus einfachen Verhältnissen. Für eine stabile Künstlerkarriere und den Zutritt zu den höheren Gesellschaftsschichten brauchte es Beziehungen.

Am einfachsten war es, in Männerheimen und Obdachlosenasylen Kontakte zu knüpfen und herumzufragen, aber es war ebenfalls einfach für die Polizei, das Netz auszuwerfen und mit Strafandrohungen junge Männer zur Zusammenarbeit zu drängen.

Die Tatsache, dass Hitler sich offenbar die Nächte um die Ohren schlug und das Nachtleben in der Großstadt jahrelang wichtiger nahm als eine Karriere, vergrößerte die Wahrscheinlichkeit, dass er der Polizei ins Netz ging. Zudem suchte die österreichische Armee ihn zwecks Einberufung zum Militärdienst, machte aber jahrelang auffälligerweise fast keine sichtbaren Anstalten, ihn zu finden. Schwule im Militär waren erheblichen und brutalen Strafen und natürlich einer Stigmatisierung ausgesetzt, demzufolge existierte ein weiteres Druckmittel, das von der Polizei oder den Militärbehörden gegen Hitler hätte verwendet werden können. Wurde er erwischt, wäre er vor der Wahl gestanden, in den Knast zu gehen und danach den Militärdienst abzuleisten, oder aber zu kooperieren und in der Szene zu spitzeln. Wir wissen mit Sicherheit, dass Hitler nach dem Ersten Weltkrieg als V-Mann arbeitete und Kameraden ans Messer lieferte. Vielleicht war er in Wien für die Behörden als Spitzel nützlicher statt als Wehrdienstleistender und außerdem wurden Spitzel bezahlt.

Die romantische Beziehung zu Kubizek ist relativ gesichert und mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit waren Reinhold Hanisch und Rudolf Häusler aus den Männerwohnheimen ebenfalls Beziehungen Hitlers. Dazu kamen die Nächte, die er sich regelmäßig um die Ohren schlug sowie mehrere Monate, in denen er überall abgemeldet war und es keinerlei Hinweise auf den Aufenthaltsort gibt. Einige junge Männer prostituierten sich zeitweise oder längerfristig in den Großstädten, um finanziell zu überleben, wobei die Grenzen hierbei eher fließend verlaufen zwischen Gefälligkeiten, Beziehungen mit älteren betuchten Männern und klassischer Prostitution. Alle Beteiligten waren einem Risiko ausgesetzt, von jemand anderem erpresst oder verraten zu werden.

Historiker vermuteten für gewöhnlich Hitler als sehr arm und teils obdachlos in der Wiener Phase, dann wiederum als jemand, der doch immer um die Runden kam obwohl er sehr wenig arbeitete. Mit Häusler teilte Hitler sich in München, dem anderen Mekka für Schwule, fast neun Monate lang ein Zimmer, bis sich die Wege trennten auf Grund von Hitlers Jähzorn und seiner Rechthaberei. Der Justizassessor Ernst Hepp war eine Art Gönner, lud Hitler regelmäßig zu sich zum Essen ein, kaufte ihm Bilder ab, empfahl ihn weiter, schenkte ihm Karten für die Oper und half ihm dabei, 1914 ins deutsche Militär zu gelangen. Dennoch blieb Hitler ein Niemand und es ist nichts bekannt über Akten, die einen Spitzeldienst in der Wiener Zeit belegen. Nicht nur waren für die Behörden Informationen von Interesse über die Identitäten bisher unbekannter Homosexueller, sondern auch insbesondere Details über alle verdächtigen Durchreisenden und Migranten in billigen Unterkünften. In Wien verkehrten allerhand Ausländer sowie ausländische Agenten, die zwecks Anonymität gerne unter Tarnung in billigen Unterkünften übernachteten. Mit der entsprechenden Herangehensweise hätte man Hitler von einem solchen Deal überzeugen können, denn Hitler hasste bekanntermaßen die Migranten in Österreich und hätte den Spitzeldienst dementsprechend als Dienst am Vaterland betrachtet. Vielleicht entstand hier ein neues Selbstbild: Ich, der Agent. Der Wolf im Schafspelz, der unerwünschte Leute aufspürt. Ein gewaltiger Fortschritt vom Selbstbild des faulen und erfolglosen Künstlers wäre dies allemal gewesen.

Nur hin und wieder malte er ein paar Bilder oder Postkarten für Geld, wobei er dies nach einer photographischen Vorlage tat und sich nicht einmal die Mühe machte, sich vor das eigentliche Objekt zu setzen, um es zu malen. Er konnte nicht erwarten, ohne Ausbildung und Beziehungen ein ganzes Leben als Künstler zu führen in einer Stadt, wo es tausende weitere hungernde Künstler gab. In „Mein Kampf“ beschrieb er später in dramatischen Bildern, wie er in der ach so schlimmen Wiener Zeit die Härte des Lebens spüren und sich durchkämpfen musste wie so viele Männer aus der Arbeiterschaft, deren Anführer er gemäß der Vorsehung sein werde. Dennoch war er nicht wirklich einer von den Arbeitern, denn auf Baustellen oder in sonstigen Berufen hielt er es nur sehr kurze Zeit aus. Er musste nur hin und wieder ein paar Postkarten malen, um zusammen mit anderen, nicht vollständig bekannten Einkünften einen einfachen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Von Rauschning wird ein Zitat Hitlers überliefert, laut dem das ganze Leben nichts anderes als Krieg mit verschiedenen Mitteln sei. Ein Spitzeldienst hätte nicht nur für Hitler eine höchst willkommene Alternative dargestellt zum harten Brot gewöhnlicher ungelernter Arbeit, sondern er hätte es als Form der Kriegsführung betrachtet gegen die Überschwemmung Österreichs mit zumeist slawischen Migranten, Kommunisten und ausländischen Spionen.

1908 soll er sich gerüchteweise beim Sex in Wien mit Syphilis infiziert haben. In den vielen langen und wohl auch wilden Nächten in der Großstadt war eine Infektion kaum zu vermeiden und die medikamentöse Behandlung bestand aus Präparaten mit den Giftstoffen Quecksilber und Arsen. In „Mein Kampf“ widmete er später dem Thema Syphilis ganze 13 Seiten und bezeichnete es als „jüdische Krankheit“ wovon sich auch der Gedanke ableitet, die Juden an sich wären wie eine Krankheit. Sein strikter Vegetarismus, seine Ablehnung von Tabak und seine Alkoholabstinenz könnten der Versuch gewesen sein, die Folgen einer Ansteckung abzumildern. Es ist überliefert, dass er immerzu vermeiden wollte, von fremden Leuten berührt zu werden. Manche Historiker vermuten, Hitler hätte einfach nur neurotische Ängste vor Krankheitserregern gehabt. Sein späterer Leibarzt Morell notierte in seinem Tagebuch auffällige Symptome, die zu den fortgeschrittenen Stadien der Syphilis und den einhergehenden Hirnschäden passen.

Rund vier Jahre, nachdem er eigentlich zur Musterung hätte erscheinen müssen, spürten ihn die österreichischen Behörden endlich in Deutschland auf, musterten ihn aber schnell als untauglich und zu schwach aus, was ziemlich verwunderlich ist, da er sich wenige Monate später in Bayern zum Militärdienst meldete und prompt angenommen wurde. Die österreichischen Beamten waren sicherlich keine leichtgläubigen Tölpel, die sich einfach durch jammervolles Gerede von Hitler abwimmeln ließen. Nur ein triftiger Grund konnte zu seiner Ausmusterung geführt haben.

Der Historiker Lothar Machtan geht ausführlich ein auf Hitlers Militärdienst im Ersten Weltkrieg, während dem es wahrscheinlich eine durchgehende Beziehung gab mit dem Soldaten Ernst Schmidt. Praktisch alle Kameraden aus dem Regiment „List“ hatten später, als Hitler mächtig wurde, schöngefärbte Erinnerungen zu Protokoll gegeben, um den Mythos des Führers zu nähren; wie Adolf schon an der Front alle begeistert hätte mit seinen politischen Ansichten und wie man damals schon gemerkt hätte, dass aus ihm noch etwas ganz Großes wird.

Allerdings ließ der Soldat Hans Mend in seinem Buch immer wieder neben den obligatorischen, lustlos formulierten Lobhudeleien ein wenig durchscheinen, dass Hitler ein verschrobener Kerl gewesen war über den man sich lustig machte. Ein geheimer und komplett negativer Bericht von ihm über Hitler landete nicht nur bei Regimegegnern, sondern auch in London und in den Händen vom bayerischen General Karl Kriebel. Laut einer Notiz war das Dokument für den militärischen Geheimdienst „Abwehr“ von Admiral Canaris erstellt worden, wobei Generaloberst Beck (der Hitler loswerden wollte) und „einige ausländische Diplomaten“ Kenntnis davon erlangten. Sobald also Hitler nach dem Krieg in den 1920er Jahren zu Bedeutung gelangte, hätten diverse Personen, inländische Behörden und auch ausländische Geheimdienste ohne allzu große Mühe Nachforschungen anstellen und diese Zusammenhänge ergründen können. Widerständler in der Abwehr von Canaris sollen einen ganzen Haufen belastender Dokumente gesammelt haben, um Hitler eines Tages absägen und seinen Personenkult zerstören zu können. Während in den 20er Jahren die bayerischen Behörden noch keinen Grund hatten, Hitlers Ruf zu zerstören, so könnte einiges kompromittierendes Material auch ins Ausland gekommen sein zu den Archiven diverser Geheimdienste. Der Soldat Mend beschrieb, wie Hitler auf ihn den Eindruck eines „Psychopathen“ machte, nie mit der Waffe zu tun hatte, sondern nur hinter der Front alle drei Tage einen Botengang erledigte. Ernst Schmidt sei seine „männliche Hure“ gewesen und die beiden seien von ihren Kameraden im Heu erwischt worden. Ein festes Ziel oder eine feste Überzeugung hätte Hitler nicht gehabt. Wegen seinen öffentlichen Anspielungen und seinem Konfrontationskurs mit Hitler wurde Mend schließlich verhaftet und eingesperrt.

Nach dem Krieg schlugen sich Hitler und Schmidt, die im Krieg laut Mend eine Beziehung hatten, gemeinsam in München durch, wobei Hitler dann bald auf den schwulen Hauptmann Ernst Röhm stieß und dessen Spitzel wurde. Der Sicherheitsdienst von Heinrich Himmler soll ebenfalls einen Fall dokumentiert haben, bei dem Hitler während dem Krieg in Frankreich einem Offizier nackt Modell gestanden hätte und mit diesen ins Bett gegangen sei. Interessanterweise landete auch diese Info in den Händen eines Briten. Laut Rauschning gab es auch ein Verfahren im deutschen Militär gegen Hitler wegen sexuellen Handlungen. Sobald Hitler also unter der Schirmherrschaft von Röhm begann, in der Politik Fuß zu fassen, war er eigentlich bereits untragbar und mehrere Leute besaßen heikle Kenntnisse oder sogar dokumentarische Beweise, die ihn ruinieren konnten. Röhm konnte sich in der Folgezeit der Treue seines neuesten Zöglings gewiss sein, auf Grund von Geldern für die (NS)DAP aus einem Geheimfonds der Reichswehr, sowie durch belastende Informationen, aber sein Kontrollmittel der Information konnte bei einer undichten Stelle auch schnell das Kontrollmittel von jemand anderem werden. Spätestens nach dem gescheiterten Putschversuch galt Hitler im Inland und im Ausland als relevant und gefährlich, was auch den Marktwert für belastendes Material in die Höhe getrieben hätte.

Das Umfeld von Thule, in dem die (NS)DAP entstand, war wie bereits erwähnt, tief von Propaganda beeinflusst die mit Amerika und Großbritannien zusammenhing. Außerdem war der Chef der geheimen völkischen Loge Thule, Rudolf von Sebottendorf, ein mutmaßlicher britischer Agent. Es ist nicht weit hergeholt, dass Britanniens Spione in Deutschland ihre Quellen abklapperten nach Informationen zu Hitler, sobald dieser auf der politischen Bühne bedeutsam wurde. Gleichermaßen konnten Russlands Geheimdienste wahrscheinlich bei der Eroberung Münchens durch die Kommunisten Polizeiakten erbeuten und im Laufe der Zeit über Spionage verschiedene Quellen abschöpfen.

Erst als Hitler Reichskanzler wurde, konnte er die sechs Bände Polizeiakten aus München beschlagnahmen und vernichten, ohne dabei allerdings sicher zu sein, wer in den Jahren zuvor alles Zugang dazu hatte und Kopien anfertigen ließ. Der Reichswehrgeneral Otto von Lossow beispielsweise, der alles andere als begeistert war über Hitlers Putschversuch 1923, beschaffte durch „gute Freunde“ Akten vom Sittenamt bzw. vom Polizeipräsidium in der Ettstraße in München: Mehrere junge Männer hatten zu Protokoll gegeben, mit Adolf Hitler die Nacht verbracht zu haben, wobei meistens Hitler dafür auch noch Geld in Aussicht stellte. Sollte von Lossow oder seinen Offizieren etwas zustoßen, so musste Hitler damit rechnen, dass solche Akten automatisch im Ausland in der Presse landen würden. So etwas nennt man einen „Dead Man’s Switch“ und ist in der Welt der Geheimdienste ein gängiges Mittel. Hitlers Hass auf von Lossow ist gut dokumentiert und nie wagte es der Führer später trotz all seiner Machtfülle, von Lossow zu beseitigen. Für seinen Dead Man’s Switch brauchte der General aber Partner im Ausland, die vielleicht ihre ganz eigenen Pläne entwickelten für die Dokumente in ihrem Besitz.

Magnus Hirschfeld, der homosexuelle Arzt und Sexualwissenschaftler, sprach über Originalprotokolle über zwei Siebzehn- oder Achtzehnjährige samt Fotos, womit Hitler „einwandfrei festgelegt“ war, „im allerpersönlichsten Sinne“. Diese Protokolle habe er per Sonderkurier nach Moskau geschickt und was dort damit angestellt wurde, ist unbekannt. Zwar hätte Hitler nach seiner Machtergreifung peinliche Veröffentlichungen im Ausland als billige Fälschungen seiner Gegner abtun können, aber bei einer bestimmten Menge und Qualität des Materials und vor allem bei eindeutigen Fotoaufnahmen wäre das Spiel für ihn aus gewesen.

Ernst Röhm, der möglicherweise eine sexuelle Beziehung mit Hitler hatte, wird sich entsprechend abgesichert haben und irgendwann vor der Beseitigung Röhms und dem Rest der SA-Führung könnte Material auch an andere Orte verbracht worden sein.

Ein weiterer Gönner und Mentor Hitlers nach dem Krieg war der Esoteriker Dietrich Eckart, der als Künstler und Medizinstudent gescheitert war, morphiumsüchtig wurde und sich mit Theater und Politik über Wasser hielt. Sie wohnten in unmittelbarer Nachbarschaft und zogen gemeinsam durch die besseren Kreise Münchens, wobei Eckart immer die Instruktionen gab, wie man sich zu kleiden und sich zu verhalten hatte. Es sollte nicht überraschen, dass Eckart wenig von Frauen hielt. Spät heiratete er doch noch eine Frau, was aber nicht sonderlich lange hielt und keine Kinder hervorbrachte.

Ab November 1922 hielt der britische Generalkonsul Münchens namens William Seeds den Politiker Hitler zum ersten Mal für relevant und maß diesem eine größere Popularität im deutschen Volk zu als der General von Ludendorff verbuchen konnte. Ab da werden die britischen Spione wohl begonnen haben, Material zusammenzustellen über den neuen Star.

Aus dem Umfeld der rechten völkischen Thule-Gesellschaft stammte auch Rudolf Heß, mit dem Hitler seit 1924 eine äußerst enge Freundschaft verband, die auch eine sexuelle Komponente gehabt haben soll. Strasser outete Heß sogar öffentlich und Heß wurde auch von diversen hohen Parteifunktionären mit weiblichen Spitznahmen bedacht. Neben Hitler, Röhm, Eckart und Mayr traf Heß auch auf den Hochschullehrer Karl Haushofer, der das recht neue Feld der Geopolitik lehrte und in die Köpfe von Hitler und Heß eindrillte, dass Deutschland unbedingt eine enge Partnerschaft mit Großbritannien bräuchte. Diese politische Lehre Haushofers passte zu der kursierenden völkischen Propaganda über die gemeinsame nordische Rasse von Briten und Deutschen und passte zudem auch noch zu den Täuschungsmanövern britischer Geheimdienste, die weit bis in den Zweiten Weltkrieg hinein reichten und Nazideutschland vorgaukelten, die britische Elite (eine inoffizielle „Peace Party“) wolle eine Partnerschaft. Wegen dieser scheinbaren Absicherung über geheimdiplomatische Kanäle entschied sich Hitler später gegen den Willen seiner Generäle, die Sowjetunion anzugreifen und Heß machte seinen berühmten Flug nach Schottland. Der Sohn von Haushofer wurde gar ein Verräter und stellte sich auf die Seite seines britischen Kontakts mit dem er eventuell eine Liebesbeziehung hatte.

Nie und nimmer werden Historiker wie Kershaw oder die Rechtsrevisionisten die Spionagefrage bei Hitler und seinem nahen Umfeld stellen.

Der gescheiterte Putschversuch, bei dem die völkischen Nationalisten mit ihrem Frontmann Hitler die Regierungsgewalt in München an sich reißen und als nächstes einen Marsch auf Berlin durchführen wollten, hätte eigentlich das Ende von Hitlers Karriere und der noch recht jungen NSDAP bedeuten müssen. Eine lange Haftstrafe und die darauffolgende Ausweisung aus Deutschland wären eigentlich selbstverständlich gewesen, aber die Popularität Hitlers in der Bevölkerung hätte angeblich zu starke Proteste ausgelöst. Am schlauesten wäre es gewesen für die bayerische Regierung, eine Mischung zu nutzen aus Erpressung und Unterstützung, was wahrscheinlich auch so zum Einsatz kam. In der Haftzeit im Landsberger Gefängnis bewohnte Hitler eine Art Suite mit modernem Badezimmer, endlos heißem Wasser und der Möglichkeit, seine höchstwahrscheinlich schwulen Gefährten wie Heß zu empfangen. Alles was notwendig gewesen wäre, um Hitler künftig komplett kontrollieren zu können, war eine versteckte Foto- oder Filmkamera hinter einem Spion-Spiegel im Bad. Eine solche Aktion ist für Geheimdienste das Normalste der Welt und hätte bestes Material geliefert.

Der ebenfalls inhaftierte Heß schrieb begeistert an seine Mutter über die wunderbare „Einrichtung des uns immer zur Verfügung stehenden heißen Bades im modernen, nur für uns bestimmten Badezimmer“. Es fehlte nur noch die Minibar. Der Anstaltsleiter ermahnte sogar die Häftlinge, dass „Nacktkultur“ nur im gemeinsamen Vorraum gestattet sei, was vielleicht bedeutete, dass genau dort die versteckte Kamera war. Heß war zwar mit einer Frau verheiratet, allerdings war diese recht erstaunt darüber, dass sie wie eine Konfirmandin oder Klosterschülerin behandelt wurde.

2013 tauchten Aufzeichnungen auf von einem US-amerikanischen Militäroffizier, der nach dem Zweiten Weltkrieg Hitlers Ärzte Morell und Brandt befragt hatte. Hitler sei homosexuell gewesen und habe sich auch weibliche Hormone verabreichen lassen.1

Ein amerikanischer Geheimdienstbericht von 1943 sammelte Aussagen von Leuten aus Hitlers Umfeld, laut denen er impotent sei bei Frauen und einen masochistischen Fetisch hätte für Erniedrigungen und Exkremente, den er mit seiner eigenen Nichte Geli Raubal auslebte, bevor diese sich 1931 selbst umbrachte oder ermordet wurde. Geli wollte von der Berühmtheit ihres Onkels profitieren, während Hitler sie gezielt benutzte, um Gerüchte von einer gemeinsamen, heterosexuellen Beziehung zu streuen. Viel eher vergnügte er sich aber mit seinem Chauffeur und persönlichen Assistenten Emil Maurice, in den sich ausgerechnet Geli verliebte. Es kam zum Streit zwischen Hitler und Maurice, wobei letzterer sogar erwogen haben soll, Reportern der Frankfurter Zeitung die Wahrheit zu erzählen. Geli wurde zu einer Art Gefangenen und starb durch eine Kugel aus Hitlers Revolver.

Auch die Schauspielerin Renata Müller berichtete von masochistischen Anwandlungen, wie etwa die Aufforderung an sie, ihn zu treten während er vor ihr kniet. Schließlich verstarb auch Müller urplötzlich. Selbstmord durch Sprung aus einem Fenster, hieß es, wobei natürlich auch Mord in Frage kommt. Hitler ließ, um Gerüchten über seine sexuelle Orientierung entgegenzutreten, attraktive Schauspielerinnen einladen und erotische Tänzerinnen bestellen aber dabei wurde nur geredet und geguckt, niemals wirklich Hand angelegt. Beobachter berichten später von einem gemeinsamen Bett mit Eva Braun, die allerdings auch mehrfach Selbstmordversuche unternahm. Augenzeugen, die eindeutig Sex zwischen den beiden gehört oder gar gesehen haben wollen, gibt es nicht. Nach Gelis Tod erklärte Hitler, wegen dem tragischen Verlust und seinem zeitintensiven Kampf für Deutschland von Frauen fernzubleiben, was alles andere als überzeugend war, da er als Diktator vor dem Zweiten Weltkrieg in seinem Berghof und in anderen privaten Domizilen einige Stunden Freizeit täglich zubrachte mit Kinofilmen und nutzlosen Gesprächen. Es wäre also eigentlich jede Menge Zeit vorhanden gewesen für Beziehungen zu Frauen.

Ernst Röhm, der Chef der Sturmabteilung, machte aus seiner Homosexualität kein großes Geheimnis und soll versucht haben, Hitler mit Informationen über dessen Sexualität zu erpressen, worauf dann 1934 die berühmte Blitzaktion folgte, bei der Röhm und die SA-Führung eliminiert wurden. Röhm war kurz nach dem Ersten Weltkrieg mit dem Offizier Karl Mayr und anderen Militärs in der Organisation „Eiserne Faust“ tätig, während Hitler ein Spitzel (V-Mann) in der von Mayr geführten Politischen Abteilung des Nachrichtendienstes des Gruppenkommandos der Reichswehr war. In den verborgenen Schwulenszenen von München und Berlin soll Röhm seit 1924 verkehrt haben und vielleicht war es genau diese Münchner Szene gewesen, in der Hitler seit 1913 Erfahrungen sammelte und spitzelte.

Münchner Polizeiberichte aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, in denen junge Männer von Sex mit Hitler sprachen, wurden vor wenigen Jahren in Rom veröffentlicht von Eugen Dollmann, Himmlers Freund und Hitlers Übersetzer. Das Buch erschien aber nie in deutscher Sprache und kaum ein Historiker wagte sich daran, die Informationen einem deutschen Publikum zugänglich zu machen. Hitlers Favorit sei der hochgewachsene, gutaussehende Rudolf Hess gewesen, hinter dessen Rücken in Parteikreisen immer getuschelt wurde.2

Hitler und Röhm holten hohe Adelige wie August Wilhelm von Preußen und Prinz Philipp von Hessen in die SA, die von äußerster Gefährlichkeit waren, aber nie groß Verdacht erregten. August Wilhelm war selbst schwul, gab sich gegenüber den führenden Nazis als naiv und leicht zu beeindrucken und machte bei öffentlichen Auftritten sehr bedeutsame Werbung für Hitler, den er skeptischen Deutschen als Wohltäter verkaufen konnte. Standesgemäß heiratete August Wilhelm seine eigene Cousine, Prinzessin Alexandra Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg. Der verwandte britische Adel hatte ein Interesse daran, dass sich der erpressbare, manipulierbare und unfähige Hitler in Deutschland durchsetzen konnte.

Philipp wiederum war aus der Linie Hessen-Kassel des Hauses Hessen und als nationalsozialistischer Politiker Oberpräsident der preußischen Provinz Hessen-Nassau. Er heiratete 1925 Prinzessin Mafalda von Savoyen, deren Vater Viktor Emanuel III. König von Italien war und zunächst Mussolinis Faschismus stützte, später dann nach Beginn der alliierten Invasion Siziliens Mussolini absägte. Philipp hatte eine wichtige Vermittlerrolle zwischen den Nazis und Mussolini und diente an den offiziellen Kanälen vorbei als äußerst wichtiger Diplomat, bis er 1943 mit seiner Frau Mafalda inhaftiert wurde, als deren Vater sich gegen Mussolini stellte. Zu seinen Verwandten zählten natürlich auch Sachsen-Coburg und Gotha.

Die NSDAP war mit antisemitischer Propaganda über eine jüdische Weltverschwörung indoktriniert worden und deshalb versteifte man sich darauf, mit nachrichtendienstlichen Methoden Jagd zu machen auf Parteifunktionäre, die eventuell einen entfernten jüdischen Vorfahren hatten. Versäumt wurde es hingegen, eine grundlegende und professionelle Spionageabwehr aufzubauen. Auf diesem Gebiet waren die NSDAP-Bosse geradezu Anfänger und es wurde zunächst Röhm zum Verhängnis, denn linke Zeitungen veröffentlichten im März 1932 massenhaft die Inhalte von vertraulichen Briefen über seine Homosexualität, die er Jahre zuvor geschrieben hatte, sowie eine Auflistung von Vorstrafen diverser Anführer der SA. Ausgerechnet ein Mitbegründer der SA namens Helmuth Klotz hatte sogar Faksimile veröffentlicht, in denen Röhms Handschrift für jeden erkennbar war. 1933 floh er nach Frankreich, wurde sieben Jahre später geschnappt und gestand unter der Folter, dass Beamte des preußischen Innenministeriums hinter der Aktion steckten, von denen aber Rudolf Diels heimlich mit Hitler sympathisierte. Über diesen Umweg konnte Hitler an dem Stuhl des untragbar gewordenen Röhm sägen. Was sich zunächst anhört wie ein gelungenes Stück Spionage Hitlers und Diels, war allerdings von zweifelhaftem Wert für die NSDAP. Diels durfte danach zwar die Geheimpolizei aufbauen, sammelte aber allem Anschein nach belastendes Material über verschiedene Parteigrößen und bunkerte diese Informationen im Ausland. Dies war seine persönliche Absicherung, sein Dead Man’s Switch, wobei natürlich Vermutungen anzustellen sind, ob möglicherweise Kontaktpersonen von ihm im Ausland mit Zugriff auf dieses Erpressungsmaterial Käufer suchten unter den Geheimdiensten von Deutschlands Gegnern. Nach dem Krieg arbeitete Diels für die amerikanische Militärregierung. Ob er bereits während dem Krieg mit den Amerikanern kooperierte, ist natürlich theoretisch denkbar. Man sieht wieder einmal, dass die Nazis informationstechnisch so löchrig waren wie ein Sieb. Nicht nur Röhm und sein homosexuelles SA-Führungspersonal gerieten unter die Räder, sondern auch Hitler landete im Visier gut informierter Gegner wie etwa des Berliner Polizeipräsidenten Grzesinski, der im März 1933 in die Schweiz floh, dann nach Frankreich und schließlich in die USA. Die NSDAP wurde bei den vorgezogenen Reichstagswahlen 1932 die stärkste politische Kraft Deutschlands, aber die Partei war innerlich heftig zerstritten und an allen Ecken und Enden wurde für innerparteiliche Kämpfe belastendes Material gesammelt, das vielleicht auch den Weg ins Ausland fand und dort bei Geheimdiensten landete.

Um an Druckmittel gegen Hitler zu gelangen, kontaktierte Röhm seinen alten Kollegen, den Nachrichtendienstoffizier Karl Mayr, der Hitler nach dem Ersten Weltkrieg als Spitzel und Agitator ausgebildet hatte. Mayr war mittlerweile zum Lager der SPD übergewechselt und verfügte eventuell noch über belastendes Material über Hitler aus der Münchner Zeit. Kurt von Schleicher, der Reichswehrminister und der letzte Kanzler der Weimarer Republik gewesen war, besaß Hitlers Militärakte und konnte den Militärgeheimdienst „Abwehr“ für weitere Nachforschungen nutzen.

Auf einmal konnte Röhm zurückschießen und Hitler zu Zugeständnissen zwingen, was wiederum Hitlers Plan reifen ließ, einen überraschenden Enthauptungsschlag bei der SA durchzuführen und dabei rund 150 Personen erschießen zu lassen, die von Hitlers Homosexualität gewusst und Beweise besessen haben könnten. Nach dieser Säuberungsaktion, bei der allerhand Tresore aufgebrochen wurden, verschärfte Hitler die Gesetze gegen Schwule und gegen schädigende Äußerungen gegen den Führer.

Wie viele Opfer dieser Blitzaktion hatten aber vorgesorgt mit einem Dead Man’s Switch, der Lagerung von wichtigem Material im Ausland bei vertrauten Personen, die sich im Ernstfall sofort an die Presse wenden sollten? Es ist vollkommen belegt, dass Ernst Hanfstaengl und Kurt Lüdecke später noch aus dem Ausland glaubhafte Drohungen ausstießen und sich ihr Schweigen teuer bezahlen ließen. Auch Gestapo-Chef Diels ließ durchscheinen, dass seine Dossiers sicher im Ausland liegen. Hitlers Unternehmungen, um möglichst alle Informationslöcher zu stopfen, waren genauso sinnlos wie es heutzutage der Versuch wäre, ein peinliches Pornovideo oder ein Daten-Leak aus dem Internet zu tilgen.

Aber kein Historiker ist der Frage nachgegangen, ob ausländische Geheimdienste an ausreichendes Material gelangten und dieses auch tatsächlich einsetzten, um Hitler zu erpressen.

Der Historiker Lothar Machtan schreibt, dass Hitler bei seiner Rede im Reichstag am 13. Juli 1934 immer noch besorgt gewesen sein müsse, dass sich „irgendwo im Ausland Tresore öffnen und vernichtendes Material preisgeben könnten“. Hitlers dahingehende Befürchtungen seien nicht eingetroffen, hält Machtan fest, was aber nur zum Teil stimmt. Tatsächlich gab es keine öffentlichen Kampagnen im Ausland, die auf vernichtendes Material zurückgriffen, allerdings hätten die ausländischen Mächte von einer solchen offenen Kampagne abgesehen, weil sonst nach einem Sturz Hitlers und anderer NS-Größen die deutlich fähigeren deutschen Generäle die Macht übernommen hätten.

Die Karte hätte zunächst eher subtil und indirekt gespielt werden können, bei einem persönlichen Treffen, bei dem beispielsweise ein britischer Diplomat Hitler ein bisschen belastendes Material aushändigt und behauptet, dass man es in Großbritannien oder der Schweiz beschlagnahmt hätte bei dem Kontaktmann eines deutschen Hitler-Gegners. So hätten die Briten auf eine nicht feindselig wirkende Weise ihren Besitz von solchem Material zu erkennen gegeben und sich gleich noch als Freund und Helfer präsentiert.

Die Rollen von Ernst Hanfstaengl und Kurt Lüdecke haben hier besondere Bedeutung. Lüdecke arbeitete für Henry Ford, den amerikanischen Auto-Mogul, der einen eigenen Geheimdienst aufgebaut hatte, die NSDAP mit Geld und antisemitischer Propaganda versorgte und Fahrzeugfabriken in Deutschland etablierte, die später kriegswichtig wurden. 1922 brachte Lüdecke Fords Buch „Der internationale Jude“ mit nach Deutschland und konnte so Kontakte knüpfen zu hohe NS-Funktonären, trotz deren Misstrauen ihm gegenüber, und allerhand belastende Informationen sammeln mit denen er später aus dem Ausland ernstzunehmende Erpressungsversuche startete. Der Historiker Machtan geht davon aus, dass Lüdecke letztendlich mit Schweigegeld zufrieden war, stellt aber nicht die Frage, ob er sein Material einfach verkauft oder ausgehändigt hat an amerikanische Geheimdienste.

Hanfstaengl hatte an der Elite-Universität Harvard studiert und bahnte sich seinen Weg in das Umfeld des Führers, wobei er auch Belastendes sammelte und immer wieder versuchte, Hitler direkt zu Privatangelegenheiten zu befragen. Später pflegte er Kontakte zu dem amerikanischen Zeitungsmogul William Hearst und zu Lord Beaverbrook, dem das Blatt „Daily Express“ gehörte, wo Artikel erschienen mit gehässigen Andeutungen über Hanfstaengls und Hitlers Sexualität. Anstatt Hitlers Ruf effektiv zu schützen, bewirkten Hanfstaengls Aktivitäten eher das Gegenteil und er wurde untragbar für die Nazis, worauf er wie Lüdecke Erpresserbriefe schrieb und schließlich nach London flüchtete. Er machte zwar seine Drohung, sein Material an die Öffentlichkeit zu bringen, nicht wahr, vertraute sich aber spätestens 1942 dem amerikanischen Geheimdienst an. Davon überliefert sind nur Dinge, die er persönlich den amerikanischen Agenten erzählte aber man kann getrost davon ausgehen, dass er auch Akten oder sogar einschlägige Fotos lieferte. Hitler hatte bei Kriegsbeginn 1939 einen letzten erfolglosen Versuch gestartet, Hanfstaengl wieder zu kaufen und ihn zur Rückkehr nach Deutschland zu bewegen.

Quellen:

[1] http://www.washingtonexaminer.com/nazi-doctors-hitler-was-gay-took-female-hormones/article/2517746

[2] http://www.irishexaminer.com/lifestyle/features/the-peculiar-sex-life-of-adolf-hitler-offers-insight-into-the-dictators-gay-partners-391500.html

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